„Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen“

Wer Gott sucht, wird im Frieden geleitet werden.

In Freuden ausziehen aus der Gefangenschaft – das verheißt Gott seinem Volk. Wenn einer frei wird, zum Beispiel aus alten seelischen Bindungen, die ihn krank gemacht haben, kann das auch Angst machen. Deshalb ist es gut, auf einem neuen Weg „im Frieden geleitet“ zu werden, um selber Verantwortung für sich zu übernehmen.

Zypessen an einer Straße der Toscana

„Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen“ (Foto aus der Toscana: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am Sonntag Sexagesimae, den 19. Februar 1995, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen im Gottesdienst in unserer Klinik-Kapelle! Jeden Sonntag hören wir im Gottesdienst das Wort Gottes; heute ist dieses Wort Gottes selber das Thema unserer Lieder und auch der Texte aus der Bibel. Was will das Wort Gottes uns sagen, wie will es uns persönlich ansprechen, darum geht es heute im Gottesdienst.

Als erstes Lied singen wir das Morgenlied 445 aus dem neuen Evangelischen Gesangbuch, die Strophen 1-2 und 5-6:

1) Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt und, was drinnen ist, erhält:

2) Gott, ich danke dir von Herzen, dass du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht, dass des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist.

5) Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.

6) Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 119:

89 HERR, dein Wort bleibt ewiglich, / so weit der Himmel reicht;

90 deine Wahrheit währet für und für. Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen.

91 Sie steht noch heute nach deinen Ordnungen; / denn es muss dir alles dienen.

92 Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, / so wäre ich vergangen in meinem Elend.

105 Dein Wort ist meines Fußes Leuchte / und ein Licht auf meinem Wege.

116 Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, / und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, es gibt Menschen, die haben einen unerschütterlichen Glauben. Manchmal beneiden wir sie, und manchmal machen sie uns auch ein bisschen Angst. Denn wenn wir an uns selber denken, dann wissen wir genau: wir sind nicht immer stark, auch im Glauben nicht. Manchmal kommen wir uns ganz verloren vor. Und gelegentlich haben wir auch Angst vor dir, wenn wir nicht recht wissen: was verlangst du von uns? Was müssen wir tun, um dich zu finden? Gott, sprich zu uns, sag uns dein Wort, damit wir an dich glauben, damit unser Vertrauen zu dir wachsen kann.

Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Matthäus 13, 31-33:

31 Ein Gleichnis legte [Jesus] ihnen vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte;

32 das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, so dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.

33 Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Wir singen zur Gitarre das Lied 590, 1-3:
Herr, wir bitten: Komm und segne uns
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Wir hören den Predigttext aus dem Prophetenbuch Jesaja 55, 6-13:

6 Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist.

7 Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.

8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,

9 sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

10 Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen,

11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein; Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

12 Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.

13 Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.

Liebe Gemeinde!

Wer vor drei Wochen hier im Gottesdienst war, erinnert sich vielleicht: Da habe ich schon einmal über diesen Propheten Jesaja gepredigt. Es geht um den Jesaja, der zu seinem Volk Israel in einer schweren Zeit redet, in der Zeit, als das Volk weit weg im Ausland lebt, im Lande Babylon. Das Land Israel war vor siebzig Jahren überfallen worden, die Stadt Jerusalem und der schöne Tempel waren seitdem zerstört, und die Juden waren vertrieben worden. Ein fremdes Volk herrschte hier in Babylon über sie, Menschen, die an fremde Götter und Göttinnen glaubten. Und manchmal erschien es den Juden, als ob sie nichts mehr zu hoffen hätten, als ob Gott nicht mehr zu seinem Volk halten würde, als ob er gar nicht mehr da wäre.

In dieser Zeit macht Jesaja seinem Volk Mut. Er weiß, dass Gott nicht tot ist, dass Gott seinem Volk gerade jetzt nahe ist, wo es scheinbar keine Hoffnung mehr gibt:

6 Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist.

Dieser Satz ist zu Menschen gesagt, die sich im Grunde ihres Herzens nach der Nähe Gottes sehnen und die dennoch zweifeln: Gibt es Gott überhaupt? Hört er uns, wenn wir zu ihm beten? Kann man ihn überhaupt finden?

Jesaja behauptet: Er lässt sich finden. Er ist nahe, gerade jetzt.

Ein bisschen merkwürdig ist in diesem Satz das Wort „solange“. „Solange er sich finden lässt“, „solange er nahe ist“. Soll das bedeuten, dass Gott irgendwann nicht mehr nahe ist und es irgendwann zu spät ist, ihn zu suchen? Ich habe einmal im hebräischen Urtext nachgeschaut, welches Wort Martin Luther mit diesem „solange“ eigentlich übersetzt hat. Vor 23 Jahren habe ich als junger Theologiestudent auch einmal ein Semester lang Hebräisch gelernt, und mit Hilfe eines Lexikons habe ich diesen Satz dann auch rausgekriegt. Und da war ich etwas überrascht. Denn wörtlich übersetzt lautet der Satz so: „Sucht den Herrn in seinem Sichfindenlassen, ruft ihn an in seinem Nahesein.“

Es geht also gar nicht darum, dass Gott nur eine begrenzte Zeit nahe ist und sich finden lässt. Vielmehr kommt es Jesaja einfach darauf an: Er lässt sich finden, er ist näher als wir denken, jetzt ist er da. Auch uns gilt dieses Wort jeden Tag neu: „Sucht den Herrn, er ist zu finden; ruft ihn an, er ist nahe.“

Im nächsten Vers spricht Jesaja dann von Gottlosen und Übeltätern. Vielleicht will er sagen: Passt auf, Leute, wenn ihr hier in der Fremde Gott vergesst! Es gibt noch eine schlimmere Gefangenschaft als die äußere Unterdrückung des Volkes in Babylon. Wer ohne Gott lebt und wer in seinem Herzen auf böse Gedanken kommt, ist noch tiefer und schwerer gefangen als einer, der im Gefängnis leben muss.

Aber Hoffnung gibt es auch für Gottlose und Übeltäter, davon ist Jesaja überzeugt:

7 Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.

Was ist denn ein Gottloser? Ein Mensch, der seinen Weg ohne Gott geht, mag sehr einsam sein. Er meint, durch eigene Anstrengung den Sinn seines Lebens finden zu müssen. Er sucht vielleicht im Erfolg seiner Arbeit sein Lebensglück. Er möchte vielleicht etwas ganz Besonderes im Leben darstellen. Und immer wieder muss er erleben: Innerlich bleibe ich leer, mir fehlt etwas, und ich weiß nicht einmal was.

Wie schön ist es für diesen Menschen, wenn er von diesem Wege lassen kann, wenn er diesen Krampf loslassen kann, sein eigenes Glück ganz alleine selber schaffen zu müssen. Wie schön ist es für ihn, wenn er sich Gott anvertrauen kann!

Und was ist ein Übeltäter? Er ist einer, der Böses tut. Und Menschen, die Böses tun, sind wohl im Grunde einfach verzweifelte Menschen. Ihre Gedanken zielen verzweifelt darauf ab, sich ihren Anteil am Lebensglück zu nehmen, wo sie es kriegen können, weil sie denken: Es wird einem im Leben ja doch nichts geschenkt. Das kann verbunden sein mit einem Hass auf andere Menschen. Warum soll es irgendeinem anderen besser gehen als mir? Und wenn jeder nur an sich selber denkt, warum soll man dann nicht auch den anderen ausnutzen können, wie es eben geht?

Wie schön ist es, wenn solch ein Mensch von seinen bösen Gedanken lassen kann, wenn er sich einfach in die Hände Gottes fallen lassen und seine Vergebung annehmen kann.

An dieser Stelle halten wir inne im Text und singen das Lied 620,1-3:
Gottes Liebe ist wie die Sonne

Liebe Gemeinde, es mag nun damals wie heute Leute gegeben haben, die zu dem, was Jesaja ihnen sagt, zweifelnd den Kopf geschüttelt haben: Nein, nein, böse bleibt böse und gut bleibt gut. Vor allem, wer sich von anderen Menschen ungerecht behandelt fühlt, der fragt sich vielleicht manchmal: Warum straft Gott eigentlich nicht die Bösen? Den guten Menschen geht es ja oft viel schlechter als den Übeltätern. Und hier spricht Jesaja nun davon, dass Gott den Übeltätern Vergebung anbietet und auch den Gottlosen nahe sein will. Kann das denn stimmen?

Jesaja ist ein Prophet. Das heißt: Gelegentlich hört er in seinem Innern die Stimme Gottes, die heilsame, gute Worte sagt. Und er, der Prophet, soll diese Worte seinen Zuhörern weitersagen. Hier sagt nun Jesaja, warum Gott in dieser Frage anders denkt und andere Wege geht als wir Menschen:

8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,

9 sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Gott ist vom Menschen himmelhoch verschieden, so weiß es Jesaja. Und gerade weil er so hoch über uns ist, kann er uns so unbegreiflich nahe sein. Kein Mensch muss in Einsamkeit gefangen oder auf seine Schuldgefühle festgenagelt bleiben. Jeder Mensch kann seine Chance nutzen, seinen Lebensweg zu überdenken und sich wieder auf Gott zu besinnen.

Wir müssen aufpassen, dass wir diesen Gedanken nicht falsch verstehen. „Gottes Gedanken sind höher als unsere, seine Wege sind höher als unsere.“ Man könnte denken: Dann bleibt Gott unberührbar und weit weg von uns, wir können ihn überhaupt nicht verstehen, und er braucht sich auch nicht um uns zu kümmern.

Aber im Gegenteil: dieser Gott, der so hoch über uns steht wie die Sterne des Weltalls, Lichtjahre entfernt von unserem menschlichen Zugriff, der will den Kontakt mit uns. Der schafft eine Beziehung zu uns. Er kann den Abstand zu uns ganz leicht überbrücken. Er spricht zu uns ein Wort, sagt Jesaja. Und dieses Wort hat auch Erfolg, es zeigt Wirkung, es führt zu einem Gespräch Gottes mit uns Menschen. Gott spricht nicht nur zu uns, es gibt auch Menschen, die ihm zuhören, die ihm antworten, die sich ihm anvertrauen.

Dieser Gedanke wird bei Jesaja in einem schönen Bild ausgedrückt, im Bild des Regens und des Schnees:

10 Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen,

11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein; es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

Regen und Schnee fallen auf unsere Erde und kehren nicht leer wieder in den Himmel zurück. Die Feuchtigkeit macht die Erde fruchtbar und lässt etwas auf ihr wachsen. Davon bekommen die Menschen Brot und sogar neuen Samen, um wieder neu aussäen und ernten zu können.

Ähnlich ist es mit dem Wort, das Gott zu uns Menschen spricht. Es fällt auf den Boden unserer Seele und „feuchtet ihn“ sozusagen, es macht unser verhärtetes Herz weich, und wir werden offen für das, was Gott uns sagen will. Und dann wird Gottes Wort zum Brot für unsere Seele. Unser Hunger nach Liebe wird gestillt. Dass der große Gott uns liebhat, das lässt unser unruhiges Herz endlich Ruhe finden.

Und auch neuen Samen lässt Gottes Wort wachsen. Neuer Same, das sind gute Worte, die wir wieder weitersagen, das ist Liebe, die wir spüren und die wir wieder weitergeben. Wer auf dieser Welt von Gottes Barmherzigkeit angerührt wurde, wird barmherzig sein mit sich selbst und mit den anderen Menschen. Nein, das Wort der Liebe kehrt nicht leer zu Gott zurück – es rührt immer wieder Menschen an.

Ein weiteres Mal unterbrechen wir die Predigt für ein Lied. Jetzt singen wir Nr. 196, 1-2 und 5-6:

1) Herr, für dein Wort sei hoch gepreist, lass uns dabei verbleiben und gib uns deinen Heilgen Geist, dass wir dem Worte gläuben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmut, Ehre, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen.

2) Öffn uns die Ohren und das Herz, dass wir das Wort recht fassen, in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; dass wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Täter sein, Frucht hundertfältig bringen.

5) Dein Wort, o Herr, lass allweg sein die Leuchte unsern Füßen; erhalt es bei uns klar und rein; hilf, dass wir draus genießen Kraft, Rat und Trost in aller Not, dass wir im Leben und im Tod beständig darauf trauen.

6) Gott Vater, lass zu deiner Ehr dein Wort sich weit ausbreiten; hilf, Jesu, dass uns deine Lehr erleuchten mög und leiten; o Heilger Geist, dein göttlich Wort lass in uns wirken fort und fort Glaub, Lieb, Geduld und Hoffnung.

Liebe Gemeinde, zum Schluss hört Jesaja noch eine wundervolle Verheißung von Gott für sein vertriebenes, unterdrücktes Volk in Babylon:

12 Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.

13 Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.

In Freuden ausziehen aus der Gefangenschaft, in Frieden geleitet werden – das verheißt Gott seinem Volk. Jeder freut sich, wenn er frei wird, wenn er zum Beispiel aus alten seelischen Bindungen, die ihn krank gemacht haben, ausbrechen kann. Manchmal macht Freiheit aber auch Angst. Deshalb ist es gut, auf einem neuen Weg auch Begleitung und Leitung zu erfahren. Das muss nicht zu einer neuen Abhängigkeit führen, sondern wer „im Frieden geleitet“ wird, kann lernen, selber Verantwortung für sich zu übernehmen.

Für den, der frei wird von Abhängigkeit, von Schuld, von seelischen Zwängen, sieht die Welt dann plötzlich anders aus. Es ist, als ob die Sonne heller strahlt, als ob nicht einmal jeder Regentag einem die Stimmung verderben kann. Jesaja spricht davon, dass bei der Heimkehr seines Volkes in das Land Israel sogar die Berge und Hügel jubeln und dass die Sträucher und Bäume in die Hände klatschen. Obwohl der Weg nach Hause mitten durch die Wüste führt, wird es sein, als ob auf einmal „Zypressen statt Dornen“ und „Myrten statt Nesseln“ am Wegrand wachsen. Unser Lebensweg kommt uns nicht mehr nur steinig und dornig vor, sondern wie der Weg durch ein fruchtbares und schönes Land, und wir müssen nicht stöhnen unter der Last unseres Lebensweges, sondern können uns immer wieder auch freuen an der Schönheit der Schöpfung Gottes, durch die uns unser Weg hindurchführt.

Das Volk damals wurde wirklich frei. Das babylonische Weltreich wurde von den Persern besiegt, und der persische König Kyros ließ die Juden wieder in ihre Heimat ziehen. Jesaja sah damals darin ein Zeichen dafür, dass Gottes Ruhm niemals vergehen würde. Für andere Götter wurden Standbilder aufgestellt, siegreichen Feldherren wurden Denkmäler gesetzt, aber diese Denkmäler sind alle überbietbar und vergänglich.

Was Gott für Menschen tut, ist dagegen wahrhaft ewig und unvergänglich: Immer wieder führt er Menschen aus Unfreiheit und Ungeborgenheit heraus. Immer wieder lässt er Menschen sein Wort der Barmherzigkeit spüren, auch heute noch. Immer wieder führt er Menschen in die Verantwortung hinein und lässt Vertrauen wachsen auch in uns. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen zur Gitarre das Lied 627, 1-3:

Schalom, Schalom! Wo die Liebe wohnt, da wohnt auch Gott

Barmherziger Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus, mach uns frei von dem, was uns belastet, lass uns leben im Vertrauen zu dir, vergib uns unsere Schuld und nimm auch all die Schuldgefühle von uns weg, für die wir gar nichts können. Hilf uns dabei, unser Leben verantwortlich zu gestalten, gut für uns selber zu sorgen und barmherzig gegenüber unserem Nächsten zu sein. Und wenn wir anderen davon erzählen, dass wir an dich glauben, dann lass uns glaubwürdig sein. Hilf, dass wir niemanden unter Druck setzen, sondern dass wir barmherzig sind auch mit denen, die zweifeln. Amen.

Gemeinsam beten wir mit den Worten, die uns unser Herr Jesus Christus gelehrt hat:

Vater unser

Wir singen zum Schluss das Lied 157:

Lass mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr, von dir lass mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr. Herr, lass mich nur nicht wanken, gib mir Beständigkeit; dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit.

Abkündigungen

Nun geht hin mit Gottes Segen:

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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