Offen für Verantwortung

Offener Himmel und offene Ohren.

Wenn ich taub für Gott bin, dann steht vielleicht meine Bibel im Schrank, ich kriege aber nicht mit, dass im dicken Buch Worte drinstehen, die mich ansprechen und herausfordern könnten. Oder ich sitze im Gottesdienst und höre von vorn irgendwelches Blabla, ohne zu merken, was der Mann in Schwarz vielleicht mir persönlich sagen will.

Jesus blickt zum Himmel

Jesus seufzt und blickt zum Himmel, als er einen Taubstummen heilen will (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst mit der Einführung des neuen Kirchenvorstands der evangelischen Paulusgemeinde Gießen am Beginn der Amtsperiode 2003-2008 am 12. Sonntag nach Trinitatis, den 7. September 2003, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug des Kirchenvorstandes

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Namen des Kirchenvorstandes, der am 27. April gewählt wurde und dessen Amtszeit heute beginnt, begrüße ich Sie herzlich zu diesem Abendmahlsgottesdienst mit dem Thema: „Offen für Verantwortung“. Wir freuen uns, dass Herr Pfarrer Schütz uns heute in unseren Dienst in den kommenden sechs Jahren einführt und bitten Gott um seinen Segen für die Paulusgemeinde und alle, die in ihr mitarbeiten.

Dies ist ein festlicher Gottesdienst, und wir beginnen ihn mit dem festlichen Lied 269:
Christus ist König, jubelt laut!
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

„Offen für Verantwortung“ heißt dieser Gottesdienst. Wir ver-antworten uns vor jemandem, auf den wir bereit sind zu hören. Als Christen ver-antworten wir uns vor Gott. Seine Stimme hören wir in den vielen Stimmen der Bibel, in den Worten der Apostel und Propheten, und im fleischgewordenen Wort Gottes selbst, in Jesus Christus.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir können nur hören, wenn unsere Ohren offen sind. Jesus sagt (Lukas 8, 8):

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Dass er uns die Ohren öffnet, darum bitten wir Gott, von dem Hiob sagt (Hiob 12, 22):

Er öffnet die finstern Schluchten und bringt heraus das Dunkel ans Licht.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wer hören kann, kann auch antworten und sich ver-antworten. Wer Gottes liebevolle Stimme hört, antwortet ihm gern mit liebevollen Taten, mit eigenen Worten, bekommt Mut, aus sich herauszugehen. Sogar Stumme können reden, heißt es im Buch der Weisheit 10, 21:

Denn die Weisheit öffnete den Mund der Stummen und machte die Sprache der Unmündigen verständlich.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, heile uns, wenn wir zu sind für deine Liebe. Öffne unsere Ohren und unser Herz für Trost und neuen Mut. Schenke uns Menschen, die vertrauenswürdig sind, und löse unsere Zunge, wenn wir zu viel Angst davor haben, uns ihnen anzuvertrauen.

Gott, öffne unsere Ohren, denn du hast uns was zu sagen. Nimm uns in Anspruch, wo du uns brauchst.

Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören den Text, über den Pfarrer Schütz gleich predigen wird, aus dem Evangelium nach Markus 7, 31-35:

31 Und als [Jesus] wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte.

32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege.

33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und

34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!

35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Jesuslied 552: Einer ist unser Leben
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wir hörten, wie Jesus einem Mann ohne Gehör die Ohren öffnet, einem Mann ohne Sprachfähigkeit die Zunge löst. Interessant wäre es, diesen Text gemeinsam mit der Gehörlosengemeinde anzuschauen; was würde Pfarrer Kratz zu diesem Text sagen; wie denken die Gehörlosen über dieses Wunder, die von Geburt an ohne Gehör sind oder ihr Gehör unwiederbringlich verloren haben?

Aber das müssen wir auf ein anderes Mal verschieben. Ich denke, diese Geschichte ist auch für Menschen interessant, mit deren Ohren organisch alles in Ordnung ist. Denn – wie wir bereits gehört haben – nicht jeder, der Ohren hat und akustisch zu hören vermag, kann oder will auch wirklich hören.

Ein Ohrenarzt untersucht einen Jungen, die Mutter sagt ihm: „Er hört schwer.“ Er fragt nach: „Liegt das an den Ohren, oder leidet er an einer „pädagogischen Schwerhörigkeit“? In der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern oder Jugendlichen kommt es ja häufig vor, dass die Kids zwar eigentlich hören können, aber nicht unbedingt hören wollen. Sie haben halt nicht immer Lust, sich erziehen zu lassen und schotten sich ab gegen die Welt der Erwachsenen. Das kann in der Familie so sein, das ist in der Schule so, oft kommt es mir auch im Konfirmandenunterricht so vor, als ob ich vor tauben Ohren rede. Unerreichbar scheinen die jungen Leute für vieles zu sein, was die Elterngeneration und insbesondere die Kirche den jungen Leuten sagen möchte – manchmal glaubt man auf verschiedenen Planeten zu leben.

Es ist heute schon fast ein Wunder, wenn man mit Jugendlichen ins Gespräch kommt, und zwar so, dass sich wirklich beide Seiten begegnen. Dass z. B. Konfirmanden auf ihre echten Anliegen zu sprechen kommen, auf Dinge, die ihnen wirklich wichtig sind. Es ist unglaublich schwer für viele junge Leute, sich offen und ehrlich so zu zeigen, wie sie wirklich sind, und zwar sowohl gegenüber Erwachsenen als auch gegenüber den Gleichaltrigen. Es ist uncool, bestimmte Gefühle zu haben; auf keinen Fall darf man den Eindruck erwecken, ein Streber zu sein.

Ein noch größeres Wunder ist es, als Erwachsener den Jugendlichen etwas zu sagen, was ankommt und als hilfreich erlebt wird – oder wenigstens als echte Herausforderung, mit der sie sich auseinandersetzen.

Die Geschichte von Jesus enthält eine Einzelheit, die ich auch als einen guten pädagogischen Tip empfinde: „Und er nahm ihn aus der Menge beiseite.“ Will man einen Jugendlichen wirklich verstehen, muss man manchmal allein mit ihm reden. Im Kreis der Freundinnen oder Freunde geben viele nicht alles zu, was sie wirklich fühlen; dazu wird man zu viel ausgelacht.

Wer allerdings ständig nur ausgelacht wird oder wem vor lauter bösen Worten die Ohren dröhnen, so dass die Stimmen der Menschen nur noch weh tun, der leidet unter mehr als nur pädagogischer Schwerhörigkeit – er schottet sich seelisch ab, um nichts von alledem mitzubekommen. Das kann bis zu psychosomatisch verursachter Taubheit führen. Außerdem kann, wer in dieser Weise seelisch zu ist, auch nur schwer seine Gefühle zeigen. Wie soll man sagen, dass man verletzt ist, wenn andere auch darüber nur lachen? Wenn man weinen muss, wird man dann erst recht versuchen, um jeden Preis die Tränen herunterzuschlucken. Auch wer schon als Kind zu hören bekommt: „Du hast sowieso nichts zu melden! Was du redest, ist Stuss! Schweig, wenn Erwachsene reden!“, der kann durchaus die Fähigkeit einbüßen, frei von der Leber weg zu reden. Der Hausarzt, den wir hatten, als ich ein kleines Kind war, sagte immer, wenn er mich sah, über mich: „Da ist ja der Junge, der nicht sprechen kann!“ Er wollte wohl nur einen Scherz machen und mich aus der Reserve locken, aber ich hatte wieder einen Kloß im Hals und konnte wirklich nicht reden.

Ich glaube, dass Jesus in unserer Geschichte mit dieser Sorte Taubstummheit zu tun hatte. Der Mann, der nicht hören und sprechen kann, wird zu Jesus gebracht, damit man ihm die Hand auflegt – er kann ja nicht selber für sich sprechen, also übernehmen die anderen für ihn das Reden und schlagen auch gleich die Methode für seine Heilung vor.

Aber Jesus verwendet seine eigenen Methoden. Erst einmal nimmt er den Mann aus der Menge beiseite. Wenn er ihm helfen kann, soll es keine Sensation für die Bildzeitung werden. Vielleicht spürt er auch intuitiv, dass der Mann niemals innerhalb dieser Menschenmenge das Vertrauen aufbringen wird, irgendeinen Ton herauszubringen.

Als nächstes versucht Jesus gar nicht erst, mit Worten die Ohren des Mannes zu erreichen. Er legt ihm ohne Rücksicht auf Ohrenschmalz die Finger in die Ohren. Er tut ein bisschen Spucke auf seinen Finger und berührt damit die Zunge des Stummen. Unglaublich, dass der Mann das mit sich machen lässt. Jesus muss sehr großes Vertrauen in ihm erweckt haben. Zwei, die sich fremd waren, kommen sich so nahe wie Freunde, wie Verwandte – ja, vielleicht noch näher – denn wir wissen ja nicht, ob man sich im Umfeld des Taubstummen ihm überhaupt nahe gefühlt hat. Vielleicht hat er ja auch das Schicksal vieler Behinderter geteilt, dass er bestenfalls geduldet war, aber nicht wirklich zum Leben der Gesunden dazu gehörte.

Dann sieht Jesus zum Himmel auf und seufzt. Das Schicksal dieses Menschen geht ihm nahe, und er bittet den Vater im Himmel inständig um Hilfe. Die Beziehung dieser beiden Menschen, Jesu und des Taubstummen, ist eine Beziehung voller Gefühl, keine rein berufsmäßige Beziehung zwischen einem Arzt und einem Patienten. Zusätzlich gewinnt diese Beziehung eine weitere Dimension, sie wird nach oben offen, zum Himmel. Ein Mensch, der einem andern helfen will, mag sich selber hilflos fühlen. Wenn er auf Hilfe von oben hoffen kann, dann ist beiden geholfen. Die Stärke Jesu lag nicht darin, dass er von sich aus mehr Kraft zum Heilen gehabt hätte als wir anderen Menschen, nein, stark war er durch sein Gottvertrauen.

Mit nur einem Wort kann Jesus dann den Kranken heilen: „Hefata!“, sagt er, das heißt: „Tu dich auf!“ „Öffne dich!“ sagt Jesus. Darum geht es ihm, das ist sein Ziel. Der Kranke soll sich öffnen, dann kann er heil werden. Jesus hat sich dem Gehörlosen geöffnet, ist ihm nahegetreten, hat in seinem Seufzen seine Gefühle vor ihm offengelegt, hat ihn angefasst, sich nicht vor ihm geekelt, ihn nicht einmal gefragt, ob er sich die Ohren gewaschen hat. Noch mehr hat Jesus dem Kranken gezeigt: „Der Himmel steht dir offen. Darum öffne dich auch! Vertrau mir! Vertrau dem Himmel! Vertrau deinem Gefühl! Mach die Ohren auf, auch wenn du bisher nicht viel Gutes zu hören bekommen hast! Löse deine Zunge, auch wenn du bisher geglaubt hast, alles Reden hat keinen Zweck und du wirst doch nur ausgelacht!“

Da geschieht das Wunder. Seine Ohren tun sich auf – denn diese Worte hört er gern, sie tun ihm wohl, er kann sie aufnehmen, wahr-nehmen, sie als Wahrheit annehmen. Wunderbar: ein Mensch, verschlossen für jede Form von Nähe, kann sich öffnen, denn er vertraut dem Gegenüber. Zugleich löst sich die Fessel seiner Zunge, er atmet auf und redet sich richtig von der Seele, was ihn quält.

Vielleicht denken Sie nun: Was habe ich mit all dem zu tun? Ich bin kein Jugendlicher mehr und bin nicht pädagogisch schwerhörig. Auch seelisch habe ich keine Macke. Es gibt aber noch viel verbreitetere Formen von Taubheit und Stummheit. In den Gebeten vorhin war davon schon die Rede. Ich meine die Taubheit für Worte von Gott, die Sprachlosigkeit in Angelegenheiten des Glaubens und die Verweigerung von Verantwortung.

Wenn ich taub für Gott bin, dann steht vielleicht meine Bibel im Schrank, ich kriege aber nicht mit, dass im dicken Buch Worte drinstehen, die mich ansprechen und herausfordern könnten. Oder ich sitze im Gottesdienst und höre von vorn irgendwelches Blabla, ohne zu merken, was der Mann in Schwarz vielleicht mir persönlich sagen will.

Um so mehr freue ich mich über das Wunder, dass Gottes Wort mich persönlich anspricht und dass mir viele Leute in der Predigt oder im Gespräch auch zuhören, wenn ich ihnen erkläre, wieviel die Bibel mit ihnen selbst zu tun hat. Ich freue mich, dass wir in der Paulusgemeinde im Bibelkreis und im „Team halb 6“ häufig sehr persönlich vom eigenen Glauben reden.

Was ist mit der Sprachlosigkeit in Sachen des Glaubens? Ich erlebe viele Menschen, die durchaus ihren Glauben haben, aber irgendwie auch zweifeln und für beides keine Worte finden. Darum trauen sie sich häufig auch nicht, mit dem Pfarrer darüber zu sprechen, denn der könnte sie ja vielleicht für einen schlechten Christen halten.

Trotzdem erlebe ich in Gesprächen oft das Wunder, dass jemand sich dann doch traut, über seine eigene Glaubenskrise zu reden. Manchmal weiß er gar nicht, dass er ganz ähnliche Fragen hat wie die Menschen der Bibel.

Und die Verweigerung von Verantwortung? Darüber wird allenthalben geklagt. Man findet kaum noch jemand, der im Verein, in Partei und Gewerkschaft oder in der Kirche Verantwortung übernehmen will. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass viele sich nicht gern etwas sagen lassen wollen, schon gar nicht von ganz oben.

Auf Gott zu hören, heißt allerdings nicht, sich ducken zu müssen. In der Geschichte konnte Jesus und der Taubstumme von dem da oben Hilfe erwarten. Der Seufzer zum Himmel wirkte Wunder. Wenn ich von ganz oben geliebt bin, kann ich hier unten auf der Erde aufrecht gehen – offen für Verantwortung. In aufrechter Haltung kann ich ver-antwortlich handeln.

Ich freue mich, dass dieses Wunder wieder in unserer Gemeinde geschehen ist, dass im Zusammenhang mit der Kirchenvorstandswahl eine ganze Reihe von Mitgliedern der Gemeinde sich bereit erklärt hat, Verantwortung zu übernehmen. 15 Kandidatinnen und Kandidaten haben wir im Frühjahr auf unserer Liste gehabt, nur 10 davon konnten gewählt werden, heute führen wir sie in ihr Amt ein. Es macht Mut zu sehen, dass es auch in unserer Gemeinde Menschen gibt, die sich für die Kirche einsetzen, die ihren Glauben nicht nur für sich allein leben. Sie haben es gewagt, sich für Verantwortung zu öffnen. Heute wünsche ich Ihnen, dass Sie im Kirchenvorstand beides tun: Auf Gottes Stimme hören, hören, wozu Gott Sie herausfordert. Und Ihren Mund aufmachen, wenn Argumente auszutauschen und Entscheidungen zu fällen sind, und wenn es gilt, für als richtig Erkanntes mutig einzutreten. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 432: Gott gab uns Atem, damit wir leben

Offen für Verantwortung waren 15 Mitglieder, die für den Paulus-Kirchenvorstand kandidiert haben. Wir können nur eine echte Wahl treffen, wenn mehr Kandidaten auf der Liste stehen, als Ämter zu besetzen sind. Darum danken wir heute auch noch einmal ganz herzlich denen, die sich zur Wahl haben aufstellen lassen und nicht gewählt worden sind.

Die gewählten Mitglieder im neuen Kirchenvorstand sitzen heute in der ersten Reihe der Pauluskirche. Es sind in alphabetischer Reihenfolge: Ulrich d‘Amour, Karen Becks, Irena Burk, Sonja Jesse, Paula Kallus, Rainer Kern, Jürgen Klimas, Lieselotte Schau, Bettina Weber und Christoph von Weyhe. Wir freuen uns, dass Sie alle bereit sind, als Kirchenvorstand die Leitung der Paulusgemeinde zu übernehmen und wollen Sie als Gemeinde nach Kräften unterstützen.

Die Aufgaben des Kirchenvorstandes sind in unserer Kirchenordnung festgelegt. Dort heißt es in Artikel 6: „Der KV leitet nach der Schrift und gemäß dem Bekenntnis die Gemeinde und ist für das gesamte Gemeindeleben verantwortlich. Er hat darauf zu achten, dass in der Gemeinde das Wort Gottes lauter verkündet wird und die Sakramente recht verwaltet werden.“ Das Wort „lauter“ ist hier nicht die Steigerungsform von „laut“, ich soll also nicht beim Predigen schreien. „Lauter“ ist ein altes Wort für „rein“, ich soll Gottes Wort in seiner reinen wahren Form verkünden und es nicht verfälschen. Weiter zu den Aufgaben des Kirchenvorstands: „Er soll die Sendung der Gemeinde in die Welt ernstnehmen und auch die Gemeindeglieder dazu anhalten. Geeignete Gemeindeglieder soll er zur Mitarbeit ermuntern und vorhandene Gaben in der Gemeinde wirksam werden lassen.“

Gemeinde und Gemeindeleitung braucht das Miteinander. Darum schreibt Paulus (Römer 12, 4-6a):

Wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist.

Sie werden Ihre Gaben einbringen in die Arbeit des Kirchenvorstands, der laut Kirchenordnung für das gesamte Gemeindeleben verantwortlich ist. Auch Sie haben unterschiedliche Gaben: Organisationstalent, Weitblick, Intuition, die Fähigkeit zu vermitteln, theologische Interessen; die einen beschäftigen sich gern mit Finanzen, andere mit Personalfragen, eine engagiert sich für die Partnerschaft mit Indien, einer für die Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde und und und.

Bringen Sie ein, was Ihnen liegt und was Sie gern tun; üben Sie auch beherzt Kritik, wo dies nötig ist. Es gibt nicht nur viele verschiedene Gaben, sondern auch viele verschiedene Möglichkeiten des sich Einsetzens.

Bitte treten Sie nach vorn und legen Sie folgendes Versprechen gemäß der Kirchenordnung ab: „Ich gelobe vor Gott und dieser Gemeinde, den mir anvertrauten Dienst sorgfältig und treu zu tun in der Bindung an Gottes Wort, gemäß dem Bekenntnis und nach den Ordnungen unserer Kirche und unserer Gemeinde.“

Wenn Sie bereit sind, im Sinne dieses Versprechens Ihr Amt als Kirchenvorsteherin, Ihr Amt als Kirchenvorsteher auszufüllen, dann antworten Sie gemeinsam: „Ja, mit Gottes Hilfe.“

Wir haben das Versprechen der neuen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher gehört. Wir dürfen sie mit ihren Aufgaben nicht alleine lassen. Das bekräftigen wir als Gemeinde mit dem folgenden Versprechen – und stehen dazu auf: „Wir versprechen, Sie als neuen Kirchenvorstand zu achten, Ihre Verantwortung zu respektieren und Sie zu unterstützen, so dass wir zusammen als Gemeinde leben.“

Lied 631: In Gottes Namen wolln wir finden, was verloren ist

Gemeinsam feiern wir an diesem festlichen Tag das Heilige Abendmahl. Denn wir brauchen Kraft für unser Tun. Im Brot schenkt Gott uns den Leib der Liebe Christi. Im Kelch besiegelt Gott seine Treue zu uns, der in Jesus den Tod am Kreuz für Freunde und Feinde auf sich nahm.

Gott, wo wir zu sind für deine Liebe, öffne unser Herz. Wo wir taub sind für dein Wort: öffne unsere Ohren. Wo wir stumm sind, statt für dich einzutreten: löse unsere Zunge. In der Stille bekennen wir, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Lasst uns beten!

Gott, du schenkst uns Hoffnung. Dafür danken wir dir. Wir sind zuversichtlich, dass die Arbeit des Kirchenvorstandes und der Gemeinde gute Früchte bringen wird. Schenke uns dazu Mut und langen Atem.

Gott, viele Menschen mühen sich um ein gutes Zusammenleben, hier am Ort, in unserem Land, in der Welt, im Wohnblock und in der Reihenhaussiedlung, in Nachbarschaft und Arbeitswelt, in Schule und Büro, zwischen Völkern und Kulturen, Konfessionen und Religionen. Dafür danken wir dir. Lass sie nicht aufgeben und lass uns mitwirken, wenn es um Verständigung und Versöhnung geht.

Gott, wenn wir erschöpft sind und alles vergeblich scheint, bist du mit uns noch lange nicht am Ende. Dafür danken wir dir. Wenn wir über dem Alltag im Kirchenvorstand und in dieser Gemeinde müde werden, dann belebe deine Hoffnung in uns wieder neu.

Gott, wir bitten dich heute ganz besonders für zwei Verstorbene, die lange unserer Paulusgemeinde angehört haben und kirchlich bestattet worden sind: für … und … . Wir sind nur Gast auf Erden, und du nimmst uns am Ende mit Ehren an. In diesem Vertrauen haben wir die Verstorbenen deiner ewigen Liebe anvertraut und bitten für die Traurigen, dass du sie begleitest und dass sie offen sind für deinen Trost und für neuen Mut zum Leben. Amen.

Lied 590: Herr, wir bitten: Komm und segne uns
Abkündigungen
Einladung zum Empfang!

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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