Gott schenkt erfülltes Leben

Wie die kinderlose Hanna ihren Sohn Samuel bekommt.

Das bedeutet Ostern: Niemand muss in Staub und Asche hocken bleiben, niemand muss sein Leben lang meinen, er habe kein Recht auf ein sinnvolles Leben. Gott möchte, dass der Arme aufsteht aus dem Staub, dass er Schwache Kraft gewinnt, dass ein Mensch, der kein Ziel vor Augen hat, sich neue Ziele setzt.

Ein schwangerer Bauch sieht aus wie ein angeschlagenes Ei

Hannas Schwangerschaft kann man als alttestamentliche Ostererfahrung verstehen (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am Ostersonntag, den 3. April 1994, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenkinik Alzey und am Ostermontag, den 4. April 1994, um 10.00 Uhr im Raum der Besinnung im DRK-Krankenhaus

Herzlich willkommen im Ostergottesdienst!

Heute wird in der Predigt das Schicksal einer Frau aus dem Alten Testament im Mittelpunkt stehen, ihr Name war Hanna. Sie betete schon in der Zeit des Volkes Israel einen Psalm, der zu unserem Osterfest passt. Denn sie hatte erfahren, dass unser Gott, der gemeinsame Gott von Juden und Christen, Leben schafft und lebendig macht, wo Tod und Verzweiflung herrschen.

Zu Beginn singen wir das Osterlied Nr. 79 aus dem Gesangbuch:

1) Gelobt sei Gott im höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, der für uns hat genug getan. Halleluja,Halleluja,Halleluja.

2) Des Morgens früh am dritten Tag, da noch der Stein am Grab lag, erstand er frei ohn alle Klag. Halleluja, Halleluja, Halleluja.

3) Der Engel sprach: „Ei fürcht‘ euch nicht; denn ich weiß wohl, was euch gebricht. Ihr sucht Jesum, den findt ihr nicht.“ Halleluja, Halleluja, Halleluja.

4) „Er ist erstanden von dem Tod, hat überwunden alle Not; kommt, seht, wo er gelegen hat.“ Halleluja, Halleluja, Halleluja.

5) Nun bitten wir dich, Jesu Christ, weil du vom Tod erstanden bist, verleihe, was uns selig ist, Halleluja, Halleluja, Halleluja,

6) damit von Sünden wir befreit dem Namen dein gebenedeit frei mögen singen allezeit: Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit Worten eines Psalms aus 1. Samuel 2, den Hanna, die Mutter des Propheten Samuel, betete – vor Freude über die Geburt ihres Sohnes:

1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, / mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. / Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, / denn ich freue mich deines Heils.

2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, / und ist kein Fels, wie unser Gott ist.

6 Der HERR tötet und macht lebendig, / führt hinab zu den Toten und wieder herauf.

7 Der HERR macht arm und macht reich; / er erniedrigt und erhöht.

8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub / und erhöht den Armen aus der Asche.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Nach Karfreitag wird es Ostern – wie kann das sein? Nach Tod kommt Leben – ist das nicht unmöglich? Aus Verzweiflung heraus wächst neue Hoffnung – können auch wir das erfahren? Guter Gott, Vater Jesu Christi, lass uns die Wahrheit von Ostern an eigenem Leib, an eigener Seele erfahren! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Markus 16, 1-8:

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Wir singen aus dem Lied 85 im Gesangbuch die Verse 1 bis 14:

1) Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufsteht; vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja.

2) Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen, gleich als wär ich tot, lässt du mir früh die Gnadensonn aufgehn, nach Trauern Freud und Wonn. Halleluja.

3) Nicht mehr als nur drei Tage lang bleibt mein Heiland ins Todes Zwang; am dritten Tag durchs Grab er dringt, mir Ehren sein Siegsfähnlein schwingt. Halleluja.

13) Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, dass er mich herzlich liebt. Wenn mir gleich alle Welt stürb ab, gnug, dass ich Christum bei mir hab. Halleluja.

14) Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich; die Freude, die mir ist bereit‘, vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja.

Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde!

Können wir aus dem Alten Testament etwas über Ostern lernen? Das ist eine knifflige Frage. Einerseits ist Ostern ein christliches Fest. Denn nur wir Christen glauben, dass Jesus, der am Kreuz starb, der Sohn Gottes war, der von Gott zum neuen Leben erweckt wurde. Aber andererseits war Jesus Jude, und der Gott, den er als Vater anbetete, der ihn von den den Toten auferweckte, das war der Gott auch schon des Volkes Israel gewesen. Gerade dieses Volk wusste etwas von Auferstehung.

Auferstehung, das kommt ja von dem Wort Aufstehen. Aufstehen, das tut ein Kind, das hingefallen ist, immer und immer wieder. Aufstehen, das macht ein Volk, wenn es niedergedrückt wurde durch harte Ausbeutung, es steht auf, es macht einen Aufstand. Aufstehen, das macht ein Mensch, der gebeugt gegangen ist vor lauter Kummer oder auch weil er sich unterwerfen musste, und der nun wieder aufrecht gehen will. Aufstehen, das tun wir jeden Morgen, wenn wir wach werden und nicht bettlägerig krank sind. Aufstehen, das muss man wieder lernen, wenn man krank gewesen ist und Bettruhe gebraucht hat; die Beine müssen sich dann erst wieder ans Stehen und Laufen gewöhnen. Alle diese Bedeutungen schwingen mit in dem Wort Auferstehen.

Auferstehung ist demnach, so wie wir das Wort normalerweise verstehen, eine Hoffnung über den Tod hinaus auf ein ewiges, von Gott geschenktes Leben – und ist zugleich eine Hoffnung schon für dieses irdische Leben, eine Hoffnung auf lebenswertes, menschenwürdiges Leben, ein Ansporn, aufrecht zu gehen, eine Herausforderung, sich für Gerechtigkeit und Frieden unter den Menschen einzusetzen.

Unser österlicher Predigttext nun, liebe Gemeinde, ist einer der wenigen Psalmen in der Bibel, die von einer Frau gebetet werden. Hannas Erfahrungen werden in ihm verdichtet. Doch wer war Hanna?

Von Hanna berichtet das ganze erste Kapitel des 1. Buchs Samuel. Gleich am Anfang hören wir von ihr:

1 Es war ein Mann…, der hieß Elkana…

2 Und er hatte zwei Frauen; die eine hieß Hanna, die andere Peninna. Peninna aber hatte Kinder, und Hanna hatte keine Kinder.

Hanna war eine Frau voller Kummer, weil ihr eine Lebenserfüllung versagt war, die damals im Volk Israel für eine Frau einfach alles bedeutete: Sie konnte keine Kinder bekommen. Auch heute ist es traurig für manche Frau, wenn sie kein Kind bekommen kann; aber heutzutage ist es keine Schande mehr, kinderlos zu sein. Man kann auch ohne Kinder anerkannt sein und ein sinnvolles Leben führen. Damals galten kinderlose Frauen als von Gott bestraft.

So ging es auch der Hanna. Sie war mit Elkana verheiratet, dieser Mann hatte, wie es damals üblich war, noch eine zweite Frau. Und diese andere Frau, Peninna hieß sie, war mit Kindern reich gesegnet. Nun hätten ja beide Frauen die Kinder gemeinsam betreuen und Verständnis füreinander haben können. Aber nein – Peninna musste noch zusätzlich der anderen das Leben schwer machen. Warum? – wir wissen es nicht. Vielleicht aus Eifersucht. Vielleicht liebte Elkana seine Frau Hanna mehr als die andere Frau, vielleicht wollte Peninna ihrer Konkurrentin das heimzahlen. Elkana hatte sie nicht so lieb wie Hanna, aber dafür musste er sie einfach anerkennen, denn sie hatte die Kinder, sie sorgte für die Nachkommenschaft der Familie! Darauf war sie stolz, und sie hörte nicht auf, Hanna zu demütigen: „Du kannst keine Kinder bekommen, du bist ja keine richtige Frau, du bist nichts wert, Gott hat dich nicht lieb, Gott will dich strafen!“

Besonders schlimm war es, wenn Elkana mit seiner ganzen Familie einmal im Jahr zum Gotteshaus in der Stadt Silo hinaufzog und für Gott Opfer darbrachte. Diese Opfergaben sollten ein Dank für alles sein, was Gott der Familie im vergangenen Jahr geschenkt hatte – Dank für eine gute Ernte, Dank für Gesundheit und Wohlergehen, Dank auch für das Wachsen und Gedeihen der Kinder. Bei diesem Anlass bekam Hanna es besonders zu spüren, dass sie in den Augen der anderen Frau nicht zählte – Hanna konnte nur für sich selber Gott ein Opfer darbringen, Peninna aber tat dies stolz gemeinsam mit allen ihren Kindern:

4 Wenn nun der Tag kam, dass Elkana opferte, gab er seiner Frau Peninna und allen ihren Söhnen und Töchtern Stücke vom Opferfleisch.

5 Aber Hanna gab er ein Stück traurig; denn er hatte Hanna lieb, obgleich der HERR ihren Leib verschlossen hatte.

6 Und ihre Widersacherin kränkte und reizte sie sehr, weil der HERR ihren Leib verschlossen hatte.

7 So ging es alle Jahre; wenn sie hinaufzog zum Haus des HERRN, kränkte jene sie. Dann weinte Hanna und aß nichts.

Nun könnte man ja fragen: Warum nahm sich Hanna das alles so zu Herzen? Stand sie ganz alleine da mit ihrem Kummer? Wurde sie vielleicht auch von ihrem Mann gekränkt?

Nein, der liebte sie ja sogar sehr: Er versucht sie zu trösten, indem er sie an ihr gemeinsames Eheglück erinnert – sie verstehen sich doch so gut, sie lieben einander über alles:

8 Elkana aber, ihr Mann, sprach zu ihr: Hanna, warum weinst du, und warum issest du nichts? Und warum ist dein Herz so traurig? Bin ich dir nicht mehr wert als zehn Söhne?

Aber dieser Trost scheint Hanna nicht zu genügen. Natürlich ist es schön, wenn Mann und Frau sich gut verstehen. Aber zu der damaligen Zeit spielte sich das Leben für eine Frau ja gar nicht hauptsächlich in der Nähe ihres Mannes ab. Die meiste Zeit lebte sie gemeinsam mit der anderen Frau und den Kindern im Haus der Frauen. So musste sie tagaus tagein unter den Sticheleien der Konkurrentin leiden, sicher auch den Dorftratsch aushalten, der zu allen Zeiten den Menschen das Leben schwer gemacht hat. Während es heute auch für kinderlose und alleinstehende Frauen viele Möglichkeiten gibt, sich beruflich oder in der Freizeit sinnvolle Aufgabe zu suchen, sah Hanna in der damaligen Zeit keinen Sinn in ihrem Leben.

Hanna ist gefangen in dem Bild, das die anderen von ihr haben und das sie selbst auch teilt: Sie fühlt sich nicht als vollwertige Frau, weil sie keine Kinder zur Welt bringen kann. Vielleicht hat sie gerade deshalb auch Schwierigkeiten, mit ihrem Mann zusammen zu sein; denn trotz aller Liebe, die er zu ihr empfindet – lehnt er sie nicht insgeheim vielleicht doch ab, ist sie vielleicht nicht gut genug für ihn?

An dieser Stelle singen wir ein Lied, das von der Spannung zwischen Angst und Vertrauen handelt, in der ja auch Hanna gelebt hat, aus dem Liederheft Nr. 237:
Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst

Die Geschichte geht weiter, und es geschieht etwas Neues. Vielleicht wirkt es sich doch gut aus, dass Elkana zu seiner Frau Hanna steht, sie gewinnt neue Energie, sie isst und trinkt wieder etwas, sie nimmt sich etwas ganz Bestimmtes vor. Denn sie ist ja eine Frau, die auf Gott vertraut, und sie will damit jetzt ganz ernst machen. Hören wir, was sie tut:

9 Da stand Hanna auf, nachdem sie in Silo gegessen und getrunken hatten. Eli aber, der Priester, saß auf einem Stuhl am Türpfosten des Tempels des HERRN.

10 Und sie war von Herzen betrübt und betete zum HERRN und weinte sehr

11 und gelobte ein Gelübde und sprach: HERR Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen und wirst du deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem HERRN geben sein Leben lang.

In ihrer Verzweiflung betet Hanna im Tempel zu Gott und macht ihm ein großes Versprechen: Wenn sie doch noch ein Kind bekommen sollte, dann will sie es gar nicht für sich selber haben, dann soll es ganz Gott gehören!

Das erinnert ein bisschen an die Geschichte von Abraham und Isaak – auch Abraham verzichtete darauf, seinen Sohn Isaak für sich selbst besitzen zu wollen.

Hanna betet stumm im Tempel. Und doch bekommt einer mit, was sie da tut, nämlich der alte Priester Eli. Er wundert sich, warum diese Frau da so lange sitzt und stumm ihre Lippen bewegt:

12 Und als sie lange betete vor dem HERRN, achtete Eli auf ihren Mund;

13 denn Hanna redete in ihrem Herzen, nur ihre Lippen bewegten sich, ihre Stimme aber hörte man nicht. Da meinte Eli, sie wäre betrunken,

14 und sprach zu ihr: Wie lange willst du betrunken sein?…

15 Hanna aber antwortete und sprach: Nein, mein Herr! Ich bin ein betrübtes Weib; Wein und starkes Getränk hab ich nicht getrunken, sondern mein Herz vor dem HERRN ausgeschüttet.

16 Du wollest deine Magd nicht für ein zuchtloses Weib halten, denn ich hab aus meinem großen Kummer und Herzeleid so lange geredet.

Eigentlich wollte Hanna ja nur vor Gott selbst ihr Herz ausschütten. Nun hat der Priester sie wahrgenommen und hält sie für eine Frau, die dem Alkohol verfallen ist. Wird er sie verstehen, oder wird er sie auch verachten?

17 Eli antwortete und sprach: Geh hin mit Frieden; der Gott Israels wird dir die Bitte erfüllen, die du an ihn gerichtet hast.

18 … Da ging die Frau ihres Weges und aß und sah nicht mehr so traurig drein.

So verändert sich für Hanna ihr ganzes Leben. Erstens dadurch, dass sie ihr ganzes Leid Gott anvertraut und ihren Wunsch nach einem Kind ausspricht. Zweitens dadurch, dass in diesem Wunsch nach einem Kind kein egoistischer Beigeschmack zurückbleibt – das Kind, das sie sich wünscht, wird ihr nur anvertraut sein, sie will es nicht missbrauchen in der Auseinandersetzung mit Peninna. Ihr genügt es, dass sie das Kind zur Welt bringt und großzieht, bis es alt genug ist, um in die Tempelschule zu gehen. Und drittens dadurch, dass ihr ein Beauftragter von Gott selbst, ein Priester, ein Seelsorger, den Trost zugesprochen hat – sie darf sich wirklich auf Gott verlassen!

Hanna kann endlich aufhören, alle ihre Gedanken und Empfindungen um ihre Traurigkeit und Enttäuschung kreisen zu lassen. Sie muss sich nicht mehr wertlos und von Gott verlassen vorkommen. Und so ändert sich ganz schnell auch etwas in ihrer Beziehung zu ihrem Mann. Die biblische Sprache drückt das sehr behutsam und doch deutlich aus:

19 Und am andern Morgen machten sie sich früh auf. Und als sie angebetet hatten vor dem HERRN, kehrten sie wieder um und kamen heim nach Rama. Und Elkana erkannte Hanna, seine Frau, und der HERR gedachte an sie.

Elkana „erkannte“ seine Frau, ein für unsere Ohren eigentümliches Wort. Es ist das Wort, das im Hebräischen gebraucht wird, um auszudrücken, dass Mann und Frau miteinander schlafen. Und zugleich drückt es aus, dass in diesem Verkehr nichts Schmutziges oder Verbotenes oder rein Tierisches vor sich geht, sondern ein zutiefst menschliches Einander-Wahrnehmen, Anschauen, ein Lieben und Geliebtwerden, so wie man ist, ein Zusammensein, ohne einander zu verletzen, eben ein ganz tiefes Einander-Erkennen und Erkanntwerden mit dem innersten Gefühl der Seele.

Und so wird Hannas Wunsch auch sehr bald erfüllt:

20 Und Hanna ward schwanger; und als die Tage um waren, gebar sie einen Sohn und nannte ihn Samuel; denn, so sprach sie, ich hab ihn von dem HERRN erbeten.

Und Hanna denkt auch an ihr Versprechen Gott gegenüber:

21 Und als der Mann Elkana hinaufzog mit seinem ganzen Hause, um das jährliche Opfer dem HERRN zu opfern und sein Gelübde zu erfüllen,

22 zog Hanna nicht mit hinauf, sondern sprach zu ihrem Mann: Wenn der Knabe entwöhnt ist, will ich ihn bringen, dass er vor dem HERRN erscheine und dort für immer bleibe.

Jahre vergehen, liebe Gemeinde, Hanna ist für ihren Jungen da, solange er sie notwendig braucht, und als er entwöhnt ist, bringt sie ihn in den Tempel nach Silo zum Priester Eli; der soll seine Erziehung weiterhin übernehmen, der soll ihn für den Priesterdienst ausbilden. Und wie wir im weiteren Verlauf der Bücher Samuel lesen können, wird aus diesem Jungen wirklich einer der größten Propheten des Volkes Israel, von dem sich das Volk viel sagen lässt und der zwei Könige salben wird, den Saul und den David.

An dieser Stelle singen wir ein Lied, in dem klingt vielleicht etwas an von der Freude, die Hanna damals empfunden haben mag – das Lied Nr. 235 aus dem Liederheft:
Einmal wurd es am Himmel hell, hier und da

Was hat nun diese ganze Geschichte mit unserem Osterfest zu tun? Nun, als Hanna ihren Sohn im Tempel dem Priester Eli übergibt und sich von ihm verabschiedet, da betet sie auch zu Gott. Und diesmal bittet oder klagt sie nicht, sondern sie lobt Gott. Und dieser Lobpreis Gottes hat viel zu tun auch mit unserem Osterglauben. Hören wir einmal hin, wie Hanna betet (1. Samuel 2):

1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, / mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. / Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, / denn ich freue mich deines Heils.

2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, / und ist kein Fels, wie unser Gott ist.

Hier spürt man noch einmal, wie sich Hannas ganze Haltung verändert hat. Sie ist fröhlich, sie kann den Kopf heben, sie kann den Mund aufmachen – sie hat keine Angst mehr vor ihren Feinden, damit ist ja wohl vor allem ihre Konkurrentin Peninna gemeint und vielleicht auch andere, die sich das Maul über sie zerrissen haben. Sie erlebt so etwas wie Auferstehung, weil sie aus tiefer Traurigkeit aufgerichtet wurde, weil ihr sinnvolles Leben neu geschenkt wurde. Auch wenn sie ihren Sohn wieder hergeschenkt hat, den Gott ihr anvertraut hatte, so empfindet sie ihr Leben doch als von einem tiefen Sinn erfüllt: Sie weiß, dass Samuel für Gott einen Dienst tun wird, der wichtig ist, und sie weiß, dass es ohne ihr eigenes Vertrauen zu Gott diesen Samuel nie gegeben hätte. Ihr Leben hat eine ganz klare Ausrichtung, Hanna hat einen festen Halt gewonnen. Gott ist ihr Halt; wie an einen unumstößlichen Felsen kann sie sich an ihren Gott anlehnen; da kennt sie keinen Zweifel: es gibt keinen anderen Gott, auf den sie ihr Vertrauen setzen könnte. An mehreren Beispielen führt Hanna in ihrem Gebet aus, wie sie diesen Halt durch Gott erfahren hat:

4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, / und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.

5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, / und die Hunger litten, hungern nicht mehr. / Die Unfruchtbare hat sieben geboren, / und die viele Kinder hatte, welkt dahin.

Gott ist also einer, der gerade den Schwachen Kraft gibt, während die scheinbar Starken ihre Macht auch wieder verlieren können. Hanna hat gelernt: Ich kann mich nicht aus eigener Kraft gegen Peninna und gegen verletzendes Gerede zur Wehr setzen. Ich musste mich mich meiner Enttäuschung und Machtlosigkeit erst ganz meinem Gott anvertrauen, da wurde mir geholfen.

Starksein, Sattsein, Fruchtbarsein, das sind also nicht Fähigkeiten oder Zustände, auf die Menschen sich etwas einbilden können und die sie für immer und ewig in der Hand haben, nein, es sind Geschenke Gottes, die nicht selbstverständlich da sind, die auch wieder genommen werden können.

Umgekehrt gilt auch: Wer immer unter seiner Schwachheit litt, wer sein Leben lang hungrig war, wer es nie zu etwas brachte, wessen Leben keine Früchte zu bringen schien – gerade aus dem will Gott, der Herr, etwas machen, gerade den kann Gott ganz reichlich beschenken – oft ganz anders, als man es sich vorstellt.

Und ein erstaunlicher Satz der Hanna zeigt nun, wie nahe der Anfang des 1. Buches Samuel unserem Osterfest ist:

6 Der HERR tötet und macht lebendig, / führt hinab zu den Toten und wieder herauf.

Ja, schon Hanna wusste: Gott ist der Herr über Leben und Tod. Der Tod ist nicht stärker als Gott. Das letzte Wort über den Menschen spricht nicht der Tod, sondern allein Gott.

Ähnlich mussten die Jüngerinnen und Jünger Jesu am dritten Tag nach Jesu Kreuzigung die erschütternde Wahrheit erfahren: Jesu Grab kann man nicht besuchen, wie man ein Denkmal besucht, seinen Leichnam muss man nicht pflegen, als ob mit ihm alles aus wäre, nein, Jesus lebt, Gott hat ihn wieder lebendig gemacht, er hat seinen festen Platz im Himmel an der Seite des himmlischen Vaters. Zunächst einmal war das erschreckend für die Frauen am Grab Jesu, alles, was für sie festgefügt und selbstverständlich war, schien zusammenzustürzen, voller Zittern und Entsetzen liefen sie davon. Ein Toter soll wieder leben? Verzweifelte werden froh? Sinnlos dahin vegetierende Menschen bekommen ein neues Ziel vor Augen gestellt? Das ist die Erfahrung gewesen, die auch schon Hanna gemacht hatte:

7 Der HERR macht arm und macht reich; / er erniedrigt und erhöht.

8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub / und erhöht den Armen aus der Asche, / dass er ihn setze unter die Fürsten / und den Thron der Ehre erben lasse.

Das bedeutet Ostern: Niemand muss in Staub und Asche hocken bleiben, niemand muss sein Leben lang meinen, er habe kein Recht auf ein sinnvolles Leben. Gott möchte, dass der Arme aufsteht aus dem Staub, dass er Schwache Kraft gewinnt, dass ein Mensch, der kein Ziel vor Augen hat, sich neue Ziele setzt. Gott möchte auch, dass wir nicht so sehr auf die scheinbar Starken und Erfolgreichen starren, so wie ursprünglich Hanna sich an Peninna gemessen hatte und dabei unglücklich wurde. Das Vertrauen zu Gott ist viel wichtiger. Denn nur Gott hat Macht über den Tod, nur Gott kann Tote lebendig machen, nur er kann uns ewiges Leben schenken, nur in den guten Gaben Gottes, in Glaube, Liebe und Hoffnung, gewinnen wir ein Glück, das selbst durch den Tod nicht kaputt gehen kann. „Gott macht lebendig“ – er schenkt auch uns erfülltes Leben. In diesem Sinne lasst uns ein frohes Osterfest feiern! Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen aus dem Liederheft das Lied Nr. 210:

Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn

Nun feiern wir am Osterfest das heilige Abendmahl miteinander, wie immer mit Brot und Traubensaft. Wer kommen will, mag gleich nach vorn kommen, wer nicht mitmachen will, mag auf seinem Platz bleiben.

Herr Jesus Christus, mit deiner ganzen Liebe hast du dich für uns Menschen eingesetzt. Wir Menschen sind deine Passion, deine Leidenschaft. Menschen sind es auch, die dir dein Leiden zugefügt haben. Und doch vergibst du uns allen, selbst dem größten Sünder. So wie Gott, der Vater, dir dein Leben neu schenkte, so wie er neues Leben schafft, wo nur Tod und Verzweiflung ist, so schafft er uns ein reines Herz, wo wir in uns ein von Sünden und Schuldgefühlen gequältes Herz spüren. Lass uns deine Vergebung annehmen! Amen.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Gott im Himmel, hab Dank für dein Wort, für das Leben, das wir von dir haben, für die Stärkung durch dein Abendmahl. Danke, dass du uns unzerstörbares Glück zugesagt sagt hast, dass alle die glücklichen Augenblicke, die wir auf Erden erleben dürfen, einmal zusammenfließen werden in dem unendlichen Glück, das du uns in deiner herrlichen Ewigkeit zum Geschenk machen wirst. Bewahre uns davor, dass wir uns zu-machen für dich und für jedes Vertrauen zu irgendeinem Menschen. Lass uns immer offen bleiben für deine Liebe, für die Hoffnung, die von dir kommt, für Zuversicht und Trost mitten in Krankheit und Schmerzen, in Kummer und Not. Amen.

Vater unser

Wir singen das Lied 75 aus dem Gesangbuch:

1) Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

2) Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis.

3) Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Abkündigungen

Und nun geht hin mit Gottes Segen:

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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