Zukunftsmusik

Die Offenbarung des Johannes: Ein Trostbuch für alle, die am Ende sind.

Wo wir um geliebte Menschen Tränen vergießen können, ist diese Welt nicht verloren. Wer eine Schulter findet, um sich auszuweinen, kann unerträgliche Schmerzen und Traurigkeiten vielleicht doch ertragen. Wo uns Bosheit und Unrecht nicht kalt lassen oder wo sogar Tränen der Reue fließen, besteht Hoffnung auf Menschlichkeit.

Noten aufgehängt an Notenlinien, die zwischen Bäumen aufgespannt sind, vor blauem Himmel

Wie würde die Zukunftsmusik aus dem Himmel wohl klingen? (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Ewigkeitssonntag, den 21. November 2004, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Sonate a-moll – Adagio von William Williams

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag begrüße ich alle herzlich in der Pauluskirche. Besonders heiße ich diejenigen willkommen, die im vergangenen Jahr von einem Menschen Abschied nehmen mussten, der ihnen nahestand. Für alle, die aus der Paulusgemeinde seit Beginn des Kirchenjahres bestattet wurden, zünden wir heute eine Kerze an.

Vom Trost für Menschen, die am Ende sind, handelt dieser Gottesdienst. In einer Welt voll Tod und Todesangst, aber auch voller Lebensängste, hören wir auf den Gott, von dem es in der Offenbarung 21, 4 heißtt:

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“

Herzlich danken wir Herrn Dr. Schulz, Frau Marquard, Herrn d‘Amour und unserer Organistin Grit Laux, die diesen Gottesdienst musikalisch gestalten. Zu Beginn hörten wir das Adagio aus der Sonate a-moll von William Williams.

Jetzt singen wir gemeinsam das Lied 450:

1. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.

2. Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt Gewissen; lass die dürre Lebens-Au lauter süßen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar.

3. Gib, dass deiner Liebe Glut unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut bei entstandner Morgenröte, dass wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn.

4. Ach du Aufgang aus der Höh, gib, dass auch am Jüngsten Tage unser Leib verklärt ersteh und, entfernt von aller Plage, sich auf jener Freudenbahn freuen kann.

5. Leucht uns selbst in jener Welt, du verklärte Gnadensonne; führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süßen Wonne, da die Lust, die uns erhöht, nie vergeht.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit Psalm 126, den die nach Babylon verbannten Juden über 70 Jahre lang sangen, bis sie zum heiligen Berg Zion zurückkehren durften:

1 Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

6 Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Mit Tränen säen, mit Freuden ernten. Kann diese Erfahrung des Volkes Israel auch unsere Erfahrung sein? Lassen wir Trauer zu, die uns verwandelt, so dass wir uns neu dem Leben zuwenden können? Weinen wir unsere Tränen in der Zuversicht, dass alle Tränen einmal abgewischt werden? Oder vermeiden wir es, an den Tod zu denken und traurige Gefühle zuzulassen, weil wir nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen, und damit wir nicht in peinliche Situationen kommen? Aber wer Gefühle nicht zulässt, gerät in die Gefahr, sein Herz zu verhärten. Wer sich immer zusammenreißt, macht nicht nur sich selbst, sondern oft auch anderen das Leben schwer. Darum rufen wir zu Gott, dass er uns hilft, zu fühlen, was in uns ist, und nicht in Verzweiflung unterzugehen:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus Christus spricht (Matthäus 5, 4):

„Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott im Himmel, du lebst ewig, wir nur eine kurze Zeit auf Erden. Doch im Vertrauen auf dich bleiben wir bei dir, und du hältst uns für immer fest in deiner Hand. Schenke uns Hoffnung und neue Zuversicht. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören Worte des Sehers Johannes aus der Offenbarung 21, 1-7:

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

7 Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Liebe Gemeinde! Noch gibt es den Tod. Endgültig überwunden ist er erst im Himmel. Noch müssen Tränen geweint werden. Endgültig abwischen wird sie erst Gott in der Ewigkeit. Doch schon hier vertrauen wir unsere Toten dem Gott an, der unser Leben nach dem irdischen Tod in seine Ewigkeit mit hineinnimmt. Der dunkle Tod ist nicht die letzte Wahrheit über unser Leben. Jesus Christus ist unsere Wahrheit, er ist Auferstehung und Leben, er ist unser Licht, das auch die tiefste Dunkelheit nicht zum Verlöschen bringen kann.

An dieses Licht erinnern wir, wenn wir für die Verstorbenen aus der Paulusgemeinde, die im vergangenen Kirchenjahr bestattet wurden, jetzt eine Kerze anzünden: Licht der Wahrheit, Licht der Hoffnung, Licht des ewigen Lebens. Lichter werden leuchten zum Zeichen, dass wir mit den uns nahestehenden Toten in Liebe verbunden bleiben.

Wir beten für die Verstorbenen, um die wir trauern, und zünden eine Kerze an – für:

Abschied von 34 Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres

Vielleicht gibt es noch andere Menschen, um die Sie trauern, die nicht hier oder nicht in diesem Jahr bestattet worden sind. Sie können, wenn Sie möchten, jetzt nach vorn kommen und auch für sie eine Kerze anzünden.

Musik

Wir singen das Lied 533:

Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Wir haben den Text zur Predigt aus der Offenbarung der Johannes gehört. Die Offenbarung ist ein Trostbuch für Menschen, die am Ende sind. Sie will enthüllen, dass Gott nicht am Ende ist, selbst wenn Menschen sich und einander zugrunderichten und diese Welt nicht mehr zu retten ist.

Am Ende sind damals im römischen Reich die verfolgten Christen. Johannes stellt ihnen Bilder der Hoffnung vor Augen: Zwar beherrscht der Kaiser die Welt noch wie ein Tier aus der Unterwelt, aber seine Zeit läuft ab.

Buchstäblich am Ende sind Menschen, die sterben: Am Ende ihres irdischen Lebens. Am Ende können die sein, die um einen geliebten Menschen trauern, der ein Teil ihres eigenen Lebens war. Die Offenbarung verkündet Trost: Es gibt nicht nur diese Welt, wie wir sie kennen. Es gibt Hoffnung nach dem Tod. Und durch Trauer hindurch gibt es neues sinnvolles Leben vor dem Tod.

Am Ende sind aber auch viele Menschen schon mitten in ihrem Leben. Aus Angst vor dem Leben wären sie am liebsten tot. Da sagt jemand: „Mir ist eine Welt zusammengebrochen, als mein Partner starb!“ Ein anderer klagt: „Ich halte es nicht aus, die Wahrheit zu ertragen – über mich selbst, meine Krankheit, über das, was mir angetan wurde.“

Für alle, die am Ende sind, ist die Offenbarung des Johannes ein Trostbuch. In sieben Versen aus Kapitel 21 hören wir, wie Gott Zerrissenheit heilt und einen neuen Anfang schenkt, wo alles am Ende ist.

Wir beginnen mit Vers 1:

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

Für Menschen, die am Ende sind, kann es ein Trost sein, dass Altes, Böses, Bedrückendes wirklich beendet ist und keine Zukunft hat. Menschen in verzweifelter Lage dürfen sogar darauf hoffen, dass die ganze Welt untergeht. Die erste Erde wird vergehen: gemeint ist die von Krieg und Gewalt zerrissene Erde, gemeint ist eine von Schmerzen und Angst geplagte Menschheit, die sich zur Hartherzigkeit und zum Bösen verleiten lässt.

Einerseits ist das Zukunftsmusik. Aber diese Zukunftsmusik darf zur Hintergrundmelodie schon unseres Lebens hier und jetzt werden: Schon jetzt, schon hier ist eine Welt, die sich von Gott gelöst hat, immer schon am Ende. Und schon jetzt, schon hier scheint etwas von der neuen Erde auf, wo Menschen sich anrühren lassen von Gott, von seiner Wegweisung, von seiner Liebe.

Auch der erste Himmel wird vergehen. Das überrascht mich. Ist vielleicht das Bild eines Himmels gemeint, in dem wir einen Gott vermuten, der Angst macht, straft und einengt? Oder ein Himmel über den Wolken, auf denen ein alter Mann mit langem Bart thront, der mit den Menschen auf der Welt nicht mehr fertig wird? So ein Himmel wäre verzichtbar. Oder sind mit dem alten Himmel fragwürdige Werte gemeint, die manche von uns gelernt haben? Sei stark, zeige keine Gefühle, jeder ist sich selbst der Nächste! Auch das darf einstürzen, Wertvorstellungen, die Schaden anrichten, sollen ruhig zerbrechen. Trotzdem macht uns das auch Angst, denn was da nicht mehr gelten soll, war uns ja vertraut. Wenn der alte Himmel einstürzt, der uns Halt gegeben hat, ist dann nicht alles am Ende? Gibt es überhaupt noch einen Halt? Ertrinken wir nicht in einem Meer von Tränen und Verzweiflung?

Doch da heißt es auch: „Und das Meer ist nicht mehr.“ Was uns zu verschlingen droht, worin wir zu ertrinken und zu versinken meinen, auch das ist nicht das Letzte, das wird am Ende überwunden sein.

Und der neue Himmel, die neue Erde? Was ist das Neue an diesem Himmel, das Neue an dieser Erde?

2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Vom neuen Himmel kommt auf die neue Erde eine neue Stadt herunter. Die Stadt wird mit einer Braut verglichen, die ihrem Mann in ihrem Hochzeitskleid entgegengeht. Im neuen Himmel und auf der neuen Erde sehnen sich offenbar Gott und die Menschen so sehr nacheinander wie ein verliebtes Brautpaar. Himmel und Erde feiern Hochzeit, gehen ineinander über, Gott und Mensch werden einander vertraut wie Eheleute in einer langjährigen glücklichen Ehe. Offenbar kommen nicht nur Menschen nach dem Tod in den Himmel; der Himmel kann auch zu uns auf die Erde kommen.

Wieder ist das Zukunftsmusik. Aber die Musik dieser rauschenden Hochzeit zwischen Himmel und Erde findet schon Widerhall in unseren Liedern und unserer Musik, die wir hier auf Erden singen und spielen.

Heute tun wir das auch ganz real, und wir hören vom Instrumentalkreis das:
Largo – Konzert G-Dur von Johann Friedrich Fasch

Weiter geht es mit der Zukunftsmusik aus der Offenbarung:

3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.

Gott will bei uns wohnen. In einer eigenen Hütte. Wörtlich steht da: er schlägt sein Zelt bei uns auf. Eigentümlich ist die Ausdrucksweise der Offenbarung: Von Gott wird bescheiden geredet, er braucht nichts als eine Hütte oder ein Zelt. Von der Stadt der Menschen dagegen ist in überschwenglichen Worten die Rede: heilig und geschmückt ist sie.

Hier wird ein Bogen geschlagen von den ersten Seiten der Bibel zu den letzten (1. Buch Mose – Genesis 1, 31):

31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

Wo die Erde und der Himmel über den Menschen neu werden, da dürfen sich Menschen als kostbar und wertvoll erleben, sehr gute, wunderbare Geschöpfe Gottes, liebenswert, weil sie geschaffen sind als Ebenbild der Liebe Gottes und weil Gott nicht aufhört, sie zu lieben.

Das ist Zukunftsmusik, die Johannes uns da aufspielt. Wir leben noch auf der alten Erde und unter dem alten Himmel mit ihrer Angst und ihrer Lieblosigkeit. Und doch darf die Stimme dieser Musik schon jetzt das Stimmengewirr unserer Ratlosigkeit durchdringen und unsere Stimmung aufhellen. Schon jetzt dürfen wir unsere Kirche als das Zelt Gottes erleben, in dem Gott uns begegnet, schon hier dürfen wir uns als Menschen erfahren, die durch und durch geliebt sind.

Aber noch ist das Erste, diese alte Erde, nicht wirklich vergangen. Jetzt gibt es noch Leid und Schmerzen und Tod. Noch drehen sich viele fern von Gott nur um sich selber, werden hart gegen sich selbst und andere Menschen, wissen nichts davon, dass sie geliebte Kinder Gottes sind. Noch scheint Ungerechtigkeit und Bosheit die Welt zu regieren. Darum ist es gut, dass auch in der Zukunftsmusik der Offenbarung, die zu uns herüberklingt, dieses Hier und Jetzt nicht ganz ausgeklammert bleibt:

4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Die Tränen, die wir hier und jetzt weinen, spielen für Gott eine wichtige Rolle. Es ist gut, wenn sie geweint werden. Und noch besser ist es, wenn einer sie abwischt.

Die Tränen sind es in unserem Abschnitt der Offenbarung, die die Zukunft, in der es keinen Tod und kein Leid mehr gibt, mit der Gegenwart verbinden. Hier ist es gut, sie zu spüren, sie zu weinen. In einer Welt mit Leid und Tod ist es gut, traurig sein zu können. Wo wir um geliebte Menschen Tränen vergießen können, ist diese Welt nicht verloren. Wer eine Schulter findet, um sich auszuweinen, kann unerträgliche Schmerzen und Traurigkeiten vielleicht doch ertragen. Wo uns Bosheit und Unrecht nicht kalt lassen oder wo sogar Tränen der Reue fließen, besteht Hoffnung auf Menschlichkeit. Und es ist auch gut, dass dort in der Ewigkeit die Tränen nicht einfach vergessen sind. Sie werden wahrgenommen und abgewischt. Das heißt: Wir werden als ganze Menschen ernstgenommen, mit unserer Geschichte, mit dem, was wir durchgemacht haben und an dem wir gewachsen oder auch gescheitert sind. Wäre das nicht so, dann wären wir nicht mehr wir selbst. Gott liebt uns aber so, wie wir sind. Auf seine Weise zeigt er uns auf der neuen Erde unter dem neuen Himmel seine Liebe: indem er uns wie eine liebevolle Mutter die Tränen abwischt.

Wir hören noch einmal den Instrumentalkreis mit einer:
Sarabande von Johann Joseph Fux

Im dritten Teil unseres Offenbarungstextes zeigt uns der Gott, der uns die Tränen abwischen wird, sein wahres Gesicht:

5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Wer sitzt da auf dem Thron? Es ist Jesus, der weinende Menschen in den Arm genommen hat und selber auch weinen konnte, aus Mitleid und aus Zorn, aus Angst und vor Traurigkeit. Die Zukunftsmusik der Offenbarung spielt uns die Melodie eines Himmels und einer Erde, wo Gott das Gesicht dieses Menschen trägt – eines mitfühlenden Gottes. Er macht alles neu – nicht im Sinne modischer Neuheiten, die schnell wieder veralten. Er schafft Erde und Himmel neu, indem er das Böse abschafft und das Gute siegen lässt. Er tut das, indem er neu macht, was am schwersten zu erneuern ist: uns selbst, unser verängstigtes und oft verhärtetes Herz. Wo wir ein neues Herz bekommen, da fassen wir uns ein Herz und gehen mutig unseren kleinen Schritte, um in unserer Umgebung das zu verändern, was in unserer Macht steht. Wenn das alle tun, kann alles neu werden. Und es wird alles neu werden, dessen darf Johannes gewiss sein:

Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

Johannes weiß: Was er aufschreibt, ist die Wahrheit. Er weiß es von innen heraus, aber es stammt nicht aus seinem eigenen Innern, sondern von Gott selber. Einen Beweis dafür gibt es nicht, nur eine Gewissheit, die in ihm wächst im Vertrauen auf Gott.

Johannes lässt uns Zukunftsmusik hören von einem Kampf, der bereits entschieden ist – in Worten, die Jesus spricht:

6 Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.

Nur Jesus kann von sich sagen, dass er das Alpha und das Omega ist, dass er die Welt A bis Z umfasst. Denn Gott selbst offenbart sich in seiner Liebe, gegen die das Böse machtlos ist.

Und Jesus fährt fort:

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Wir dürfen zugeben, dass wir durstig sind nach Leben, dass wir Bedürfnisse und Wünsche haben, dass wir Liebe brauchen. Wir dürfen glauben, dass es wirklich eine Quelle lebendigen Wassers gibt, dass Liebe wirklich vorhanden ist – trotz aller Enttäuschungen, die Menschen einander bereiten. Und wir dürfen diese Liebe umsonst annehmen – erarbeiten, verdienen, erzwingen können und müssen wir sie nicht.

Dem scheint der nächste Satz zu widersprechen:

7 Wer überwindet, der wird es alles ererben.

Heißt: „überwinden“: sich anstrengen, um das Wasser des Lebens nun doch zu verdienen? Nein, die Liebe Gottes gibt es umsonst. „Überwinden“ bedeutet: sich selbst überwinden, nicht immer stark und hart und cool sein müssen. „Überwinden“ heißt: sich so berühren lassen von der Liebe Jesu, dass man ein Kind Gottes ist und bleibt.

Und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.

Wer am Ende ist, darf neu anfangen. Denn der Gott, der sich in Jesus offenbart, nimmt uns als seine geliebten Söhne und Töchter an. Wir sollen alles „ererben“, heißt es hier. Als ob uns ein Erbe zufällt von einem, der gestorben ist. In der Tat erben wir etwas von Jesus, der am Kreuz für uns starb – aber wir bekommen dieses Erbteil von ihm, der wieder auferstanden und lebendig ist. Dieses Erbteil, diese Liebe, wird nicht kleiner dadurch, dass wir es mit dem teilen, von dem wir es erben, und mit all den anderen Menschen, die es mit uns erben.

Stellen wir uns vor: Jesus selber nimmt uns an der Hand und führt uns mitten durch das Dunkel, durch Schmerz und Leid und Tränen. Und wenn wir sterben, kommen wir dorthin, wo Gott selbst alle Tränen von unseren Augen abwischen wird. Gott lässt uns nicht im Stich, wir sind und bleiben seine geliebten Kinder. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen aus Lied 65 die Verse 1, 2, 5, 6 und nach jedem Vers Vers 7 als Refrain:

Von guten Mächten treu und still umgeben

Gott im Himmel, wir klagen dir das Leid derer, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Schenke ihnen Hoffnung und die Gewissheit, dass du sie nicht allein lässt. Ewiges Glück hast du uns allen verheißen, lebendiges Wasser schenkst du uns umsonst.

Wenn wir Angst vor dem Leben haben, bitten wir dich: Herr, erbarme dich! Lass uns nicht verloren gehen, lass uns darauf vertrauen, dass du auch in unserem Leben alles neu machst! Für unsere von Krieg und Gewalt zerrissene Welt bitten wir um Frieden.

Alle, die sterben mussten, vertrauen wir deinem gerechten Urteil und deiner barmherzigen Gnade an. Wir lassen sie getrost los im Vertrauen darauf, dass sie in deiner Liebe in Ewigkeit aufbewahrt bleiben. Du selbst wirst unsere Tränen abwischen, darum brauchen wir keine Angst haben, wenn uns die Tränen kommen. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir aus dem Lied 364 die Strophen 1 bis 3:

1. Was mein Gott will, gescheh allzeit, sein Will, der ist der beste. Zu helfen dem er ist bereit, der an ihn glaubet feste. Er hilft aus Not, der treue Gott, er tröst‘ die Welt ohn Maßen. Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nicht verlassen.

2. Gott ist mein Trost, mein Zuversicht, mein Hoffnung und mein Leben; was mein Gott will, das mir geschicht, will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr, denn all mein Haar er selber hat gezählet. Er hüt‘ und wacht, stets für uns tracht‘, auf dass uns gar nichts fehlet.

3. Drum, muss ich Sünder von der Welt hinfahrn nach Gottes Willen zu meinem Gott, wenn’s ihm gefällt, will ich ihm halten stille. Mein arme Seel ich Gott befehl in meiner letzten Stunden: du treuer Gott, Sünd, Höll und Tod hast du mir überwunden.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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