„Warum lasst ihr mich nicht sterben?“

Trauerfeier für einen Mann, der in schweren Krankheitszeiten schon lange hätte sterben mögen. Nun findet er Ruhe in Gott, und auch das Herz der Trauernden darf sich in seiner Unruhe beruhigen lassen.

Gottes Liebe beruhigt die Unruhe des Herzens: Ein Herz als Grabstein mit einer betenden Hand und der Inschrift: "Es bleibt die Erinnerung"

Wie findet ein Herz in Leiden und Trauer Ruhe? (Bild: Tante Tati – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen. (Hebräer 4, 10)

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Herrn C., der im Alter von [über 70] Jahren gestorben ist.

Wir besinnen uns gemeinsam auf sein Leben. Wir begleiten einander auf dem schweren Weg der Trauer. Wir hören auf Worte von Gott, die uns helfen auszudrücken, was wir empfinden, und die uns trösten können.

Wir beten mit Worten aus Psalm 62:

6 Sei nur stille zu Gott, meine Seele, denn er ist meine Hoffnung.

7 Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde.

8 Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott.

9 Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.

10 Aber Menschen sind ja nichts; große Leute täuschen auch; sie wiegen weniger als nichts, so viel ihrer sind.

11 Verlasst euch nicht auf [falsche Stärke].

12 Eines hat Gott geredet, ein Zweifaches habe ich gehört: Gott allein ist mächtig,

13 und du, Herr, bist gnädig.

Liebe Gemeinde!

„In der Ruhe liegt die Kraft“, sagt man. Dieser Satz fiel mir ein, als ich über Herrn C. nachdachte, über das stille, zurückgezogene Leben, das er geführt hat, über seine ruhige Art und über seinen starken Willen, mit dem er sich dennoch gegen jeden von außen auferlegten Zwang zur Wehr setzte. Sein in Ruhe und Beständigkeit geführtes Leben ist zu Ende gegangen, er durfte zu Hause in vertrauter Umgebung sterben.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Als Herr C. krank wurde und auf ständige Behandlungen angewiesen war, bedeutete das für ihn eine harte Beschränkung seiner Freiheit und seiner Lebensqualität. Er war immer ein bescheidener und zufriedener Mensch gewesen, aber es fiel ihm schwer, sich mit seiner Krankheit abzufinden. Immer wieder einmal fragte er: „Warum lasst ihr mich nicht sterben?“

Allerdings gab es auch in dieser Zeit noch schöne gemeinsame Erlebnisse, wenn sie auch mit Anstrengung verbunden waren. Ich erinnere mich, liebe Frau C., wie wir einmal darüber sprachen, dass jeder sein Kreuz tragen muss, jeder sein eigenes. Es war gewiss nicht leicht für Sie beide, aber Sie haben es gemeinsam getragen und bewältigt.

Seit einiger Zeit wussten Sie, dass Herr C. nicht mehr lange leben würde. Aus dem Krankenhaus wurde er nach Hause entlassen; ihm war wichtig, daheim zu sein und auch daheim bleiben zu dürfen. Sie haben für ihn getan, was Sie konnten, und Sie haben ihm seinen letzten Wunsch erfüllt, nämlich ihn im Frieden loszulassen, sterben zu lassen.

Das fällt nicht leicht, man ist ja doch traurig, auch wenn er das gar nicht wollte, dass man um seinetwillen traurig ist. Er hinterlässt eine große Lücke, weil Sie ihn so sehr geliebt haben, und das tut einfach weh.

Jetzt kommt es darauf an, daß Sie einander in der Familie weiter zur Seite stehen, wie Sie es ja schon tun. Sogar vom Urenkel hörte ich, dass er versucht, die Mama zu trösten, die um den Opa trauert: „Wein doch nicht, du hast doch noch mich!“

Es kommt darauf an, dass man die Gefühle zulässt, die da sind, dass man sich Zeit lässt, bis das Durcheinander in der Seele irgendwann wieder einer neuen Ausgeglichenheit Platz macht.

Getrost können Sie Herrn C. loslassen, wenn Sie sich klarmachen: Er findet Ruhe in Gott, der ihn gnädig aufnimmt in seinem himmlischen Frieden.

Wenn ein erfülltes Leben mit Mühe und Arbeit, mit Freuden und Sorgen zu Ende gegangen ist, kann man sagen, dass er in Gott zur Ruhe kommt. In der Bibel wird die Ruhe hoch geschätzt; sogar von Gott wird erzählt, dass er nach getaner Arbeit ausruhen musste (Hebräer 4, 10):

Wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen.

Nur sechs Tage der kosmischen Schöpfungswoche hat Gott geschafft, egal über wie viele Milliarden Jahre sich die Ausfaltung dieser Schöpfung erstreckt hat, aber am siebten Tag hat er geruht und damit die Ruhe zu etwas Heiligem, unantastbar Guten gemacht.

So ist die Ruhe etwas ungeheuer Wertvolles ja schon hier auf Erden – an jedem Feierabend oder Feiertag, in jedem Augenblick der Besinnung oder in einem Urlaub, den wir zum Aufatmen nutzen. Zugleich wissen wir, dass uns oft durch Sorgen und Hektik keine Ruhe gegönnt ist. Und häufig genug fliehen wir auch vor der Stille, vor allzu ruhigen Augenblicken, weil wir dann dem Aufruhr solcher Gefühle und Gedanken zu sehr ausgeliefert sind, die weh tun und denen wir uns nicht so gern stellen.

Unser Herz bleibt unruhig, bis dass es Ruhe findet in Dir!

So betete der Kirchenvater Augustin zu Gott. Er wusste: Nur Gottes Liebe kann die Unruhe unseres Herzens beruhigen. Das geschieht überall dort in unserem Leben, wo wir ein Stück Geborgenheit erfahren, nach der wir uns von Kindheit an sehnen. Vollkommen geschieht das erst dann, wenn wir eingehen in das ewige Leben. Wie das Leben nach dem Tod ist, wissen wir nicht, doch wir dürfen uns den Himmel so vorstellen, wie wir ihn uns in unserer tiefen kindlichen Sehnsucht nach Liebe wünschen.

Darum möchte ich mit Ihnen zum Abschluss dieser Ansprache noch eins der schönsten Lieder der Bibel beten, den 131. Psalm:

1 Herr, mein Herz ist nicht hoffärtig und meine Augen sind nicht stolz. Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind.

2 Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

3 Israel, hoffe auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

Amen.

EG 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

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