Das Zeitliche segnen

Zu guter Letzt

… sterben wir. Zu guter Letzt? Ist der Tod nicht ein böses Ende, ein Feind für Mensch und Gott?

Ein Mann auf dem Weg ins Licht

Auf dem Weg ins Licht (Bild: pixabay.com)

Eine Konfirmandin meint: „Wenn es Gott gäbe, würde er nicht die Menschen sterben lassen.“ Eine andere wirft ein: „Vielleicht ist es gut, wenn man früh stirbt, dann muss man nicht noch mehr Schreckliches erleben.“

Beiden Haltungen steht die Redensart entgegen: „das Zeitliche segnen“. Sprechen wir so vom Tod, dann kann ein Sterbender durchaus auf ein gesegnetes Leben zurückblicken.

Zwar bleibt auch mit Gottvertrauen der Tod ein Rätsel, tut der Verlust eines geliebten Menschen unsagbar weh, bringt der Tod eines Kindes die Eltern an den Rand der Verzweiflung. Nicht jeder Tod ist eine Erlösung oder ein gutes Ende, wie – vielleicht – für einen unheilbar Kranken oder einen sehr alten Menschen nach einem erfüllten Leben.

Aber mit Gottvertrauen ist kein Tod das Letzte, höchstens das Vorletzte. Gott ist das Letzte – in einem tiefen Sinn: er erwartet uns mit seiner Liebe dort, wo wir aufhören zu hoffen, wo wir am Ende sind.

So segnet Gott das Leben dessen, der „das Zeitliche segnet“. Wenn der Tod nicht das Letzte ist, dann ist auch das Leben davor nicht sinnlos. Ich habe im Jenseits etwas unvorstellbar Schönes zu erwarten, darum ist bereits das irdische Leben nicht sinnlos, sondern unendlich kostbar.

„Schulden wir Gott denn was?“ fragt eine Konfirmandin. „Ja“, sage ich, „zum Beispiel unser Leben“. Manche nennen es Zufall, dass es die Welt, die Menschen und mich selber gibt. Als Christ glaube ich, dass ich mich Gott verdanke, dass ich wunderbar geschaffen bin, dass mir niemand meinen Wert streitig machen kann. Weil das auch für alle anderen Menschen gilt – darum sind mir einige davon anvertraut als die „Nächsten“, für die ich Mitverantwortung trage.

Wir haben nur dieses Zeitliche, das Gott segnen kann. Selbstverständlich ist es nicht, das so zu sehen. Jesus öffnet mir dafür die Augen, als er am Kreuz ein für allemal das Zeitliche segnet – durch seinen Segen selbst für die, die nicht wissen, was sie tun.

Pfarrer Helmut Schütz

„Zu guter Letzt“ September – November 2000 im Gemeindebrief der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen

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