Um „fünf vor zwölf“ für den Frieden beten

Ein Wecker auf einer Wiese, der fünf vor zwölf anzeigt - mit dem Schriftzug: "Zeit zum Umdenken"

Um Fünf vor Zwölf wird auf dem Frankfurter Römer für den Frieden gebetet (Bild: pixabay.com)

Nach ergebnislosen Verhandlungen hält der biblische Feldherr Jeftah einen Krieg für unvermeidbar. Den Ausgang des Waffengangs überlässt er zunächst Gott (Richter 11, 27): „Der HERR, der da Richter ist, richte heute zwischen Israel und den Ammonitern.“ Doch dann will er mehr: den garantierten Sieg. Er schließt mit Gott einen Handel ab: Gibt er die Feinde in seine Hand, so opfert er als Brandopfer, was ihm bei der Heimkehr aus seiner Haustür entgegengeht (Richter 11, 30-31). Am Ende muss er seine eigene Tochter opfern.

Das ist keineswegs eine alte, unrealistische Geschichte. Jeftahs Tochter steht – beklemmend aktuell – als Urbild für das, was man heute Kollateralschaden nennt. Auch ein Krieg mit den besten Absichten – sei es Diktatoren zu entwaffnen oder Terroristen auszuschalten, die man früher als Bundesgenossen gegen andere Feinde stark gemacht hatte – wirkt sich grausam aus. Kinder sterben oder werden zu Waisen – letzten Endes nicht nur „dort“, sondern auch „hier“: wenn neues Elend und neuer Hass noch mehr Selbstmordkommandos hervorbringen.

Den garantierten Sieg gegen Terror und Krieg mit Mitteln des Krieges kann es nicht geben. Menschen sind nicht allmächtig, nicht einmal wenn sie der mächtigsten Nation der Welt angehören. Garantiert ist nur, dass Gewalt immer wieder neue Gewalt hervorbringt (Matthäus 26, 52): „Wer das Schwert nimmt, soll durchs Schwert umkommen…“ Sehr besonnen muss vorgehen, wer als allerletztes Mittel auf den Krieg nicht meint verzichten zu können.

Heute um „fünf vor 12“ sprechen sich Christen auf dem Frankfurter Römerberg dafür aus, einen Irak-Krieg mit diplomatischen und politischen Mitteln doch noch zu verhindern. Ob dort oder anderswo – es ist nicht zu spät, für den Frieden zu beten, der im internationalen Zusammenleben „die Frucht der Gerechtigkeit“ ist, wie unser Bundespräsident gesagt hat.

Gedanken zum Sonntag am Samstag, 8. Februar 2003, im Gießener Anzeiger, von Helmut Schütz, Pfarrer der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen.

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