Verrückte Botschaft von Gott

Gottes Dummheit ist klüger als die Klugheit der Menschen.

Für die griechische Philosophie war ein leidender Gott undenkbar. Und für Juden war ein Messias, der hingerichtet wird, ein Widerspruch in sich selbst. Paulus entgegnet: Wenn ein Gott, der leidet, nicht ins Schema der gängigen Philosophie und Religion passt, müssen Philosophen und religiöse Menschen eben umdenken.

Ein römischer Soldat nagelt Jesu Fuß am Kreuz fest, ein jüdischer Schriftgelehrter schaut zu, ein Freund umarmt Jesus

Ein römischer Soldat nagelt Jesus ans Kreuz, was ein Schriftgelehrter begutachtet (Bild: pixabay.com)

#predigtTaufgottesdienst am 5. Sonntag nach Trinitatis, den 11. Juli 2004, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Tauffamilie mit den Patinnen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Taufgottesdienst in der Pauluskirche! Besonders herzlich begrüße ich die drei Taufkinder … mit ihren Familien und Paten.

Wir beginnen den Gottesdienst mit den ersten fünf Strophen aus dem Lied 515. Das Lied hat einen italienischen Refrain: „Laudato si, o mi Signor! – Gelobt seist du, o mein Herr!“, der uns sicher keine Mühe macht, wenn wir ihn ein paar Mal gesungen haben:

R: Laudato si, o mi signore, laudato si, o mi signore, laudato si, o mi signore, laudato si, o mi signor.

1. Sei gepriesen, du hast die Welt geschaffen, sei gepriesen für Sonne, Mond und Sterne, sei gepriesen für Meer und Kontinente, sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

2. Sei gepriesen für Licht und Dunkelheiten! Sei gepriesen für Nächte und für Tage! Sei gepriesen für Jahre und Gezeiten! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

3. Sei gepriesen für Wolken, Wind und Regen! Sei gepriesen, du lässt die Quellen springen! Sei gepriesen, du lässt die Felder reifen! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

4. Sei gepriesen für deine hohen Berge! Sei gepriesen für Feld und Wald und Täler! Sei gepriesen für deiner Bäume Schatten! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

5. Sei gepriesen, du lässt die Vögel singen! Sei gepriesen, du lässt die Fische spielen! Sei gepriesen für alle deine Tiere! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir haben den Gottesdienst mit einem Loblied begonnen: „Du bist wunderbar, Herr!“ Wer gern in die Kirche geht, dem ist dieser Gedanke vertraut: Du bist der Schöpfer, dir verdanken wir alles, von dir her kommt unser Leben, vor dir verantworten wir uns für das, was wir tun und lassen, zu dir gehen wir im Sterben.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Aber nicht alle stimmen so selbstverständlich in ein Loblied ein. Ist die Schöpfung nicht auch schrecklich? Frisst nicht ein Tier das andere? Ist der Mensch nicht dazu fähig zu quälen und zu töten? Hätte ein guter Gott nicht eine Welt schaffen müssen, in der es kein Leiden gibt? Diese Frage ist so unbeantwortbar, dass wir sie nur an dich zurückgeben können, ja, an dich, an Gott selbst, denn nur du kannst uns Antwort geben! Öffne unser Herz, wenn es nicht loben kann. Tröste unser Herz, wenn es verzweifelt ist.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wir begegnen Gott nicht wirklich, wenn wir so tun, als könnten wir uns über ihn stellen. Ein altes Lied der Bibel, Psalm 131, gibt uns ein Beispiel für ein Gebet in selbstbewusster Demut:

1 HERR, mein Herz ist nicht hoffärtig, und meine Augen sind nicht stolz. Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind.

2 Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

3 Israel, hoffe auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Guter Vater im Himmel, es ist schön, wenn unsere Seele bei dir Ruhe findet, wie ein Kind bei seiner Mutter, die das Kind liebhat. Ohne Vertrauen gelingt unser Leben nicht. Aber ist kindliches Vertrauen auch für Erwachsene möglich, die darum wissen, wie viel Schreckliches in der Welt passiert? Wir bitten dich um Einsichten des Glaubens. Wir bitten dich: Lass du selber das Vertrauen in uns wachsen. Lass uns deine Liebe spüren, wenn wir Wunderbares erleben, wenn ein Kind bei uns aufwächst, wenn wir getragen sind in schweren Zeiten, wenn wir Glück im Unglück erfahren. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören das Taufevangelium nach Matthäus 28, 16-20. Es antwortet auf die Frage: Wer wird endgültig über Himmel und Erde herrschen? Regiert für alle Zeiten das Böse auf der Welt?

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Liebe Eltern, liebe Paten, liebe Gemeinde!

Immer wenn wir Kinder taufen, fragen wir uns, warum wir das eigentlich tun. Sicher, Jesus hat uns den Auftrag dazu gegeben, das haben wir eben gehört. Aber was bringt uns dazu, noch nach 2000 Jahren auf Jesus zu hören und das Leben unserer Kinder mit Jesus zu verbinden?

Eine einfache Antwort auf diese Frage wäre: Das ist eben unser Glaube. Jesus ist eben der Sohn Gottes. Wer nicht an ihn glaubt, geht verloren. Also muss jeder an ihn glauben. Darum ist es besser, wenn man schon die Kinder tauft, sicher ist sicher. Aber diese Antwort ist zu einfach. Sie enthält zu viel Bedrohliches und zu wenig Barmherzigkeit.

Ich versuche andere Antworten zu geben, indem ich auf die Taufsprüche eingehe, die Sie für die drei Taufkinder ausgesucht haben.

… hat von ihrer Mutter einen Vers aus dem 5. Buch Mose – Deuteronomium 31, 8 als Taufspruch bekommen (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

Der Herr … ist mit dir. Er lässt dich nicht fallen und verlässt dich nicht.

Das sind Worte aus dem Alten Testament, ursprünglich an das Volk Israel gerichtet. Durch Jesus Christus gelten diese Worte auch für uns Christen, die nach Christus benannt sind. Jesus war überzeugt, dass der EINE Gott, an den die Juden glauben, der Gott aller Menschen ist. Und wie Gott die ganze Welt in seinen Händen hält und trägt, so hält und trägt er jedes kleine Kind in dieser Welt und lässt es nicht fallen. Niemand ist verloren, der von diesem Gott getragen ist. Niemand ist verlassen, der sich auf Gott verlässt. Für uns Christen hat sich der Gott Israels voll und ganz in Jesus Christus zu erkennen gegeben. Darum sagt auch Jesus von sich selbst: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Unsichtbar ist er bei uns mit der Kraft seiner Liebe, als der Sohn Gottes, der uns niemals fallen lässt und uns bis in alle Ewigkeit nicht verlässt. Wir taufen …, weil wir darauf vertrauen, dass sie ein geliebtes Kind Gottes ist und ihr ganzes Leben hindurch niemals von Gott fallengelassen oder verlassen wird.

Die Eltern von … haben für ihren Sohn Psalm 91, 11-12, ausgesucht:

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Wir könnten uns fragen, ob das nicht ein frommer, aber unrealistischer Wunsch ist. Schön wär‘s ja, wenn Engel uns tragen, über die Hindernisse und Stolperfallen des Lebens hinweg. Leider wissen wir als Eltern nur zu gut, dass wir unsere Kinder nicht vor allen Übeln bewahren können. Trotzdem bleibt dieser Taufspruch konkurrenzlos an der ersten Stelle der Beliebtheitsskala. Warum?

Die Bibel erzählt: Als Jesus dem Teufel begegnet, will der ihn ausgerechnet mit diesem Bibelspruch hereinlegen. Ja, so menschlich war Jesus, so sehr war er einer von uns, dass auch er diese Einflüsterungen hören konnte, denen wir ausgesetzt sind: „Wenn Gottes Engel uns wirklich auf Händen tragen, dann dürfte uns ja nichts passieren, selbst wenn wir nicht auf uns aufpassen. Teste es doch mal aus, Jesus, stürz dich vom Dach des Tempels und lass dich von den Engeln auffangen!“

Jesus weigert sich. Jesus weiß, dass dieser Spruch anders gemeint ist. Obwohl auch guten Menschen Böses passieren kann, bleibt es wahr: Wir sind von Engeln umgeben, jedes Kind darf an die Schutzengel glauben, die es behüten und auf Händen tragen. Wenn die Engel auch nicht jeden Schicksalsschlag verhindern, so bewahren sie uns doch davor, an einem Schicksalsschlag zugrundezugehen. Sie halten uns fest im Vertrauen zum Leben. Sie haben auch Jesus geholfen seine Angst zu überwinden, als er sterben musste.

Wir taufen …, weil das Schicksal unserer Kinder nicht allein in unserer eigenen Hand liegt. Wir vertrauen darauf, dass Gott, der uns Kinder anvertraut, mit seinen guten Engeln diese Kinder auch behütet. Darum tun wir alles für unsere Kinder, was in unserer Macht steht und überlassen alles andere den guten Mächten Gottes.

… bekommt als Taufspruch ein Wort aus dem Psalm vom Guten Hirten, Psalm 23, 6:

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang.

Dieses Bibelwort klingt wie ein Gegenprogramm zu dem landläufigen Spruch: „Es wird einem im Leben nichts geschenkt.“ Doch, sagt die Bibel. Nur das, was uns geschenkt wird, zählt wirklich. Die Liebe, die ein Kind von seinen Eltern bekommt. Echte Freundschaft, die Jugendliche in ihrer Clique erfahren. Menschen, auf die man sich verlassen kann, wenn man in Not gerät. Sicher gibt es auch vieles, was man sich erarbeiten und verdienen muss. Immer weniger kann man sich auch in unserem Land auf ein soziales Netz ohne Lücken verlassen. Aber wer ernst nimmt, dass Gott barmherzig ist, der kann sich nicht damit herausreden, dass diese Welt schlecht ist. „Die Menschen sind schlecht, sie denken an sich“, heißt es in einem Lied, „nur ich, nur ich, nur ich denk an mich.“ So herum beweisen wir es uns und der Welt natürlich immer wieder, dass die Welt schlecht bleiben muss. Die Bibel geht den umgekehrten Weg. „Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es.“ Wer auf Barmherzigkeit vertraut, der tut einfach das Gute, ganz selbstverständlich, und trägt dazu bei, dass es in dieser Welt ein bisschen barmherziger zugeht. Die alte Wahrheit der Bibel bleibt aktueller als moderne Schwarzmalerei, weil Gott mächtiger ist als das Böse. Das Gute, das von ihm ausgeht, die Barmherzigkeit, die der Gute Hirte ausstrahlt, sind nicht totzukriegen, selbst dort nicht, wo man Jesus ans Kreuz nagelt – gerade dort zeigt sich, wie sehr uns Gott liebt, gerade dort vergibt er uns und schenkt uns ewiges Leben.

Wir taufen …, weil wir fest darauf vertrauen, dass auch ihm Gutes und Barmherzigkeit folgen werden, sein Leben lang.

Tauflied 577: Kind, du bist uns anvertraut

Ja, wessen Lieder werden die drei Taufkinder später einmal singen? Welche Melodie wird sich durchhalten in ihrem Leben? Worauf werden sie sich verlassen? Wir wünschen uns heute, dass sie auf Gott vertrauen können und sich in ihrem Leben von ihm getragen wissen. Dieses Gottvertrauen sprechen wir nun in den alten Worten des Apostolischen Glaubensbekenntnisses aus, stellvertretend auch für …:

Glaubensbekenntnis und Taufen
Lied 619:

1. Er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, er hält die ganze Welt in seiner Hand, Gott hält die Welt in seiner Hand.

2. Er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, er hält das winzig kleine Baby in seiner Hand, Gott hält das Baby in seiner Hand.

3. Er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, er hält die Sonne und den Mond in seiner Hand, Gott hält sie beide in seiner Hand.

4. Er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, er hält auch dich und mich in seiner Hand, Gott hält auch dich und mich in seiner Hand.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, letzte Woche haben die Konfis Stationen gestaltet zum Thema: „Beten ist wie…“. Da stand zum Beispiel eine Leiter: Beten ist wie eine Leiter, die zu Gott führt. Und wir fragten uns: Können wir Gott mit einer Leiter erreichen, die wir selber aufstellen? Oder muss Gott uns erst diese Leiter hinstellen, wie bei Jakob in seinem berühmten Traum? Dann gab es da eine ausgestreckte Hand, mit der Menschen nach Gottes Hilfe suchen. Oder streckt Gott seine helfende Hand den Menschen entgegen? Besonders originell war eine Station mit einem Trampolin, von dem ein Ball abprallte: Wenn ich bete, werde ich meine Sorgen los, ähnlich wie in dem Wort der Bibel: „Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch!“ Im Mittelpunkt weiterer Stationen standen ein Handy oder eine Telefonleitung – Beten als Standleitung zu Gott. Offen blieb, ob Gott auf Gebete auch antwortet. Spricht da jemand am anderen Ende der Gebetsleitung? Oder ist ein Gebet nur ein Selbstgespräch? Wie Gott eventuell antworten kann, deutete eine Station an, die aus einem Koffer bestand, in dem eine Bibel lag. Auf der Reise zu Gott ist die Bibel eine gute Begleiterin; in ihr stehen Worte, mit denen Gott auf unsere Fragen antwortet.

Ja, ich bin sicher, ohne die Bibel wüssten wir gar nicht, wer da am anderen Ende der Leitung sitzt und ob da einer zuhört, wenn wir ihn in der Not anrufen. Ohne die Bibel hätten wir keine Ahnung, ob die Himmelsleiter ins Leere führt oder ob wirklich Engelmächte an ihr auf- und absteigen und uns behüten. Ohne die Bibel würden wir uns völlig falsche Vorstellungen von Gott machen.

Ob die Bibel Recht hat oder nicht, müssen wir für uns selbst entscheiden. Heute hören wir zur Predigt einen Text von Paulus, in dem er sich mit dem Vorwurf auseinandersetzt: Du verbreitest Dummheiten, du predigst Unsinn, du verkündigst einen verrückten Gott, einen, der sich nicht wehrt, wenn man ihn ans Kreuz nagelt. Ausgerechnet Jesus soll uns retten, der sich selbst nicht retten konnte?

Paulus schreibt in 1. Korinther 1, 18-25:

18 Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft.

19 Denn es steht geschrieben: »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.«

20 Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?

21 Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.

22 Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit,

23 wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit;

24 denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

25 Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

Paulus stimmt seinen Gegnern sogar zu. Die Botschaft von Gott, die er verkündet, ist wirklich verrückt, dumm, Unsinn. Torheit, wie man früher übersetzt hat. Allerdings ist sie das nur für diejenigen, die verloren gehen, fügt er hinzu. Im Klartext heißt das: Paulus stellt Maßstäbe auf den Kopf. Wo Gott dumm erscheint, ist er klüger als die Menschen. Wo Gott verrückt erscheint, ist er in Wirklichkeit der Heilige, der alles heil macht.

Für wen erscheint Gott damals dumm oder verrückt? Paulus spricht von Griechen und Juden. Mit den Griechen und ihrer Weisheit meint er die damalige Philosophie. Für sie war ein leidender Gott undenkbar. Das Kreuz verträgt sich nicht mit der Allmacht Gottes? Wenn Jesus am Kreuz gestorben ist, dann kann er nicht Gottes Sohn sein. Genauso argumentieren damals die führenden Vertreter der jüdischen Religion, die sonst mit den Philosophen gar nicht einig sind. Ein Messias, der von den Römern hingerichtet wird, ist ein Widerspruch in sich selbst. Der Messias hätte die Römer entmachten und sich selbst auf den Friedensthron setzen müssen, um das Reich Gottes in Gang zu setzen.

Aber diese Christen, allen voran Paulus, behaupten allen Ernstes, dass man an Jesus nicht vorbeikommt, wenn man auf der Leiter zu Gott emporsteigen will. In diesem Mann, gequält und voller Todesangst, erkennen sie Gott selbst: so sehr liebt Gott die Sünder, dass er sich lieber ans Kreuz schlagen lässt, als sie zu vernichten.

Darum sagt Paulus: Gottes Dummheit und Verrücktheit ist klüger als die Klugheit der Menschen. Wenn ein Gott, der leidet, nicht ins Schema der gängigen Philosophie und Religion passt, müssen Philosophen und religiöse Menschen eben umdenken.

Eigentlich, meint Paulus, müssten die Menschen Gott erkennen können. Sie sind doch von ihm geschaffen und von seiner Weisheit umgeben. Aber ein Denken, das sich von Gott loslöst, und davon weiß schon die Urerzählung von Adam und Eva, wird blind für Gottes Güte. Für Paulus gibt es weltliche Blindheit: wenn Menschen meinen, ihr Leben ohne Gott meistern zu können und dabei zu Sündern werden. Und es gibt religiöse Blindheit: wer meint, er könne sich Gottes Liebe durch gute Taten oder einen bestimmten Glauben verdienen und sei besser als die Gottlosen. Auch er ist blind für eigene Sünde, für den Hochmut.

Als die Christenheit sich im Dreißigjährigen Krieg sich gegenseitig im Streit um den richtigen christlichen Glauben zerfleischt hatte, lebte die philosophische Weisheit in der Aufklärung wieder auf, die nun erst recht die Güte Gottes anzweifelte. Konfessionen, die Krieg gegeneinander führen, machen es der Weisheit der Welt sehr einfach, für Gottes Güte blind zu sein, in der Welt vor allem das Schlechte zu sehen und Gottes Schöpfung selbst für schlecht zu halten. Von dieser Aufklärung sind wir alle geprägt, nämlich von der Frage: Kann ein guter und allmächtiger Gott eine so schlimme Welt geschaffen haben? Viele haben diese Frage einfach so beantwortet, dass es keinen Gott gibt oder dass Gott tot ist.

Aber ist das die einzige Antwort? Könnte es sein, dass Paulus mit seinem Wort vom Kreuz auch diese moderne Weisheit dumm dastehen lässt?

Das Wort vom Kreuz wirkt damals wie heute unzeitgemäß, verrückt. Eigentlich meint das Wort vom Kreuz die ganze Haltung dessen, der da ans Kreuz gedrängt wurde, hinaus aus unserer Welt. Jesus ist nicht cool, aber auch nicht angepasst. Er ist kein Spießer, aber passt auch nicht in die Spaßgesellschaft. Er stellt unmenschliche Gesetze in Frage, ruft aber nicht zur Revolution auf. Er preist die geistlich Armen selig und setzt sich mit Sündern und Huren an einen Tisch. Aber all das tut er nicht aus bloßer Lust an Provokation. Nein, Jesus lebt derart selbstverständlich aus dem Vertrauen zu Gott, dass er einfach all denen im Weg stehen muss, die den Weg zu Gott kompliziert machen. Gottes Reich ist ganz nahe, predigt Jesus unermüdlich. Gott vergibt ohne teure Rituale. Gott kennt keine Berührungsängste zwischen Völkern, Religionen und sozialen Schichten. Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und alle die Wahrheit erkennen, nicht nur besonders intelligente und nicht nur besonders fromme Leute. Diese einfache Botschaft Jesu vom kindlichen Vertrauen zu Gott ist so provozierend für die Mächtigen in Staat und Religion, dass Jesus hingerichtet wird. Und Paulus bekennt am klarsten: Mit dieser Hinrichtung am Kreuz ist Jesu Botschaft nicht am Ende. Nein, hier kommt sie erst recht zur Erfüllung. Sein Gottvertrauen führt Jesus ans Kreuz. Und der Gott, auf den er vertraut hat, lässt ihn nicht fallen, lässt ihn nicht verloren gehen, sondern erweckt ihn von den Toten, gibt ihm sogar alle Macht über Himmel und Erde.

Gibt es dafür Beweise? Schon Paulus kennt die Forderung nach Zeichen und Beweisen und klugen Argumenten: „Die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit.“ Demgegenüber sagt Paulus: Ich habe einfach angefangen, auf Christus zu vertrauen. Ich habe die innere Stärke gespürt, die er mir gegeben hat. Für mich und viele andere Christen ist Christus eine Gotteskraft. Beweisen kann ich niemandem, dass Christus wirklich Gott ist. Vertrauen lässt sich nicht kontrollieren, Vertrauen kann nur gewagt werden. „Die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.“ Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 515, 6-9:

R: Laudato si, o mi signore, laudato si, o mi signore, laudato si, o mi signore, laudato si, o mi signor.

6. Sei gepriesen, denn du, Herr, schufst den Menschen! Sei gepriesen, er ist dein Bild der Liebe! Sei gepriesen für jedes Volk der Erde! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

7. Sei gepriesen, du selbst bist Mensch geworden! Sei gepriesen für Jesus, unsern Bruder! Sei gepriesen, wir tragen seinen Namen! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

8. Sei gepriesen, er hat zu uns gesprochen! Sei gepriesen, er ist für uns gestorben! Sei gepriesen, er ist vom Tod erstanden! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

9. Sei gepriesen, o Herr, für Tod und Leben! Sei gepriesen, du öffnest uns die Zukunft! Sei gepriesen, in Ewigkeit gepriesen! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! (R)

Barmherziger Vater, dass wir dir vertrauen dürfen, dafür danken wir dir. Dass in Jesus Christus deine Liebe leibhaftig auf der Erde erschienen ist, dafür danken wir dir. Dass du Kinder in der Taufe als deine Kinder annimmst, dafür danken wir dir. Du machst unsere Seele heil. In dir finden wir Ruhe für unsere Seele und ein Ziel für unser Leben. Du gibst uns gute Grenzen, gute Maßstäbe, und Aufgaben, die uns nicht überfordern. Für all das danken wir dir. Du bist ein Gott, der die Schwachheit kennt und bist deshalb in den Schwachen mächtig.

Barmherziger Vater, wir bitten dich für die Taufkinder: lass sie behütet und gut begleitet aufwachsen. Wir bitten dich für die Familien in unserer Gemeinde: dass sie ein Ort sind, wo Kinder es gut haben und sowohl Liebe als auch gute Grenzen erfahren. Wir bitten dich für Menschen, die von Angst gequält sind: dass sie nicht verzweifeln, sondern Heilung finden im Vertrauen. Herr Jesus Christus, bleibe du bei uns alle Tage bis an der Welt Ende! Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 503, 1-2+14:

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben.

Abkündigungen

Und nun geht mit Gottes Segen. Vielleicht bleiben Sie auch noch ein wenig zusammen im Gemeindesaal bei Kaffee oder Tee.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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