Untadelig leben und tun, was recht ist

Trauerfeier für einen wahren Bildungsbürger, der in allen Belangen geradlinig lebte. Seine Familie liebte ihn von Herzen, und in seinem Beruf hatte er höchste Anerkennung und Wertschätzung erfahren.

Untadelig sein und recht tun: Ein Medaillon mit der Waage der Gerechtigkeit und darum herum englische Begriffe, die mit Gerechtigkeit zusammenhängen, von "fair" und "just" bis "neutral" und "unbiased" = "vorurteilsfrei"

Was bedeutet es, untadelig zu sein und recht zu tun? (Bild: johnhain – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Herrn Q., der im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist. Wir denken gemeinsam an sein Leben, wir begleiten einander auf dem Weg des Abschieds und wir besinnen uns angesichts des Todes auf Worte Gottes, die trösten und zum Leben helfen.

Lasst uns beten mit Worten aus Psalm 37:

5 Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird‘s wohl machen

6 und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag.

16 Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser als der Überfluss vieler Gottloser.

17 Denn der Gottlosen Arm wird zerbrechen, aber der HERR erhält die Gerechten.

18 Der HERR kennt die Tage der Frommen, und ihr Gut wird ewiglich bleiben.

19 Sie werden nicht zuschanden in böser Zeit, und in der Hungersnot werden sie genug haben.

23 Von dem HERRN kommt es, wenn eines Mannes Schritte fest werden, und er hat Gefallen an seinem Wege.

24 Fällt er, so stürzt er doch nicht; denn der HERR hält ihn fest an der Hand.

27 Lass ab vom Bösen und tu Gutes, so bleibst du wohnen immerdar.

30 Der Mund des Gerechten redet Weisheit, und seine Zunge lehrt das Recht.

31 Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen; seine Tritte gleiten nicht.

39 Der HERR hilft den Gerechten, er ist ihre Stärke in der Not.

Wir singen aus dem Lied 361, das dem Psalm 37 nachgedichtet wurde, die Strophen 1, 6 und 7:

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

6. Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

7. Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, lass fahren, was das Herze betrübt und traurig macht; bist du doch nicht Regente, der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl.

Liebe Frau Q., liebe Angehörige des Verstorbenen, liebe Trauergemeinde!

Mit einander widerstreitenden Gefühlen sitzen wir da. Auf der einen Seite wissen wir, dass Herr Q. ein hohes, sozusagen biblisches Alter erreicht hat und dass man mit seinem Tod in diesem Alter und bei seinem Gesundheitszustand hat rechnen müssen. Und doch waren Sie auf der anderen Seite nicht gerade zu diesem Zeitpunkt darauf gefasst, dass der Tod so schnell eintreten würde.

Einerseits gibt es so viel, für das Sie dankbar sind – all die Stunden, die Sie miteinander verbracht, alles, was Sie einander an Liebe geschenkt haben, all die kostbaren Begegnungen mit dem Verstorbenen, all die Prägungen, die von ihm ausgingen und die Sie mit sich tragen.

Andererseits waren da auch Belastungen, die ans Unerträgliche grenzten, zum Beispiel in der Zeit, als Herr Q. auf Pflege und Betreuung angewiesen war. Es gibt Momente, da sagt man sich, dass dieser Tod vielleicht sogar eine Erlösung für den Verstorbenen darstellte.

Zur gleichen Zeit bleibt aber doch die Trauer das untergründige, alles bestimmende Gefühl, denn ein Mensch, der immer da war, ist auf einmal nicht mehr da, ist uns von der Seite gerissen, braucht uns nicht mehr. Was das alles bedeutet, ist uns noch längst nicht in vollem Umfang klar. Es braucht Zeit, um das zu erkennen und zu bewältigen.

Heute ist es erst einmal ein wichtiger Schritt, sich im Abschiednehmen zu erinnern.

Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Auf seine humanistische Bildung war er sein Leben lang stolz – Latein und Altgriechisch waren für ihn keine toten, sondern höchst lebendige Sprachen. Dem gelebten Bildungsideal entsprach ein rationaler Wesenszug, aber durchaus keine emotionale Gleichgültigkeit, denn Sie haben ihn mir als ausgesprochen geradlinigen Menschen geschildert, gerade auch in seinem Streben nach sozialer Gerechtigkeit, die er nicht nur in seinem Beruf, sondern auch in seinem politischen und gewerkschaftlichen Engagement in die Tat umzusetzen suchte.

Ein Bildungsbürger war Herr Q., wie gesagt, dem entsprach eine Reiselust, die ihn an viele Stätten in Europa führte, die ihn vor allem von ihrem kulturellen Hintergrund her interessierten. Naturverbunden war er ebenfalls; und vom sportlichen Einsatz seiner Jugendzeit blieb später seine Liebe zum Fernsehsport erhalten.

So steht Ihnen Herr Q. heute als ein Mensch vor Augen, der Ihnen in unterschiedlicher Weise vertraut war. Was für ein Mensch er war, haben Sie mir vor allem in zwei Stichworten deutlich gemacht: bescheiden und geradlinig. Die Geradlinigkeit konnte eine Begegnung mit ihm auch schwierig machen, zumal er zu einer Generation gehörte, in der es nicht üblich war, viel über Gefühle zu reden. Auch über den Glauben hat er nie viel geredet. Aber er hat seinen Humor gehabt und gezeigt und konnte über kleine menschliche Schwächen sogar Gedichte machen.

Das letzte Urteil über einen Menschen steht nicht uns zu, sondern dem höchsten Richter, vor den wir treten, wenn wir sterben. Jesus spricht davon, dass es der Menschensohn sein wird, also im Klartext: er selbst, der Sohn Gottes, der uns in der Ewigkeit als barmherziger Richter daraufhin befragen wird, wie wir mit dem uns geschenkten Leben umgegangen sind – wie wir auf empfangene Liebe geantwortet haben, wie wir unserer Ver-antwortung gerecht geworden sind.

In diesem Zusammenhang fielen mir Worte aus dem Psalm 15 ein, die ein Licht auf die Persönlichkeit des Verstorbenen werfen, wie mir scheint:

1 HERR, wer darf weilen in deinem Zelt? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge?

2 Wer untadelig lebt und tut, was recht ist, und die Wahrheit redet von Herzen,

3 wer mit seiner Zunge nicht verleumdet, wer seinem Nächsten nichts Arges tut und seinen Nachbarn nicht schmäht;

4 wer die Verworfenen für nichts achtet, aber ehrt die Gottesfürchtigen; wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet;

5 wer sein Geld nicht auf Zinsen gibt und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen. Wer das tut, wird nimmermehr wanken.

Diese Sätze sind wie ein Spiegel, den sich ein guter Richter oder eine andere Amtsperson im Volk Israel vorhalten konnte. Das ist es wohl, was Herr Q. im Sinne gehabt hat, in Familie und Beruf, als Privatmann und als Mensch in öffentlicher Verantwortung: untadelig zu leben, das Rechte zu tun, wahrhaftig zu sein in Worten und Taten. Wie gesagt, das Urteil darüber, wie weit ihm das gelungen ist, können wir getrost einem anderen überlassen, denn es ist ein gnädiger Richter, vor dem wir uns in der Ewigkeit zu verantworten haben.

Dass wir in der Ewigkeit nicht verloren gehen, dafür stehen in der Bibel vielfältige Bilder: Der zitierte Psalm spricht davon, dass wir in Gottes Zelt weilen, auf seinem heiligen Berg wohnen. Jesus spricht von den vielen Wohnungen im Hause seines Vaters (Johannes 14, 2), er verspricht dem Mann, der neben ihm am Kreuz hängt: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23, 43), er erzählt, dass wir im Himmel sein werden „wie die Engel“ (Markus 12, 25).

Im Glaubensbekenntnis bekennen wir als Christen den Glauben an die „Auferstehung der Toten“ und das „ewige Leben“. Es sind Bilder der Erfüllung unseres irdischen Lebens, die heute leicht missverstanden werden, wenn man sie im Sinne der bloßen Verlängerung des irdischen Lebens ins Unendliche oder als körperliche Wiederbelebung eines Toten begreift. Beides ist nämlich nicht gemeint.

Mit der Auferstehung ist vielmehr gemeint, dass wir Menschen im Tode auch als das Individuum Zukunft haben, das wir gewesen sind, vor allem mit der Liebe, die wir empfangen und verschenken konnten. Und die Ewigkeit des Lebens „nach“ dem Tode ist eine Umschreibung dafür, dass wir eine Erfüllung zu erwarten haben, die alle unsere Vorstellungen übersteigt.

Also wer es nicht mag, in einem langweiligen Himmel für alle Zeiten „Halleluja“ zu singen, wird dazu auch gewiss nicht genötigt werden, um es bildlich auszudrücken. Ich halte mehr davon, ganz bescheiden davon zu sprechen, dass wir im Tode dem ewigen Gott begegnen werden, der das menschliche Gesicht Jesu trägt. Dieser Gott empfängt uns; in seiner Liebe bleiben wir aufgehoben und bewahrt, wenn wir sterben und das Tor des Todes durchschreiten – nicht in einen dunklen Abgrund hinein, sondern dorthin, wo die vollkommene Liebe ist. Amen.

Wir singen das Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hüllemein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

Barmherziger Gott, nimm Herrn Q. gnädig auf in dein himmlisches Reich. Bewahre ihn auf in deiner Liebe und schenke ihm die ewige Ruhe. Tröste diejenigen, denen sein Tod nahegeht, die um ihn trauern, begleite sie auf dem Weg des Abschieds und lass sie bewältigen, was sie belastet. Lass uns dankbar sein für alles, was wir einander an Liebe geben und voneinander empfangen konnten. Vergib, was wir einander schuldig geblieben sind. Hilf uns, einander beizustehen, wo wir in schwerer Zeit ein gutes Wort oder tatkräftiges Zupacken brauchen oder wo es einfach gut ist, da zu sein, auch wenn uns die Worte fehlen. Amen.

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