Alle Krankheiten heilen?

Es hat doch seinen guten Sinn, dass Matthäus uns dieses kleine Wörtchen „alle“ mehrfach überliefert. Nicht nur von Jesus, auch von seinen Jüngern erzählt er ausdrücklich, dass sie alle Krankheiten und alle Gebrechen heilen. Das heißt: niemand ist ein hoffnungsloser Fall! Jesus hat keinen Menschen aufgegeben; und er erwartet auch von uns, dass wir niemanden einfach seinem Schicksal überlassen.

Auf einer aufgeschlagenen Bibel mit einer Heilungsgeschichte Jesu liegt ein Bronze-Kreuz mit dem Relief einer Hand, in die sich ein Kind kuschelt

Wie geht das: Alle Krankheiten heilen – mit der Kraft der Liebe Gottes? (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 1. Sonntag nach Trinitatis, den 18. Juni 1995, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen im Gottesdienst in unserer Klinik-Kapelle! Wie immer werden wir gemeinsam singen, gemeinsam beten, gemeinsam Gottes Wort hören. In der Predigt wird es heute um eine schwierige und ernste Frage gehen: Können durch Gottes Hilfe alle Menschen geheilt werden? Gibt es durch Jesus Hoffnung für alle Menschen? Darüber möchte ich mit Ihnen nachdenken.

Morgenlied 449, 1+4+8:

1) Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder; aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

4) Abend und Morgen sind seine Sorgen; segnen und mehren, Unglück verwehren sind seine Werke und Taten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen; wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

8) Alles vergehet, Gott aber stehet ohn alles Wanken; seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen, halten und zeitlich und ewig gesund.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit Worten aus Psalm 34:

2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

5 Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

7 Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott, wir sehnen uns danach, gesund und heil zu sein, nicht unter Behinderungen und Einschränkungen leiden zu müssen. Und doch stößt jeder von uns an Grenzen, manche von uns auf sehr schmerzhafte Weise. Was hat das alles für einen Sinn? Wo gibt es Hilfe? Kannst du uns heilmachen – jeden von uns uns? Gib uns Antwort, lass unser Leben nicht sinnlos sein, schenke uns dein Heil! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Buch von Salomos Weisheit 15, 1-3:

1 Du, unser Gott, bist freundlich und treu und geduldig und regierst alles mit Barmherzigkeit.

2 Wenn wir auch sündigen, gehören wir doch dir und kennen deine Macht. Weil wir aber wissen, dass wir dir angehören, sündigen wir nicht.

3 Denn dich kennen ist vollkommene Gerechtigkeit, und von deiner Macht wissen ist die Wurzel der Unsterblichkeit.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja.“

Lied 620: Gottes Liebe ist wie die Sonne
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde!

In der heutigen Predigt hören wir Vers für Vers eine Erzählung über Jesus aus dem Matthäusevangelium. Der Evangelist Matthäus beginnt seine Erzählung mit einer allgemeinen Zusammenfassung über die Tätigkeit Jesu (Matthäus 9):

35 Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen.

Das ist uns vertraut. Wir kennen Jesus, den Wanderprediger, den Lehrer und Heiler. Bei einem kleinen Wort stutze ich allerdings: bei dem Wort „alle“. „Er ging in alle Städte und Dörfer… Er heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen.“

Am liebsten würde ich den Evangelisten selbst fragen: „Herr Matthäus, haben Sie hier nicht vielleicht übertrieben? Kann Jesus wirklich alle Krankheiten damals geheilt haben, alle Behinderungen beseitigt haben?“

Aber ich weiß nicht genau, wie er geantwortet hätte. Eins hätte er sicher nicht sagen können: „Ich war doch selbst dabei! Ich muss es doch wissen!“ Nein, dabei war er mit ziemlich großer Sicherheit nicht. Lange Zeit hat man zwar gedacht, dass man ihn gleichsetzen könnte mit dem Jünger Matthäus, mit dem ehemaligen Zöllner. Aber das waren zwei verschiedene Personen. Der Evangelist Matthäus hat die Geschichten von Jesus also selber auch schon von anderen erzählt bekommen.

Warum also könnte Matthäus uns auch dieses Wörtchen „alle“ überliefert haben? Hat Jesus wirklich alle Menschen geheilt, denen er begegnet ist? Vielleicht hätte Matthäus uns gesagt: „So habe ich es eben gehört. So erzählt man es sich. Und das ist doch auch nicht verwunderlich. Jesus ist doch Gottes Sohn! Darum trauen ihm die Christen eben auch zu, dass er alle Krankheit und alle Behinderung besiegt.“

„Nun ja“, würde ich dem Matthäus wiederum entgegnen, „aber warum hat Jesus dann nicht allen Kranken und allen Behinderten zu allen Zeiten geholfen? Warum gibt es bis heute immer noch kranke und gebrechliche Menschen?“

Ich glaube, darauf könnte Matthäus gesagt haben: „Das ist auch für mich ein Rätsel. Es war ja sogar für Jesus selbst ein Rätsel. In Nazareth zum Beispiel konnte er keine Wunder vollbringen. Dort traute man dem Zimmermannssohn einfach nichts zu. Und lesen Sie doch einfach mal weiter in meinem Text. Sie werden schon sehen: die gleiche Frage, die Sie mir stellen, die stelle ich mir dort auch. Ja, Jesus selbst hat sie sich schon damals gestellt: Wie nur soll man allen Menschen helfen können, die Hilfe brauchen?“

Nun gut, lassen wir also die Frage zunächst offen, ob Jesus damals wirklich alle Kranken geheilt hat. Schauen wir uns an, was Matthäus außerdem noch weitererzählt hat von dem, was man ihm erzählt hatte:

36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.

Zwei Dinge werden von Jesus erzählt. Er nimmt wahr, und er fühlt mit. Er sieht das Volk, und das Volk „jammert ihn“, es rührt ihn zu Tränen. Er spürt, was den Menschen fehlt: sie sind verschmachtet und zerstreut. Sie hungern nach Liebe und sind fast verhungert. Sie sind einsam, sind vereinzelt, weil sie denken, sie müssten sich allein durchschlagen im Leben. „Wie Schafe, die keinen Hirten haben“, so kommen ihm die Leute vor, voller Unruhe, ohne Orientierung und ohne Halt, und ohne wirklich zu wissen, was sie eigentlich brauchen.

Jesus sieht diese vielen Menschen, die Hilfe brauchen, und was wird er tun? Wird er als Gottessohn seine Allmacht spielen lassen und wie durch Zauberei alle Probleme dieser Leute verschwinden lassen? Nein, vielleicht sind Sie überrascht, etwas völlig anderes von ihm zu hören:

37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter.

38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.

Jesus spricht zu seinen Jüngern in einem Gleichnis, wie er es so oft tut. Er wählt das Bild der Ernte. In der Ernte geht es darum, Früchte einzubringen. Da geht es um den erfolgreichen Abschluss eines Jahres im Ackerbau; was man gesät hatte, hat reichlichen Ertrag gebracht; nun muss alles in die Scheunen eingefahren werden, sonst würde zuguterletzt doch noch vieles verderben.

„Die Ernte ist groß“, sagt Jesus. Wenn er die orientierungslosen und liebebedürftigen Menschen als „Schafe ohne Hirten“ bezeichnet, will er sie offenbar nicht abwerten. Er sieht sie vielmehr als kostbare Menschen an, jeder einzelne von ihnen spielt in Gottes Plan eine wichtige Rolle. Keiner von ihnen soll, bildlich gesprochen, in der Ernte Gottes verloren gehen.

Aber zugleich ist Jesus bekümmert, denn es sind viel zu wenige Arbeiter da, die diese Ernte einbringen könnten: „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter.“ Jesus stellt sich nicht als den großen Supermann dar, für den es kein Problem wäre, allen diesen Menschen auf einmal zu helfen. Er fordert vielmehr ganz bescheiden seine Jünger auf, zu Gott im Himmel zu beten. „Den Herrn der Ernte“ sollen sie bitten – aber wiederum nicht um ein Zauberkunststück vom Himmel, sondern darum, „dass er Arbeiter in seine Ernte sende“. Das erinnert mich daran, dass einmal jemand gesagt hat: „Gott hat keine anderen Hände als die unseren.“ Um anderen Menschen zu helfen, will Gott uns als Werkzeuge benutzen.

Lied 241, 2+3+8:

2) O dass dein Feuer bald entbrennte, o möcht es doch in alle Lande gehn! Ach Herr, gib doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn. O Herr der Ernte, siehe doch darein: die Ernt ist groß, die Zahl der Knechte klein.

3) Dein Sohn hat ja mit klaren Worten uns diese Bitt in unsern Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich herzinbrünstig hierum anzuflehn; drum hör, o Herr, und sprich: „Es soll geschehn.„

8) Du wirst dein herrlich Werk vollenden, der du der Welten Heil und Richter bist; du wirst der Menschheit Jammer wenden, so dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist. Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn; du tust doch über Bitten und Verstehn.

Liebe Gemeinde, Jesus beschränkt sich allerdings nicht darauf, die Jünger zum Beten aufzufordern (Matthäus 10). Er stellt sie sozusagen gleich selber als Arbeiter für seine Ernte ein:

1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen.

Wieder stutze ich. Wieder steht hier das Wörtchen „alle“. Nun zweifle ich erst recht, ob Matthäus nicht übertreibt. Denn wenn Jesus seinen Jüngern Macht gibt, alle Krankheiten und alle Gebrechen zu heilen – warum konnten das dann nicht auch später die Christen tun, warum können wir das heute nicht mehr?

Diese Spannung bleibt also in unserem Text bestehen. Wir können nicht einmal sagen: Ja, Jesus konnte damals allen Menschen helfen, aber diese Zeit ist vorbei, heute geht das leider nicht mehr. Nein, dieser Ausweg ist uns versperrt, denn Jesus traut ausdrücklich auch den Jüngern das gleiche zu. Ich wüsste keinen Grund, weshalb das dann nicht auch für uns Christen heute gelten sollte.

Aber auf der anderen Seite ist doch auch ganz klar: Es sind nicht alle Krankheiten heilbar. Viele Menschen müssen mit einer Krankheit leben, und auch viele Behinderungen begleiten einen Menschen ein Leben lang.

Offenbar muss es damals beim Erzählen der Geschichte, die Matthäus für uns aufgeschrieben hat, doch irgendein Missverständnis gegeben haben, irgendein Verständnisproblem. Vielleicht hängt alles an der Frage, wie man das Wort „heilen“ versteht. Was ist denn damit gemeint, dass Jesus „heilt“, was ist damit gemeint, dass seine Jünger genau so „heilen“ können?

Einen Hinweis darauf finde ich darin, dass den Jüngern Macht gegeben wird „über die unreinen Geister, dass sie die austrieben“. Mit diesen unreinen Geistern meinte man offenbar unheimliche Mächte, die die Seele kranker Menschen beherrschten. Und Jesus verstand es, die Menschen frei zu machen von solchen dunklen Zwängen. Er spürte ihren Hunger nach Liebe und Orientierung; und die Kranken spürten, dass sie sich diesem Mann anvertrauen konnten. Und eben dieses Vertrauen war es, das sie gesund machte. Man kann vielleicht sagen, dass im Grunde der Ausdruck „unreine Geister“ nicht anderes ist als eine Umschreibung für die Verzweiflung von Menschen, die kein Vertrauen und keine Liebe kennen, die seelisch am Verhungern sind und in Verbitterung fast zugrundegehen.

Zur Zeit Jesu führte man nun aber alle Krankheiten, auch körperlich verursachte, auf böse Geister zurück. Daher hat man vielleicht angenommen: Wenn Jesus und seine Jünger die Menschen von „unreinen Geistern“ befreien, dann müssten sie doch auch alle Kranken gesund machen können. Man kannte ja die Unterscheidung zwischen körperlichen und psychosomatischen Krankheiten noch nicht. Jede Heilung erschien als ein übernatürliches Wunder.

Ich denke nun so: Die heilende Kraft Jesu und auch der Jünger ist keine Zauberkraft. Sie ist die seelische Kraft der Liebe und des Vertrauens. Mit dieser heilenden Kraft wird nicht jede Krankheit beseitigt, aber in einem anderen Sinne kann doch jeder Kranke ein Stück Heilung erfahren. Heil werden heißt dann zum Beispiel: Ein unheilbar Kranker nimmt doch sein Schicksal aus Gottes Hand an. Ein behinderter Mensch lebt mit seiner Behinderung und bejaht sein Leben. Jemand, der an seiner Krankheit zu verzweifeln drohte, hört auf, gegen sein Schicksal anzukämpfen, und er nimmt plötzlich vieles wahr, was sein Leben doch sinnvoll macht.

So gesehen, hat es vielleicht doch seinen guten Sinn, dass Matthäus uns dieses kleine Wörtchen „alle“ mehrfach überliefert hat. Nicht nur von Jesus, auch von seinen Jüngern erzählt er ausdrücklich, dass sie alle Krankheiten und alle Gebrechen heilten. Das heißt: niemand ist ein hoffnungsloser Fall! Jesus hat keinen Menschen aufgegeben; das Schicksal jedes einzelnen Menschen ging ihm nahe; und er erwartet auch von uns, dass wir niemanden abschreiben, niemanden einfach seinem Schicksal überlassen.

Und das gilt auch, wenn wir manchmal machtlos sind, wenn wir manchmal nicht helfen können. Wir sollen es versuchen, wir sollen tun, was uns möglich ist; aber wenn wir an Grenzen stoßen, dann ist Gottes Macht doch noch nicht zu Ende. Auf verborgene Weise kann er auch da noch helfen, wo unsere Kräfte auf direktem Wege am Ende sind.

Lied 376:

So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich.

Wie geht es nun im Text weiter, liebe Gemeinde? In einem der nächsten Verse hören wir, wohin Jesus seine Jünger aussendet:

5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter,

6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel.

Eigentümlich! Fand ich es vorhin übertrieben zu sagen, Jesus hätte alle Krankheiten und Gebrechen geheilt, stutze ich jetzt schon wieder: Die Jünger sollen ausdrücklich nicht zu den Samaritanern und zu den Heiden gehen? Wenn es dabei geblieben wäre, dann hätten wir alle, die keine Juden sind, niemals von Jesus erfahren, dann hätten wir niemals Christen werden können! Wie kann das sein, dass Jesus ursprünglich so enge Vorstellungen von der Ernte Gottes gehabt hat? Das passt doch nicht zu dem Jesus, der mit der Samariterin am Brunnen sprach, der den barmherzigen Samariter den Juden als Beispiel hinstellte, der den römischen Hauptmann zu Kapernaum und die kanaanäische Frau aus dem Heidenland nicht zurückwies.

Ich kann das nur so verstehen, dass auch Jesus hinzugelernt hat im Laufe der Zeit. Und am Anfang ist er wohl davon überzeugt gewesen, dass er nur zum Volk Israel gesandt sei. Darum kann Jesus sich auch wirklich nicht als übernatürlichen Supermann gesehen haben, der mit Zauberkräften allen Menschen in aller Welt hätte helfen wollen.

Das Wunderbare war jedoch: im Laufe der Zeit ging es Jesus immer deutlicher auf, dass die Liebe des Vaters im Himmel noch viel größer war, als sogar er selbst gedacht hatte. Obwohl seine Kräfte begrenzt waren und erst recht die Kräfte seiner Jünger, sollten am Ende doch alle Menschen von Gottes Liebe erreicht werden. „Die Ernte ist groß“, hatte Jesus gesagt. Offenbar sogar größer, als Jesus ursprünglich angenommen hatte.

Und trotzdem wird niemand überfordert, der in Gottes Ernte als Arbeiter eingestellt wird, denn jeder soll nur weitergeben, was er selbst von Gott empfangen hat. So verstehe ich den letzten Satz in unserem Predigttext:

7 Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.

Das ist die ganze Botschaft, die Jesus seinen Jüngern aufträgt. Das Reich Gottes, das Himmelreich ist nahe. Das bedeutet: Gott selbst ist nahe. Seine Liebe ist hier, sie ist spürbar, fühlbar. Wir können sie leben, zum Beispiel wo einer dem andern zuhört, wo einer dem andern Mut macht, wo wir einander beschützen und Mut machen. Ja, Gott ist hier, und er will nicht, dass irgendjemand von uns verlorengeht. Ganz gleich, wie krank jemand ist, vor Gott sind wir alle wertvolle, kostbare, geliebte Menschen; und unsere Seele soll heil werden durch seine Hilfe. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 552: Einer ist unser Leben

Gott, unser Vater! Wir vertrauen uns dir an. Du kannst unser Leben heil machen, auch wenn wir sterbliche, begrenzte Menschen sind. Auch dein Sohn Jesus Christus stieß an Grenzen, beklagte die wenigen Mitarbeiter in deiner Ernte, auch er musste und konnte hinzulernen. Lass uns den Weg des Vertrauens gehen, Schritt für Schritt. Lass uns darauf bauen, dass es keinen Menschen ohne Hoffnung gibt. Amen.

Wir beten gemeinsam mit den Worten Jesu:

Vater unser
Lied 560: Es kommt die Zeit, in der die Träume sich erfüllen
Abkündigungen

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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