Was für ein Gott ist unser Gott?

Gott will mit den Menschen nicht nach Lust und Laune machen, was er will. Er will unsere Angst beruhigen. Seine Größe und Allmacht ist eine erlösende Macht; sie gibt uns Halt wie ein Fels in der Brandung. Wer sich an diesem Felsen festmacht, kann aufrecht durchs Leben gehen und in der Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen sein Leben führen.

Ein Felsen, der auf anderen Felsen balanciert: im so genannten Garten der Götter

Gott spricht: „Ist auch ein Gott außer mir? Es ist kein Fels, ich weiß ja keinen.“ (Bild: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst zur Goldenen Konfirmation am Sonntag Trinitatis, 3. Juni 2012, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Musik und Einzug der Goldkonfirmanden

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zur vierten Goldenen Konfirmation, die in unserer evangelischen Pauluskirche Gießen stattfindet! An drei Sonntagen im Jahr 1962 sind insgesamt 128 Mädchen und Jungen von Herrn Pfarrer Konopka eingesegnet worden; das waren die Konfirmandinnen und Konfirmanden von zwei Jahrgängen, denn in diesem Jahr wurde der Unterricht von vorher zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt. Insgesamt 18 von diesen Konfirmierten haben sich zur Feier der Goldenen Konfirmation angemeldet, einer davon ist leider krank geworden, und wir heißen Sie alle herzlich willkommen!

Heute ist der Sonntag Trinitatis, das ist auf Lateinisch der Sonntag der Dreieinigkeit. Dieser Sonntag erinnert uns besonders daran, dass wir an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist glauben. Mit dem Lied 321, einem Lied der Dankbarkeit, beginnen wir unseren Festgottesdienst:

1. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.

2. Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.

3. Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit dem Psalm 31. Er steht im Gesangbuch unter der Nummer 716. Ich lese die linksbündigen Verse, sprechen Sie bitte die nach rechts eingerückten Teile:

2 Herr, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!

3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

5 Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke.

6 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.

8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not

9 und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.

15 Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!

16 Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.

17 Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ist Gott für uns verlässlich wie ein Fels und eine Burg? Oder ist er für uns wie eine Wunschvorstellung schwacher Menschen, eine Idee, an der sich niemand festhalten kann? Gott, zu allen Zeiten haben Menschen auf deine Macht gebaut, und andere haben an dir gezweifelt. Du selbst erweist die Macht deiner Liebe an uns, wenn wir uns für sie öffnen. Darum bitten wir dich um deine Nähe, deine Liebe, dein Erbarmen.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

In Zeit und Raum existieren wir durch Gottes Güte. Begrenzt ist unsere Zeit, und doch sind unsere Füße auf weiten Raum gestellt. Weit ist unser Raum durch die Liebe eines Gottes, der uns zugleich Freiheit schenkt.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer Gott, wir kennen deinen Namen durch Jesus Christus. Du Gott Israels hast dich offenbart als ein Gott, der Menschen aller Völker in die Freiheit führt und zur Liebe ermutigt, der kein Unrecht gutheißt und uns Wege des Friedens zeigt. Gib, dass wir uns unter deinen Segen stellen, Vater im Himmel, und uns erfüllen lassen von deinem heiligen Geist, im Namen Jesu Christi, deines Sohnes, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Johannes 3, 1-8:

1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.

2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden.

8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Das Glaubensbekenntnis sprechen wir heute später im Gottesdienst mit den Goldenen Konfirmanden. Jetzt singen wir vor der Predigt das Lied 331:

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen, stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen, rufen dir stets ohne Ruh: »Heilig, heilig, heilig!« zu.

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth! Heilig, Herr der Himmelsheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

5. Dich, Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine. Deinem eingebornen Sohn singt die heilige Gemeinde, und sie ehrt den Heilgen Geist, der uns seinen Trost erweist.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, vor allem liebe Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Sie waren damals 128 Konfirmanden in zwei Jahrgängen. 50 Jahre später sind in diesem Jahr nur 8 Mädchen und Jungen hier in der Pauluskirche konfirmiert worden. Ist das ein Zeichen für den Niedergang unserer Kirche? Glaubt man heute weniger als früher?

Tatsächlich nimmt die Mitgliederzahl der evangelischen Landeskirchen immer mehr ab. Aber das muss nicht bedeuten, dass weniger geglaubt wird. Früher war es selbstverständlicher, zur Kirche zu gehören, egal wie bewusst man seinen Glauben empfunden und gelebt hat. Heute ist die Freiheit viel größer, ganz eigenständig Ja oder Nein zu einem bestimmten Glauben zu sagen, und das finde ich auch gut so.

Im übrigen: Für das nächste Jahr haben sich wieder 26 Konfirmanden angemeldet, und zwar weil sie sich wirklich auf die Konfi-Zeit und nicht nur auf die Geschenke freuen, und das ist ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft unserer Kirchengemeinde.

Die Frage, wie unser Glaube aussieht, müssen wir in der heutigen Zeit immer wieder neu stellen. Ist unser Glaube noch genau so wie in unserer Konfirmandenzeit? Hat er sich bewährt, verändert oder verflüchtigt? Ich möchte zum Nachdenken über den Glauben anregen, indem ich die Frage stelle: Was ist das eigentlich für ein Gott, an den wir glauben? Dabei kann uns ein Text aus dem Alten Testament helfen; er steht im Buch Jesaja 44. Frau Jung liest ihn Vers für Vers vor, und ich sage Ihnen meine Gedanken dazu.

1 So höre nun, mein Knecht Jakob, und Israel, den ich erwählt habe!

Ursprünglich hat der Prophet Jesaja mit diesen Worten damals das Volk Israel angeredet; Jakob, der Enkel Abrahams, der von seinem Vater Isaak den Segen Gottes erschlichen hatte, er wurde Israel, Gottesstreiter, genannt, als er am Fluss Jabbok ein merkwürdiges Erlebnis hatte, einen regelrechten Ringkampf mit Gott, der damit endete, dass Gott ihn noch einmal segnete. Die beiden Namen Jakob und Israel für den gleichen Menschen erinnern uns daran, dass ein Mensch viele Gesichter haben kann, ein offenes und ein hinterlistiges, und dass Gott durchaus einen Betrüger auswählen kann, um aus ihm sein Volk hervorgehen zu lassen. Als Jesus später seinen Jünger Simon in Petrus, den Felsen, umbenannte, weil er ihm die Leitung der ersten Christengemeinde anvertrauen wollte, da hatte das einen ähnlichen ironischen Unterton, denn ausgerechnet Petrus war es ja, der dann den Jesus verleugnete, als es darauf angekommen wäre, zu bekennen. Auf solche Menschen baut Gott auch seine Kirche auf; er traut uns zu, dass wir uns ändern können.

Jesus ist es auch, der es uns erlaubt hat, den Gott Israels als unseren Gott anzubeten und uns auf ihn zu verlassen. Wir sind ja nicht Israel, wir sind keine Juden. Aber indem wir an Jesus glauben, glauben wir an den Gott, den wir mit den Juden gemeinsam haben. Und wir dürfen das, was Gott dem Volk Israel gesagt hat, auch als ein Versprechen an uns verstehen.

2 So spricht der HERR, der dich gemacht und bereitet hat und der dir beisteht von Mutterleibe an: Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, und du, Jeschurun, den ich erwählt habe!

Hier wird noch einmal Jakob angeredet; wir alle sind gemeint, die wie Jakob eher unvollkommene Menschen sind.

Trotz unserer Unvollkommenheit sind wir kostbare Menschen: erstens weil wir von Gott selber gemacht sind. Wir alle gehen auf eine Idee Gottes zurück und sind kein Zufallsprodukt. Dabei weiß der Prophet natürlich, dass wir im Mutterleib entstanden und nicht alle von Gott aus Lehm geknetet wurden; wo die Bibel solche Bilder gebraucht, will sie darauf hinweisen, dass die Bestandteile unseres Körpers von unserer Erde stammen und auch wieder zu Erde, Staub und Asche zerfallen, wenn unser Leben zu Ende ist.

Kostbare Menschen sind wir zweitens, weil Gott uns beisteht und uns zuruft: Fürchtet euch nicht!

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden (Johannes 16, 33)

– so macht uns auch Jesus im Namen seines Vaters im Himmel Mut.

Drittens wird Jakob oder Israel hier mit dem eigenartigen Namen „Jeschurun“ angesprochen, das heißt so viel wie „der Gerade“. Also noch einmal wird unterstrichen: So unvollkommen wir sind, Gott traut uns zu, dass wir „gerade“ sind, dass wir wissen, wo „es lang geht“, was Gott von uns erwartet, dass wir also nicht auf eine schiefe Bahn geraten.

3 Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen,

4 dass sie wachsen sollen wie Gras zwischen Wassern, wie die Weiden an den Wasserbächen.

Nach der ausführlichen Anrede sagt Gott, was er seinem Volk und auch uns schenken will. Wo wir in unserem Leben Durststrecken durchzustehen haben, wo unsere Seele wie ausgedörrt ist und keine Liebe und keinen Trost erfährt, da will Gott diesen Durst stillen. Es gibt auch Zeiten, in denen sowohl das Volk Israel als auch die Kirche Christi dieses Versprechen wörtlich verstehen durfte: Wenn es Hungersnöte auf Grund einer Dürrezeit gab, da betete man um Regen und war dankbarer als heute für jede Ernte. Aber bildlich gesprochen dürfen wir alle von Gott erwarten, dass er seinen Geist über uns ausgießt und auch unsere Kinder segnet. Was damit gemeint ist, drückt der Prophet mit einem schönen Bild aus: Wir und auch unsere Nachkommen sollen wachsen wie Gras zwischen Wassern, wie die Weiden an den Wasserbächen. Solche Bilder erinnern uns an Frühling und Sommer, an erholsame Urlaubstage, an belebende Ausflüge in die freie Natur. Gott will uns wachsen lassen, wir dürfen uns frei entfalten, und was für das Gras und die Weiden ein sattes Grün ist, ist für uns Menschen vielleicht ein freundliches Gesicht, ein offenes Ohr und ein gutes Wort, das wir füreinander übrig haben.

5 Dieser wird sagen »Ich bin des HERRN«, und jener wird genannt werden mit dem Namen »Jakob«. Und wieder ein anderer wird in seine Hand schreiben »Dem HERRN eigen« und wird mit dem Namen »Israel« genannt werden.

Unvermittelt spricht der Prophet plötzlich von Unterschieden, die Menschen im Volk Gottes zwischen sich aufbauen. Ich gehöre zu Gott, sagt der eine; ein anderer schreibt dasselbe in etwa anderer Formulierung in seine Hand. Ich gehöre zum Stamm Jakob, sagt der eine, der andere will nicht diesen Namen tragen, sondern Israel heißen. Das erinnert mich an die Spaltungen im Christentum: hier Evangelisch, da Katholisch, hier die Baptisten, da die Stadtmission. Wer in einer bestimmten Weise glaubt, für den mag der Glaube des anderen falsch erscheinen, aber wie wichtig sind solche Unterschiede in den Augen Gottes?

6 So spricht der HERR, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR Zebaoth: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott.

Gott sagt eindeutig: Egal wie ihr euch nennt und wie ihr an mich glauben wollt, ich bin nur einer. Außer mir kann es keinen geben. Ein ganz bestimmter Gott redet hier, und uns mag es immer wieder eigenartig erscheinen, dass unser christlicher Gott ursprünglich der Gott des kleinen Volkes Israel war.

Auch damals war er schon der Gott der ganzen Welt, aber bevor er sich durch Jesus allen Menschen sozusagen persönlich zu erkennen gab, hatte er sich in der Menschheit erst einmal als König Israels einen Namen gemacht – und zwar in mehrfacher Weise: Israel war das erste Volk, dessen König eigentlich Gott war und dessen menschlicher König auch den Geboten Gottes unterworfen war. Insofern war Gott zwar ein Herr, aber dieser Name „Herr“ ist die Umschreibung einer Herrschaft, die den Menschen Freiheit schenkt.

Der wirkliche Name Gottes ist nämlich unaussprechlich, man kann mit ihm Gott weder beschwören noch auf ein bestimmtes Bild festlegen; Gott selbst umschreibt diesen Namen einmal so: „Ich bin, der ich bin“, ich bin für euch da, ich setze euch in Bewegung, ich bin der, der in die Freiheit führt.

Ein Zusatzname dieses Gottes ist „Zebaoth“, das heißt wörtlich „der Umscharte“, wir übersetzen meistens: „Herr der Heerscharen“. Gemeint sind Gottes Engel, die ihn umgeben, und angedeutet wird damit, dass Gott über unsichtbare Kräfte und Mächte verfügt, mit denen er Menschenherzen bewegen kann und auf diese Weise in der Welt seine Liebe, seinen Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit ins Spiel bringen kann. Klar, der Name „Zebaoth“ ist oft auch als Rechtfertigung für Kriege im Namen Gottes eingesetzt und in der Regel eher missbraucht worden, denn meistens handelte es sich bei diesen Kriegen nicht um Befreiungsmaßnahmen für Menschen, die unter Unterdrückung litten, sondern eher um Eroberungskriege sogenannter christlicher Herrscher. Wie gesagt: Ursprünglich geht es in dem Namen „Zebaoth“ um die Engelmächte, mit denen Gott uns Menschen mit Botschaften versorgt, mit Kraft und Mut ausrüstet und uns in dieser gefährlichen Welt behütet.

7 Und wer ist mir gleich? Er rufe und verkünde es und tue es mir dar! Wer hat vorzeiten kundgetan das Künftige? Sie sollen uns verkündigen, was kommen wird!

Im Konfirmandenunterricht haben Sie sicher auch das 1. Gebot gelernt: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“ Warum ist Gott so eifersüchtig darauf bedacht, dass nur er angebetet werden soll? Interessant ist, dass er hier noch nicht einmal behauptet, dass es nur ihn gibt. Er fragt: Wer ist so wie ich? Wer kann es mit mir aufnehmen? Wer ist mächtiger als ich? Als Beispiel nennt er das Wissen um die Zukunft. Nur Gott ist ewig, nur Gott weiß, was kommt, und gewährt manchmal durch seine Propheten den Menschen einen kleinen Blick in die Zukunft, damit sie gewarnt sind und nicht blind in ihr Unglück rennen.

8 Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht! Habe ich’s dich nicht schon lange hören lassen und es dir verkündigt? Ihr seid doch meine Zeugen! Ist auch ein Gott außer mir? Es ist kein Fels, ich weiß ja keinen.

Hier wird klar: Gott spielt sich nicht als der eine Gott auf, um mit den Menschen nach Lust und Laune machen zu können, was er will. Er will uns keinen Schreck einjagen, sondern unsere Angst beruhigen. Seine Größe und Allmacht ist, wie wir vorher gehört haben, eine erlösende Macht; sie drückt uns nicht nieder, sondern richtet uns auf und gibt uns Halt wie ein Fels in der Brandung. Und wer sich an diesem Felsen festhält und festmacht (das ist ja die Bedeutung des Wortes Konfirmation), der kann aufrecht durchs Leben gehen und in der Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen sein Leben führen.

Gott weiß, dass so ein Glaube an ihn nicht selbstverständlich ist; daher appelliert er an seine Zuhörerschaft: Ich habe es euch doch immer wieder gesagt, ihr habt Worte von mir gehört, ihr habt schon Erfahrungen mit mir gemacht, ihr könnt das doch bezeugen. Wer in seinem Leben spürt, dass das Vertrauen auf Gott ihn trägt, der sagt das weiter und strahlt es aus in dem, was er tut und lässt, in seinem ganzen Wesen. Daher sagt Gott: Eigentlich müsstet ihr wissen, dass alles andere, was die Menschen Gott nennen und worauf sie vertrauen, nicht wirklich Gott ist. Wir haben sein Wort und das Wort, die Erfahrungen mit Gott bezeugen. Andere Garantien oder Beweise dafür, dass es Gott gibt oder dass er mächtig ist, kriegen wir nicht.

Die Frage, ob es vielleicht doch andere Götter gibt, beantwortet Gott fast ironisch: „Also, wenn ihr einen anderen Gott sucht, der zuverlässig wie ein Fels ist – ich jedenfalls kenne so einen nicht.“ Die Götter in der Umgebung des alten Israel waren alle selbstgemacht und dienten den Königen dazu, ihre Völker auszubeuten.

Wie würde Gott heute über die anderen Religionen reden, was würde er von unserem Dialog mit Juden, Muslimen und Buddhisten halten? Vielleicht würde er sagen, wie es in einem jüdischen Witz heißt: „Dazu sage ich gar nichts, wir reden im Himmel nicht so viel über Religion.“ Wenn Menschen auf andere Weise als wir in ihrer Religion ebenfalls einen festen Halt finden und sich zur Gerechtigkeit, zum Frieden und zur Liebe angeleitet wissen, dann widerspricht ihr Glaube in meinen Augen nicht grundsätzlich dem, worauf unser Glaube an den einen Gott zielt.

Wichtiger ist, dass wir Christen uns selber von Gott ins Gewissen reden lassen, zum Beispiel so: „Überlegt mal, wie viele falsche Bilder ihr euch schon von mir gemacht habt, als sei ich wie ein Polizist im Himmel, der alles verbietet und die Menschen für Kleinigkeiten bestraft, oder ein Gott, der Waffen segnet. Nein, ich will euch segnen auf Wegen des Friedens und euch in die Freiheit führen.“

Ich wünsche uns allen, dass Gott uns so anspricht und dass wir uns auf ihn verlassen können in unserem ganzen Leben. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 419: Hilf, Herr meines Lebens

Liebe Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Bei Ihrer Konfirmation haben Sie mit dem Glaubensbekenntnis Ja gesagt zu Gott, zu Jesus, zur Kirche. Sie haben zu Gott gebetet, dass er Sie im Glauben wirklich „kon-firmiert“, also fest-macht. Seitdem sind Sie unterschiedliche Wege geführt worden, und Sie haben sicher erfahren, dass Glaube in Bewegung bleibt und sich verändert. Nur so kann er tragfähig bleiben für ein ganzes Leben und auch Schicksalsschlägen standhalten. Heute sprechen Sie gemeinsam mit allen Gottesdienstteilnehmern erneut das Glaubensbekenntnis, und zwar als Bitte zu Gott um neuen Glauben:

Glaubensbekenntnis
Segen für 17 Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden

Wir denken in dieser feierlichen Stunde auch an Ihre Kameradinnen und Kameraden, die nicht hier sind, aus gesundheitlichen oder anderen Gründen. Besonders denken wir an diejenigen, die aus dem Kreis Ihres Konfirmandenjahrgangs bereits verstorben sind.

Gottes Segen sei mit Ihnen in Gesundheit und Krankheit, in Freude und Trauer, im Leben und im Sterben. Gottes Friede erfülle Ihr Herz, regiere Ihre Gedanken und bestimme Ihr Tun. Gottes Angesicht leuchte über Ihnen auf allen Ihren Wegen. Amen.

Herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Konfirmation!

Lied 229: Kommt mit Gaben und Lobgesang

Wir feiern das Abendmahl miteinander, zu dem Sie alle herzlich eingeladen sind.

Großer Gott, du beschenkst uns mit Liebe und Freiheit und machst uns Mut, diese Gaben füreinander einzusetzen. Vergib uns, wenn wir zu viel um uns selbst kreisen, zu wenig auf deine Hilfe vertrauen, wenn wir dich und die Fragen des Glaubens aus den Augen verloren haben. In der Stille bringen wir vor dich, was wir ganz persönlich als Last auf dem Herzen haben:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

In Jesus lebt Gottes Liebe, in Jesus wird Gott eins mit uns Menschen. Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Im Namen des Gottes, der Wasser auf das Durstige gießt, gibt Jesus uns seinen Kelch zu trinken. Er stillt unseren Durst nach Liebe, Vergebung und Frieden unter uns Menschen.

Austeilen der Kelche

Wir reichen einander die Hände zum Zeichen, dass Christus uns zu einem Leib zusammenschließt. Wo immer wir leben, was immer wir erleben, seine Liebe begleitet uns immer und überall. Gehet hin im Frieden!

Fürbitten
Lied 562: Segne und behüte uns durch deine Güte
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.