Freudentanz des Herzens

Predigt zum Lied: „Fröhlich soll mein Herze springen!“

Kennen wir solche überschwengliche Freude? Unser Herz springt in einem Freudentanz, fröhliche Musik liegt in der Luft. Es ist wie am vorigen Mittwoch, als ein kleines Mädchen nach dem Weihnachtsgottesdienst des Kindergartens lachend und mit strahlenden Augen hier durch den ganzen Mittelgang in die Arme seiner Mutter rannte und hochgehoben wurde.

Zwei stilisierte Herzen, ineinander verschränkt, mit lebensfrohen Symbolen

Fröhlich soll mein Herze springen! (Grafik: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am 2. Christfesttag, den 26. Dezember 1999, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie herzlich im Gottesdienst am 2. Weihnachtsfeiertag mit dem Bibelwort für das Weihnachtsfest aus dem Evangelium nach Johannes 1, 14:

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.

Von der Weihnachtsfreude handelt dieser Gottesdienst – wie sie entsteht und wie sie im Lied besungen wird.

Wir beginnen mit dem Lied 32, 1-4:

1) Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein, das hab ich auserkoren, sein eigen will ich sein, eia, eia, sein eigen will ich sein.

2) In seine Lieb versenken will ich mich ganz hinab; mein Herz will ich ihm schenken und alles, was ich hab, eia, eia, und alles, was ich hab.

3) O Kindelein, von Herzen will ich dich lieben sehr in Freuden und in Schmerzen, je länger mehr und mehr, eia, eia, je länger mehr und mehr.

4) Dazu dein Gnad mir gebe, bitt ich aus Herzensgrund, dass dir allein ich lebe, jetzt und zu aller Stund, eia, eia, jetzt und zu aller Stund.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Frohe Weihnachten wünschen wir uns! Freude schenkt uns Gott durch seinen Sohn, den wir in der Krippe finden.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Doch nicht jeder fühlt sich rundum weihnachtlich und fröhlich. Unser Bemühen um Harmonie scheitert häufig. Es gibt hohle Weihnachtswünsche, leere Herzen, verzweifelte Menschen gerade in dieser Zeit. Es nützt auch nichts, wenn wir uns Druck machen: Als Christ musst du dich über die Geburt Jesu freuen. Darum rufen wir zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Johannes 1, 14)

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Weihnachtsfreude ist ein Geschenk. Man kann sie nicht erzwingen. Darum, Gott, lass uns hier so sein, wie wir eben sind, mit unseren Gedanken und Empfindungen, auch wenn wir uns nicht sehr weihnachtlich fühlen. Und dann hilf uns, es darauf ankommen zu lassen. Vielleicht wächst Freude in uns – ganz von allein – ganz von dir aus. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus der Offenbarung 7, 9 -12:

9 Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen,

10 und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!

11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an

12 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen Lied 23, 1-4:

1) Gelobet seist du, Jesu Christ, dass du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr; des freuet sich der Engel Schar. Kyrieleis.

2) Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippen find’t; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis.

3) Den aller Welt Kreis nie beschloss, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.

4) Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein‘ neuen Schein; es leucht‘ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, von der Weihnachtsfreude handelt die Predigt, und unser Predigttext ist das Weihnachtslied Nr. 36 von Paul Gerhardt: „Fröhlich soll mein Herze springen!“ Vor 346 Jahren wurde es gedichtet.

Es beginnt gleich fröhlich:

1. Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen.
Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren!

Kennen wir solche überschwengliche Freude? Unser Herz springt in einem Freudentanz, fröhliche Musik liegt in der Luft. Es ist wie am vorigen Mittwoch, als ein kleines Mädchen nach dem Weihnachtsgottesdienst des Kindergartens lachend und mit strahlenden Augen hier durch den ganzen Mittelgang in die Arme seiner Mutter rannte und hochgehoben wurde. So kann auch Weihnachten sein. Es ist, als ob nicht nur Engel singen, sondern als ob die ganze Luft laut die freudige Nachricht von Christi Geburt herausposaunt! Ein Kind ist geboren, das „der Christus“ heißt, der Gesalbte, der Mensch mit dem Sonderauftrag von Gott.

2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer.
Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, Gottes Kind, das verbindt sich mit unserm Blute.

Wie passt das zusammen? Ein Kind, Gottes Kind, ist zugleich ein Held, Gottes Held? Ist ein Kind nicht schwach und bedürftig, angewiesen auf Liebe, auf Schutz, auf Hilfe? Und ein Held – ist er nicht ein Beschützer, ein Helfer, der Inbegriff eines starken Menschen?

Dieser Held weiß, was wir brauchen, weil er um seine eigene Bedürftigkeit weiß. Gerade indem er Kind wird, reißt Gott „die Welt aus allem Jammer.“ So eng verbindet sich Gott mit uns, dass er unser Blutsverwandter wird.

„Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute.“ Sich selbst schenkt er uns in einem Menschenkind, das er über alles liebt.

3. Sollt uns Gott nun können hassen, der uns gibt, was er liebt über alle Maßen?
Gott gibt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren.

Gott lässt es sich viel kosten, unserem Leid entgegenzutreten. Auf den himmlischen Thron, auf Macht und Ehre verzichtet er, indem er Mensch wird in Jesus. „Aus seiner Kammer“ tritt Gott; er schließt sich nicht im Himmel vor den Menschen und ihrem Leid ab.

Mehr noch:

4. Er nimmt auf sich, was auf Erden wir getan, gibt sich dran, unser Lamm zu werden,
unser Lamm, das für uns stirbet und bei Gott für den Tod Gnad und Fried erwirbet.

Nicht nur als Beobachter oder als nur äußerlich beteiligter Helfer kommt Gott zu uns auf die Erde. Er erleidet selber, was Menschen einander schuldig bleiben oder antun. Als Lamm kommt Gott, lässt sich töten, statt zu töten. Er will nicht unseren Tod als Strafe für unsere Sünden, sondern er begnadigt uns und lässt Frieden einkehren in unser unruhiges Herz. Dieser Gott ist nur Liebe, er kann uns einfach nicht hassen.

Wie Gott für uns da ist, das sehen wir nicht erst am Karfreitag, sondern schon an Weihnachten, wenn Jesus in der harten Krippe liegt, in arme Windeln gewickelt, auf Heu und Stroh.

5. Nun er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen:
„Lasset fahrn, o lieben Brüder, was euch quält, was euch fehlt; ich bring alles wieder.“

Gott wird ganz Mensch. Das Notwendige hat er, mehr nicht: den Stall als Dach über dem Kopf, die Krippe als Bett, die Windeln für die Sauberkeit und die Fürsorge seiner Eltern. Als Kind in der Krippe liefert sich Gott uns Menschen aus – mir und dir, jedem von uns. Nicht nur menschlicher Liebe ist er ausgesetzt, sondern auch jeder Willkür. Dennoch: Er lässt es darauf ankommen, damit die Liebe zum Zuge kommen kann. Dazu fordert er auch uns auf: Lasst los, was euch Sorgen macht, was ihr nicht ändern könnt! „Lasst fahren, was euch quält, was euch fehlt.“ Es wird für euch gesorgt sein, sagt später der erwachsene Jesus: „Sorget nicht für den morgigen Tag. Euer himmlischer Vater sorgt für euch.“ Die nächste Strophe zeigt, wofür es sich lohnt, die Sorgen loszulassen:

6. Ei so kommt und lasst uns laufen, stellt euch ein, groß und klein, eilt mit großen Haufen!
Liebt den, der vor Liebe brennet; schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet.

Menschen eilen zur Krippe, weil hier Liebe zu finden ist, „brennende Liebe“, viel mehr als das kleine Lichtlein, das wir uns in verzweifelten Stunden wünschen. „Labsal“ gönnt uns der im Stern erscheinende Gott, um unseren Durst nach Vergebung zu löschen, um unseren Hunger nach Liebe zu stillen.

Weil wir etwas zu erwarten haben, macht es Sinn, zur Krippe zu kommen, nicht wegen frommer Pflichterfüllung. Gott lässt äußere Macht los und schenkt uns Liebe. So lebt er uns vor, dass wir mit Macht und Kontrolle unser Leben nicht in den Griff bekommen. Unser Leben ist nur durch Liebe sinnvoll.

Ab Strophe 7 werden Menschen angesprochen, die eigentlich keinen Grund zur Freude haben.

7. Die ihr schwebt in großem Leide, sehet, hier ist die Tür zu der wahren Freude;
fasst ihn wohl, er wird euch führen an den Ort, da hinfort euch kein Kreuz wird rühren.

Wenn ich regelrecht im Leid schwebe, eingehüllt in eine Wolke von Schmerzen, Ängsten und Trauer, kann ich doch eine Tür zur Freude öffnen, kann die Hand nach Jesus ausstrecken, mich anrühren lassen von der Liebe, die nach mir greift! Auf diesem Weg verändert sich die Art, wie ich vom Leiden betroffen bin.

8. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfindt seine Sünd und Gewissensschmerzen,
sei getrost; hier wird gefunden, der in Eil machet heil die vergift’ten Wunden.

Fühle ich „Beschwernis im Herzen“, darf ich getrost sein. Ich spüre Verletzungen meiner Seele, die ich nicht einfach verdrängen und übergehen darf, sondern die heilen müssen und heilen können. Vertrauen ist das Heilmittel für viele Verletzungen, auch für die „vergifteten Wunden“ unserer Glaubens- und Gewissensqualen.

Und wie gewinne ich solches Vertrauen? Was ist, wenn ich keinen starken Glauben habe?

9. Die ihr arm seid und elende, kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände.
Hier sind alle guten Gaben und das Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben.

Um glauben zu können, muss ich vorher überhaupt nichts tun. Ich stehe mit leeren Händen da und lasse sie mir füllen. Ich muss niemandem meinen Wert oder meinen Glauben beweisen. Und jedes liebevolle Wort, das uns gut tut, ist wie „Gold, da ihr sollt euer Herz mit laben“.

Zum Schluss wird Jesus als Gottes Sohn angebetet:

10. Süßes Heil, lass dich umfangen, lass mich dir, meine Zier, unverrückt anhangen.
Du bist meines Lebens Leben; nun kann ich mich durch dich wohl zufrieden geben.

Ein Kind, das von seinen Eltern geliebt wird, will auch Liebe erwidern. Im gleichen Sinn spricht Paul Gerhardt von seiner großen Liebe zu Jesus. „Süßes Heil“, so redet er ihn an, er hört nicht nur wohltuende Worte von Jesus, er sieht nicht nur das Kind in der Krippe, sondern er schmeckt seine Liebe sogar süß auf der Zunge. Auch spüren will er ihn in der Umarmung, will sich an ihn kuscheln wie ein Kind bei seinen Eltern. „Meine Zier“ nennt er Jesus und empfindet sich selbst als schön, weil Jesus ihn liebt. Niemals will er weg von Jesus, „unverrückt anhangen“ will er ihm, verrückt werden müsste er, wenn es Jesu Liebe nicht gäbe. Ohne Jesus könnte er nicht leben, doch mit ihm findet er zur inneren Zufriedenheit.

11. Ich bin rein um deinetwillen: Du gibst gnug Ehr und Schmuck, mich darein zu hüllen.
Ich will dich ins Herze schließen, o mein Ruhm! Edle Blum, lass dich recht genießen.

Wenn ich auf Gott und seinen Sohn vertraue, muss ich mich nicht selber in den Himmel heben, sondern ihm gehört der Ruhm, von ihm kommt meine Lebenserfüllung. Doch von mir darf ich sagen: „Ich bin rein!“ Nicht etwa, weil ich nie etwas Böses getan hätte. Nein, sondern weil ich „Ehre und Schmuck“ von Jesus habe, meine Menschenwürde, meinen aufrechten Gang, die Chance neuen Lebens jeden Tag. Das ist kein Leben in bitterer Entsagung, sondern ein Leben in wahrem Genuss: Jesus gleicht einer edlen Blume, deren wunderbarer Duft uns niemals zu viel wird.

12. Ich will dich mit Fleiß bewahren; ich will dir leben hier, dir will ich abfahren;
mit dir will ich endlich schweben voller Freud ohne Zeit dort im andern Leben.

Hier ist zu guter Letzt vom Fleiß die Rede. Nicht vom fleißigen Arbeiten, sondern vom fleißigen Glauben. Es lohnt sich, das Vertrauen auf das göttliche Kind, den kindlichen Gott zu bewahren. Und das nicht nur im Leben hier auf der Erde, sondern auch in einem anderen Leben, das uns nach dem Tod geschenkt wird. „Dir will ich abfahren“, das meint, dass man im Vertrauen auf Gott auch das eigene Sterben durchstehen kann. Doch auch in der Sprache der heutigen Jugend macht dieser Satz Sinn: „Jesus, ich fahre voll auf dich ab!“ Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Abkündigungen

Herr Jesus Christus, Kind in der Krippe, lass uns dich schauen mit den Augen unseres Herzens, lass uns hören auf deine liebevollen Worte des Trostes und der Wegweisung, lass uns spüren, dass wir bei dir geborgen und gehalten sind, lass uns riechen und schmecken, wie wohl du uns tust, wie satt und zufrieden du uns machen willst in unserem Leben.

Du, Gott, bist für uns Wort des Lebens. Du wurdest Fleisch, ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Seele und Geist. Begleite uns auf unseren Wegen, wenn wir jetzt nach Weihnachten wieder von der Krippe weggehen. Lass uns im Alltag etwas bewahren von der Weihnachtsfreude, lass uns nicht allein mitten in unseren Sorgen, mitten in dem, was wir bewältigen müssen. Amen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen Lied 44, 1-3:

1) O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: freue, freue dich, o Christenheit!

2) O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: freue, freue dich, o Christenheit!

3) O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: freue, freue dich, o Christenheit!

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Weihnachtstag gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.