Die Pfingstpredigt des Petrus

„Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz“.

Petrus ergreift das Wort und hält eine Predigt, die sich gewaschen hat. Er ist Fischer, ein einfacher Mann, er hat nicht studiert, er war eben noch voller Furcht, aber nun ist das alles nicht mehr wichtig, aus einem ganz einfachen Grund: der Heilige Geist erfüllt ihn, und er kann plötzlich reden.

Der Apostel Petrus in einer Darstellung aus Portugal

Der Apostel Petrus in einer Darstellung aus Portugal (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtPfingstgottesdienst mit Abendmahl am Sonntag, den 14. Mai 1989 um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey und am Montag, den 15. Mai 1989 um 10.00 Uhr im Raum der Besinnung des Kreiskrankenhauses Alzey

Im Gottesdienst am Pfingstsonntag begrüße ich Sie herzlich in der Kapelle unserer Klinik!

Pfingsten ist ein liebliches Fest, wenn man an den Frühling denkt und an das Wachsen und Blühen in der Natur. Auch von der Bibel und von der Kirche her hat Pfingsten etwas mit Aufbruch und Wachstum zu tun – an Pfingsten rückt Gott uns so nahe wie nie zuvor – er will uns mit seinem Geist von innen her erfüllen, uns persönlich und uns als Gemeinde.

Diese Begeisterung können wir nicht herstellen, nicht machen. Nur Gott kann sie uns schenken. Gott selbst ist dieser Geist, wir können ihn nicht mit Gewalt zu uns herziehen. Aber er kann von sich aus in unsere Herzen einziehen, und wir können ihn bitten, dass er zu uns kommt. Lasst uns mit Pfingstliedern darum bitten!

Lied 107, 1-3+8:

Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an; denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn! Nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen.

Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rat und Tat, starker Gottesfinger, Friedensüberbringer, Licht auf unserm Pfad; gib uns Kraft und Lebenssaft, lass uns deine teuren Gaben zur Genüge laben.

Lass die Zungen brennen, wenn wir Jesum nennen, führ den Geist empor; gib uns Kraft, zu beten und vor Gott zu treten, sprich du selbst uns vor. Gib uns Mut, du höchstes Gut, tröst uns kräftiglich von oben bei der Feinde Toben.

Lass uns hier indessen nimmermehr vergessen, dass wir Gott verwandt; dem lass uns stets dienen und im Guten grünen als ein fruchtbar Land, bis wir dort, du werter Hort, bei den grünen Himmelsmaien ewig uns erfreuen.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8, 14)

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott im Himmel, wir kommen hierher mit verschiedenen, mit gemischten Gefühlen. Manche voller Festtagsfreude, aber auch manche voller Sorge und Kummer. Manche sind abgespannt und müde und gar nicht in Stimmung, um Pfingsten zu feiern. Weihnachten und Ostern, damit können wir noch etwas verbinden, aber Pfingsten, Heiliger Geist, Geburtstag der Kirche – wer weiß heute damit noch etwas anzufangen?

Pfingsten bedeutet: lebendiger Glaube, lebendige Christen. Und davon sehen wir so wenig. Daher: Komm selbst, Heiliger Geist! Erfülle unseren Gottesdienst mit Leben! Erfülle uns mit dem, was wir heute am notwendigsten brauchen: mit Ruhe und Entspannung, Freude und Zuversicht, oder auch mit heilsamer Unruhe, mit dem Mut zum nächsten Schritt.

Außerdem ist heute Muttertag – ein zwiespältiger Tag, an dem viel Dankbarkeit ausgedrückt wird, an dem manche aber auch sehr viel Enttäuschung oder gar Verbitterung empfinden. Wir sind dankbar, wenn die Beziehung zwischen Müttern und ihren Kindern in Ordnung ist, aber wir bringen auch die Klage vor dich, dass vielen Menschen die ausreichende Liebe ihrer Mutter gefehlt hat oder dass umgekehrt viele Menschen unter der Undankbarkeit ihrer Kinder leiden. Wenn wir den Muttertag feiern, brauchen wir, Gott, deinen guten Geist, damit wir ihn in rechter Weise feiern können.

So beten wir zu dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung zum Pfingstfest 1989 aus der Apostelgeschichte 2, 1-8.12-14.37-41:

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache…? Wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. 14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen.

Und er hielt die erste Pfingstpredigt der Welt, deren Text ich jetzt überspringe – ich gehe nachher in meiner Predigt darauf ein. Diese Pfingstpredigt bleibt nach Lukas nicht ohne Folgen, und das liest sich bei ihm so:

37 Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? 38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes. 39 Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung, und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. 40 Auch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! 41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Vor der Predigt singen wir das Pfingstlied 108, 1-3+7 mit der Bitte um den Geist der Wahrheit:

O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

O du, den unser größter Regent uns zugesagt, komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je; darum willst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu, und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Wir hören zur Predigt zunächst noch einmal einen Vers aus der Apostelgeschichte 2, 14:

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen.

Amen.

Liebe Gemeinde!

Mit diesem Vers beginnt das eigentliche Pfingstwunder. Das, was Tatsache ist, was wirklich geschehen ist, was aber mit dem gesunden Menschenverstand an sich nicht zu erklären ist. Petrus, der Jesus verleugnet hatte, der geflohen ist, als er Jesus hätte beistehen sollen, der tritt nun mutig auf, erhebt seine Stimme und redet zu Fremden. Und er redet nicht nur, seine Rede hat auch Erfolg, wie wir vorhin gehört haben. Menschen werden überzeugte Christen, durch diese eine Predigt.

Wie schwierig ist es schon für manche Menschen, überhaupt laut zu reden. Z. B. wenn ein Konfirmand in der Kirche einen Text lesen soll. Da werden zuweilen die größten Jungs ganz kleinlaut. Und in der Öffentlichkeit sich zu Wort zu melden, ist auch nicht jedermanns Sache, zumal wenn man nicht als Redner ausgebildet ist. Wenn dann noch hinzukommt, dass man wegen einer Rede eingesperrt, misshandelt oder gar getötet werden kann, können wir jeden verstehen, der den Mund hält.

Aber Petrus ergreift das Wort und hält eine Predigt, die sich gewaschen hat. Er ist Fischer, ein einfacher Mann, er hat nicht studiert, er war eben noch voller Furcht, aber nun ist das alles nicht mehr wichtig, aus einem ganz einfachen Grund: der Heilige Geist erfüllt ihn, und er kann plötzlich reden. Was ist das Geheimnis seiner Predigt? Kann diese Rede auch heute noch Herzen bewegen?

Ich möchte heute nichts weiter tun, als seine Pfingstpredigt zu uns sprechen lassen, mit ein paar Erklärungen dazu. Wenn Petrus und die anderen Jüngerinnen und Jünger damals von Menschen ganz verschiedener Sprache verstanden wurden, warum sollte dann die Predigt des Petrus nicht auch zu uns hier in Alzey sprechen können?

Petrus spricht also zu uns:

14 „Ihr [Leute dort in Alzey in der Landesnervenklinik, liebe Männer und Frauen, alle, die ihr in dieser Kapelle zusammen seid], das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen!“

„Lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen!“ Petrus fordert seine Predigthörer zum Zuhören auf. Wenn sie das nicht tun, wenn die Worte sozusagen an den Ohren vorbeigehen, wenn der Hörer nicht annehmen will, was der Prediger sagt, dann nützt die beste Predigt nichts.

Aber warum sollten die Leute dem Petrus zuhören? Sie denken ja, er und die anderen Jüngerinnen und Jünger Jesu seien betrunken, weil sie sich so merkwürdig benehmen. Noch heute ist es ja üblich, einen Christen, der es ernst meint, ein bisschen spöttisch zu behandeln; dann muss man sich nicht selber ernsthaft damit auseinandersetzen.

Petrus kann natürlich nicht beweisen, dass er nicht betrunken ist. Aber trotzdem widerspricht er den Spöttern. „Nein“, sagt er.

15 „Diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage;

16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist:

17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;

18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.«“

Diese Zeit, in der Gott seinen Geist über die Menschen ausgießt, über Männer und Frauen, alt und jung, die ist nun da, sagt Petrus. Es ist so weit! Alle können vom Geist Gottes erfüllt werden!

Wie ist das möglich – Gottes Geist soll uns alle, auch mich, auch Sie alle erfüllen? Hat Petrus einen einleuchtenden Grund dafür, dass er das behaupten kann? Wenn wir ihm weiter zuhören, dann sind wir vielleicht verwundert. Seine Rede scheint gar nichts Anfeuerndes an sich zu haben. Stattdessen erinnert an altbekannte Tatsachen. Er erinnert an das Versagen der Menschen, die Gott in ihrer Mitte hatten und ihn im Stich ließen.

22 „Hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst –

23 diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht.“

Ihr habt ihn umgebracht! Ihr habt Jesus ans Kreuz geschlagen! Ihr Juden, ihr Heiden, ihr Feinde, ihr Freunde Jesu!“ Petrus meint auch uns. Petrus fragt uns, wo wir Menschen im Stich lassen, die auf uns angewiesen sind; er fragt, wo uns das Schicksal Gottes, das Schicksal Jesu gleichgültig ist, der uns doch in den geringsten Brüdern und Schwestern auf Erden gegenübertritt.

Aber es geht Petrus nicht darum, in uns ein schlechtes Gewissen zu erwecken. Er spricht ausführlich von seiner Überzeugung, dass dieser getötete Jesus lebt.

24 „Den hat Gott auferweckt und hat aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, dass er vom Tode festgehalten werden konnte.

32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen.“

Auferweckung versteht Petrus nun aber nicht als Wiederbelebung eines klinisch Toten, der dann noch ein paar Jahre auf dieser Erde leben kann. Auferweckung ist auch kein Nicht-Sterben-und-nicht-Leben-Können von schattenhaften Zwischenwesen; Jesus ist kein Gespenst. Nein, Auferweckung heißt, dass Jesus als der Lebendige bei Gott lebt, woher er ursprünglich auch einmal gekommen war. Wie Gott aussieht, wo er wohnt, davon können wir eigentlich nichts wissen, aber wenn wir uns den Menschen Jesus vorstellen, können wir uns doch auch von Gott eine richtige Vorstellung machen, von seiner Liebe, von seiner Menschenfreundlichkeit.

Wie aber lernen wir Jesus kennen, so – dass wir spüren, an ihm führt für uns kein Weg vorbei? Das ist nach Petrus das erste und wichtigste, was der Geist Gottes den Menschen klar macht. Petrus betont:

36 „So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“

Der Glaube an Jesus Christus, der Glaube, dass Jesus die wichtigste Person für unser Leben und für unser Sterben ist, dieser Glaube wird uns durch den Geist geschenkt – anders geht es nicht. Der Glaube ist ein Geschenk von Gott, wir können nur darum bitten, darauf warten. Darauf zu vertrauen, dass der gekreuzigte Jesus unser Herr ist, dass er auch für uns gestorben ist, dass er die Last auch unseres Lebens auf sich genommen hat, das schaffen wir nur mit Gottes Hilfe.

37 Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz.

Geht es uns auch durchs Herz? Oder können wir gar nicht an Gottes Liebe glauben? Dass Jesus uns so sehr geliebt hat, dass er sogar für uns gestorben ist? Ist uns Gott gleichgültig – und ist uns gleichgültig, was Jesus für uns getan hat? Könnten wir auch so zu Petrus sprechen, wie es seine Zuhörer damals taten?

37 Und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: „Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?“

38 Petrus sprach zu ihnen: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes.“

So spricht Petrus auch zu uns: „Kehrt um, denkt über euer Leben nach. Und wenn ihr schon getauft seid,“ so könnte er für uns hinzufügen, „dann macht euch einmal Gedanken darüber, was das eigentlich bedeutet. Denn euch und euren Kindern gilt diese große Verheißung: Ihr werdet den Heiligen Geist bekommen, ihr alle, auch die ihr noch fern steht.“

Wo wirkt bei uns der Heilige Geist? Vielleicht da, wo wir Mauern zwischen uns erleben, Gefühlskälte, keinen Zugang zu einem, der uns an sich nahe steht. Und dann ein Durchbruch, ein plötzlicher Umschwung, und wir verstehen einander wieder, springen über den eigenen Schatten. Oder da, wo uns Traurigkeit oder Angst oder Depression gefangen halten. Und dann getrauen wir uns, einen Schritt heraus zu wagen, uns jemandem anzuvertrauen. Der schwere Druck auf unserer Seele weicht, es wird möglich, sich wieder getragen zu fühlen. Es kann sehr lange dauern, bis es so weit ist, und der erste Schritt fällt oft unsagbar schwer – mancher Weg aus der Krankheit heraus führt durch unvorstellbare Schmerzen hindurch, durch viel Selbstüberwindung, und es sind viele Gebete nötig, um zu spüren: Gott kann mir doch helfen.

Bitte lassen Sie sich die Pfingstpredigt des Petrus selbst zu Herzen gehen und fragen Sie sich: „Was erwarte ich eigentlich von Gott, von seinem heiligen Geist, von seiner Kraft, seiner Liebe? Was hat Gott mit mir vor? Lasse ich mich beschenken – mit Trost, mit Kraft, mit Geduld, mit neuer Zuversicht?“ Und auch wenn in Ihnen alles dunkel ist, versuchen Sie es mit dem Beten. „Gott, hilf mir! Gott, gib mir Kraft! Gott, hilf mir durchhalten! Ich weiß nicht mehr weiter!“ Ich bin gewiss, Gott hört alle unsere Gebete. Er lässt uns nicht allein. Er trägt uns auch in den dunkelsten Stunden, auch wenn wir über lange Zeit hinweg gar nichts davon merken.

Und wenn in vielen Familien heute auch der Muttertag gefeiert wird, dann halte ich etwas für besonders wichtig: Dieser Tag darf nicht nur ein einziger Tag des Ausgleichs und der Dankbarkeit für die Mütter bleiben. Sonst werden an allen anderen Tagen im Jahr die Frauen mit ihrer ganzen Überlastung alleingelassen. Auch Mütter, auch Hausfrauen brauchen immer wieder zwischendurch ganz nötig einen Feierabend, ein bisschen Ruhe, sonst werden sie irgendwann krank und brauchen dann sehr lange Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen.

Das Pfingstfest kann uns helfen, das zu verstehen: Ohne die Kraft des heiligen Geistes wäre die Kirche nie entstanden. Ohne das Warten auf den heiligen Geist hätte Petrus dann nie so kraftvoll predigen können. Die Ruhepause war nötig, sonst wäre keine neue Kraft in den Jüngern gewachsen. Das gilt auch für uns. Wir brauchen Zeiten, in denen wir zur Ruhe Ja sagen, in denen wir alles andere abschalten, wie bedrängend es auch sein mag. Wenn wir das nicht gut können, dann können wir doch darum bitten, immer wieder. Vielleicht werden dann unsere quälenden Gedanken allmählich überwunden durch die größere Kraft, die Gott in uns hineinpflanzt. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 106, 1-2+7:

Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit, deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunkeln Herzen sein.

Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, dass wir anders nichts beginnen, als nur, was dein Wille sucht; dein Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los.

Herr, bewahr auch unsern Glauben, dass kein Teufel, Tod noch Spott uns denselben möge rauben, du bist unser Schutz und Gott; sagt das Fleisch gleich immer: nein! lass dein Wort gewisser sein.

Vater im Himmel, wir danken dir, dass du deinen Heiligen Geist in die Welt gesandt hast. Er gibt uns Freiheit und Mut zum Glauben und zur Liebe. Gib, dass wir uns vor seiner Kraft nicht verschließen.

Doch nicht nur für uns wollen wir die Gabe deines Heiligen Geistes erbitten, sondern für unsere ganze Kirche, dass er ihr immer neue Lebendigkeit gibt. Lass das ökumenische Miteinander der Christen und Konfessionen wachsen. Lass deinen Heiligen Geist wirken in der ganzen Welt, damit Not und Elend überwunden werden. Schenke Kranken, Sterbenden und Trauernden deinen Trost.

Gemeinsam beten wir nun vor der Feier des Heiligen Abendmahls das Gebet, das uns Jesus Christus gelehrt hat:

Vater unser und Abendmahl

Und nun lasst uns beten.

Wir danken dir, allmächtiger Gott, dass du uns durch die heilsame Gabe deines Wortes und Mahles erquickt hast, und bitten dich: Lass uns solches gedeihen zu starkem Glauben an dich und zu herzlicher Liebe unter uns allen. Durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn. Amen.

Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen, segne unser täglich Brot, segne unser Tun und Lassen, segne uns mit selgem Sterben und mach uns zu Himmelserben.

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in das Pfingstfest und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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