Ich glaube an Jesus Christus, Gottes Sohn

Jesus ist der Christus, der frei macht, der Israel und aller Welt Gerechtigkeit, Liebe und Frieden bringt. Das Glaubensbekenntnis erzählt: 1. Woher kommt Jesus auf die Erde? 2. Was machen die Menschen hier mit Jesus? 3. Was macht Gott nach seinem Tod mit Jesus? 4. Wo geht Jesus nach seinem Tode hin? 5. Was haben wir von Jesus zu erwarten?

Jesus Christus mit Dornenkrone und rotblauem Himmel im Hintergrund (Gemälde)

Jesus Christus überwindet die Finsternis der Welt (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am 8. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juli 2013, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich im Gottesdienst in der Pauluskirche mit dem Wort zur Woche aus dem Brief an die Epheser 5, 8b-9:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit!

Gott ist der Ursprung von allem Licht, von allem, was hell und gut ist. Und indem Jesus der Sohn Gottes ist, darf er von sich sagen (Johannes 8, 12):

Ich bin das Licht der Welt.

Um Jesus Christus, den Sohn Gottes, dreht sich heute in ganz besonderer Weise die Predigt. Denn bereits seit Anfang Juli hält Herr Pfarrer Schütz eine Predigtreihe über das Glaubensbekenntnis. Bisher hat er sich mit dem Glauben an Gott, den Vater, beschäftigt, und mit der Frage, wie das christliche Glaubenskenntnis mit dem Glauben an den Gott Israels zusammenhängt. Heute ist der zweite Glaubensartikel dran mit dem Glauben an Jesus.

Jesus kommt in vielen Liedern im Gesangbuch vor. Einige davon klingen wie romantische Liebeslieder. Wir singen das Lied 403:

1. Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Herren, Gottes und Marien Sohn, dich will ich lieben, dich will ich ehren, meiner Seele Freud und Kron.

2. Schön sind die Wälder, schöner sind die Felder in der schönen Frühlingszeit; Jesus ist schöner, Jesus ist reiner, der mein traurig Herz erfreut.

3. Schön ist der Monde, schöner ist die Sonne, schön sind auch die Sterne all. Jesus ist feiner, Jesus ist reiner als die Engel allzumal.

4. Schön sind die Blumen, schöner sind die Menschen in der frischen Jugendzeit; sie müssen sterben, müssen verderben: Jesus bleibt in Ewigkeit.

5. Alle die Schönheit Himmels und der Erden ist gefasst in dir allein. Nichts soll mir werden lieber auf Erden als du, liebster Jesus mein.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Jeden Gottesdienst feiern wir im Namen des dreieinigen Gottes. Indem wir das tun, bekennen wir, dass wir den Vater im Himmel, den Gott des Volkes Israel, nur durch Jesus kennen, und dieser Jesus wiederum ist mit seiner Liebe unsichtbar in unserer Mitte, indem Gottes Heiliger Geist in uns und unter uns ist. Auf jeden Fall ist Jesus nicht nur mitten drin im Glaubensbekenntnis, in dem zweiten von drei Glaubensartikeln, er bildet auch die Mitte unseres christlichen Glaubens. Ohne Jesus Christus kein Christentum und keine christliche Kirche. Kommt, lasst uns den dreieinigen Gott anbeten!

„Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Obwohl Jesus die Mitte unseres Glaubens ist, fällt es manchen Christen schwer, an Jesus als den Sohn Gottes zu glauben. Ein guter Mensch ist Jesus ja gewesen, sagen viele, ein Vorbild für die Menschheit, aber Gottes Sohn – wie sollen wir uns das vorstellen? Ist Jesus ein Supermann mit übermenschlichen Kräften? Ist er kein Mensch gewesen, so wie wir es sind?

Jesus widerspricht gerade dem, was heute viele von ihm sagen. Als jemand ihn mit den Worten anredet: „Guter Meister“, da spricht er zu ihm (Markus 10, 18):

Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.

Kann er denn Gottes Sohn sein, wenn er nicht einmal „gut“ genannt werden möchte?

Manchmal, wenn wir ins Nachdenken kommen, geraten wir in Verwirrung. Wir möchten gerne glauben und verstehen, was wir glauben, doch auf einmal zerrinnt uns vieles, was uns sicher schien, wie Sand zwischen den Händen.

Gott, lass unseren Glauben gewiss werden, indem du uns das Vertrauen zu dir schenkst. Und auch um klare Gedanken über den Glauben bitten wir dich, denn du willst nicht einfach unseren blinden Gehorsam. Hilf uns zu verstehen, was wir glauben, obwohl der Glaube dein Geheimnis bleibt. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Jesus spricht (Matthäus 11, 25-30):

25 Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer Gott, wir können nicht an dich glauben aus eigener Kraft. Du selbst musst dich uns zu erkennen geben. Du selbst musst Glauben in uns wecken. Wir bitten dich um das Vertrauen zu dir durch die Kraft deines Heiligen Geistes im Namen deines Sohnes Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Johannes 10, 22-25 und 30-39:

22 Es war damals das Fest der Tempelweihe in Jerusalem, und es war Winter.

23 Und Jesus ging umher im Tempel in der Halle Salomos.

24 Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus.

25 Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir.

30 Ich und der Vater sind eins.

31 Da hoben die Juden abermals Steine auf, um ihn zu steinigen.

32 Jesus sprach zu ihnen: Viele gute Werke habe ich euch erzeigt vom Vater; um welches dieser Werke willen wollt ihr mich steinigen?

33 Die Juden antworteten ihm und sprachen: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen, denn du bist ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.

34 Jesus antwortete ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz (Psalm 82, 6): »Ich habe gesagt: Ihr seid Götter«?

35 Wenn er die Götter nennt, zu denen das Wort Gottes geschah, – und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden -,

36 wie sagt ihr dann zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst Gott -, weil ich sage: Ich bin Gottes Sohn?

37 Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubt mir nicht;

38 tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr mir nicht glauben wollt, damit ihr erkennt und wisst, dass der Vater in mir ist und ich in ihm.

39 Da suchten sie abermals, ihn zu ergreifen. Aber er entging ihren Händen.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir bekennen unseren christlichen Glauben mit den drei Artikeln des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, die vom Glauben an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist handeln. Heute gehe ich in der Predigt auf den zweiten Artikel ein:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde;

und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Wir singen das Lied 410:

Christus, das Licht der Welt
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, in der Lesung haben wir ein Stück aus dem Johannesevangelium gehört, das den zentralen Unterschied zwischen dem jüdischen und dem christlichen Glauben zeigt: Christen glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, Juden erkennen Jesus nicht als den Sohn Gottes an.

Dabei besteht das Problem nicht darin, dass es im Volk Israel grundsätzlich keinen Sohn Gottes geben könne. In Psalm 82, 6 sagt Gott zu bestimmten Menschen oder Mächten:

6 Ihr seid Götter und allzumal Söhne des Höchsten;

und im 2. Buch Mose – Exodus 4, 22, sagt Gott zu Mose:

Israel ist mein erstgeborener Sohn.

Ein Mensch sollte in ganz besonderer Weise der Sohn Gottes sein, nämlich der von Gott gesalbte Friedenskönig oder Messias Israels, der die Unterdrückung des Volkes beenden und allen Völkern auf Erden den Frieden bringen würde. Für uns Christen ist Jesus dieser Friedenskönig. Das Wort „Christus“ ist nichts weiter als die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes „Messias“. Aber die Juden sagten: Wenn Jesus wirklich der Messias wäre, dann müsste er die Römer entmachten. Stattdessen ließ er sich von ihnen kreuzigen. So sieht doch kein Friedenskönig aus! Die Christen widersprechen bis heute: Doch! Jesus ist zwar nicht in sich selbst gut wie Gott, aber er ist eins mit dem Gott, den er seinen Vater nennt, und weil er Gottes Geist vollkommen in sich wirken lässt, tut er die guten Werke des Vaters. Wer sich davon überzeugen lässt, dass Jesus tatsächlich von Gott kommt, eins mit ihm ist, seinem Frieden und seiner Gerechtigkeit auf Erden den Weg bereitet, der glaubt, dass Jesus der Messias Israels ist und damit zugleich der einzigartige Gottessohn für die ganze Welt.

Damit sind wir beim Anfang des zweiten Artikels in unserem christlichen Glaubensbekenntnis, das ich in dieser Predigt auslegen will:

Ich glaube
an Jesus Christus,
seinen
eingeborenen Sohn,
unsern Herrn.

Was ich eben sagte, macht klar, dass schon das Wort „Christus“ nicht etwa der Nachname von Jesus ist. Wir bekennen vielmehr mit diesem Wort, dass Jesus der „Christos“, der Gesalbte Gottes, der Messias Israels, ist. Er ist der Friedenskönig, den die Propheten des Alten Testaments angekündigt hatten.

Das Wort „Sohn“ meint an sich nichts anderes als das Wort „Christus“. Keinesfalls ist damit eine biologische Aussage gemeint. Gott ist nicht auf dieselbe Art und Weise der Vater Jesu wie zum Beispiel der griechische Gott Zeus der Vater des Halbgottes Herkules ist. So eine Vorstellung wäre für jeden Juden, auch für Jesus, eine absolute Gotteslästerung gewesen, denn Gott ist kein Mann, der sich geschlechtlich mit einer Frau unter den Menschen vereinigen würde. Gemeint ist vielmehr symbolisch, dass Jesus ganz vom Geist der Liebe Gottes erfüllt ist; der Sohn Jesus ist vom Wesen und Willen her mit dem Vater im Himmel vollkommen eins.

Das Wort „eingeboren“ ist schwer zu verstehen. Das deutsche Wort legt nahe, dass Gott in unsere menschliche Welt hineingeboren wird. Im Griechischen steht da wörtlich „einzig geboren“. Es geht schlicht darum, dass niemand sonst mit Gott so eins ist wie eben Jesus. Wir sind zwar alle ebenfalls dazu berufen, Kinder Gottes zu sein, aber nur Jesus ist Gottes Sohn in absoluter Vollkommenheit. Das ist der Kern des christlichen Glaubens.

Im zweiten Glaubensartikel von Jesus fällt weiterhin auf, dass aus dem ganzen irdischen Leben und Wirken Jesu nichts berichtet wird außer seiner Geburt, seinem Leiden und Sterben. Alles, was Jesus gelebt und gelehrt hat, seine Gleichnisse vom Reich Gottes, seine befreienden Wundertaten, seine aufrichtenden Worte an die Mühseligen und Beladenen, das wird im Glaubensbekenntnis nur in den beiden Worten „Christus“ und „Herr“ angedeutet. Wenn wir Jesus unseren Herrn nennen, dann meinen wir damit, dass er im Namen und Auftrag des Gottes handelt, von dem wir letzten Sonntag gehört haben, dass er ein Herr ist, der frei macht. Er ist eben der Christus, der seinem Volk Israel und aller Welt Gerechtigkeit und Frieden bringt, Licht und Liebe, Weg und Wahrheit.

Was sagt uns außerdem unser Glaubensbekenntnis von diesem Jesus Christus, in dessen Liebe wir die Liebe Gottes widergespiegelt finden? Es wird genauer erläutert: 1. Woher kommt Jesus auf die Erde? 2. Was machen die Menschen hier mit Jesus? 3. Was macht Gott nach seinem Tod mit Jesus? 4. Wo geht Jesus nach seinem Tode hin? Und 5. Haben wir noch etwas von Jesus zu erwarten?

Auf die Frage „Woher kommt Jesus?“ antwortet das Glaubensbekenntnis: Er wurde…

empfangen
durch den Heiligen Geist,
geboren
von der Jungfrau Maria.

Ich wiederhole: Das heißt nicht, dass der Heilige Geist mit Maria geschlafen hätte. Es heißt vielmehr: Die Empfängnis Jesu im Leib der Maria ist ein Geheimnis, das mit dem Geist Gottes zu tun hat. Damit wird einerseits gesagt: Dass Jesus ein so besonderer Mensch ist, das hat er nicht von einem leiblichen menschlichen Vater, sondern das ist ihm ganz und gar von Gottes Geist selbst geschenkt.

Andererseits wehrt der Satz „empfangen durch den Heiligen Geist“ jede Verunglimpfung Jesu ab. Niemand darf ihn einen Bastard nennen, obwohl er nicht der leibliche Sohn seines menschlichen Vaters Josef ist.

Beim Aufräumen fand ich dieser Tage den Ahnenpass einer meiner Tanten; so einen brauchte man ja in der Hitlerzeit, um bestimmte Berufe ausüben zu können. Die Eintragung des Vaters ihrer Mutter fehlte, da diese vor der Eheschließung ihrer Eltern geboren war. Das war damals eine so große Schande, dass sogar ihre Geschwister sagten: „Du gehörst nicht zu uns, du hast ja einen anderen Namen“, obwohl sie doch Kinder desselben Vaters waren, nur war sie eben ein uneheliches Kind. Das war noch vor 120 Jahren so, zur Zeit Jesu hätte Josef seine Verlobte dafür sogar steinigen lassen können, als sie schwanger wurde, ohne dass er beteiligt war.

Aber kann ein junges Mädchen ohne Zutun eines Mannes schwanger werden und als Jungfrau den Sohn Gottes zur Welt bringen?

Viele Christen glauben, dass dieses Wunder im Falle Jesu tatsächlich geschehen ist; im Koran der Muslime wird Jesu Geburt von der Jungfrau Maria sogar noch stärker betont als in der christlichen Bibel (Sure 3, 47 und 19, 20-21), allerdings wird bestritten, dass er Gottes Sohn sei, er sei vielmehr durch ein Wort Gottes geschaffen worden (Sure 19, 35).

Ich persönlich halte noch etwas anderes für möglich, nämlich dass Jesus der uneheliche Sohn Marias und eines unbekannten leiblichen Vaters sein könnte, der dem jungen Mädchen Maria in der damaligen Besatzungszeit Gewalt angetan hat. Ich finde, auch in diesem Fall wäre es ein Wunder Gottes, wenn Gott durch seinen Heiligen Geist ein in solcher Erniedrigung empfangenes Kind zu seinem eigenen Sohn erklärt und betont: „Dieses Kind ist heilig, es ist kein Kind der Sünde, sondern von dem Heiligen Geist, und seine Mutter hat ihn als Jungfrau geboren, auch wenn böse Zungen ihr die Jungfräulichkeit absprechen würden.“

Weiter ist im Glaubensbekenntnis vom Leiden Jesu in seinem erwachsenen Leben die Rede. Was machen Menschen mit Jesus? Das wird in einem einzigen Wort zusammengefasst:

gelitten…

Wir sind es gewohnt, dieses Wort mit den folgenden Worten „unter Pontius Pilatus“ zusammenzuziehen. Das werden wir uns nicht abgewöhnen können, und es ist ja auch nicht falsch: Jesus hat ja wirklich unter dem damaligen römischen Statthalter Pilatus gelitten, und dieser Name im Glaubensbekenntnis steht stellvertretend für alle grausamen Machthaber der Geschichte von Nimrod über Hitler und Stalin bis hin zu denen, die heute immer noch mit Folter und Terror Menschen quälen.

Ursprünglich steht allerdings im Glaubensbekenntnis das Wort „gelitten“ allein für sich. Den Christen, die das Glaubensbekenntnis zusammengestellt haben, war es wichtig zu betonen, dass der ganze Lebensweg Jesu ein Leidensweg war.

Er wollte den Menschen Frieden bringen, Wege zur Gerechtigkeit aufzeigen, er betonte, dass Gottes Reich hier unter uns anbricht, wo wir uns der Liebe Gottes öffnen. Doch bei vielen Menschen stieß er von vornherein auf Widerstand und Unverständnis. Sein Leben war rein äußerlich kein Siegeszug, sondern eher dadurch geprägt, dass die Menschen einem Messias wie Jesus nur so lange zujubeln, wie sie denken, dass er die Römer wegjagt und ihnen persönliche Vorteile verschafft. Sobald die Masse der Menschen erkennt, dass Jesus sich lieber gefangennehmen lässt, als zu den Waffen zu greifen, ist es mit dem Jubel vorbei, und sie schreien plötzlich: „Ans Kreuz mit ihm!“ So einen Messias wollen sie nicht.

Arbeitsblätter zu den Stichworten "verleugnet" - "verkauft" - "verlassen" - "verurteilt" sind beim Konfi-Abendmahl kreuzförmig um die Kelche und die Brotschale angeordnet

Gestaltete Mitte bei einem Konfi-Abendmahl: Jesus verschenkt sich an Menschen, unter denen er leidet

Was machen also Menschen mit Jesus? Letzten Endes verlassen sie ihn, verleugnen sie ihn, verraten und verkaufen sie ihn, verurteilen sie ihn, kreuzigen sie ihn. Daran beteiligt sind Juden, die in Jesus eine Gefahr für das Volk Israel sehen, und berechnende Politiker wie Pilatus, die bereit sind, einen Unschuldigen hinzurichten, wenn es von Vorteil ist. Sogar die engsten Freunde Jesu lassen ihn im Stich.

So ist Jesus…

unter Pontius Pilatus
gekreuzigt,
gestorben und begraben,
hinabgestiegen
in das Reich des Todes.
Christi Abstieg zu den Toten

Christi Abstieg zu den Toten

Unser Glaubensbekenntnis nimmt ernst, dass Jesus tatsächlich sterblicher Mensch war und kein unsterblicher Halbgott. Er starb unter Folterqualen am Kreuz, er wurde in ein Grab gelegt. An dieser Stelle stimmt der Islam nicht mit dem christlichen Glaubensbekenntnis überein. Im Koran heißt es, dass nicht Jesus, sondern ein anderer an seiner Stelle gekreuzigt worden sei (Sure 4, 157).

Warum wird außerdem betont, dass Jesus in das Reich des Todes hinabgestiegen ist? Gemeint ist: Jesus teilt das Schicksal aller Menschen, die sterben müssen. Wo wir hinkommen, wenn wir sterben, da war Jesus auch, und weil Jesus mit dem Vater eins ist, können wir darauf vertrauen: Obwohl Gott ewig und unsterblich ist, weiß der Vater doch, wie es sich anfühlt, tot zu sein, wenn es da überhaupt etwas zu fühlen gibt.

Früher stand an dieser Stelle eine noch krassere Formulierung: „niedergefahren zur Hölle“. Ich verbinde mit dieser Vorstellung den tröstlichen Gedanken, dass Jesus sogar die Menschen, die in die Hölle verdammt sind oder sich verdammt fühlen, selber dort aufsucht. Er streckt ihnen die Hand entgegen, wie es auf dem mittleren Fensterbild in der Gießener Friedhofskapelle so schön dargestellt ist, und will sie alle heraufholen ans Licht, die Verdammten dieser Erde.

Der letzte Gedanke ist natürlich nur realistisch, wenn wir schon auf den nächsten Teil des Glaubensbekenntnisses vorausblicken. Da steht nämlich, was Gott mit dem toten Jesus macht. Er erweckt ihn vom Tod, so dass wir von Jesus sagen: Er ist…

am dritten Tage
auferstanden
von den Toten.

Was mit den drei Tagen gemeint ist, kann ich in dieser Predigt nicht ausschöpfen. In meiner Osterpredigt vor neun Jahren habe ich das einmal getan. Ich deute nur an, dass Jesu Auferstehung nicht einfach die Wiederbelebung eines Leichnams ist. In der Auferstehung sagt Gott Ja zu dem Jesus, der aus Liebe am Kreuz gestorben ist, aber auf dieser Erde lebt er nicht so weiter wie bisher. Wohin er geht, das werden wir gleich sehen. Für uns selber, die wir noch nicht körperlich gestorben sind, hat die Auferstehung Jesu am dritten Tage noch eine besondere Bedeutung: Wo wir uns mitten im Leben wie tot fühlen, wo wir keine Hoffnung haben, wo wir in Angst und Trauer, Schuld und Verzweiflung untergehen, da können wir mit dem Propheten Hosea 6, 2 von Gott sagen:

Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben werden.

Sogar in unserer oft grausamen oder sinnlos erscheinenden Welt ist es möglich, zum Leben neu aufzustehen, zum Vater Jesu umzukehren.

Wohin geht nun aber Jesus nach seinem Tode? Er ist…

aufgefahren
in den Himmel;
er sitzt
zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters.

Das sind bildhafte Aussagen über den unsichtbaren Himmel Gottes. Auf einer Karte unseres Weltalls könnten wir die Reiseroute Jesu in den Himmel nicht einzeichnen und den derzeitigen Aufenthaltsort Jesu nicht bestimmen. Bereits als er auf dieser Erde lebte, war Jesus eins mit dem Vater im Himmel, diese Einheit ist mit dem Tod Jesu nicht vorbei. Im Gegenteil, damals war Jesus als Mensch an einen bestimmten Ort auf der Erde gebunden; das ist er jetzt im für uns unvorstellbaren Himmel Gottes nicht mehr. So kann Jesus uns überall nahe sein, wo auch immer wir leben.

Das Bild vom Thron Gottes, wo Jesus zur Rechten des allmächtigen Vaters sitzt, unterstreicht noch einmal, was ich vor zwei Wochen in der Predigt gesagt habe: Indem wir an Gott, den Allmächtigen glauben, glauben wir an seine allmächtige Liebe. Eben diese Liebe zeigt sich für uns am deutlichsten in der Art, wie Jesus gelebt und gelehrt, geliebt und gelitten hat. Und wie Gott, der Vater, zu diesem Jesus Ja gesagt hat.

Auf der rechten Seite eines Königs saß in alten Zeiten sein wichtigster Minister oder sein Stellvertreter. Gott ist so sehr eins mit diesem Menschen Jesus, dass er ihm seine eigene Allmacht überträgt. Oder wir können umgekehrt sagen: hier erkennen wir, wie menschlich im Sinne von menschenfreundlich Gott in der Ausübung seiner Allmacht ist. Wie gesagt: Es handelt sich hier um ein Bild, das nicht wörtlich zu nehmen ist. Da sitzen nicht wirklich zwei Personen nebeneinander, als hätten wir zwei Götter. Das Bild vom Nebeneinandersitzen will vielmehr unterstreichen, das Gott im menschlichen Gesicht Jesu zu erkennen ist, dass Gottes Allmacht die Allmacht einer unendlichen Liebe ist.

Der letzte Satz über Jesus im zweiten Glaubensartikel spricht über die Zukunft. Wir haben von Jesus etwas zu erwarten. Er kam nicht nur einmal auf die Erde, um am Ende für immer zurück in den Himmel zu gehen. Stattdessen heißt es da:

Von dort
wird er kommen,
zu richten
die Lebenden
und die Toten.

Beim flüchtigen Hören und Sprechen klingt das gar nicht so toll. Jesus wird unser Richter sein, ob wir tot oder lebendig sind – ist das nicht eher eine abschreckende Vorstellung? Denn was haben wir in einem Gericht zu erwarten, wenn Jesus uns beurteilt? Wer von uns hat immer alle Gebote beachtet, immer den Nächsten oder sogar den Feind geliebt, Böses mit Gutem vergolten? Wer von uns hat es geschafft, immer barmherzig zu sein?

Trotzdem kann uns das Bekenntnis zu Jesus als dem Weltenrichter froh machen. Es ist ein Trost, dass er uns beurteilt, denn er kennt unser Herz. Er weiß, wie wir uns oft selber quälen, und beurteilt uns barmherziger als wir selbst. Er will uns im Gericht nicht vernichten, sondern er will uns aufrichten, so dass wir barmherzig mit uns selbst und mit anderen unser Leben führen. Vorhin hörten wir schon, dass er sogar bis zur Hölle hinabsteigt, um die letzten Verlorenen zurück ins Licht der Liebe Gottes heraufzuholen. Der Glaube daran, dass Gott dem Jesus das Gericht über die Menschen anvertraut, kann uns auch insofern trösten, als es kein Opfer von Unrecht und Gewalt auf dieser Erde gibt, das nicht am Ende bei Gott aufgerichtet sein wird. Und es gibt keinen Täter, keinen Menschen, der sich wie ein Teufel gegenüber Menschenkindern aufführt, der nicht von Jesus zur Rechenschaft gezogen wird. Er tut es auf seine Weise, aber er wird es tun.

Ich bin froh, an Jesus Christus als meinen Herrn glauben zu können und ihm mein Leben anvertrauen zu können im Leben und im Sterben. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 123:

1. Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.

3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer, und demselben gleichet keiner, nur der Sohn, der ist ihm gleich; dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein ewig Reich.

6. Jesus Christus ist der Eine, der gegründet die Gemeine, die ihn ehrt als teures Haupt. Er hat sie mit Blut erkaufet, mit dem Geiste sie getaufet, und sie lebet, weil sie glaubt.

7. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, sagt, ihr Armen, ihm die Not. Wunden müssen Wunden heilen, Heilsöl weiß er auszuteilen, Reichtum schenkt er nach dem Tod.

8. Zwar auch Kreuz drückt Christi Glieder hier auf kurze Zeiten nieder, und das Leiden geht zuvor. Nur Geduld, es folgen Freuden; nichts kann sie von Jesus scheiden, und ihr Haupt zieht sie empor.

9. Ihnen steht der Himmel offen, welcher über alles Hoffen, über alles Wünschen ist. Die geheiligte Gemeine weiß, dass eine Zeit erscheine, da sie ihren König grüßt.

Fürbitten
Gebetsstille und Vater unser

Wir singen das Lied 268:

Strahlen brechen viele aus einem Licht. Unser Licht heißt Christus
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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