„Selig sind die geistlich Armen“

Trauerfeier für eine Frau, die unter fortschreitender Demenz gelitten hatte und wenige Monate nach ihrem Ehemann gestorben ist.

Selig sind die geistlich Armen: Zeichnung einer glücklich lächelnden alten Frau

Wer geistig verwirrt ist, kann dennoch glücklich sein (Bild: geralt – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau Z., die ein halbes Jahr nach ihrem Ehemann im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir beten mit Psalm 121:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Liebe Familie Z.! Nur wenige Monate nach ihrem Mann ist nun auch Frau Z. gestorben, erlöst von ihrem schweren Leiden.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Frau Z. trug gern die Verantwortung für die Hausarbeit. Sie war immer emsig, und ihr war nichts zu viel. Für jeden hatte sie ein freundliches Wort, und wenn sie anderen helfen konnte, war sie zur Stelle. Ein gemeinsames großes Hobby für das Ehepaar Z. war ihr großer Garten, den sie bepflanzten und in dem immer etwas zu tun war. Besonders wichtig war für Frau Z. die Familie. Die Enkel waren ihr ganzer Stolz.

Nach schweren Krankheiten von Herrn Z. wurde auch Frau Z. sehr krank, und beide bezogen ein schönes großes Zimmer in einem Pflegeheim mit Blick auf den Park. Frau Z. hat das leider nicht mehr lange genießen können, denn sie lebte durch die Alzheimer-Krankheit in ihrer eigenen Welt – mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart. Den Tod ihres Ehemannes hat sie schon nicht mehr recht wahrgenommen; sie konnte ihre Umwelt nicht mehr erkennen, auch ihre nächsten Angehörigen nicht. In der letzten Zeit musste sie im Rollstuhl sitzen. Als ich sie besuchte, unterhielt sie sich freundlich mit mir und freute sich über den Besuch; aber sie konnte nicht mehr einordnen, wer ich war.

Nun ist Frau Z. von ihrem schweren Leiden erlöst worden; zum Schluss war es noch ein schwerer Weg für sie und ihre Angehörigen, bis sie endlich Ruhe finden durfte.

In Gottes guten Händen ruht ihr Leben – ihr ganzes Leben und nicht nur das, was von ihr und ihrem Geist zuletzt übrig geblieben war. Mit leeren Händen kommen wir in die Welt; mit leeren Händen verlassen wir sie wieder. Gott beschenkt uns auf Zeit mit Leben, mit Liebe und mit Begabungen; und er nimmt uns auch in der Ewigkeit in Gnaden auf.

Die erste Seligpreisung Jesu (Matthäus 5, 3) lautet:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Das heißt: Niemand kann und niemand muss sich mit eigenen Leistungen den Himmel verdienen. Dankbar dürfen wir sein, wenn wir ein Leben lang arbeiten und unseren Geist einsetzen können. Getrost dürfen wir jedoch bleiben, wenn unsere Kräfte nachlassen, wenn unsere Begabungen versiegen und wenn unser Geist uns verlässt. In Gottes Augen sind wir dennoch nicht verloren – er behält uns so im Gedächtnis, wie er uns geschaffen hat: als Bild seiner Liebe. Was wir in unserem Leben an Liebe empfangen und gegeben haben, das bleibt in Ewigkeit. So schenkt uns Gottes Treue ewiges Leben. Amen.

Barmherziger Gott, innerhalb weniger Monate sind Herr und Frau Z. gestorben. So lange waren sie vereint im Leben, nun hast du sie wieder vereint im Tode. Schenke ihnen das ewige Leben, das denen verheißen ist, die auf deine Liebe vertrauen.

Sei bei den trauernden Angehörigen, dass sie bewahren, was sie an Prägungen und Liebe erfahren haben. Hilf uns angesichts des Todes, dass wir bedenken, wie kostbar unser Leben ist, das du uns geschenkt hast. Lass uns nie vergessen, dass es in unserem Leben nichts Wichtigeres gibt als Liebe. Amen.

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