Tod einer jungen Mutter

Trauerfeier für eine junge Mutter, die einen Ehemann und minderjährige Kinder hinterlässt. Ein Psalm der Bibel gibt Anleitung zum Trauern und Beten und zur Überwindung des Grübelns.

Tod einer jungen Mutter: ein Herz, mit weißer Kreide auf Schiefer gemalt, mit Flügeln

Ein Herz mit Flügeln haben die Kinder für ihre Mama gemalt (Bild: stux – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauernde, wir sind vom Tod betroffen. Wir müssen von Frau D. Abschied nehmen, die im Alter von nur [über 40] Jahren gestorben ist. Es ist nur schwer zu ertragen. Wir fragen nach Trost, nach Hilfe, nach Liebe, die uns hilft, weiterzuleben.

Mitten im Leben die Angst, die Krankheit, der Tod. Bilder, die man nicht vergessen kann, an die man nicht denken mag. Tränen, die in einem drinstecken, wie ein Kloß im Hals. Wird es wieder unbeschwerte Freude geben? Muss man einfach nur verdrängen, was nicht auszuhalten ist? Gott, lass uns nicht allein.

In der Bibel stehen Gebete von Menschen, die es auch schwer hatten. Von ihnen können wir viel lernen. Wir können Gott sagen, was auf unserer Seele liegt.

Wir beten mit dem Psalm 77 (bis Vers 6 Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart – Teile in eckigen Klammern in eigener Übertragung):

2 Ich rufe zu Gott, ich schreie, ich rufe zu Gott, bis er mich hört.

3 [Wenn es mir schlecht geht, suche ich Gott; immer wieder] erhebe ich nachts [zu ihm] meine Hände, meine Seele lässt sich nicht trösten.

4 Denke ich an Gott, muss ich seufzen; [fange ich an zu grübeln, dann verliere ich den Mut.]

5 Du lässt mich nicht mehr schlafen; ich bin voll Unruhe und kann nicht reden.

6 Ich sinne nach über [alte Zeiten, über] vergangene Jahre.

7 Ich denke und sinne des Nachts und rede mit meinem Herzen, mein Geist muss forschen.

8 [Stößt Gott mich für immer von sich weg? Wird er nie mehr freundlich zu mir sein?]

9 [Hat Gott uns denn gar nicht mehr lieb?]

10 [Hat Gott vergessen, gut zu uns zu sein, oder ist er aus irgendeinem Grund böse auf uns?]

11 [Ich sagte: Das tut mir weh, dass Gott mit seiner Hand so Schlimmes tut, dass ich es nicht verstehe.]

12 Darum denke ich an [deine] Taten [der Befreiung], ja, ich denke an deine früheren Wunder.

14 Gott, dein Weg ist heilig. Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott, bist?

15 Du bist der Gott, der Wunder tut [- auch in der Zukunft].

16 Du hast dein Volk erlöst mit Macht [- und du bist unser Trost].

21 Du führtest dein Volk wie eine Herde [- und auch uns lässt du nicht allein].

Liebe Trauergemeinde!

Wenn etwas so Schreckliches passiert, wie ihr und Sie es erlebt haben, dann fängt man an zu grübeln, dann laufen die Gedanken wie von selbst und stellen haufenweise Fragen, hauptsächliche solche, die man nicht beantworten kann. In den meisten Fragen kommt das Wort „Warum“ vor, und dieses kleine Wort steht meist am Beginn der größten Fragen, auf die keiner eine Antwort weiß. Sicher: es gibt immer Menschen, die auf alles ganz schnell eine allzu einfache Antwort wissen; das sind oft Menschen, die von nichts eine Ahnung haben und es mit niemandem gut meinen, am wenigsten mit sich selbst.

Für den Psalm aus der Bibel ist das Grübeln etwas, das meist in der Nacht stattfindet, wenn man ganz für sich alleine ist. Wenn man das zu viel und zu lange tut, dann verliert man den Mut, dann denkt man nur noch das Schlechteste. Man fragt sich, ob nicht einmal Gott es noch mit uns gut meint. Man versteht überhaupt nichts mehr. Und am Ende will man vielleicht gar nichts mehr denken und gar nichts mehr fühlen, sich nur noch ablenken oder in tiefen Schlaf fallen und hoffentlich gar nichts träumen.

Ich will heute mit euch und mit Ihnen nicht grübeln. Ich frage nicht nach „Warum“ und rede nicht über Dinge, die niemanden etwas angehen außer euch und Ihnen selbst.

Stattdessen will ich heute von Trauer und von Trost reden. Die Seele will sich nicht trösten lassen, wenn man ihr nicht erlaubt, traurig zu sein. Aber wenn die Seele traurig ist und auch weinen darf, dann lässt sie sich auch trösten.

Es tut weh, dass die Mama tot ist und nicht mehr wieder kommt. Es tut weh, nach Jahren der Ehe von einer Frau Abschied nehmen zu müssen, die man geliebt hat. Immer wieder tut das weh: mitten im Spielen, beim Heimkommen, an besonderen Festtagen, wenn man sich plötzlich an etwas Gemeinsames erinnert.

Und wenn das dann weh tut, ist es gut, dieses Gefühl nicht immer gleich herunterzuschlucken oder wegzuwischen. Besser ist es, ruhig auch einmal ein paar Tränen laufen zu lassen, sich in den Arm zu nehmen. Oft sagt man so leichthin: „Wein doch nicht!“, weil man den andern aufmuntern will oder weil man meint, das soll doch keiner sehen. Sagen wir lieber: „Weine ruhig, das ist nicht schlimm!“, und wenn man sich dann vielleicht sogar noch in den Arm nimmt, kann sich so mancher dicke Kloß im Hals lösen und man fühlt sich mit der ganzen Traurigkeit und Angst nicht mehr allein.

Trauer und Trost hat zwar nicht mit Grübeln zu tun. Aber mit dem Nachdenken hat es schon zu tun. Es ist wichtig, nach allem, was gewesen und passiert ist, auch darüber nach-zu-denken. Dieses Nach-Denken nennt man Erinnerung. Wie gesagt, dabei geht es nicht ums Grübeln, nicht um „Warum“-Fragen. Grübeln dreht sich nur im Kreis, lässt uns auf der Stelle treten. Nachdenken hat einen Anfang und ein Ziel, lässt uns einen Weg gehen.

Wir beginnen mit unserem Nach-Denken, indem wir uns an einige Stationen aus dem Leben von Frau D. erinnern.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Über ihrer Kindheit und Jugend lagen dunkle Schatten. In der eigenen kleinen Familie haben Sie zusammengelebt und zusammengehalten, durch dick und dünn, durch Gesundheit und Krankheit. Zuletzt dann dieser plötzliche Tod. Und es ist noch immer nicht zu fassen, dass das Leben von Frau D. einfach zu Ende ist.

Der Weg der Erinnerung ist ein Weg in Gedanken in die Vergangenheit. Sicher tut es weh, wenn man dabei spürt, was man alles verloren hat. Aber es tut auch gut, sich an all das Schöne zu erinnern, darüber kann man sich freuen und dankbar sein, es sind die schönen, wehmütigen Erinnerungen.

In jedem Leben gibt es auch Dinge, die nicht so schön sind; jeder hat sein Päckchen zu tragen, wie man sagt. Auch diese Erinnerungen sollte man nicht wegdrängen: auch sie gehören zum Leben und wollen verarbeitet werden.

Wie viele Gedanken macht man sich über die Krankheit der Mutter. Wie oft fragt man sich, ob man mehr hätte tun können. Wichtig ist: man kann diese quälenden Fragen denken – und loslassen, denn Antworten gibt es darauf nicht. Wir können die Vergangenheit ja nicht ändern. Wir dürfen Lasten ablegen, die wir nicht tragen können, denn wir können nicht ungeschehen machen, was geschehen ist. Wir dürfen getrost nach vorn gehen und dabei einander die Lasten tragen helfen, die jetzt zu tragen sind: nicht nur die Trauer, sondern auch all die Herausforderungen des Lebens, die jetzt und in Zukunft ohne die Mutter, ohne die Ehefrau, zu meistern sind.

Heute ist am wichtigsten erst einmal der Abschied von diesem besonderen, einmaligen Menschen. Frau D. ist ein geliebter Mensch gewesen. Je mehr man einen Menschen lieb hat, desto mehr tut es weh, wenn man ihn verliert. Das muss man durchstehen, das braucht seine Zeit, und es ist gut, wenn man auf diesem traurigen Weg nicht allein ist. Ihr seid nicht allein in der Familie, unter Freunden, in der Schule; Sie haben Menschen, auf die Sie sich verlassen können, unter Freunden, Verwandten, Nachbarn und auch im Betrieb. Auf Leute, die dumm daherreden, kann man verzichten; wichtig sind Menschen, auf die man sich verlassen kann.

Und dann ist es wichtig, Wege zu finden, damit für alle gut gesorgt ist. Es muss ja der Lebensunterhalt verdient werden, der Haushalt muss laufen, alles soll ja im Lauf der Zeit wieder seinen geordneten Gang gehen. Auch das braucht Zeit. Aber es ist gut, dass der Papa für seine Kinder da ist und dafür sorgen wird, dass die Familie eine Familie bleibt.

Wichtig ist auch, dass man über Probleme spricht, dass die Seele zu ihrem Recht kommt. Es ist gut zu wissen, bei wem man sich auch einmal aussprechen kann, wenn es im Herzen so weh tut, wenn man verzweifelt ist, wenn man nicht mehr weiter weiß.

Wir brauchen Menschen, um uns ihnen anzuvertrauen. Und auch zu Gott dürfen wir reden, wie wir am Anfang im Psalm 77, 2 gebetet haben:

Ich rufe zu Gott, ich schreie, ich rufe zu Gott, bis er mich hört.

Denn Gott ist unsichtbar bei uns hier auf der Erde. Wer zu ihm spricht, den hört er. Seine Liebe umgibt uns wie ein warmer Mantel, und er gibt uns Trost und Mut, dass wir nicht aufgeben.

Und am Ende, wenn wir sterben, dann nimmt uns Gott mit Ehren in seinem Himmel an. Dort gibt es keine Probleme und kein Leid mehr, und er wird alle unsere Tränen abwischen von unseren Augen. Auch Frau D. begrüßt er freundlich im Himmel und schließt sie in seine Arme. Alles, was schön war, bleibt aufbewahrt im Himmel, all die Liebe, all die guten Erinnerungen. Und was nicht schön war, das lässt Gott einfach vergangen sein, das darf sie hinter sich zurücklassen.

Ich weiß, ihr Kinder behaltet eure Mama lieb. Ich habe gehört, wie ihr beide ein Bild von der Mama gemalt habt, ein Herz mit Flügeln. So denkt ihr an eure Mama, die jetzt bei Gott im Himmel ist. Amen.

Lieber Gott, wir danken dir für das Leben von Frau D. Wir denken an das Gute, das sie in ihrem Leben erfahren konnte, und auch an das Schwere, das sie zu tragen hatte. Immer noch fassungslos stehen wir vor der Tatsache, dass ihr Leben so plötzlich zu Ende gegangen ist, und wir können noch gar nicht abschätzen, was das für die Familie bedeutet.

Nimm du jetzt die Verstorbene in deine gnädigen Hände. Nimm sie auf in deinen Himmel. Lass sie Frieden finden für ihre Seele und wische alle Tränen ab, die sie weinen konnte, und auch die, die sie nicht hat weinen können.

Steh allen bei, die Frau D. schmerzlich vermissen. Gib ihnen die Kraft zu trauern und den Mut, sich des Lebens wieder zu freuen. Lass niemanden allein, der Hilfe braucht.

Bewahre auch uns auf unserem Weg in der Zukunft und lass uns unsere Lasten gemeinsam tragen. Vergib, was wir einander schuldig geblieben sind, und nimm alte Lasten von unseren Schultern, die wir nicht tragen können. Mach uns taub für dumme Redensarten, die wir uns von Menschen ohne Sinn und Verstand anhören müssen. Lass uns auf die hören, die es gut mit uns meinen und die sich auch Zeit nehmen, um uns gut zuzuhören.

Gott, schenke uns auch das Vertrauen zu dir, denn du hilfst uns, das Dunkle zu ertragen, und du bist immer da mit deinem Trost. Amen.

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