„Gott macht keine Unterschiede“

Pfarrer Helmut Schütz

Pfarrer Helmut Schütz

„Gott macht keine Unterschiede, Gott hat uns alle lieb“, so sangen christliche und muslimische Kinder und Erwachsene begeistert bei einer interreligiösen Feier im Paulus-Gemeindesaal. Zwei Mal im Jahr feiern und beten wir gemeinsam über Grenzen der Religionen hinweg, denn auch im Alltag in Kindergarten und Familienzentrum leben wir als Christen, Muslime, Buddhisten ganz selbstverständlich zusammen.

Selten sagt mir jemand: „Ich finde es nicht gut, dass Sie so viel mit den Muslimen machen.“ Ich frage nach, warum, und mir wird erzählt von Nachbarschaftskonflikten und von christlichen Schülern, die sich in ihrer Klasse von einer muslimischen Mehrheit gemobbt fühlen. Aber wenn im Stadtteil so etwas vorkommt, ist es doch um so wichtiger, so früh wie möglich gegenseitigen Respekt einzuüben. Darum ist unser Kindergarten ein Ort, wo sich alle Kinder zu Hause fühlen können und wo alle in ihrer Eigenart ernstgenommen werden, auch wenn sie andere Dinge essen oder anders glauben und beten als andere.

Aber kann man gemeinsam zu Gott und Allah beten? Ich denke, unsere Gebete können ihre Adresse gar nicht verfehlen, wenn sich jeder seiner eigenen ehrlichen Überzeugung entsprechend an Gott wendet. Sicher denken wir unterschiedlich von Gott und betonen oft sogar Gegensätzliches in unserem Glauben. Aber dass der eine Gott der Barmherzige ist, ob wir ihn nun auf Arabisch Allah oder auf Deutsch Gott nennen, sollte uns darin bestärken, in unserem Miteinander vor allem das Gemeinsame zu suchen und zu betonen. Am letzten Sonntag haben wir mit Gebeten aus der islamischen Mystik um Licht und um Liebe bitten dürfen, und das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter hat uns daran erinnert, dass es ausgerechnet ein Fremder mit anderer Religion war, den Jesus den Geistlichen und Lehrern der eigenen Religion als Vorbild der Menschenliebe hinstellt.

Dieser Beitrag von Pfarrer Helmut Schütz erschien ursprünglich in der Rubrik „Gedanken zum Sonntag“ am Samstag, 16. März 2013, im Gießener Anzeiger

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