Johannes der Täufer und die Schlangenbrut

In Spielszenen hören wir, wie Johannes Menschen als Schlangenbrut beschimpft, weil sie egoistisch und gewalttätig sind, einander betrügen und verletzen. Und die Konfirmanden haben die grausige Geschichte gemalt, wie Salome, die Tochter des Königs Herodes, zum Geburtstag für ihn tanzt und sich dafür als Geschenk den Kopf des Täufers Johannes wünscht.

Wie Konfis die Schlangenbrut malen: Eine Schlange rollt sich ein und bildet ein Nest für ihre Eier

Wie Konfis die Schlangenbrut malen: Eine Schlange rollt sich ein und bildet ein Nest für ihre Eier

#predigtGottesdienst mit Einführung des neuen Konfi-Jahrgangs am Sonntag, 24. Juni 2012, um 10.00 Uhr in der Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen zum Eröffnungsgottesdienst des neuen Konfirmandenjahres! 23 Konfirmandinnen und Konfirmanden stellen sich am Beginn des neuen Jahrgangs in der Pauluskirche der Gemeinde vor. Eigentlich gehören noch zwei weitere dazu, die aber zur Verstärkung der allzu kleinen Konfi-Gruppe in der Thomasgemeinde dort in den Unterricht gehen.

Die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden sind an diesem Gottesdienst intensiv beteiligt. Zehn von ihnen spielen uns nachher Szenen aus der Bibel vor, die heute am Johannistag von Johannes dem Täufer handeln.

Zwei Konfirmandinnen haben Fürbittengebete formuliert. Und elf Konfis haben Bilder zur Geschichte von Johannes dem Täufer gemalt. Sie sind dort an der Trennwand zum Gemeindesaal zu sehen.

Lied 334: Danke für diesen guten Morgen
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Was ist euch Konfis heilig, diese Frage habe ich euch gestellt. Ihr habt eure Antworten in eine Konfi-Geheimnis-Box eingeworfen. Fast alle haben geschrieben: Mir sind meine Familie und meine Freunde heilig; die soll keiner beleidigen, die sind mir am allerwichtigsten im Leben.

Hier in der Kirche sagen wir: Gott ist heilig. Er ist wie ein Vater, der uns liebt, wie eine Mutter, die tröstet. Gott ist in Jesus selber auf die Erde gekommen, und Jesus will für uns da sein wie ein unsichtbarer Freund, ein großer Bruder. Gott ist heiliger Geist, eine Kraft, die heilig ist und uns innerlich stark macht.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Im Gottesdienst gibt es an dieser Stelle immer ein Gebet oder Gedanken, die wir „Klage“ nennen. Wir kommen ja in die Kirche und bringen nicht immer nur schöne Gedanken und Gefühle mit. Vielleicht sind wir traurig, weil jemand gestorben ist. Oder wir machen uns Sorgen, weil wir oder jemand in der Familie krank ist. Vielleicht geht es uns einfach so nicht gut. Kann auch sein, dass uns etwas leid tut: Dass wir jemandem wehgetan haben. Dass wir Gott schon lange nicht mehr gedankt haben. Alles, was uns auf der Seele liegt, können wir bei Gott abladen. Wir rufen zu Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

In jedem Gottesdienst gibt es auch diese Stelle, an der wir Gott loben und danken. Denn von ihm kommt unser Leben, von ihm kommt alles, was wir haben, was wir können. Wir mögen viel zu klagen haben, aber hat nicht jeder auch Grund, Gott danke zu sagen?

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wollgefalln Gott an uns hat, nun ist gross Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.“

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, du bist unsichtbar, aber du willst, dass wir dich kennenlernen. Heute hören und sehen wir, was Johannes der Täufer von dir gepredigt hat und wie es ihm ergangen ist. Hilf uns, dass wir begreifen, was du uns durch die Menschen der Bibel sagen willst. Vor allem bitte ich dich, dass wir als erwachsene Christen unseren Konfis unseren eigenen Glauben vorleben. Lass in uns allen das Vertrauen auf dich wachsen durch Jesus Christus, unsern Herrn. „Amen.“

Heute ist der 24. Juni. Ein Datum im Kalender, das man kaum näher beachtet. Jedenfalls nicht so wie ein anderes Datum mit „24.“ Genau vor sechs Monaten und genau in sechs Monaten ist der 24. Dezember, Heiligabend. Das ist kein Zufall. Johannes ist der Vorläufer Jesu. Er ist ein Prophet, der auf Jesus hinweist – an den sollt ihr glauben, der ist wie Gott selbst. Und so, wie ab jetzt die Tage immer kürzer werden bis Weihnachten und danach die Tage wieder länger werden, sagt Johannes von sich und Jesus: „Ich nehme ab, er nimmt zu“, aber nicht an Gewicht, sondern an Bedeutung. Johannes meint: „Ich bin nicht so wichtig, Jesus ist wichtiger, hört auf ihn!“

Jesus taucht im Jordan unter, daneben stehen zwei Bäume, darüber fliegt eine TaubeHeute wollen wir uns aber doch mit Johannes beschäftigen. Er hat ja Jesus getauft. Auf den beiden Bildern (hier oben und unten) sehen wir, wie Johannes ihn im Fluss Jordan untertaucht, und dann kommt über ihm eine Taube aus dem offenen Himmel, die Friedenstaube. Sie zeigt an, dass Gott durch Jesus mit der Menschenwelt Frieden schließt.

Johannes taucht Jesus im Jordan unter, der Himmel öffnet sich hellgelb, auf einer Palme sitzt die TaubeAber warum muss Gott mit uns Frieden schließen? Sind wir denn im Kriegszustand mit Gott? Johannes ist davon überzeugt. Gleich in den Spielszenen werden wir davon hören, wie Johannes den Menschen ins Gewissen redet, weil sie egoistisch und gewalttätig sind, einander betrügen und verletzen. Johannes beschimpft die Menschen sogar als „Schlangenbrut“, sie sind Kinder des Bösen, auf einem Bild haben Konfis die Schlangenbrut gemalt (siehe oben).

Salome tanzt vor ihrem Stiefvater Herodes

Salome tanzt vor ihrem Stiefvater Herodes

Wie sich das Böse auswirkt, davon haben die Konfirmanden auf zwei weiteren Bildern (hier oben und unten) die grausige Geschichte gemalt, wie Salome, die Tochter des Königs Herodes, zum Geburtstag für ihn tanzt und sich dafür als Geschenk den Kopf des Täufers Johannes wünscht.

Salome bekommt als Geschenk den Kopf von Johannes dem Täufer auf einem Tablett

Salome bekommt als Geschenk den Kopf von Johannes dem Täufer auf einem Tablett

Hören wir, was Jesus über Johannes den Täufer sagt.

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Matthäus 11, 7-10:

7 Jesus [fing] an, zu dem Volk von Johannes zu reden: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht?

8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige.

9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch: er ist mehr als ein Prophet.

10 Dieser ist’s, von dem geschrieben steht: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Wir singen aus dem Lied 312 die Strophen 1, 3 und 6:
Kam einst zum Ufer nach Gottes Wort und Plan ein Prediger und Rufer, Johannes hieß der Mann
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, liebe Erwachsenen, liebe Konfis!

Mit einem neuen Konfi-Jahrgang beginnt immer wieder ein neues Abenteuer. Für euch Mädchen und Jungen ist es ein Abenteuer, sich auf eine neue Gruppe einzulassen, auf den Pfarrer, die Konfi-Teamer und auf den Gottesdienst mit all den vielen fremden Texten und Liedern aus Bibel und Gesangbuch. Oder ist das Wort „Abenteuer“ nicht ganz richtig, weil Abenteuer ja meist spannend sind? Droht der Konfi-Unterricht oder der Gottesdienst nicht auch manchmal öde zu werden? Hoffentlich nicht, jedenfalls hoffentlich nicht zu oft! Wir hoffen, dass auch im Gottesdienst manches für euch interessant und spannend ist.

Für andere in der Gemeinde, die regelmäßig hierherkommen, sind neue Konfis auch immer ein Abenteuer. Werden sie dazu beitragen, dass wir uns als Ganze etwas jünger fühlen können, weil sie hier und da etwas von ihren eigenen Ideen einbringen und ein wenig Interesse zeigen an dem, was anderen in der Kirche wichtig ist? Oder werden sie dadurch auffallen, dass sie unsere Konzentration stören, weil sie sich nur mit sich selber und ihren Handys beschäftigen? Ich hoffe das erstere, und der heutige Gottesdienst ist dafür ein guter Anfang. Denn heute tragen unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden viel zum Gottesdienst bei, zum Beispiel mit Bildern und Gebeten und als Schauspieler auf einer Zeitreise in das Israel vor 2000 Jahren.

… spielt gleich den Andreas, einen Jünger des Johannes und späteren Jünger von Jesus.

… ist Simon, der als Jünger von Jesus später Petrus genannt wird.

… übernimmt die Rolle der jungen Fischerin Susanna, die ebenfalls unbedingt zu Johannes dem Täufer will.

Die größte Rolle hat …, er ist heute Johannes der Täufer. Und … spielt Jesus.

… stellt die zickige Prinzessin Salome dar, und … den Freund der Salome, den jungen römischen Soldaten Gajus.

Kleinere Rollen in unserem Spiel übernehmen … als jüdischer Pharisäer Asaph, … als Priester Zadok im Tempel von Jerusalem und … als Zoll- und Steuereintreiber Matthäus. Diese drei waren auch am Bildermalen beteiligt.

Ein Bild haben außerdem gemalt: … und … . Bildermalerinnen waren auch … und … . Auch … und … haben gemeinsam ein Bild gemalt. Und ebenso die beiden Geschwister … und … .

… und … haben Gebete formuliert und werden sie nachher auch vortragen.

Vier unserer Konfis haben letzte Woche leider gefehlt und konnten daher diesen Gottesdienst nicht mit vorbereiten, gehören aber trotzdem dazu: … .

Viele sind beteiligt an diesem Gottesdienst, jeder auf seine Weise, und ich hoffe, das werden wir heute nicht zum letzten Mal erleben.

Und jetzt wollen die Konfis uns vorführen, was der Täufer Johannes für einer war. Nicht ein Säufer mit „s“, ein Täufer mit „t“ war er. Ganz untergetaucht hat er die Leute in einem Fluss. Er wollte die Leute von allem Dreck reinwaschen, den sie in ihrem Leben angesammelt hatten, von allem Bösen, das sie getan hatten.

Machen wir eine Zeitreise zu Johannes dem Täufer, etwa in das Jahr 30 nach Christi Geburt. Unsere Reise führt uns in ein Land am östlichen Ende des Mittelmeeres, nach Israel. Immer näher kommen wir dem Reiseziel… aber was ist das, es ist sehr heiß und staubig, ich sehe nur Sand, einen fast ausgetrockneten Fluss, und trotzdem ist hier eine ganze Menschenmenge zusammengekommen, als wäre hier ein Casting für DSDS. Was ist hier los? Vielleicht kriegen wir es raus, wenn wir drei jungen Leuten zuhören, die auch gerade angekommen sind (die Szenen wurden inhaltlich gestaltet nach Lukas 3, 7-22 und Matthäus 14, 1-14).

Zwei Konfis spielen Andreas und Simon (Susanna ist nicht auf dem Bild)Andreas: Oh Mann, wenn ich gewusst hätte, wie weit der Weg vom See Genezareth nach Jerusalem ist und wie steil es dann zum Jordan runtergeht, hättet ihr allein gehen können.

Susanna: Wieso „oh Mann“? Ich heiße Susanna und bin kein Mann. Und du, Andreas, stell dich nicht so an. Ich hab dich nicht gebeten mitzukommen, du wolltest mich begleiten.

Andreas: Ja. Ein Mädchen sollte wirklich nicht allein diese steinige Strecke runter in die Wüste gehen.

Simon: Von „allein“ kann aber doch gar keine Rede sein. Hier wimmelt es von Menschen.

Andreas: Das sehe ich auch, mein großer Bruder Simon. Komisch, wie viele Leute diesen Johannes unbedingt sehen wollen.

Susanna: Und das, obwohl er es ihnen nicht gerade einfach macht. Steiniger Weg, steile Strecke, totale Hitze in der Wüste. Vor allem – wartet mal ab, was für Worte er den Leuten an den Kopf wirft.

Simon: He, seht mal, wer da auch noch auf dem Weg ist. Ich werd verrückt: sogar Salome, die Königstochter!

Andreas: Dass so ein Zuckerpüppchen sich hier runter wagt, hätte ich nicht gedacht.

Susanna: Ach, du meinst also, wenn schon Mädchen zu Johannes an den Jordan kommen, dann können es nur Bauerntrampel wie ich sein?

Andreas: Bauerntrampel? Nö, ich dachte, du bist eine Fischergöre. Aber die Salome ist sowieso keine echte Königstochter!

Susanna: Na ja, sie ist die Tochter von Herodias, der Frau unseres Königs Herodes.

Andreas: Und die ist eigentlich immer noch die Frau seines Bruders und nicht die rechtmäßige Ehefrau unseres geliebten Herrschers Herodes.

Susanna: Sei nicht so sarkastisch. Dass unser König im Ehebruch mit der Frau seines eigenen Bruders lebt, ist nicht zum Lachen.

Simon: Es ist auch nicht zum Lachen, wen Salome da als Begleiter bei sich hat. Tatsächlich: sie hängt am Arm von so einem jungen römischen Offizier.

Andreas: Das sieht ihr ähnlich. Ein Römer-Jüngling passt auf die Prinzessin auf. Diese frechen Ausbeuter! Die Macht im Palast haben sie schon. Wann werden sie die Macht im Tempel von Jerusalem übernehmen?

Susanna: Da hinten kommt auch noch Matthäus, der Zöllner. Noch so einer, der mit den Römern zusammenarbeitet und uns hohe Steuern abknöpft!

Verlassen wir das erregte Gespräch der drei Fischerjungen und -mädchen vom See Genezareth. Hören wir einmal zu, was Salome und Gajus miteinander bereden.

Gajus und Salome unterhalten sich miteinanderSalome: Lieber römischer Freund. Danke, dass du mich in diese schreckliche Wüste begleitet hast.

Gajus: Gern geschehen. Für dich tue ich alles. Wenn ich auch sagen muss: ihr habt hier in Israel entsetzlich staubige, steinige und heiße Landschaften, die mir gar nicht gefallen.

Salome: Bald darfst du mich ja wieder in die Hauptstadt begleiten. Im Palast meines Stiefvaters ist es angenehm kühl.

Gajus: Aber erklär mir noch mal: Wieso willst du diesen ungewaschenen Johannes hier am Jordan sehen mit seinem Kamelhaarmantel und Ledergürtel? Der ist doch absolut nicht dein Stil. Er lebt hier draußen in der Wüste und isst nur Heuschrecken und wilden Honig. Was willst du von dem?

Salome: Ich finde ihn mutig. Er soll sogar meine Mutter und meinen Stiefvater offen kritisiert haben. Ich muss ihn unbedingt einmal selber hören. Er ist ein echter Mann, überhaupt kein Weich-Ei.

Gajus: Soll ich eifersüchtig werden? Du klingst, als ob du in ihn verliebt wärst.

Salome: Wer weiß? Bisher konnte mir noch niemand widerstehen. Sogar meinen Stiefvater wickle ich um den kleinen Finger.

Auch dieses Gespräch verlassen wir. Jetzt bewegt sich etwas am Jordan in der Menge. Ein Mann steht auf, im Kamelhaarmantel mit Ledergürtel, und fängt an zu reden:

Johannes der Täufer spricht zu AndreasJohannes: Kehrt um! Das Himmelreich ist nahe.

Andreas: Umkehren? Was sollen wir denn tun?

Johannes: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, soll es genau so machen.

Andreas: Ich bin bereit zu teilen. Ich bekenne, dass ich bisher sehr egoistisch war. Bitte taufe mich!

Johannes: Ich taufe dich, da du zu Gott umkehrst.

Johannes tauft AndreasMatthäus: Würdest du auch mich taufen? Ich bin ein Zöllner und muss zugeben, ich habe auch schon Leute betrogen. Was soll ich tun?

Johannes: Fordere von den Leuten nicht mehr, als vorgeschrieben ist. Auch dich taufe ich zum Zeichen der Umkehr zu Gott.

Gajus und Salome reden mit Johannes dem TäuferGajus: Und wenn ich umkehren will? Ich bin ein Römer, ein Soldat des Kaisers. Was soll ich tun?

Johannes: Tue niemand Gewalt oder Unrecht. Sei zufrieden mit deinem Sold. Plündern – nein danke!

Salome: Ich weiß ja nicht, ob du mich kennst, lieber Johannes. Aber meinen Vater kennst du gut.

Johannes: Deinen Vater? Du meinst deinen Stiefvater. Den Ehebrecher Herodes. Ja, den kenne ich gut.

Salome: Wie kannst du es wagen, so von dem König Israels zu sprechen?

Johannes: König in Israel ist nur einer: Gott selbst. Auf dem Thron in Jerusalem darf sich nur der König nennen lassen, der die Gebote Gottes erfüllt.

Salome: Mutig bist du ja. Du gefällst mir. Und dein Outfit ist schräg. Kamelhaar, Ledergürtel, so was trägt in ganz Jerusalem keiner. Ich würde mit dir gern einmal unter vier Augen reden. Wie wär‘s am nächsten Sabbat in Jerusalem?

Johannes der Täufer redet mutig mit SalomeJohannes: Wenn du wirklich daran interessiert bist, was ich dir sagen will, kann ich dir das auch hier sagen, in aller Öffentlichkeit. Auch dir sage ich: Kehre um! Gott traut dir zu, dass du dein Leben änderst.

Salome: Das ist interessant. Was will er denn von mir?

Johannes: Höre auf, mit jedem Mann eine Freundschaft anzufangen, der dir gefällt, bevor du noch den anderen fallen gelassen hast. Und bilde dir nichts auf deine Schönheit ein. Dein Leben ist und bleibt hässlich, so lange du böse bist in deinem Herzen.

Salome: Ach, das hat mir noch kein Mann ins Gesicht zu sagen gewagt. Ich bin also hässlich. Diese Beleidigung wirst du mir noch büßen.

Gajus: Warte, Salome, lass mich reden. Deine Ratschläge, Johannes, sind ja ehrenwert, aber wie du hier sogar die Prinzessin Salome vor allen Leuten beschimpfst, das geht zu weit. Immerhin ist hier nicht nur einfaches Volk versammelt, sondern auch angesehene Phariser und Sadduzäer.

Asaph: So ist es, Johannes. Du nennst mich Pharisäer, und ich bin stolz darauf. Denn ich halte Gottes Gebote mehr als alle diese Sünder, die zu dir kommen.

Zadok: Und ich gehöre zu den Priestern von Jerusalem, alle meine Vorfahren haben schon im Tempel Gott gedient, und ich kann es nicht zulassen, wie du vor diesem niederen Volk unsere Ehre in den Dreck ziehst!

Asaph und Zadok im erregten Gespräch mit JohannesJohannes: Ihr nennt die anderen Sünder und wollt selbst etwas Besseres sein? Ihr Schlangenbrut, bildet euch nichts ein auf eure Religion und eure Abstammung! Ihr müsst umkehren zu Gott, sonst seid auch ihr nicht zu retten. Ihr seid wie Bäume, die faule Früchte bringen, die man mit der Axt umhaut und ins Feuer wirft.

Asaph: Du unverschämtes Großmaul, wie kannst du uns vor allen Leuten so beleidigen!

Zadok: Für solche Reden wirst du noch büßen!

Gajus: Ich werde jedenfalls dem König Meldung machen, wie du hier redest.

Salome: Tu das. Im Gefängnis hat mein Stiefvater sicher noch einen Platz für ihn. Komm, lass uns nach Jerusalem zurückkehren. Hier stinkt es gewaltig.

Johannes beschimpft Gajus und SalomeJohannes: Du hast recht. Es stinkt hier nach Bosheit und eingebildeter Schönheit. Geht nur und denkt daran: Auch ihr könnt umkehren – Gottes Himmelreich ist allen nahe.

Salome, Gajus, Asaph und Zadok verlassen die Menge. Wir hören wieder den Fischern und ihrer Freundin zu.

Simon: Ich will wirklich zu Gott umkehren. Ich meine es ernst. Aber werde ich das auch schaffen?

Andreas: Mir geht es auch so. Als Johannes mich getauft hat, habe ich mich gefragt: Genügt es, mit Wasser getauft zu sein? Wer gibt mir die Kraft, durchzuhalten?

Susanna: He, was ist das für ein Mann, der da zu Johannes kommt?

Simon: Er heißt Jesus. Viele sagen, er ist der Messias, ein König, der von Gott selbst gesalbt wurde.

Andreas: Ob Jesus den König Herodes absetzen und in die Wüste schicken kann?

Susanna: Was will er hier bei Johannes? Will er ihn ablösen und selber anfangen zu taufen?

Jesus will sich von Johannes taufen lassenJesus schaut nach obenJesus: Johannes, ich will mich von dir taufen lassen.

Johannes: Aber Jesus! Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?

Jesus: Lass es nur zu! Auch ich kann nur gerecht und gut sein, wenn Gott in mir ist und mir Kraft gibt.

Johannes: So taufe ich dich. Gottes Reich ist dir nahe.

Susanna: Das ist merkwürdig. Wieso sieht Jesus nach oben?

Andreas: Er sieht glücklich aus. Als ob er den Himmel offen sieht.

Simon: Als ob er Gott selber reden hört.

Susanna: Gott muss ihm etwas sehr Schönes sagen.

Simon: Ich glaube, Jesus ist wirklich der Messias.

Andreas: Ich glaube, dass Jesus mir die Kraft geben wird, um wirklich zu tun, was Gott von mir will.

Später erzählen die Evangelisten von Jesus, dass er im Augenblick seiner Taufe spürt, wie der Geist Gottes auf ihn herab kommt. Er sieht die Taube aus der Arche Noah und spürt die Kraft des Friedens zwischen Gott und den Menschen. Er hört eine Stimme aus dem Himmel: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Und Andreas hat Recht: Jesus gibt vielen Menschen die Kraft, das Gute zu tun.

Ein Lied sagt mehr als tausend Worte, was Jesus für ein Mensch war. Wir singen das Lied 552:
Einer ist unser Leben

Wir reisen noch einmal in die gleiche Zeit und das gleiche Land, aber nicht an den Jordan, sondern in die Hauptstadt Jerusalem. Wo sind wir dieses Mal wieder gelandet? Es ist dunkel und feucht, und es riecht eklig. Ketten klirren. Das ist ein Gefängnis, und in einer Ecke liegt Johannes. Er kann sich kaum bewegen, Hände und Füße sind mit Ketten an der Wand befestigt.

Gajus hat Johannes ins Gefängnis geworfenGajus: He, Johannes, so sehen wir uns wieder! Niemand beleidigt ungestraft Herodes oder seine Tochter.

Johannes: Stieftochter, lieber Gajus. Wie geht es denn deiner Freundin Salome?

Gajus: Sie ist immer noch wütend auf dich. Ehrlich gesagt: Das war so unnötig. Es hätte sogar was aus euch beiden werden können. Sie stand doch richtiggehend auf dich.

Johannes: Richte ihr aus: Ich stehe nicht auf sie. Aber ich wünsche ihr immer noch, dass sie von ihren bösen Wegen umkehrt.

Gajus: Dann ist dir nicht zu helfen. Aber du hast Besuch. Besuchszeit: fünf Minuten, keine Sekunde länger! (er geht weg)

Andreas und Simon besuchen Johannes im GefängnisJohannes: Hallo Andreas und Simon, seid ihr bei Jesus gewesen? Habt ihr ihm meine Frage gestellt?

Andreas: Ja, wir haben ihn gefragt: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?“

Johannes: Genau, denn ich dachte, wenn er der Messias ist, braucht er doch nicht getauft zu werden.

Simon: Dann hör zu. Jesus hat uns gesagt: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.“

Johannes: Das habt ihr wirklich gehört und gesehen?

Andreas: Ja, Johannes. Wir sind jetzt auch bei Jesus. Wir folgen ihm nach. Wir spüren Gottes Kraft in seinen Worten und Taten.

Simon: Wir haben wirklich gesehen, wie Jesus den Menschen die Augen öffnet, wie er Kranke heilt.

Andreas: Er ekelt sich nicht einmal vor Menschen mit entsetzlichen Hautausschlägen und Geschwüren. Er fasst sie so liebevoll an, dass sie aufhören, sich zu schämen.

Johannes: Jesus muss wirklich der Messias sein! Helft ihm weiter bei seiner Arbeit!

Gajus beendet die Besuchszeit vorzeitigGajus: (er kommt wieder) Schluss der Besuchszeit!

Johannes: Aber fünf Minuten sind noch nicht um.

Gajus: Manchmal sind fünf Minuten kürzer als sonst. Manchmal sogar ein ganzes Leben. Johannes, ich habe eine schlechte Nachricht für dich.

Andreas: Was ist passiert?

Gajus: Ihr wisst, König Herodes feiert oben im Palast seinen Geburtstag.

Simon: Ja, mit Tanz und Wein, ganz wie die Römer.

Johannes: Lass mich raten: Salome hat vor ihrem Stiefvater getanzt. Und sie durfte sich von ihm etwas wünschen.

Gajus: So ist es. Du kennst sie schon sehr gut. Ja, sie hat sich etwas gewünscht: „Lass mir auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes herbringen.“

Andreas: Nein!

Simon: Wie entsetzlich!

Andreas: Das darf nicht geschehen!

Gajus: Doch, das wird geschehen. Der König war zwar etwas traurig, weil er dich eigentlich mag. Aber er hat es seiner Tochter nun mal versprochen und will sich nicht vor allen Gästen blamieren.

Johannes der Täufer ergibt sich in Gottes WillenJohannes: Mein Leben steht in Gottes Hand. Mir tut Salome leid. Sie will nicht von ihrer Bosheit lassen. Lebt wohl, Andreas und Simon. Erzählt Jesus von mir.

Andreas: Das werden wir tun.

Simon: Und was passiert mit…

Gajus: …seinem Leichnam? Den könnt ihr nachher abholen und begraben.

Und was geschieht, als Jesus vom Tod des Johannes erfährt?

Andreas und Simon berichten Jesus, dass Johannes getötet worden istAndreas: Jesus, wir müssen dir etwas Trauriges erzählen.

Jesus: Was denn?

Simon: Herodes hat Johannes enthaupten lassen.

Jesus: Erzählt mir alles ganz genau, und dann lasst mich bitte allein.

Als Jesus all das hörte, fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Aber als der König Herodes hörte, was man von Jesus erzählte, da sagte er: „Er ist Johannes der Täufer. Er ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm.“ Das stimmte zwar nicht. Jesus war nicht in Johannes auferstanden. Aber Herodes hat doch etwas richtig verstanden: Jesus erfüllte die Aufgabe, die Johannes nicht selber ausführen konnte: Er zeigte uns anderen Menschen, wie Gott selber ist.

Später ist auch Jesus hingerichtet worden, und dann ist Jesus auferstanden. Nicht in einem anderen Menschen, sondern als der Sohn Gottes im Himmel. Weil Jesus im Himmel ist und weil der Himmel unsichtbar überall ist, darum ist Jesus auch jetzt bei uns, unsichtbar. Er kann uns Kraft geben, das Gute zu tun. Hier und heute. Jeden Tag. Überall. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied vom Liedblatt:

Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist, was gut ist

An dieser Stelle möchte ich noch ein herzliches Dankeschön loswerden.

Als ich sah, wie groß unsere Konfi-Gruppe sein würde, drei Mal so groß wie im letzten Jahr, da dachte ich: Oh Gott, wie soll ich den Unterricht allein bloß schaffen? Doch dann erklärten sich sieben Mitglieder unserer Capoeira-Gruppe bereit, mich im Konfi-Team zu unterstützen. Sie haben bereits damit angefangen und sind ganz wundervolle Mitarbeiter. Einige von ihnen sind auch hier, und ich möchte euch sagen:

Denkt daran, dass ihr diese Aufgabe nicht nur für mich tut, nicht nur für die Paulusgemeinde oder die Konfi-Gruppe. Ihr seid Gottes Mitarbeiter, und Gott lässt euch nicht allein bei dieser Aufgabe. Ich beauftrage euch als Mitarbeiter im Dienst für Gott. Lasst euch segnen für eure Mitarbeit im Konfi-Team, damit ihr für die Konfis ein Segen seid. Es segne und behüte euch Gott, der Allmächtige und der Barmherzige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Wir stehen auf zum Beten, und die Konfis, die Gebete formuliert haben, kommen hierher nach vorn. Nach unseren Bitten singen wir jeweils die kurze Liedstrophe: „Wende das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach!“

Die erste Bitte an Gott formuliere ich selbst:

Guter Gott, behüte und begleite unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden in ihrem Konfi-Jahr. Lass jede einzelne und jeden einzelnen spüren, dass du bei ihnen bist, an jedem Tag ihres Lebens. Wir beten für …. Und, guter Gott, begleite du auch die Konfi-Begleiter, damit sie gut für die Konfis da sein können. Wir beten für die Mitglieder der Capoeira-Gruppe, die sich zu diesem Dienst bereit erklärt haben.

„Wende das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach!“

Lieber Vater, du siehst gerade, was auf der Welt passiert: Leute, die in Armut leben, in Not sind oder als Christen verfolgt werden. Wir beten für diese Menschen und hoffen, dass alles im Guten geschieht. Beschütze alle Menschen, die es auf der Erde gibt.

„Wende das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach!“

Vater im Himmel, wir beten mit dir für alle Menschen, denen es schlecht geht: Einsame, Witwen, Verlassene, und allen, denen Unrecht widerfahren ist.

„Wende das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach!“

Und noch eine Bitte richten wir an Gott. Barmherziger Vater, wir denken vor dir an ein Mitglied unserer Paulusgemeinde, das gestorben ist. Wir beten für Frau …, die … Jahre alt geworden ist. Nimm sie gnädig auf in deinem Himmel und begleite ihre Freundinnen und Nachbarn, die um sie trauern.

„Wende das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach!“

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir noch auf dem Herzen haben:

Gebetsstille
„Wende das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach!“

Wir beten mit Jesu Worten:

Vater unser
Abkündigungen
Lied 419: Hilf, Herr meines Lebens

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.