Gott des Feuers – Gott der leisen Stimme

Der Prophet Elia zwischen dem Berg Karmel und dem Berg Horeb.

Wer ist Elia wirklich? Der unbeugsame Prophet, der falsche Götzenpriester tötet? Der um sein Leben flieht und sich zugleich nach dem Tod sehnt? Jedenfalls der, den Gott mit sanfter Stimme ruft. – In seinem Sohn Jesus ließ Gott später nicht Feuer vom Himmel regnen, um Gottlose zu bestrafen.

Der Prophet Elia auf einem Kirchenfenster

Der Prophet Elia auf einem Kirchenfenster (Foto: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am Sonntag Okuli, 3. März 2002, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am 3. Sonntag in der Passionszeit begrüße ich Sie zum Gottesdienst, in dem wir das Heilige Abendmahl miteinander feiern werden.

Einen weiten Spannungsbogen umfasst dieser Gottesdienst. In der Predigt hören wir von dem Propheten Elia, der herkommt vom Berg Karmel, wo er falsche Propheten getötet hat. Ist er auf einem Weg des Sieges?

Wir hören diese Geschichte im Licht der ganz anderen Geschichte von Jesus, der hingeht nach Jerusalem, wo er getötet werden und auferstehen wird. Seine scheinbare Niederlage wird zum Sieg, der die Welt überwindet.

Passionslied 75:

1) Ehre sei dir, Christe, der du littest Not, an dem Stamm des Kreuzes für uns bittern Tod, herrschest mit dem Vater in der Ewigkeit: hilf uns armen Sündern zu der Seligkeit. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

2) Wäre nicht gekommen Christus in die Welt und hätt angenommen unser arm Gestalt und für unsre Sünde gestorben williglich, so hätten wir müssen verdammt sein ewiglich. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

3) Darum wolln wir loben, danken allezeit dem Vater und Sohne und dem Heilgen Geist; bitten, dass sie wollen behüten uns hinfort, und dass wir stets bleiben bei seinem heilgen Wort. Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“
Psalm 34:

2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

5 Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!

16 Die Augen des Herrn blicken auf die Gerechten, seine Ohren hören ihr Schreien.

19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ein Loblied auf die Passion Jesu haben wir gesungen. Gott loben, geht das mitten in der Passionszeit, im Gedenken an das Leiden Jesu? Ja, denn dass Jesus unser Leid teilt, ist ein Grund, ihm dankbar zu sein. Gott will nicht unser Leid vergrößern, sondern seine Augen sind voll Mitgefühl auf uns gerichtet.

Die Ängstlichen und die Elenden sollen sich freuen. Die Gedemütigten müssen sich nicht mehr schämen. Gott heilt zerbrochene Herzen und zerschlagene Gemüter. Darauf dürfen wir vertrauen. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Hört, was David uns lehrt im Psalm 34:

12 Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren.

13 Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen?

14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.

15 Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, deine Augen wachen über uns. Ein schönes Gefühl, von guten Engelmächten behütet zu sein. Doch manchen unter uns kommt es so vor, als würdest du uns überwachen, wie ein eifersüchtiger Tyrann, der uns keinen Ausweg lässt.

Wenn wir so an deiner Güte zweifeln, gib uns neue Klarheit und Orientierung. Stell uns deutlich das Bild deines Sohnes Jesu Christi vor Augen. In ihm hast du uns Menschen liebevoll angesehen, hast die Mühseligen und Beladenen zu dir gerufen, hast Sündern die Schuld vergeben. Schenke uns das Vertrauen zu dir durch Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas 9, 51-56:

51 Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, dass er hinweggenommen werden sollte, da wandte er sein Angesicht, stracks nach Jerusalem zu wandern.

52 Und er sandte Boten vor sich her; die gingen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, ihm Herberge zu bereiten.

53 Und sie nahmen ihn nicht auf, weil er sein Angesicht gewandt hatte, nach Jerusalem zu wandern.

54 Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und sie verzehre.

55 Jesus aber wandte sich um und wies sie zurecht.

56 Und sie gingen in ein andres Dorf.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Amen. „Amen.“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Lied 255 die Strophen 1 bis 4:

1) O dass doch bald dein Feuer brennte, du unaussprechlich Liebender, und bald die ganze Welt erkennte, dass du bist König, Gott und Herr!

2) Zwar brennt es schon in heller Flamme, jetzt hier, jetzt dort, in Ost und West, dir, dem für uns erwürgten Lamme, ein herrlich Pfingst- und Freudenfest;

3) und noch entzünden Himmelsfunken so manches kalte, tote Herz und machen Durst’ge freudetrunken und heilen Sünd und Höllenschmerz.

4) Verzehre Stolz und Eigenliebe und sondre ab, was unrein ist, und mehre jener Flamme Triebe, die dir nur glüht, Herr Jesu Christ.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, wir haben das Lied gesungen: „Oh dass doch bald dein Feuer brennte, du unaussprechlich Liebender!“ Dieses Feuer zerstört keine Häuser und verbrennt keine Menschen. Bildlich gesprochen, verbrennt im Feuer der Liebe Gottes unser falscher Stolz und Egoismus. Sichtbar und erfahrbar wurde diese Liebe für uns, als Jesus, das Gotteslamm, sich wehrlos töten ließ und selbst seinen Mördern vergab.

Das Feuer der Liebe Gottes tötet also nicht, es sondern macht lebendig. Auf dem Weg nach Jerusalem, wo die Menschen ihn töten werden, lehnt es Jesus ausdrücklich ab, Feuer vom Himmel regnen zu lassen über die, die ihn nicht aufnehmen.

Aber in der Bibel gibt es auch andere Geschichten, von Gottes Rache und Gottes Strafen. Und auch in der Zeit der Kirche nach Jesus gibt es andere Geschichten, von Kreuzzügen und Hexenverbrennungen, von Völkermorden und Judenverfolgungen bis in die moderne Zeit hinein. Menschen, die an Gott glauben, sind offenbar nicht automatisch so friedlich wie Jesus.

Aber warum sind Menschen, die an Gott glauben, oft sogar noch fanatischer? Und wie können wir es lernen, Jesus nachzufolgen auf den Spuren des EINEN lebendigen und menschenfreundlichen Gottes?

Mit dieser Frage gehe ich an die Geschichte des Propheten Elia heran, aus der unser Predigttext stammt. Herr Dr. Fischer liest Verse aus dem 1. Buch der Könige, und ich lege sie aus. Alles fängt an, als Ahab König wird (1. Könige 16):

29 Im achtunddreißigsten Jahr Asas, des Königs von Juda, wurde Ahab, der Sohn Omris, König über Israel und regierte über Israel zu Samaria zweiundzwanzig Jahre

30 und tat, was dem HERRN missfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren.

31 Es war noch das Geringste, dass er wandelte in der Sünde Jerobeams, des Sohnes Nebats; er nahm sogar Isebel, die Tochter Etbaals, des Königs der Sidonier, zur Frau und ging hin und diente Baal und betete ihn an

32 und richtete ihm einen Altar auf im Tempel Baals, den er ihm zu Samaria baute,

33 und machte ein Bild der Aschera, so dass Ahab mehr tat, den HERRN, den Gott Israels, zu erzürnen, als alle Könige von Israel, die vor ihm gewesen waren.

Ein Religionskrieg ist in Israel ausgebrochen. König Ahabs Frau Isebel, die aus dem Nachbarland stammt, bringt Fruchtbarkeitskulte nach Israel – Bilder des Gottes Baal und der Göttin Aschera werden angebetet, die Tempelprostitution wird eingeführt, und sie sorgt dafür, dass die Propheten des EINEN Gottes von Israel, die sich gegen die falschen Götter stellen, bis auf ganz wenige ausgerottet werden. Der Prophet Elia bleibt übrig und flieht. Zuvor kündigt er die Strafe des EINEN Gottes für den Glaubensabfall an. Es wird nicht regnen, sagt er voraus, und wirklich kommt eine Trockenheit und Hungersnot über das Land. Da begegnet er seinem König (1. Könige 18):

16 Ahab ging hin Elia entgegen.

17 Und als Ahab Elia sah, sprach Ahab zu ihm: Bist du nun da, der Israel ins Unglück stürzt?

18 Er aber sprach: Nicht ich stürze Israel ins Unglück, sondern du und deines Vaters Haus dadurch, dass ihr des HERRN Gebote verlassen habt und wandelt den Baalen nach.

Elia geht also davon aus – wer sich vom lebendigen Gott löst und seine Gebote missachtet, stürzt sich selber ins Unglück. Er muss die Folgen seines Verhaltens tragen. Und dann schlägt er seinem König einen Wettkampf der Götter vor – auf dem Berg Karmel:

19 Wohlan, so sende nun hin und versammle zu mir ganz Israel auf den Berg Karmel und die vierhundertundfünfzig Propheten Baals, auch die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen.

Der Wettstreit beginnt – die 850 Götzenpropheten versuchen den Gott Baal mit Tänzen und Selbstverwundungen dazu zu bringen, dass er Feuer vom Himmel regnen lässt und das Opfer auf ihrem Altar anzündet – vergeblich. Er ist ja ein falscher Gott. Elia dagegen, der einzig übriggebliebene Prophet des EINEN Gottes, gewinnt den ungleichen Wettkampf 1 : 850, indem er einfach zu Gott betet:

37 Erhöre mich, HERR, erhöre mich, damit dies Volk erkennt, dass du, HERR, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir kehrst!

Elias Gebet wird erhört – ein Blitz vom Himmel schlägt ein.

38 Da fiel das Feuer des HERRN herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser auf im Graben.

39 Als das alles Volk sah, fielen sie auf ihr Angesicht und sprachen: Der HERR ist Gott, der HERR ist Gott!

Ich höre diese Geschichte mit zwiespältigen Gefühlen. Kann man den wahren Gott wirklich so herausfordern, wie es Elia getan hat, dass er seine Macht beweist? Jesus hat sich dagegen immer gewehrt, hat nur dort Wunder getan, wo man ihm bereits vertraute.

Nach seinem Sieg tut Elia, was später auch unduldsame Christen trotz der Feindesliebe Jesu immer wieder taten. Er meint, für seinen Gott klare Verhältnisse schaffen zu müssen:

40 Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals, dass keiner von ihnen entrinne! Und sie ergriffen sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kischon und tötete sie daselbst.

Vielleicht fragen Sie sich: Wieso lässt der Pfarrer solche grausamen Geschichten aus der Bibel vorlesen? Weil es offenbar schon damals so war, dass das Beste, woran Menschen glauben, sie nicht automatisch vor Intoleranz und Gewaltanwendung bewahrt. Elia glaubt an den EINEN Gott, der auch der Gott Jesu und unser Gott geblieben ist. Doch entspricht es wirklich dem Willen dieses Gottes, wenn Elia es ganz normal findet, die Propheten der Götzen umzubringen?

Ein ungutes Gefühl beschleicht mich schon, wenn ich lese, wie Elia vor seinem Erfolg die fremde Religion verspottet:

27 Als es nun Mittag wurde, verspottete sie Elia und sprach: Ruft laut! Denn er ist ja ein Gott; er ist in Gedanken oder hat zu schaffen oder ist über Land oder schläft vielleicht, dass er aufwache.

Elia hat natürlich Recht. Götter, die es gar nicht gibt, können auch nichts tun. Aber ist es dem Glauben an den wahren lebendigen Gott angemessen, so großspurig aufzutreten, in einer solchen Haltung der überlegenen Stärke? Wurde nicht Jesus auf ganz ähnliche Weise verspottet in der Nacht vor seinem Tod? „Wenn du Gottes Sohn bist, dann wehr dich doch!“ Man schlug ihn mit verbundenen Augen und sagte: „Weissage uns – wer hat dich geschlagen?“

Sagen wir nicht einfach: Ja, bei Elia schlägt eben das alttestamentarische Rachedenken der Juden durch, das ist ja von Christus längst überwunden. Täuschen wir uns nicht: Die Geschichte des Elia wiederholt sich im christlichen Mittelalter bis hinein ins 20. und 21. Jahrhundert. Kreuzzüge und Ketzerverbrennungen haben sicher nichts mit der Feindesliebe Christi zu tun. Die Völkermorde des modernen Menschen im Namen angeblich wissenschaftlicher Ideologien sind noch keine 100 Jahre her. Und selbst das 21. Jahrhundert hat mit massivem Terrorismus begonnen, der sich auf Gott beruft, und mit kriegerischen Einsätzen, die von Christen mitverantwortet werden.

Aber diese deprimierenden Feststellungen sind nicht die Botschaft meiner Predigt. Nein, die kommt jetzt.

Denn das Wunderbare an der Bibel ist, dass sie ausgerechnet an einer Stelle, an der ich ins Grübeln und Zweifeln gerate über das Verhalten eines der größten Propheten, nun eine ganz unerwartete Geschichte erzählt.

Das heißt, zunächst läuft alles noch so, wie man es erwarten kann (1. Könige 19):

1 Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte.

2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!

Das war zu erwarten. Die Königin konnte nicht hinnehmen, dass Elia ihre ganzen Propheten umbringt. Und Elia?

3 Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.

4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.

5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder.

Das war nicht zu erwarten. Ist das noch der gleiche Elia, der eben noch mutig für seinen Gott eingetreten ist? Hier erweist er sich als schwacher Mensch, flieht in Panik, um sein Leben zu retten. Dann verfällt er in Selbstkritik, Selbstmitleid und vielleicht sogar Selbstmordgedanken. So rasch schlägt seine Siegeszuversicht im Namen des EINEN lebendigen Gottes in eine lähmende Lebensmüdigkeit um.

Meldet sich hier in der Seele des Elia selbst nicht genau der Zweifel, den ich eben angemeldet habe? Die Erwartung, dass sich der EINE lebendige Gott mit Zaubertricks vom Himmel und mit blutiger Gewalt gegen falsche Götter endgültig durchsetzt, greift offenbar zu kurz.

Und genau hier, wo Elia am Ende ist, am Boden zerstört, ganz unten, da greift Gott noch einmal auf ganz andere Weise ein.

Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss!

6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.

In der Gestalt eines Engels rührt Gott den Elia an. „Steh auf und iss!“ Brot ist da. Wasser ist da. Elia ist nicht mehr der Starke – und doch nicht verloren. Hier muss er nicht kämpfen, hier ist er umsorgt durch eine himmlische Macht.

7 Und der Engel des HERRN kam zum zweitenmal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

Noch einmal erfährt Elia seinen Gott ganz unverhofft mitten im Schlaf, mitten in seiner Lebensmüdigkeit. Als der Lebendige erweist sich Gott gerade in solchen Stunden, wenn wir nicht weiterwissen. Selbst in der Hölle des Warschauer Ghettos, aus dem es kein Entkommen gab, konnte ein Jude an eine Mauer schreiben: „Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht spüre. Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn nicht sehe.“

Für Elia gibt es damals ein Entkommen, ein Aufstehen und eine neue Aufgabe – Gott hat viel mit ihm vor.

8 Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

9 Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht.

Ich muss nicht darauf eingehen, was Gott dem Elia am Berg Horeb im einzelnen aufträgt. Wunderbar finde ich: Gott erlaubt dem Elia, ihn selbst zu sehen.

11 Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben.

12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer.

Ein gewaltiges Bild: Gott zieht an der Höhle vorüber. Elia blickt hinaus, im sicheren Schutz der Höhle, und nimmt wahr, wie sich draußen die Naturgewalten austoben, Sturm, Erdbeben, Feuer. Aber merkwürdig – Gott ist weder im Sturm noch im Erdbeben noch im Feuer. Ist das doch nicht die wahre Art des EINEN Gottes, sich zu offenbaren, wie Elia es noch auf dem Berg Karmel gedacht hat?

Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.

13 Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle.

Als Elia das sanfte, leise Säuseln hört, da fasst er Vertrauen und kommt heraus. Die stille Stimme dieses Windes macht ihm keinen Druck und keine Angst – in ihr erkennt er des lebendigen Gottes Geist, der noch etwas mit ihm vorhat. Und was sagt ihm diese Stimme? Bevor sie ihm konkrete Aufträge gibt, hört er eine persönliche Frage:

Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach: Was hast du hier zu tun, Elia?

Ein Gott nimmt ihn in Anspruch, der nach ihm fragt. Er überrollt ihn nicht einfach. Er kann anders sein, als Elia noch kurz zuvor gedacht hat. Er wird ihn wieder in Anspruch nehmen, aber er macht ihn nicht kaputt und behandelt ihn nicht wie eine Marionette. Er ruft den Elia mit sanfter Stimme. Und Elia folgt ihm gerne, weil er ihn als den Barmherzigen erkennt, der den Menschen das Leben schenkt. Hier höre ich mitten im Alten Testament die Stimme des Gottes, der später in Jesus ein wahrer Mensch wird. Er lässt nicht Feuer vom Himmel regnen, um die Gottlosen zu bestrafen, sondern er ruft die Mühseligen und Beladenen zu sich, um sie zu erquicken. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 224: Du hast zu deinem Abendmahl als Gäste uns geladen

Im Abendmahl will Gott auch uns stärken für einen weiten Weg. So wie Gottes Engel den Elia mit Brot und Wasser versorgt, so teilt Jesus am Abend vor seinem Tod das Brot des Lebens aus und den Kelch der Liebe. Ein Stück Brot und ein Becher Traubensaft ist für uns heute die Wegzehrung, um gestärkt hinauszugehen und die nächsten Schritte zu bewältigen in unserem Leben.

Gott, hole uns heraus aus Sackgassen, in die wir uns verrennen. Richte uns auf, wenn wir am Ende sind. Vergib uns unsere Schuld. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue, Vergebung und Stärkung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Die Herzen in die Höhe! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gottes Stärkung anzunehmen, gerade so, wie wir sind, und mitten in unseren Unzulänglichkeiten.

Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl
Lied 533: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand

Wir sagen Dank für Brot und Wein, für unsern gestillten Hunger und unsere gestillte Sehnsucht, für Nähe und Geborgenheit, für Liebe und Vertrauen, für Verständnis und Vergebung von Gott und unter uns Menschen. Wir sagen Dank für alle Menschen, die uns lieb sind und die uns stützen auf unserem Weg. Wir sagen Dank für Jesus. Er ist das Brot, das den Hunger stillt und uns zum Leben Kraft gibt. Er begleitet uns in unserem Leben auch auf weiten Wegen, und wenn wir einmal sterben müssen, auch dann lässt er uns nicht allein. Amen.

Abkündigungen

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen – wer möchte, ist im Anschluss noch herzlich zum Beisammensein mit Kaffee oder Tee im Gemeindesaal eingeladen.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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