Frieden in der Familie?!

Nachdem ich vorhin über Erziehung in Form eines Monologs geredet habe, wollen wir – das „Team halb 6“ – nun in Form biblischer Dialoge drei Familienprobleme in Szene setzen. Personen der Bibel bemühen sich, den Familienfrieden wiederherzustellen. Die Szenen stehen so nicht in der Bibel, sind aber an biblische Geschichten angelehnt.

Schattenriss einer Familie, bestehend aus Frau und Mann mit vier Kindern

Familie mit vier Kindern (Grafik: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst um halb 6 in Paulus am Sonntag, 14. November 2010, 17.30 Uhr in der Pauluskirche Gießen

Guten Abend, liebe Gemeinde!

Zum Abendgottesdienst um „halb 6 in Paulus“ begrüße ich Sie und euch alle herzlich in der Pauluskirche!

Am heutigen Tag, eine Woche vor dem Totensonntag, wird traditionell der Volkstrauertag begangen. An Gedenkstätten auf den Friedhöfen ist heute der Gefallenen aus beiden Weltkriegen gedacht worden. Inzwischen ist dieser Sonntag auch zu einem Anlass geworden, um intensiver als sonst über den Frieden nachzudenken.

Das „Team halb 6“ hat bei der Vorbereitung dieses Gottesdienstes entschieden, sich nicht mit den Problemen des Weltfriedens zu befassen, sondern mit dem uns näher liegenden Thema: „Frieden in der Familie?!“

Was würde besser zu einem Gottesdienst über das Thema „Familie“ passen als die Feier einer Taufe? So begrüßen wir besonders herzlich das Taufkind …, das mit seiner Familie heute in die Pauluskirche gekommen ist, damit wir es durch die Taufe in der Gemeinschaft der Christen willkommen heißen.

Am Anfang singen wir das Lied 425:
Gib uns Frieden jeden Tag! Lass uns nicht allein
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten zu Gott mit Worten aus dem Psalm 139:

13 Du hast [mein Inneres] bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Wir rufen zu Gott:

Herr, erbarme dich unser! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Herr, unser Gott, wenn wir dich mit „Herr“ anreden, erscheint das vielen so, als ob du ein Tyrann seist, ein Machthaber, der mit seinen Untertanen so umspringen kann, wie er will. Lass uns erkennen, wie du „Herr“ bist, ein Gott, der uns in Freiheit führt und Verantwortung zutraut, der mit Liebe erzieht und gute Grenzen setzt. Lass uns von dir lernen, wie wir unsere Kinder erziehen und Frieden in der Familie schaffen können. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören drei Sätze der Bibel zum Thema Erziehung oder Züchtigung, wie es in Martin Luthers Übersetzung heißt, den ersten aus dem Buch der Sprüche 13, 24:

24 Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.

Der zweite steht im Brief an die Kolosser 3, 21:

21 Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, damit sie nicht scheu werden.

Den dritten finden wir im Brief an die Epheser 6, 4:

3 Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Liebe Gemeinde, zu diesen Bibelversen, die wir gehört haben, muss ich sofort etwas sagen, bevor wir unser Taufkind taufen. Denn ich möchte vor allem den ersten Satz nicht lange unerläutert im Raum stehen lassen. Er stammt aus einer Zeit, die ist noch gar nicht so lange her, in der man unwidersprochen dachte, man könne seine Kinder nur gut erziehen, indem man sie auch körperlich züchtigt, also schlägt. Wer heute noch sagt: „eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet“, handelt meist aus Hilflosigkeit so; er fühlt sich überfordert, mit Erklärungen, Verständnis, Geduld und konsequenten Bestrafungen ohne Gewalt sein Kind zu erziehen; meist rutscht dann aber nicht nur einmal die Hand aus, sondern die Schläge werden immer wieder eingesetzt. Man bereut sie zwar, aber wenn man das nächste Mal mit aufgestautem Ärger auf den Chef oder die Sachbearbeiterin im Amt nach Hause kommt, kriegt das Kind wieder eins hinter die Ohren, wenn man auch zu Hause immer noch keine Ruhe findet.

Schon in den Achtziger Jahren, als wir unsere Kinder erzogen haben, gab es in Elternzeitschriften und unter Freunden hitzige Diskussionen darüber, ob man seinen Kindern notfalls auch mal einen Klaps auf die Finger oder auf den Po geben darf, wenn sie zum Beispiel einem kleineren Kind einen Bauklotz auf den Kopf hauen oder auch nach wiederholter Ermahnung die Tapete bemalen. Ich gebe zu, wir wussten uns manchmal auch nicht anders durchzusetzen. Ich erinnere mich an eine türkische Freundin, die erzählte, dass sie von ihren Eltern mit Schlägen gestraft wurde. Aber danach war in der Familie wieder alles in Ordnung. Schlimmer hätte sie es gefunden, wenn ihre Eltern tagelang nicht mit ihr geredet hätten.

Halten wir das fest: Erziehung und Strafe darf nie ein Liebesentzug sein. Auch wenn in der Erziehung gestraft werden muss, muss das Kind dabei spüren können, dass die Eltern es lieb haben. Wenn Kinder stattdessen nur spüren: Die Mama ist unberechenbar, sie verliert immer wieder die Kontrolle und haut mir eine runter, der Papa verprügelt mich, weil er so viel größer und stärker ist, die Eltern reden nicht mit mir, dann können sie noch so viel beteuern: „Natürlich hab ich dich lieb!“, das Kind fühlt sich ungeliebt, und das Vertrauen zu den Eltern geht verloren. Ist es nicht so: Wer dauernd geschlagen wird, lernt letzten Endes nur eins: Im Notfall löst man Probleme mit Gewalt; man muss einfach nur stärker sein.

Die anderen Bibelworte des Apostels Paulus leiten zu einer Erziehung im Geist der Liebe Jesu an. Er spricht zwar nur die Väter an, weil sie damals die größte Autorität gegenüber den Kindern hatten, heute würde er den Müttern genauso ins Gewissen reden: „Erbittert eure Kinder nicht, damit sie nicht scheu werden.“ Hier wird dem biblischen Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren“ die Mahnung zur Seite gestellt: „Du sollst deine Kinder mit Respekt vor ihrer menschlichen Würde erziehen.“ Wer aber meint, zur Gewalt als Erziehungsmittel greifen zu müssen, läuft immer Gefahr, die Würde des eigenen Kindes zu beschädigen, indem man den Willen eines schwächeren Geschöpfes zu brechen versucht. Das muss nicht bei jedem Klaps so sein, aber die Gefahr besteht doch.

Aber wenn Paulus sagt: „Reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn“, was meint er mit „Zucht“ und „Züchtigen“, wenn keine Gewalt im Spiel sein soll? Für „Zucht“ sagen wir heute „Erziehung“ oder „Disziplin“. Es geht um Disziplin, die ein Kind lernt, weil es einsieht, was richtig und was falsch ist. Einsicht gewinnt ein Kind aber nur, wenn Eltern sich Zeit nehmen und erklären, was Sache ist. Vielleicht wird unser Elterncafé im Familienzentrum ein Ort, wo man auch über solche Fragen redet: Wie erziehe ich mein Kind richtig, welche Strafen sind angemessen, wie kriegst du das eigentlich hin, konsequent zu sein?

Letzten Endes geht es darum, mit welcher Autorität wir erziehen. Wer nur auf die Macht der Gewalt setzt, erzieht Duckmäuser oder Rebellen. Gewalt zerstört Vertrauen. Wer sogar auf den Klaps verzichten kann, weil das Kind schon bei einem bestimmten Blick der Mama merkt, was Sache ist, oder wenn der Papa ein wenig die Stimme erhebt, der ist auf einem besseren Weg. Die beste Autorität kommt aus dem guten Vorbild der Eltern und aus einer vertrauensvollen Beziehung zu den Kindern, die von Liebe, Offenheit und Ehrlichkeit geprägt ist. Das klappt nur, wenn sich Eltern auch genug Zeit für ihre Kinder nehmen, fürs gemeinsame Spielen ebenso wie für die kleinen und großen Sorgen der Kinder.

So viel zu unserer Schriftlesung. Nun kommen wir zur Taufe der kleinen …, und wir bereiten uns darauf vor, indem wir das Lied 211 singen:

Gott, der du alles Leben schufst und uns durch Christus zu dir rufst

Liebe Tauffamilie, liebe Paten, liebe Gemeinde,

nachdem ich schon ausführlich über Kindererziehung gesprochen habe, möchte ich jetzt noch etwas zu dem Taufspruch sagen, den Sie für die … ausgesucht haben. Er steht im Psalm 139, 5 und hat auch viel mit einer christlichen Erziehung im Geist der Liebe Jesu zu tun:

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Dieses kleine Gebet zu Gott sagt ganz einfach: Wir sind immer und überall von Gottes Liebe umgeben und behütet. Damit schon ein Kind das von Geburt an spüren kann, braucht es uns Erwachsene: uns ist es anvertraut, damit wir es umsorgen, mit Liebe und Konsequenz begleiten und erziehen, ihm gute Grenzen setzen.

„Gott hat keine anderen Hände als unsere Hände“, hat mal jemand gesagt; ganz stimmt das nicht, Gott kann auch helfen, wenn Menschen versagen, aber in der Regel ist es schon so, dass Gott uns braucht. Er braucht uns, damit auch dieses Kind spürt: es ist geliebt und beschützt.

Viele Menschen tragen zur Erziehung bei: da sind die Mama und die Oma, die Patinnen und der Pate; außerhalb der Familie gibt es Unterstützung, später auch im Kindergarten, im Familienzentrum. Wenn Sie dem Taufspruch glauben, erziehen Sie … christlich: Sie lassen sie Gottes Liebe spüren, bauen Vertrauen auf.

Zwei Bilder enthält der Taufspruch: Das Kind ist von allen Seiten umgeben, wie eingekuschelt in einen warmen Mantel. So fühlt sich Gottes Liebe an, so ist es, wenn in einer Familie Vertrauen da ist. Dann fühlt sich ein Kind rundherum geborgen, ohne Angst vor den Großen.

Was uns von allen Seiten umgibt, kann auch zu eng werden, aber Gottes Liebe ist nicht so gestrickt; sie lässt uns Luft und Freiheit; Gott will, dass wir uns entfalten können mit unseren Stärken und selber verstehen und einsehen, was richtig und falsch ist.

Das andere Bild ist die Hand, die Gott über uns hält. Es ist keine bedrohliche Hand, sondern eine Hand, die uns Schutz gibt. Als einmal Kinder zu Jesus kamen, hat er sie in den Arm genommen und sie zart gestreichelt; er ist kein Angstmacher, sondern er macht Mut. In dieser Zuversicht taufen wir dieses Kind im Namen des Gottes, der wie ein guter Vater für uns da ist. In Jesus ist seine Liebe auf Erden lebendig geworden. Im heiligen Geist darf seine Liebe sogar in uns lebendig werden. Wir sind mit Liebe beschenkt und geben sie unseren Kindern weiter. Unser Vertrauen auf diesen dreieinigen Gott sprechen wir nun aus mit unserem Glaubensbekenntnis:

Glaubensbekenntnis und Taufe

Wir singen das Lied 574:

Segne dieses Kind und hilf uns, ihm zu helfen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, als wir im „Team halb 6“ diesen Gottesdienst vorbereitet haben, fragten wir uns, an welchen Stellen der Familienfriede vor allem gestört wird. Für diesen Gottesdienst haben wir die krassen Dinge weitgehend ausgespart: Gewalt und Missbrauch in Familien gibt es auch, am Dienstag Abend werden wir uns mit diesem Thema beschäftigen. Heute geht es um alltäglichere Konflikte.

Nachdem ich vorhin über Erziehung in Form eines Monologs geredet habe, wollen wir nun in Form biblischer Dialoge drei Familienprobleme in Szene setzen. Personen der Bibel bemühen sich, den Familienfrieden wiederherzustellen. Die Szenen stehen so nicht in der Bibel, sind aber an biblische Geschichten angelehnt.

Erste Szene: die ganz normale Pubertät am Beispiel des zwölfjährigen Jesus. Im Gespräch sind hier seine Eltern, die sich damit auseinandersetzen müssen, dass Kinder ganz andere Wege als sie gehen wollen.

Eltern meinen es gut, machen sich Sorgen. Sie müssen erziehen, immer wieder Grenzen setzen, wenn Kinder die Folgen ihrer Handlungen noch nicht überblicken können. Aber es gibt auch Grenzen für das Grenzen setzen. Jesus ist das beste Beispiel dafür, dass Eltern ihren Kindern nicht ihren Lebensweg vorschreiben können und dürfen.

Josef und Maria auf dem Rückweg von Jerusalem (nach Lukas 2, 41-52)

M: Was ist mit dir, Josef? Seit wir Jesus im Tempel wiedergefunden haben, hast du noch kein Wort mit mir gesprochen.

J: Ach, Maria, ich mache mir Sorgen über die Entwicklung des Jungen und auch um unsere Zukunft.

M: Wie meinst du das, unsere Zukunft? Was hat die Wissbegierde von Jesus mit unserer Zukunft zu tun?

J: Na ja, ich habe halt gedacht, jetzt, wo er bald erwachsen ist, könnte er mir bei der Arbeit helfen und wir hätten dann vielleicht auch ein bisschen mehr Geld. Aber so wie wir ihn im Tempel gefunden haben mit all den Gelehrten um sich, da habe ich Angst bekommen, ihn zu verlieren.

M: Mein lieber Mann, du weißt doch, dass unser Ältester etwas Besonderes ist. Wir müssen akzeptieren, wenn sein Weg nicht unseren Vorstellungen entspricht. Dennoch sollten wir ihn mit all unseren Kräften unterstützen und ihm zeigen das wir ihn lieben.

J: Aber du selbst hast ihn doch gefragt, ob er nicht wisse, was er uns mit seinem Ungehorsam angetan hat, und jetzt willst du sein Verhalten verteidigen!

M: Ich verteidige nicht sein Verhalten, ich versuche nur zu verstehen warum ihn unsere Sorgen und Ängste, die wir seinetwegen durchlitten haben, so wenig berühren.

J: Gleichgültigkeit ist wohl das treffendere Wort dafür!

M: Sei nicht so hart mit deinen Worten, er ist doch immer noch unser Kind.

J: Entschuldige Maria, du hast ja Recht! Jesus ist unser geliebtes Kind! Ich muss ihm seine Freiheiten lassen und darf ihn nicht mit meinen Plänen belasten!

M: Danke für deine Einsicht. Gemeinsam werden wir es schaffen, dass er seinen Weg finden wird.

Dass nicht alle Probleme aufhören, wenn ein Kind erwachsen sind, zeigt der zweite Dialog der Mutter Maria mit ihrem Sohn Jakobus, einem Bruder Jesu:

Jakobus und Maria vor dem Haus, in dem Jesus spricht (nach Lukas 8, 19-21)

J: Mutter, warum verleugnet Jesus uns?

M: Ach Jakobus, das meint dein Bruder nicht so.

J: Aber er hat doch die da drinnen als seine Brüder bezeichnet, obwohl wir seine leiblichen Brüder hier mit dir, seiner Mutter, stehen! Wir sind doch die, die mit ihm aufgewachsen sind.

M: In diesem Punkt hast du ja recht, ich habe euch beide geboren und großgezogen. Doch schau auf die vielen Menschen, die hier versammelt sind; Jesus wollte ihnen sagen, dass sie ihm alle wichtig wie Geschwister sind.

J: Willst du damit sagen, wir würden ihm nicht genügen?

M: Ja und nein. Jakobus, du hast doch auch Freunde, die dir wichtig sind?

J: Ja, Mutter.

M: Und manchmal möchtest du lieber mit ihnen zusammen sein als mit deinen Brüdern oder mit mir und deinem Vater.

J: Ja, Mutter.

M: Würdest du dann von dir behaupten, dass wir dir nicht mehr wichtig seien?

J: Nein, aber Jesus zieht jetzt nur noch mit diesen Menschen umher und hat uns völlig vergessen. Mir scheint es fast so, als würdest du ihn mehr lieben als uns und ihm deshalb alles durchgehen lassen, selbst wenn er dich verleugnet.

M: Mein lieber Sohn, es tut mir leid, wenn du dich zurückgesetzt fühlst. Aber weißt du, ich habe auch Angst um ihn, dass ihn die vielen Menschen erdrücken. Deshalb versuche ich in seiner Nähe zu bleiben. Da ich dich und deine anderen Geschwister auch liebe, habe ich euch mit mir genommen.

J: Es irritiert dich also nicht wenn er sich von dir abwendet und dicht nicht als seine Mutter respektiert?

M: Na ja, du kennst ja die alte Geschichte, als wir ihn drei Tage lang gesucht haben, dein Vater und ich. Da habe ich Jesu Antwort auch nicht richtig verstanden, aber er ist und bleibt mein geliebter Sohn und dein Bruder, egal was auch geschieht. Vergiss das bitte nie, Jakobus, und versprich mir, deinem Bruder seine Worte zu verzeihen, denn ich weiß, dass er uns alle liebt!

J: Ja, Mutter ich verspreche es, denn auch ich liebe meinen Bruder.

Wir singen aus dem Lied 423 die Strophen 1, 3, 6 und 8:

1. Herr, höre, Herr, erhöre, breit deines Namens Ehre an allen Orten aus; behüte alle Stände durch deiner Allmacht Hände, schütz Kirche Obrigkeit und Haus

3. Gib du getreue Lehrer und unverdrossne Hörer, die beide Täter sein; auf Pflanzen und Begießen lass dein Gedeihen fließen und ernte reiche Früchte ein.

6. Gib uns den lieben Frieden, mach alle Feind ermüden, verleih gesunde Luft, lass keine teuren Zeiten auf unsre Grenzen schreiten, da man nach Brot vergebens ruft.

8. Sei allen Kindern Vater, den Müttern sei Berater, den Kleinen gib Gedeihn; und ziehe unsre Jugend zur Frömmigkeit und Tugend, dass sich die Eltern ihrer freun.

Konflikte in der Familie können aber auch durch den Übergang von einer Generation zur nächsten ausgelöst werden. Nicht selten gibt es Erbstreitigkeiten zwischen Geschwistern. Oder lang schwelende Eifersucht bildet die Grundlage für Unfrieden in der Familie, der bis zum Hass gehen kann.

In unserem dritten biblischen Dialog geht es um eine Rivalität zwischen Geschwistern, die dadurch verstärkt wird, dass die Eltern jeweils ihr Lieblingskind bevorzugt haben.

Vielleicht erinnern Sie sich aus der Schule oder aus dem Kindergottesdienst an die Geschichte der Zwillinge Jakob und Esau und ihrer Eltern Isaak und Rebekka. Esau war nur ein paar Minuten älter als Jakob, doch verschiedener konnten Geschwister nicht sein: Esau war ein rauher Bursche, ein richtiger Mann ganz im Sinne seines Vaters Isaak, er ging auf die Jagd und hielt nicht viel von Weiberkram. Jakob dagegen hielt sich gern beim Zelt seiner Mutter auf, hütete die Schafe und kochte gern, er war der Liebling seiner Mutter Rebekka.

Es war die Mutter, die es vor allem wurmte, dass nicht Jakob, sondern Esau der Erstgeborene war. Und so plante sie einen großangelegten Betrug an ihrem eigenen Ehemann; Rebekka hilft ihrem Sohn Jakob, seinen Vater Isaak hinters Licht zu führen und sich den Segen zu erschleichen, der eigentlich Esau zugestanden hätte.

Stellen wir uns nun vor, dass einige Zeit danach der um seinen Segen betrogene Bruder Esau ein Gespräch mit seiner Mutter Rebekka führt.

Esau spricht mit Rebekka (nach 1. Buch Mose – Genesis 25, 21-24 und 27, 1-45)

E: Mutter, ich muss mit dir reden.

R: Ja, mein Sohn Esau, wie komme ich zu der Ehre? Du redest ja sonst kaum mit mir.

E: Wie sollte ich auch? Mit mir konntest du ja nie viel anfangen. Jakob war doch immer dein Lieblingssohn; Jakob hier, Jakob da!, immer hast du ihn bevorzugt.

R: Dann musst du ja jetzt zufrieden sein. Jakob ist aus dem Weg. Er hat zwar Vaters Segen bekommen, aber was hat er davon? Fliehen musste er, weil sein Bruder ihn mit dem Tod bedroht!

E: Dem Vater hast du aber was anderes gesagt. Jakob soll sich eine Frau in Haran suchen, wo unsere Verwandten leben. Er soll keine von den Ausländerinnen nehmen, die hier wohnen.

R: Meinst du, es wäre besser gewesen, ich hätte Isaak erzählt, sein Liebling Esau würde Jakob töten, sobald der Vater im Grab liegt?

E: Natürlich nicht. Meinst du, das hätte ich ernst gemeint?

R: Es klang sehr ernst. Immerhin hat es so was schon mal gegeben. Denk an Kain und Abel.

E: Du irrst, wenn du meinst, ich könne wirklich meinen Bruder töten. Aber gib zu: Ich habe schon Grund, wirklich wütend zu sein. Den Segen hat er mir gestohlen, der mir zustand.

R: Hast du vergessen, dass du Jakob das Erstgeburtsrecht verkauft hast, damals, als ihr noch jünger wart?

E: Das war Kinderkram.

R: Damals war dir jedenfalls der Segen nicht viel wert. Du hast ihn weggeben für einen Teller Linsensuppe.

E: Trotzdem: Mein Vater hätte mich gesegnet, wenn du und dein Muttersöhnchen ihn nicht ausgetrickst hättet.

R: Hör sich das einer an! Mein Sohn wirft mir Unehrlichkeit vor!

E: Du belügst Vater doch und nutzt schamlos aus, dass er alt ist und nicht mehr gut sehen kann.

R: Sprich nicht so mit deiner Mutter! Denk daran: Du sollst deine Eltern ehren!

E: Ich erweise dir die Ehre, die du verdienst! Als Kind hast du mir beigebracht, dass man nicht lügen soll, und ich erwarte, dass auch meine Mutter bei der Wahrheit bleibt.

R: Mag sein, dass du Recht hat, aber weißt du eigentlich, wie schlimm es für eine Mutter ist, wenn immer der Vater über alles bestimmt?

E: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Die Männer sind nun mal das starke Geschlecht und müssen die Familie beschützen und alles unter Kontrolle behalten.

R: Dann müssen wir Frauen uns eben auf unsere Weise durchsetzen.

E: Ja, du hast es sogar geschafft, dass der kleine Jakob einmal der Bestimmer in der Familie sein wird.

R: Wenn du ihn nicht doch noch umbringst.

E: Versprochen, Mutter! Du wirst sehen: das tue ich nicht. Aber es schadet nicht, wenn er ein bisschen Angst und Respekt vor mir hat.

R: Übrigens, warum wolltest du eigentlich mit mir reden?

E: Ich habe mir gedacht, wo Jakob jetzt nicht mehr da ist, könnte ich dir etwas mehr zur Seite stehen.

R: Das ist anständig von dir.

E: Und ich habe gedacht, es ist Zeit, dass du endlich Frieden schließt mit Vater.

R: Wieso? Da ist kein Krieg. Wir tun uns nichts. Wir haben unsere getrennten Zelte, wir leben im Frieden.

E: Das ist höchstens ein Waffenstillstand. Ja, früher habt ihr euch geliebt. Aber wegen uns habt ihr euch auseinandergelebt, weil ihr beide unbedingt einen Lieblingssohn haben musstet!

R: Du warst aber doch wirklich ein Papa-Kind und Jakob hing immer nur an mir!

E: Dem Jakob hätte es bestimmt gut getan, sich auch mal vom Papa rannehmen zu lassen. Und – ehrlich gesagt – ich hätte mir manchmal auch eine liebe Mama gewünscht.

R: Aber früher hättest du das nie zugegeben.

E: Stimmt. Ich wollte ein starker Mann sein. Ein richtiger Junge hängt nicht bei Mama am Rockzipfel!

R: Und du meinst, ich sollte wirklich mit Isaak reden?

E: Ja. Es wird Zeit, dass endlich alles auf den Tisch kommt. Dass wir wieder als Familie miteinander leben. Offen und ehrlich.

R: Mal sehen, ob ich dazu den Mut aufbringe.

So weit unser dritter Dialog zum Frieden in der Familie. Wir hoffen, dass er ein wenig zum Nachdenken und zum Nachmachen anregt. Denn vertrauensvolle Gespräche in Offenheit und Ehrlichkeit tragen gewiss dazu bei, dass manche Familienkonflikte gelöst werden können.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen aus dem Lied 412 die Strophen 1, 6 und 8:

1. So jemand spricht: »Ich liebe Gott«, und hasst doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und reißt sie ganz darnieder. Gott ist die Lieb und will, dass ich den Nächsten liebe gleich als mich.

6. Vergibst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen; ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen, dem nicht verzeihn, dem du vergibst, und den nicht lieben, den du liebst?

8. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist.

Gott des Friedens, wir bitten dich für das Mädchen, das wir getauft haben: Lass es deine Liebe spüren von allen, die für es da sind. Hilf ihrer Familie, mit allen Herausforderungen klarzukommen, die zu bewältigen sind. Gib uns Erwachsenen, was wir an Liebe und Unterstützung brauchen, damit wir unseren Kindern gute Begleiter sein können.

Gott des Friedens, hilf uns, über unseren eigenen Schatten zu springen und Gespräche zu suchen, wo lange Zeit Funkstille war. Hilf uns, auf unseren Stolz zu pfeifen, und lass uns erste Schritte tun, wenn in der Familie Konflikte schwelen.

Gott des Friedens, schenk uns den Mut, bei einem faulen Frieden nicht mitzuspielen: dass wir nicht mitmachen, wenn Unrecht zugedeckt wird, wenn Kinder und andere Familienangehörige verprügelt und erniedrigt werden.

Gott des Friedens: mach uns stark und feinfühlig, um Ansprechpartner für Menschen zu werden, die in ihrer Not alleine nicht weiter wissen. Hilf uns, in unserer Gemeinde eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, in der man es wagen kann, einander um Hilfe und ein offenes Ohr zu bitten.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir persönlich auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Wir singen das Lied 258:

Zieht in Frieden eure Pfade. Mit euch des großen Gottes Gnade und seiner heilgen Engel Wacht! Wenn euch Jesu Hände schirmen, geht’s unter Sonnenschein und Stürmen getrost und froh bei Tag und Nacht. Lebt wohl, lebt wohl im Herrn! Er sei euch nimmer fern spät und frühe. Vergesst uns nicht in seinem Licht, und wenn ihr sucht sein Angesicht.

Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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