Drei Versuchungen für Jesus: Hunger – Macht – Geborgenheit

Jesus sagt dem Teufel: Wahres Brot, das wirklich satt macht, finden wir Menschen auf einem Weg, den wir mit Gott gehen und der aus dem Land der Gier und der Sklaverei ins Land der Freiheit führt. Dieser Weg führt mitten durch die Wüste, die Entbehrung, damit wir Demut lernen. Sattwerden gelingt nur, wenn auch unser Nächster satt wird.

Steine in einer Wüste

Jesus stand vor der Versuchung, Steine zu Brot zu machen (Bild: pixabay.vom)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am Sonntag Invokavit, 1. März 2009, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Am 1. Sonntag im März begrüße ich alle herzlich zum Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche mit dem Wort zur Woche aus 1. Johannes 3, 8:

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Nach diesem Gottesdienst findet eine Gemeindeversammlung statt, auf der unter anderem der Wahlvorschlag zur Kirchenvorstandswahl vorgestellt wird. Denn eine Kirchengemeinde untersteht zwar letzten Endes allein Gott, aber ihr konkretes Leben wird von Menschen geleitet und verantwortet. Diese Kirchenleitung vor Ort nimmt gemeinsam mit dem Pfarrer der Kirchenvorstand wahr.

Im Gottesdienst denken wir darüber nach: Was gehört dazu, wenn man Kirche leiten will? Was darf man von einer Kirchenvorsteherin, einem Kirchenvorsteher erwarten, was darf man sich selber zutrauen, wenn man kandidiert?

Lied 264:

1. Die Kirche steht gegründet allein auf Jesus Christ, sie, die des großen Gottes erneute Schöpfung ist. Vom Himmel kam er nieder und wählte sie zur Braut, hat sich mit seinem Blute ihr ewig angetraut.

2. Erkorn aus allen Völkern, doch als ein Volk gezählt, ein Herr ist’s und ein Glaube, ein Geist, der sie beseelt, und einen heilgen Namen ehrt sie, ein heilges Mahl, und eine Hoffnung teilt sie kraft seiner Gnadenwahl.

3. Schon hier ist sie verbunden mit dem, der ist und war, hat selige Gemeinschaft mit der Erlösten Schar, mit denen, die vollendet. Zu dir, Herr, rufen wir: Verleih, dass wir mit ihnen dich preisen für und für.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“
Psalm 91:

1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

2 der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Kommt, lasst uns ihn anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Beschirmt und beschützt vom Allmächtigen, behütet von seinen Engeln, dürfen wir leben in Geborgenheit, in Dankbarkeit, in Verantwortung vor Gott.

Zugleich leben wir in Versuchungen: undankbar zu leben, Gottes Allmacht oder Güte anzuzweifeln, nur um unsere eigenen Probleme zu kreisen. Wir rufen zu Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

In unseren Versuchungen steht Jesus uns bei. Denn im Brief an die Hebräer 2 heißt es:

17 Er [musste] in allem seinen [Geschwistern] gleich werden, damit er barmherzig würde…

18 Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.

Lasst uns Gott lobsingen „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer Gott, lass uns erkennen, was dein Wille ist, was du von uns erwartest, was du uns zutraust. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören den Text zur Predigt aus dem Evangelium nach Lukas 4, 1-15:

1 Jesus aber, voll heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt

2 und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht. Und er aß nichts in diesen Tagen, und als sie ein Ende hatten, hungerte ihn.

3 Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde.

4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht allein vom Brot.«

5 Und der Teufel führte ihn hoch hinauf und zeigte ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblick

6 und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will.

7 Wenn du mich nun anbetest, so soll sie ganz dein sein.

8 Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.«

9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier hinunter;

10 denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln deinetwegen befehlen, dass sie dich bewahren.

11 Und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«

12 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

13 Und als der Teufel alle Versuchungen vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeitlang.

14 Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa, und die Kunde von ihm erscholl durch alle umliegenden Orte.

15 Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von jedermann gepriesen.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Amen. „Amen.“

Glaubensbekenntnis
Lied 584: Meine engen Grenzen
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, was gehört dazu, eine Kirchengemeinde zu leiten? Als mich letzte Woche eine Kandidatin fragte: „Ja, wie soll ich mich denn vorbereiten für die Vorstellung zur Wahl auf der Gemeindeversammlung?“, da habe ich augenzwinkernd gesagt: „Es ist ja keine politische Wahl, Sie müssen sich keine Lügen ausdenken.“ Damit wollte ich nicht alle Politiker als berufsmäßige Lügner hinstellen. Aber anders als bei einer politischen Wahl muss ein Kandidat für die Wahl zum Kirchenvorstand keine Wahlversprechen machen, von denen er vielleicht nicht weiß, ob sie umsetzbar sind, er muss für die Umsetzung seiner Vorstellungen keine politische Macht anstreben, keine Koalitionen und Kompromisse einplanen. Wer in den Kirchenvorstand gewählt wird, der ist keiner Partei oder Interessengruppe von Menschen gegenüber verantwortlich, sondern er bringt sich als Person ein und ist in seinen Entscheidungen als Christ nur dem Herrn der Kirche gegenüber verantwortlich.

Aber wie erkennen wir, was dieser Herr, was Gott von uns will? Indem wir auf das Wort Gottes in der Bibel hören. In dem Menschen Jesus begegnet uns Gottes Wort sogar leibhaftig und lebendig. Denn Jesus, der vor 2000 Jahren auf Erden gelebt hat, ist als Auferstandener jedem Menschen unsichtbar nahe: diese lebendige Nähe Gottes nennen wir den Heiligen Geist. Wir spüren die Nähe Gottes, wo wir auf dem Weg des Friedens gehen, wo wir erfüllt sind mit Vertrauen, Liebe und Hoffnung.

Heute, am ersten Sonntag in der Passionszeit, die an das Leiden Christi erinnert, denken wir über die Versuchung Jesu nach. Jesus ist nämlich nicht in der Art Gottes Sohn, dass er ein unsterblicher Halbgott wäre, wie ihn die alten Griechen und Römer kannten. Jesus ist Gottes Sohn, indem er wahrer Mensch war, das heißt, ein Mensch, der jeder Versuchung zum Bösen widerstand.

Als Jesus mit 30 Jahren getauft wird, hört er die Stimme seines Vaters im Himmel: „Dies ist mein lieber Sohn!“ Zugleich wird er vom Heiligen Geist erfüllt, und er bekommt den Auftrag, zu den Menschen zu gehen und ihnen das Wort Gottes lebendig nahe zu bringen. Aber Jesus geht nicht gleich zu den Menschen. Vorher muss er dem Teufel begegnen, das will gerade der Geist Gottes so, dazu wird er an einen Ort geführt, wo eigentlich niemand gerne sein möchte.

1 Jesus aber, voll heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt

2 und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht.

Wüste. Durststrecke. Es fehlt an allem. Die Seele fühlt sich genau so öde an wie die Landschaft. Der Tod droht. Die alltäglichen Dinge verlieren ihre Selbstverständlichkeit. Alles verliert seinen Sinn. Das ist der Nährboden für die Art von Versuchung, der Jesus hier ausgesetzt ist. Kennen Sie das auch? Nagenden Zweifel an Gottes Güte? Die bange Frage, modern schon fast selbstverständlich geworden: Gibt es Gott überhaupt? Dann aber auch die Konsequenz: Ist mein Leben auf dieser Erde von irgendeiner Bedeutung?

Wo die Seele ihre Verankerung in Gott nicht mehr spürt, meldet sich in uns eine andere Stimme zu Wort. Die Bibel nennt diese Stimme wörtlich: Durcheinanderbringer, Diabolos, das wurde ins Deutsche übernommen mit dem Wort „Deibel“ oder „Teufel“.

Der Evangelist Lukas hat dabei nicht einen Teufel vor Augen, wie wir ihn aus den Märchen kennen, mit Hörnern und Pferdefuß. Er stellt sich die Macht des Bösen eher so vor wie einen spitzfindigen Mafia-Advokaten, der nur eine Gelegenheit sucht, um seinen Gegner auszutricksen. Als Jesus vierzig Tage in der Wüste verbracht hat, scheint der Diabolos leichtes Spiel zu haben.

Und [Jesus] aß nichts in diesen Tagen, und als sie ein Ende hatten, hungerte ihn.

Hunger. Verlangen. Entbehrung. Ausgezehrtsein. Körper und Seele brauchen Nahrung. Wir alle suchen nach Sattsein und Sinn. Wir alle sehnen uns nach Zufriedenheit, Erfüllung, Glück, Seligkeit. Kann man in entbehrungsreichen Zeiten wählerisch sein? Muss man nicht nehmen, was man kriegen kann?

3 Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich zu diesem Stein, dass er Brot werde.

Um den Hunger zu stillen, weiß der Teufel ein Rezept: „Komm her, nutze magische Kräfte, als Gottes Sohn musst du das doch können! Nimm einen Stein, besprich ihn mit einer Zauberformel, dann wirst du satt! Nebenbei löst du auch noch alle Ernährungsprobleme dieser Welt.“

(Stein zeigen!) Wäre das nichts? Einen Stein nehmen – abrakadabra murmeln – und etwas zu essen haben? Wünschen wir uns Gott auf diese Art und Weise? Aber wenn Gott nicht so funktioniert? Dann taugt er wohl nichts. Man nimmt den Stein und bewirft damit den Gottessohn, bis er tot ist, oder nagelt ihn an ein Kreuz.

Was sagt Jesus zum ersten Vorschlag des Teufels?

4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht allein vom Brot.«

Jesus widersteht dem Teufel mit einem Wort Gottes, des Vaters, das wir im 5. Buch Mose – Deuteronomium 8 finden. Da heißt es:

1 Alle Gebote, die ich dir heute gebiete, sollt ihr halten, dass ihr danach tut, damit ihr lebt und zahlreich werdet und hineinkommt und das Land einnehmt, das der HERR euren Vätern zugeschworen hat.

2 Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kund würde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.

3 Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kund täte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.

Damit sagt Jesus: Wahres Brot, das uns wirklich satt macht, finden wir Menschen auf einem Weg, den wir mit Gott gehen. Es ist der Weg, der Menschen aus dem Land der Gier und der Sklaverei ins Land der Freiheit führt. Und dieser Weg führt mitten durch die Wüste, die Entbehrung, damit wir Demut lernen. Wir werden nicht satt durch die schnelle Befriedigung aller Wünsche. Wir werden satt durch die Konzentration auf das, was wir wirklich brauchen. Stillen des wirklichen Hungers, auch des Hungers nach Liebe, nach Gerechtigkeit. Neinsagen zur grenzenlosen Gier gehört auch dazu. Nicht umsonst lautet eins der wichtigsten Gebote: „Du sollst nicht begehren, was dein Nächster hat!“ Sattwerden gelingt nur, wenn auch unser Nächster satt wird.

Aber der Teufel gibt noch nicht auf. Er versucht Jesus mit einem anderen Trick für sich zu gewinnen (Lukas 4):

5 Und der Teufel führte ihn hoch hinauf und zeigte ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblick

6 und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will.

7 Wenn du mich nun anbetest, so soll sie ganz dein sein.

Macht gewinnen. Einfluss auf die Geschicke der Menschen nehmen. Die Politik so gestalten, dass es friedlich und gerecht in der Welt zugeht. Ist das nicht ein erstrebenswertes Ziel für den Sohn Gottes? Warum hat Jesus diese Macht nicht gewollt?

Offenbar weil die politische Macht der Reiche dieser Welt mit der Allmacht Gottes nichts zu tun hat. „Sie ist mir übergeben“, sagt der Teufel, „und ich gebe sie, wem ich will.“ Aus der Hand dieses Herrn will Jesus aber keine Macht entgegennehmen.

8 Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht geschrieben (5. Buch Mose – Deuteronomium 6, 13): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.«

Leider ist die Kirche im Lauf ihrer Geschichte gerade dieser Versuchung immer wieder erlegen, die Jesus so klar abgewehrt hat. Sie hat versucht, im Namen Gottes die Welt zu regieren, Fürsten haben so getan, als würden sie von Gottes Gnaden herrschen. Wenn wir beklagen, dass die Kirche heute politisch wenig Einfluss hat, trauern wir dann Zeiten nach, die es nach Jesu Willen so gar nicht hätte geben sollen?

Die Frage ist natürlich, ob es überhaupt möglich ist, auf jede Macht zu verzichten, wenn man in dieser Welt etwas gestalten will. Jesus hat seinen Jüngern später einen Hinweis gegeben, wie eine Politik in seinem Sinne aussehen kann (Lukas 22, 25-26), sozusagen eine Machtausübung, ohne beherrschen zu wollen:

25 Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen.

26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.

Beim Evangelisten Matthäus steht die eben genannte Versuchung am Schluss; für ihn ist sie der Höhepunkt aller Versuchungen. Lukas setzt eine andere der Versuchungen ans Ende:

9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier hinunter;

10 denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln deinetwegen befehlen, dass sie dich bewahren.

11 Und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«

Ich habe eine Idee, warum Lukas in dieser Versuchung den Höhepunkt der Bosheit des Teufels erblickt. Er versucht hinterhältig und gemein, Jesus mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, und zitiert nun auch aus der Bibel. Nach dem Problem des Hungers und der Macht spricht er die Sehnsucht der Menschen nach Sicherheit und Geborgenheit an, wie nur Gott sie geben kann. Was der Teufel da zitiert, ist der meistgewünschte Taufspruch für Kinder in der Pauluskirche (Psalm 91, 11):

11 Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Ein schöner Spruch. Der Inbegriff der religiösen Sehnsucht, behütet zu sein von Engeln, kommt in ihm zum Ausdruck. Aber gerade dieser Spruch wird vom Teufel pervertiert, umgedreht, in eine Gotteslästerung verwandelt, indem der Teufel vorschlägt: „OK, wenn Gott dich behütet, dann fordere ihn heraus. Dann muss er dich auch bewahren, wenn du dich absichtlich in tödliche Gefahr bringst! Oder ist er dafür etwa nicht mächtig genug? Wird er dich auf den Boden klatschen lassen, wenn du dich vom Tempel herabstürzt?“

Hier wird deutlich: Wer sich Gott nicht wirklich anvertrauen will, der wird auch keine Geborgenheit bei ihm erfahren. Wer Gott sozusagen als besonders coole Lebensversicherung für Notlagen, im Extremfall sogar für selbstverursachte, benutzen will, der macht aus Gott selber einen Teufel. Als dämonischer Superstar könnte er in einer Mystery-Serie des Fernsehens auftreten und seine Jünger großartige Dinge vollbringen lassen.

Der wahre, lebendige Gott ist nicht so. Er behütet und bewahrt uns auf allen unseren Wegen, doch er tut das auf seine Weise. Nicht immer bewahrt er uns vor allem Leid, nicht immer bewahrt er uns vor dem irdischen Tod. Das musste gerade Jesus erfahren; und er sagte Ja dazu, dass er dem Leiden und dem Kreuz nicht durch Flucht oder den Einsatz von Gewalt oder durch einen Zauberspruch ausweichen konnte. Gott würde ihn bewahren, gerade indem er nicht dem menschlichen Leid entfliehen würde. All das drückt Jesus hier in einem einzigen Satz aus:

12 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt (5. Buch Mose – Deuteronomium 6, 16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

Das ist die endgültige Absage Jesu an die Versuchungen des Teufels: Seinen Versuchungen nachzugeben und dem Teufel zu vertrauen, hieße: Gott zu versuchen. Den Versuchungen des Teufels zu widerstehen, heißt dagegen, Gott zu vertrauen. Wo einer Gott vertraut, hat der Teufel sein Spiel verloren.

13 Und als der Teufel alle Versuchungen vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeitlang.

Zurückhaltend formuliert Lukas, dass der Teufel nur eine Zeitlang von Jesus wich. Er will damit wahrscheinlich sagen: Die Versuchungen Jesu hören hier nicht auf. Er muss sich ihnen jeden Tag stellen, wo er mit den Bedürfnissen von Menschen, mit ihrer Politik, mit ihrer Religion konfrontiert wird.

14 Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa, und die Kunde von ihm erscholl durch alle umliegenden Orte.

15 Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde von jedermann gepriesen.

Was hat Jesus in der Auseinandersetzung mit der teuflischen Stimme gewonnen? Er hat sich als der Sohn Gottes bewährt, der wirklich vom Geist Gottes erfüllt ist. Lukas wiederholt das Wort „Geist“ und ergänzt es durch das Wort „Kraft“. In der Kraft des Geistes kommt Jesus in seine Heimat Galiläa zurück, und was tut er dort? Er lehrt. Er legt Gottes Wort aus. Er lebt Gottes Wort. Zunächst preist ihn jedermann dafür. Aber das Vorspiel mit der teuflischen Stimme zeigt: Hier beginnt ein Kampf zwischen dem Wort von Gott und anderen Stimmen. Wir sind dazu gerufen, auf Jesu Wort zu hören und ihm auf seinem Weg zu folgen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 221:

1. Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen: wir sind, die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

2. Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.

3. Ach dazu müsse deine Lieb uns dringen! Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen, dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.

Im Abendmahl sind wir nun eingeladen, Gottes Liebe zu uns zu schmecken, in Brot und Kelch, und die Gemeinschaft mit ihm zu erleben, im Kreis derer, die auf ihn vertrauen.

Gott, bewahre uns davor, egoistisch um eigensüchtige Wünsche und Interessen zu kreisen. Hilf uns, allen Versuchungen zu widerstehen und auf deinen Wegen des Friedens zu gehen.

In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist in seiner Güte und Freundlichkeit zu uns Menschen. Würdig und recht ist es, uns selber anzunehmen als Menschen mit aufrechtem Gang, von Gott geliebt und verantwortlich für unser Leben. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Jesus macht nicht Brot aus einem Stein. Er teilt Liebe aus, gibt sich selbst hin als das Brot für die Menschen. Empfangt den Leib unseres Herrn Jesu – nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den lebendigen Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Jesus will nicht herrschen mit menschlicher Macht. Er trinkt den Kelch des Leides, statt andere leiden zu lassen. Nehmt hin den Kelch der versöhnenden Liebe Gottes.

Austeilen der Kelche

Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer auf mich vertraut, selbst wenn er stirbt, wird er leben. Und jeder, der lebt und auf mich vertraut, nein, der stirbt nicht – in Ewigkeit. Gehet hin im Frieden! Amen.

Gott, wir beten für die Liebe. Dass wir selbstbewusste Menschen sind, die füreinander eintreten und dabei auch auf eigene Vorteile verzichten. Gott, wir beten für den Frieden. Dass wir keine Vorwände für Streit und Krieg suchen, sondern ehrliche Lösungen ohne Gewalt finden. Gott, wir beten für unsere Seele. Dass du sie bewahrst vor verletzenden Worten anderer Menschen und vor dem zersetzenden Gift eigener böse Gedanken. Gott, wir beten für die Hoffnung. Dass wir im schweren Schicksal nicht aufgeben, sondern unsere Chancen sehen und nutzen.

Gott, wir beten für die Menschen, die sich bereit erklären, im Kirchenvorstand Verantwortung zu übernehmen. Lass die Zeit und die Kraft, die sie einsetzen, unserer Kirche und auch ihnen selbst zum Segen werden. Gott, wir beten für die Traurigkeit. Dass wir es aushalten, traurig zu sein, wenn uns zum Weinen zumute ist, und dass wir Menschen finden, die tröstend bei uns sind.

Insbesondere beten wir heute für Herrn …, der im Alter von 81 Jahren gestorben ist. Nimm ihn gnädig auf in dein ewiges Reich und begleite seine Angehörigen mit deinem Trost. Lass uns nie vergessen, dass du uns wunderbar geschaffen hast und uns in deiner Ewigkeit zur Vollendung bringen wirst. Amen.

Lied 171: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott
Abkündigungen

Bevor wir im Saal unsere Gemeindeversammlung beginnen: Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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