Stumme Geduld

Zacharias - Vater des Wegbereiters Jesu - der Mann eines zweifelnden Wartens.

Zacharias muss verstummen. Er kann nicht glauben, dass das Gebet vieler Jahre um ein Kind doch noch erhört wird. Es geht ihm wie so vielen Menschen heute, die sich vor Weihnachten fürchten, weil sie zwar eine große Sehnsucht im Herzen haben, aber nicht wieder enttäuscht werden möchten.

Die aus Holz geschnitzte Figur eines Mannes, der nachdenkt - den Kopf auf den linken Arm gestützt. Unter dem Brustkorb fehlt ihm der Bauch.

Grübeln – zweifeln – stumm werden (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am 1. Sonntag im Advent, den 27. November 1994 um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Herzlich willkommen im Gottesdienst am 1. Advent und zugleich zur Einführung des neuen „Evangelischen Gesangbuchs“ in unserer Klinikgemeinde! Ja, überall in den Gemeinden unseres Dekanates Alzey wird heute zum ersten Mal im Gottesdienst aus dem neuen Evangelischen Gesangbuch gesungen.

Natürlich wird im Gottesdienst nicht nur gesungen, sondern auch gebetet, gepredigt und aus der Bibel gelesen. Im Advent stimmen wir uns ja so langsam auf Weihnachten ein, auf den Gott, der im Jesuskind bei uns zur Welt kommt. Und heute werden wir von dem hören, der Jesus den Weg bereiten sollte: von Johannes dem Täufer. Wie ging es zu, als Johannes geboren werden sollte?

Als erstes Lied singen wir im neuen Gesangbuch das Lied 1, 1-3:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Im neuen Gesangbuch stehen auch Psalmtexte drin, die wir gemeinsam beten können. So beten wir mit Worten aus dem Psalm 24, im Gesangbuch stehen sie unter der Nummer 712. Ich bete jeweils den Text, der links am Rand beginnt, und Sie alle gemeinsam können, wenn Sie möchten, den eingerückten Text sprechen:

7 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

8 Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit.

9 Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

10 Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Macht hoch die Türen, macht weit die Tore, so singen wir im Advent. Ja, wozu eigentlich? Ein König soll bei uns einziehen? Wozu brauchen wir heute noch einen König? Wir haben doch Präsidenten und Bundeskanzler!

Gott, du bist der, nach dem wir uns sehnen! Du bist anders als die Könige der Menschengeschichte, anders auch als die heutigen Kanzler und Staatspräsidenten. Du kommst zur Welt nur mit der Macht, die ein neugeborenes Kind hat, ein Kind von armen Leuten – und willst damit die Welt erlösen? Öffne unsere Augen und mach die Tore und Türen unserer Herzen weit, dass wir verstehen, was für ein König du bist! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Lukas 1, 67- 79 – es ist der Lobgesang, den der Vater von Johannes dem Täufer zur Geburt seines Sohnes anstimmt:

67 Und sein Vater Zacharias wurde von heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach:

68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk

69 und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David…

74 dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde,

75 ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.

76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest,

77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden,

78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,

79 damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja,Halleluja,Halleluja.“

Wir singen aus dem neuen Gesangbuch nun ein neues Lied, das Lied Nr. 18:
Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde
Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Liebe Gemeinde!

Wir kennen alle die Weihnachtsgeschichte nach Lukas: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot ausging von dem Kaiser Augustus…“. Und dann hören wir, unter welchen Umständen Jesus zur Welt kommt. Doch eigentlich fängt die Geschichte Jesu, wie Lukas sie erzählt, schon früher an. Sie beginnt mit einem alten kinderlosen Ehepaar. Zacharias, ein Priester, und Elisabeth, seine Frau, hatten sich zeitlebens nichts sehnlicher gewünscht, als Kinder zu haben, aber sie konnten nie eines bekommen. Lukas erwähnt auch (Lukas 1), zu welcher Zeit sich dies alles abspielt:

5 Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija, mit Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht Aaron und hieß Elisabeth.

6 Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig.

7 Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt.

Können Sie sich vorstellen, was das für Elisabeth und Zacharias bedeutete? Zur damaligen Zeit galt eine Frau nur etwas, wenn sie Mutter war. Und ein Mann ohne Nachkommen war genau so bedeutungslos. Hatte das Leben dieser beiden schon etwas älteren Leute überhaupt einen Sinn gehabt? So fragte man sich in einem Volk, dem die Weisung Gottes überaus wichtig war: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde!“ Doch ausgerechnet mit diesen beiden Menschen beginnt im Lukasevangelium die Vorbereitung auf Weihnachten.

An einem ganz normalen Tag fing alles an. Im Tempel von Jerusalem ging alles seinen gewohnten Gang. Da gab es verschiedene Priester, die nach einem bestimmten Dienstplan für Gott Opfer darbrachten, und heute war ein Tag, an dem der Priester Zacharias dran war.

8 Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war,

9 dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn.

10 Und die ganze Menge des Volkes stand draußen und betete zur Stunde des Räucheropfers.

Ein ganz normaler Tag im Tempel des Herrn, doch plötzlich geschieht etwas Außergewöhnliches, das nur Zacharias mitbekommt. Er hat ein Erlebnis, das ihn sehr erschreckt und mitnimmt – eine Erscheinung, die er mit den Augen seiner Seele wahrnimmt:

11 Da erschien ihm der Engel des Herrn und stand an der rechten Seite des Räucheraltars.

12 Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es kam Furcht über ihn.

Engel sind uns in der Weihnachtszeit vertraut. Überall sehen wir gemalte oder geschnitzte Engelchen. Sie sind für uns vor allem Boten der Freude. Aber immer wenn in der Bibel ein Engel erscheint, haben die Menschen zuerst einmal Angst vor ihnen. Ich glaube, das würde uns auch so gehen. Immerhin ist es nichts Alltägliches, wenn so eine Lichtgestalt plötzlich dasteht, und man weiß genau: der kommt von Gott. Zunächst fragt man sich ja wohl: Habe ich noch alle Sinne beisammen? Was ist mit mir los? Aber was ein guter biblischer Engel ist, der überlässt einen Menschen nicht einfach seinem Schrecken:

13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Johannes geben.

Da ist es heraus! Zacharias bekommt eine ganz persönliche Mitteilung von einem himmlischen Boten, dass er und seine Frau doch noch ein Kind bekommen sollen. Ganz ähnlich wie vor langer, langer Zeit ein anderes altes Ehepaar, nämlich Sara und Abraham. Und ganz ähnlich wie damals Abraham eine große Verheißung für seinen noch ungeborenen Sohn Isaak bekommen hatte, so spricht der Engel heute zu Zacharias von der großen Zukunft seines Sohnes:

14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen.

15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem heiligen Geist.

16 Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren.

17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist.

Große Worte spricht der Engel Gottes. „Im Geist und in der Kraft Elias“ soll Johannes wirken, das war einer der bedeutendsten Propheten im Alten Testament gewesen, auf seine Rückkehr warteten die Juden, bevor Gott den ewigen Frieden herstellen würde. Alles läuft darauf hinaus, dass Johannes, der Sohn des Zacharias, sein Volk wohl vorbereiten soll. Vorbereiten auf die Ankunft von Gott selbst, auf die Ankunft des Messias, des Sohnes Gottes.

Das ist die Freude des Advent, dass man zunächst nur etwas hört, was kommen soll. Es ist noch nicht da, aber Vorfreude ist schon möglich: „Du wirst Freude und Wonne haben!“ Im Advent wird in der Zukunftsform gesprochen.

So, da wir ja heute viel aus dem neuen Gesangbuch singen wollen, unterbreche ich jetzt die Predigt, und wir singen das Lied 13, 1-3:

Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!

Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh! Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!

Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!

Liebe Gemeinde, hätten wir dem Engel geglaubt? Können wir heute glauben, dass Gott zu uns kommt, dass er mit uns persönlich etwas zu tun haben will? Zacharias traut seinen Ohren nicht. Er soll der Vater eines bedeutenden Propheten werden? Das heißt, sein Zweifel fängt schon vorher an: Er soll Vater werden? Wo er doch noch nie ein Kind hatte? Deshalb fragt er nach einem Beweis – und bekommt eine Antwort, die er nun wirklich nicht erwartet hat:

18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt, und meine Frau ist betagt.

19 Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen.

20 Und siehe, du wirst stumm werden und nicht reden können bis zu dem Tag, an dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit.

Zacharias muss verstummen. Es ist, als ob sein Zweifel sich auf seine Stimmbänder legt. Er kann keine Vorfreude empfinden. Er kann keinen Lobgesang anstimmen, weil er nicht glauben kann, dass das Gebet vieler Jahre um ein Kind doch noch verspätet erhört wird. Er ist zwar Priester, ein Mensch, der ständig mit Gottes Angelegenheiten zu tun hat, aber jetzt, wo er einem Boten Gottes selbst begegnet, traut er ihm nicht. Es geht ihm wie so vielen Menschen heute, die sich vor Weihnachten fürchten, weil sie zwar eine große Sehnsucht im Herzen haben, aber nicht wieder enttäuscht werden möchten.

So ist Zacharias vielleicht gerade in seiner Stummheit der Mann des Advent. Er ist der Mann eines zweifelnden Wartens. Ihm bleibt gar keine Wahl: er muss Geduld üben – eine stumme, machtlose Geduld. Und er weiß noch nicht einmal genau, was ihn eigentlich erwartet.

21 Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb.

22 Als er aber herauskam, konnte er nicht mit ihnen reden; und sie merkten, dass er eine Erscheinung gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und blieb stumm.

Noch einmal unterbrechen wir die Predigt für ein Lied – diesmal wieder ein neues Lied – Nr. 20 im neuen Gesangbuch, Strophe 1-5:
Das Volk, das noch im Finstern wandelt – bald sieht es Licht, ein großes Licht

Liebe Gemeinde – Zacharias, der stumme Zweifler, er bleibt sogar dann noch stumm, als seine Frau bald darauf wirklich schwanger wird. Mag sein, dass er nun zwar glauben muss, doch noch Vater werden zu können. Aber dass sein Kind der Wegbereiter des Sohnes Gottes werden soll, das zu glauben und zu bezeugen, fällt ihm immer noch äußerst schwer. So kommt Zacharias also stumm nach Hause:

23 Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes um war, da ging er heim in sein Haus.

24 Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen und sprach:

25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen, als er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen von mir zu nehmen.

Auch Elisabeth hat zunächst Schwierigkeiten, es zu glauben: Ich soll wirklich noch Mutter werden? Über Monate hin traut sie sich nicht, anderen Leuten davon zu erzählen. Wenn es nun doch nicht wahr wäre? Wenn sie sich etwas einbilden würde? Erst als Maria, die mit Jesus schwanger ist, Elisabeth besucht, da spürt sie, wie das Kind in ihrem eigenen Leibe hüpft.

Ja, und dann muss sie nur noch einige Monate warten, bis sich alle Nachbarn und Verwandten mit ihr freuen können:

57 Und für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn.

58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr.

Aber was ist mit dem Vater? Spielt der gar keine Rolle mehr? Der ist immer noch stumm und hält sich selbst bei der Feier der Beschneidung anfangs ganz im Hintergrund:

59 Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen.

60 Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen.

61 Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.

62 Und sie winkten seinen Vater, wie er ihn nennen lassen wollte.

Zacharias spielt eine eigentümliche Rolle. Die Leute erwarten von ihm, dass er ein normaler Vater sein und dem Sohn seinen Namen vererben soll, und der würde dann auch später ein Priester werden, und alles hätte seine Ordnung. Aber so viel hatte er seiner Frau schon zu verstehen gegeben: Das Kind sollte nicht seinen Namen tragen, sondern Johannes heißen. Der Frau nehmen die Leute das aber nicht ab. Und nun muss Zacharias doch selber Farbe bekennen, er kann nicht mehr stumm bleiben.

63 Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle.

64 Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott.

Der Vater Zacharias hört in dem Moment auf, stumm zu sein, als er sich innerlich einen Ruck gibt und zugibt: Damals im Tempel, da hatte mir Gott wirklich etwas sagen wollen! Es muss wohl wahr sein: Mein Sohn ist nicht einfach mein Eigentum, mein Fleisch und Blut, er wird nicht einfach werden, was ich bin, sondern er wird seinen eigenen Weg gehen, und das wird ein Weg mit Gott sein. Er wird dem Messias Gottes des Weg bereiten. Solange Zacharias nicht Gott loben konnte für seine Pläne mit seinem Sohn, blieb er stumm. Jetzt ist er endlich im Einklang mit der Zukunft seines Sohnes, und seine Zunge und seine Stimmbänder lösen sich.

Auch wir wollen Gott loben mit dem alten Adventslied Nr. 12, 1-4:

Gott sei Dank durch alle Welt, der sein Wort beständig hält und der Sünder Trost und Rat zu uns hergesendet hat.

Was der alten Väter Schar höchster Wunsch und Wille war und was sie geprophezeit, ist erfüllt in Herrlichkeit.

Zions Hilf und Abrams Lohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, der wohl zweigestammte Held hat sich treulich eingestellt.

Sei willkommen, o mein Heil! Dir Hosianna, o mein Teil! Richte du auch eine Bahn dir in meinem Herzen an.

Liebe Gemeinde, ähnlich wie es dem Zacharias ganz am Anfang ergangen war, so ergeht es jetzt denen, die diese Geschichte mitbekommen: Die Nachbarn erschrecken und geraten in Furcht. „Was mag aus diesem Kind werden?“ fragen sie sich – Advent, Erwartungszeit ist nicht unbedingt immer nur Zeit der Vorfreude, sie kann auch mit gemischten Gefühlen verbunden sein, gerade dann, wenn Gott seine Hand mit im Spiel hat:

65 Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas.

66 Und alle, die es hörten, nahmen’s zu Herzen und sprachen: Was meinst du, will aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

Zacharias bleibt nun jedoch unbeirrt von dem, was die Leute sagen und befürchten. Er stimmt noch einmal mit lauter Stimme seinen Lobgesang an, der wir vorhin schon gehört haben.

67 Und sein Vater Zacharias wurde von heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach:

68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.

76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest.

Jetzt sieht Zacharias ganz klar: Er hat von Gott selbst Besuch bekommen. Einen Engel zu sehen, das kann ja von überreizten Nerven kommen, aber als er nun seinen Sohn Johannes in den Armen hält, ist er sich ganz sicher: Gott hat ihm damals im Tempel durch den Engel wirklich eine Botschaft übermittelt. Und nicht nur er persönlich hat Besuch von Gott bekommen, sondern das ganze Volk. Hier ist ein neuer Prophet geboren worden, der dem Herrn selber, dem Höchsten selber in der Welt die Bahn bereiten wird!

Die schönste Strophe seines Liedes stimmt Zacharias an, als er zum Schluss vom Licht aus der Höhe und vom Frieden singt – hier ist die Weihnachtsfreude schon greifbar nahe:

78 Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe,

79 damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Auch heute noch dürfen wir in diesem Lobgesang einstimmen. Auch uns kann Gott selber besuchen. Auch unsere Sehnsucht nach gelingendem Leben kann Erfüllung finden. Auch über Menschen, die heute in der Finsternis der Verzweiflung oder im Schatten des Todes dahinleben, kann das Licht aus der Höhe aufgehen. Sie können erfahren, dass Gott auch sie liebhat, dass Gott in Jesus auch ihr Bruder wird, dass Gott die Füße von allen Menschen auf den Weg des Friedens lenken will. Wer keinen Weg mehr vor sich sieht, bekommt hier einen neuen Weg gezeigt: den Weg des Friedens. Damit ist gemeint: dass wir Streit mit anderen Menschen zu überwinden suchen, wo wir die Möglichkeit dazu haben. Dass wir Frieden mit uns selbst machen, uns so akzeptieren, wie wir sind und wie Gott uns schon lange angenommen hat. Und dass wir das Friedensangebot von Gott annehmen und Frieden machen mit ihm. Wir dürfen uns ganz einfach Gott anvertrauen und uns in seinen Armen geborgen fühlen. Wenn Gott uns noch fremd ist, dann dürfen wir wissen: er schickt sich an, uns zu besuchen – er kommt auf die Welt im Kind von Bethlehem. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen nach der Predigt noch ein neues Adventslied, diesmal aus dem hessischen Anhang des neuen Gesangbuchs, Lied 536, 1-5:

Singet fröhlich im Advent, lasst nun alles Trauern

Gott im Himmel, fremd bist du uns – und willst uns doch ganz nahe sein. Immer wieder missverstehen wir dich – als den unnahbaren Machthaber und Weltenrichter auf einem Thron im Himmel. Aber dann kommst du uns besuchen und wirst ein armes Kind, wirst uns gleich in unserer Machtlosigkeit.

Das rührt uns an, jedes Jahr neu in der Weihnachtszeit. Das geht uns nahe, weil wir spüren: hier geht es um etwas Echtes, um wahre Menschlichkeit und wahre Göttlichkeit.

Darum bitten wir dich: Hilf uns, unser eigenes wahres und echtes Ich zu entdecken. Hilf uns, das Du, dem wir im anderen Menschen begegnen, ernstzunehmen. Und hilf uns, dass es gelingt, uns hin und wieder auch mit anderen Menschen zu einem Wir zusammenzuschließen.

Schenke uns eine gesegnete Adventszeit! Amen.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser

Wir singen nun zum Schluss noch das bekannte Adventslied 8, 1-6:

Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein‘ höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.

Das Schiff geht still im Triebe, es trägt ein teure Last; das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast.

Der Anker haft‘ auf Erden, da ist das Schiff am Land. Das Wort will Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren im Stall ein Kindelein, gibt sich für uns verloren; gelobet muss es sein.

Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will, muss vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel.

Danach mit ihm auch sterben und geistlich auferstehn, das ewig Leben erben, wie an ihm ist geschehn.

Abkündigungen

Nun geht hin mit Gottes Segen:

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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