„Und Henoch wandelte mit Gott“

In einer alten Armenbibel greift der Arm Gottes aus den Wolken herunter, fasst Henoch am reichlichen Haarwuchs und schwingt ihn freihändig nach oben. Diese Vorstellung hat wohl früher den Menschen geholfen, sich ihren Glauben auch bildlich einzuprägen. Heute brauchen wir andere Vorstellungen. Wir spüren die Hand Gottes, gehen mit ihm, wenn wir halten und gehalten werden, trösten und getröstet werden.

Ein Junge an der Hand des Vaters vor bewölktem Himmel, durch die Wolken scheint aber die Sonne

An der Hand des Vaters (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Totensonntag, 25. November 1984, um 9.30 Uhr in Heuchelheim, 10.30 in Reichelsheim und 13.00 in Dorn-Assenheim

Am Totensonntag begrüße ich Sie alle in der Kirche, zum Singen und Beten, zum Hören und Stillwerden. Jesus versteht es, wenn Menschen trauern und klagen. Er hat selbst am Grab seines Freundes Lazarus geweint. Er sagt aber auch: Auferstanden bin ich und bin nun immer bei dir. Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Um diese Hoffnung, die Christus uns gebracht hat, geht es heute, wenn wir am Totensonntag einen Gottesdienst feiern. Dieser Hoffnung können wir nachspüren; für sie können wir danken; durch sie können wir leben.

Lied EKG 349, 1-3 (EG 450):

1. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.

2. Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt Gewissen; ass die dürre Lebens-Au lauter süßen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar.

3. Gib, dass deiner Liebe Glut unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut bei entstandner Morgenröte, dass wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich fest bleiben. Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen. Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen… Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich. (Psalm 16, 8-11)

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Herr Jesus Christus, du weißt alles, was ein Menschenherz bewegen kann. Du bist bei uns, wenn wir lachen oder weinen, wenn wir uns an frohe oder schwere Tage erinnern, wenn wir arbeiten oder nachdenken, wenn wir schlafen oder grübeln. Du bist auch hier bei uns, wenn wir heute noch einmal gemeinsam an die Menschen denken, die im vergangenen Kirchenjahr gestorben sind. Wir können in unserem stillen Gebet alles vor dich bringen, was wir an Gedanken und Gefühlen, an unbeantworteten Fragen und ungelösten Problemen mitgebracht haben. Du hältst uns aus mit unseren Sorgen und mit unserer Verzweiflung, ja sogar mit unseren Vorwürfen gegen dich. Schenk uns heute eine Zeit der Ruhe, in der wir zu dir finden – und so auch zu uns selbst! Um neue Einsichten oder einfach um die Erfahrung, bei dir geborgen zu sein, bitten dir dich, Jesus Christus, unseren Herrn!

Wir hören die Schriftlesung aus dem 1. Buch Mose – Genesis 5, 1-24. Ein Stück nach der Geschichte von Kain und Abel und ein Stück vor der Geschichte von Noah und der Sintflut lese ich den ersten Teil dieses Kapitels bis zu der Stelle, die von dem bemerkenswerten Tod eines Mannes namens Henoch handelt. Über diesen Henoch möchte ich nachher predigen.

1 Dies ist das Buch von Adams Geschlecht. Als Gott den Menschen schuf, machte er ihn nach dem Bilde Gottes

2 und schuf sie als Mann und Weib und segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch« zur Zeit, da sie geschaffen wurden.

3 Und Adam war 130 Jahre alt und zeugte einen Sohn, ihm gleich und nach seinem Bilde, und nannte ihn Set;

4 und lebte danach 800 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

5 dass sein ganzes Alter ward 930 Jahre, und starb.

6 Set war 105 Jahre alt und zeugte Enosch

7 und lebte danach 807 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

8 dass sein ganzes Alter ward 912 Jahre, und starb.

9 Enosch war 90 Jahre alt und zeugte Kenan

10 und lebte danach 815 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

11 dass sein ganzes Alter ward 905 Jahre, und starb.

12 Kenan war 70 Jahre alt und zeugte Mahalalel

13 und lebte danach 840 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

14 dass sein ganzes Alter ward 910 Jahre, und starb.

15 Mahalalel war 65 Jahre alt und zeugte Jered

16 und lebte danach 830 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

17 dass sein ganzes Alter ward 895 Jahre, und starb.

18 Jered war 162 Jahre alt und zeugte Henoch

19 und lebte danach 800 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

20 dass sein ganzes Alter ward 962 Jahre, und starb.

21 Henoch war 65 Jahre alt und zeugte Metuschelach.

22 Und Henoch wandelte mit Gott. Und nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, lebte er 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,

23 dass sein ganzes Alter ward 365 Jahre.

24 Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen.

Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied Beiheft 707, 1-2 (EG 611):

1. Harre, meine Seele, harre des Herrn; alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Sei unverzagt, bald der Morgen tagt, und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, in aller Not wird er dich beschirmen, der treue Gott.

2. Harre, meine Seele, harre des Herrn; alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott!

Die Gnade Gottes und sein Friede begleite uns alle in diesem Leben und auch durch den Tod hindurch. Amen.

Liebe Gemeinde!

Ich bin mit dem Predigttext für diesen Sonntag nicht zurechtgekommen. Es wäre ein Abschnitt aus dem 2. Petrusbrief gewesen, zu dem mir wohl eine Menge Gedanken gekommen sind, aber darunter auch viele offene und zwiespältige Fragen. Meine Predigt wäre mehr ein Vortrag geworden, mit dem ich schließlich selbst nichts mehr hätte anfangen können. Außerdem hatte ich vor zwei Wochen schon über einen ähnlichen Text gepredigt. So ist also die halbfertige Predigt ins Altpapier gewandert.

Aber was tun? Viel Zeit hatte ich nicht mehr zum Vorbereiten einer neuen Predigt. Da fiel mir ein Artikel des Evangelischen Pressedienstes in die Hände, der eine ziemlich unbekannte Gestalt der Bibel behandelt, unter der Überschrift: „Ein bemerkenswerter Tod“. Der Mann heißt Henoch. Und sein Schicksal wird in dem Kapitel der Bibel beschrieben, das wir vorhin gehört haben, das wir aber meist, wenn wir schon einmal in der Bibel lesen, überlesen, denn da wird nur ein Stammbaum dargestellt, Name an Name gereiht, in eintöniger Weise die Nachkommen Adams bis hin zu Noah aufgezählt. Nun denke ich mir: Wenn auch dieses Kapitel in der Bibel steht, hat das wohl seinen Sinn, und mir kommen auch ein paar einfache Gedanken dazu, die ich in der Predigt weitersagen kann.

Verschiedenes klingt vertraut, anderes fremd in dieser Aufzählung. Das menschliche Leben wird in Kurzfassung beschrieben; dabei werden lediglich zwei Tatsachen genannt: die Tatsache der Nachkommenschaft und die Tatsache des Todes: Und X zeugte Y; danach bekam er noch weitere Söhne und Töchter und starb. Und Y zeugte Z; danach bekam er noch weitere Söhne und Töchter und starb.

Ich schließe daraus, dass es auch für Menschen der Bibel ein Trost war, Kinder und Enkel zu haben und zu wissen: wenn ich auch selber sterbe, so lebe ich doch in meinen Kindern weiter. Denn im Volk Israel war und ist der Gedanke an eine Auferstehung und ein ewiges Leben nicht allgemein verbreitet.

Besonders fremd erscheinen uns die hohen Lebensalter, die jeweils beim Zeitpunkt der Zeugung eines Sohnes und beim Zeitpunkt des Todes genannt werden: Adam mit 930 Jahren gestorben, Seth mit 912 usw. Nun müssen wir daran denken, dass die gesamte Aufzählung dieser Namen aus vorgeschichtlicher Zeit stammt. Es handelt sich nicht um einen historischen Bericht, sondern um eine Art Sinnbild in Berichtsform. Das Volk Israel malt sich aus, woher es kommt, von wem seine Stammväter wiederum abstammen. Urerfahrungen, die jeder Mensch macht, mit Geburt und Tod, mit Leiden und Schuld werden dabei beispielhaft an Menschen beschrieben, die bis heute jeder kennt: Adam und Eva, Kain und Abel, Noah und die Leute, die den Turm zu Babel bauen wollten. Und man stellte sich vor, diese Menschen hätten zu Beginn des Lebens auf der Erde gelebt. Die Erfahrung der Sünde, die Erfahrung nämlich, dass jeder Mensch sich von Gott entfernt und schuldig wird, finden wir z. B. in der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies wieder. Nun hat man sich wohl gedacht: damals waren die Menschen jedenfalls noch näher am Paradies als wir heute. Deshalb lebten die Leute damals noch länger. Und so mag es zu dem Stammbaum mit den hohen Lebensaltern gekommen sein.

Aber nun schauen wir noch einmal genauer auf die lange Reihe der Namen in diesem Stammbaum. Ein Name hebt sich durch ein besonderes Geschick und einen bemerkenswerten Tod heraus. Alle zeugen sie Söhne und Töchter und sterben dann. Einer aber zeugt ebenfalls Söhne und Töchter; jedoch von ihm wird besonders betont (1. Buch Mose – Genesis 5, 22.24), hier in der Übersetzung der Gute-Nachricht-Bibel:

„Henoch lebte in enger Verbindung mit Gott. Dann war er plötzlich nicht mehr da; denn Gott hatte ihn weggenommen.“

Diese kurzen, knappen Sätze gehen nun weit über das hinaus, was vorher an Trost für die Lebenden und die Sterbenden gegeben wurde. Henochs im Leben durchgehaltene enge Verbindung mit Gott riss auch im Tode nicht einfach ab. Hatte er zu Lebzeiten Gott nahe in sein Leben hineingenommen, so nahm ihn zur Sterbenszeit Gott so nahe in sein göttliches Leben hinein, dass er einfach in Gottes Bereich entschwand und nicht einmal einen Leichnam und ein Grab hinterließ.

Dieser besondere Tod des Henoch hat die Menschen der Bibel sehr beschäftigt. Er wurde förmlich beispielhaft, wenn auch nicht nachahmbar. Der Hebräerbrief 11, 5-6, im Neuen Testament ermahnt z. B. die christliche Gemeinde in Zeiten der Verfolgung, dass sie nicht aufhören soll, Gott zu vertrauen, in enger Verbindung mit Gott zu leben, auch wenn man ihn nicht sehen kann. Als Vorbild für solchen Glauben wird auch Henoch genannt; und er wird so beschrieben (wieder nach GNB):

Weil Henoch Gott vertraute, wurde er zu Gott geholt und musste nicht sterben. Keiner konnte ihn finden, weil Gott ihn weggenommen hatte. Die heiligen Schriften sagen von ihm, ehe sie von diesem Vorgang berichten, dass Gott Freude an ihm hatte. Keiner kann Gott gefallen, der ihm nicht vertraut. Wer zu Gott kommen will, muss sich darauf verlassen, dass Gott lebt und die belohnt, die ihn suchen.

So hat ein Christ der frühen kirchlichen Gemeinde die Erfahrung des Henoch ausgelegt. Wer also unverbrüchlich mit Gott lebt, den lässt Gott im Sterben nicht verloren gehen. An wem Gott Freude hat, an dem hat er bleibende Freude. Da ist der Tod eine Schwelle, kein Ende. Vertrauen auf Gott ist der Schlüssel zur Tür des Todes.

Wer sich an den Worten im Hebräerbrief stößt, die Vertrauen zu Gott fordern, oder die den Glaubenden eine Belohnung versprechen, der soll wissen: ich teile Ihre Bedenken. Jedenfalls könnten wir nicht Gott vertrauen, wenn er uns nicht selbst dieses Vertrauen schenken würde. Und dann ist eine Belohnung dafür nicht eine Gegenleistung, die wir verdient hätten, sondern wiederum ein Geschenk Gottes, auf das wir uns nichts einbilden sollen, so als ob wir besonders fromm wären.

Am Beispiel des Henoch wird einfach dargestellt, dass Gott einen Menschen im Tod zu sich mitnimmt. Das ist ein tröstliches Bild. Manche wünschen sich vielleicht, zu erklären, wie das denn zugegangen sein kann. Aber dazu muss ich sagen: Wir können das Bild ausmalen – aber es bleibt ein Bild. Wir kommen damit dem Geheimnis Gottes nicht auf die Spur. In einer alten Armenbibel greift der Arm Gottes aus den Wolken herunter, fasst Henoch am reichlichen Haarwuchs und schwingt ihn freihändig nach oben. Diese Vorstellung hat wohl früher den Menschen geholfen, sich ihren Glauben auch bildlich einzuprägen. Heute brauchen wir vielleicht andere Vorstellungen. In dem erwähnten Pressedienst-Artikel fand ich die Nacherzählung der Henochgeschichte durch ein amerikanisches Sonntagsschulkind, die mir sehr gut gefällt:

Gott und Henoch gingen jeden Tag miteinander spazieren. Gott kam einfach an Henochs Haus vorbei und sagte: „Lass uns spazierengehen!“ Und jeden Tag wanderten sie ein bisschen weiter. Eines Tages aber waren sie so weit gegangen, dass sie sich in großer Entfernung von Henochs Haus, aber sehr nahe beim Haus Gottes befanden. Da sagte Gott: „Henoch, du bist so weit von deinem Haus fort und so nah bei meinem Haus – komm doch einfach herein und bleibe bei mir in meinem Haus!“

So beschreibt ein Kind das, was wir „seliges Sterben“ nennen.

Nun muss ich hinzufügen, dass natürlich nicht jedes Sterben so aussieht wie Henochs Tod. Wir wünschen‛s uns so, aber es kommt oft anders. Langes Leiden, nicht auszuhaltende Schmerzen, das haben wir im letzten Jahr in manchem Haus miterleben müssen. Oder ein plötzlicher, früher Tod, mit dem niemand gerechnet hat. Oder Menschen, die gestorben sind, von denen niemand weiß, ob sie sich in ihrer Letzten Stunde von Gott haben an die Hand nehmen lassen.

Vielleicht ist‛s nicht bei jedem ein Spaziergang, sondern oft ein harter, anstrengender, schmerzhafter Weg, steil und steinig – aber Gott geht unsere Wege mit. Er lässt uns nicht allein, bis er uns endlich einmal in sein Haus einladen kann, wie den Henoch. Obwohl wir‛s ihm so oft schwerer machen als Henoch, obwohl er manchmal enttäuscht und traurig über unser Verhalten ist, gibt Gott uns doch nicht verloren. Er hält auch unseren Unglauben aus und bietet immer wieder seine Hand an: er will uns stützen, auch wenn wir nicht mehr aus noch ein wissen, wenn wir nur noch voller Trauer oder Schmerzen voller Wut und Verzweiflung sind.

Woher ich weiß, dass Henoch kein Einzelfall bleiben muss? Dass Gott auch uns begleitet? Weil Gott sozusagen einen zweiten Henoch auf die Erde schickte, der unter den Menschen und mit den Menschen gelitten hat, der auch in enger Verbindung mit Gott lebte und der einen harten Weg, den Kreuzesweg bis zum bitteren Ende gehen musste. Dieser Mann war Jesus, und auch sein Weg führte ihn zum Haus Gottes. Er öffnete es zugleich für uns alle.

„Heute wirst du mit mir im Paradies sein“

– sagte er (Lukas 23, 43) zu dem einen, der neben ihm gekreuzigt worden war. Schade, wenn wir diese offene Tür nicht sehen, wenn wir Gottes Hand nicht nehmen wollen. Mit ihm gehen wir nicht unbedingt einen bequemen, leichten Weg, aber einen Weg, der ins Haus Gottes, oder wie wir früher gelernt haben, in den Himmel führt. Auf dieser Erde können wir diesen Weg nicht äußerlich sehen. Wir spüren überall da ein Stück von der Hand Gottes und gehen überall da auf diesem Weg, wenn wir lieben und geliebt werden, wenn wir andere halten und gehalten werden, wenn wir trösten und getröstet werden, wenn wir einen Lichtblick sehen und mit Zuversicht an eine Aufgabe herangehen können.

Das wollte ich Ihnen heute am Totensonntag sagen. Diese Gedanken sind mir gekommen, als ich auf Henoch aufmerksam wurde, der in enger Verbindung mit Gott lebte. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Lied EKG 301, 1-3 (im EG 627 nur Strophe 1 und 3 im Anhang für Österreich):

1. Ach Gott, verlass mich nicht! Gib mir die Gnadenhände; ach führe mich, dein Kind, dass ich den Lauf vollende zu meiner Seligkeit. Sei du mein Lebenslicht, mein Stab, mein Hort, mein Schutz; ach Gott, verlass mich nicht!

2. Ach Gott, verlass mich nicht, regiere du mein Wallen; ach lass mich nimmermehr in Sünd und Schande fallen. Gib mir den guten Geist, gib Glaubenszuversicht, sei meine Stärk und Kraft. Ach Gott, verlass mich nicht!

3. Ach Gott, verlass mich nicht! Ich ruf aus Herzensgrunde: Ach Höchster, stärke mich in jeder bösen Stunde. Wenn mich Versuchung plagt und meine Seel anficht, so weiche nicht von mir; ach Gott, verlass mich nicht!

Barmherziger Vater im Himmel! Wir danken dir dafür, dass du uns nicht allein lässt – nicht in guten und nicht in bösen Tagen, nicht in der Freude und nicht im Schmerz. An diesem Tag sind viele unter uns in dunkler, melancholischer Stimmung. Vor allem diejenigen, die seit dem Totensonntag vor einem Jahr einen Menschen hergeben mussten, den sie geliebt haben. Heute wird manches wieder angerührt, was erneut schmerzt. Für sie bitten wir dich: begleite sie auf ihrem schweren Weg der Trauer, schenke ihnen immer wieder Begegnungen mit Menschen, die sie liebhaben, mach ihnen die Schritte möglich, die sie gehen müssen, um die Trauer zu bewältigen. Uns ist bewusst, dass wir alle das Ende unseres irdischen Lebens vor uns haben, aber wir wissen nicht, wann. Als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass am Ende dieses Weges dein Haus auf uns wartet, dass wir nicht ziellos umherirrende Wesen, sondern von dir geliebte Menschen sind. Mach uns bereit, dass wir schon in diesem Leben deine Hand akzeptieren, die uns leiten will, dass wir auf deinen Wegen gehen und dass wir als Ziel deine Ewigkeit vor Augen haben.

Im Vertrauen auf dich, gnädiger Gott, und deine Zusage des ewigen Lebens beten wir für die Verstorbenen unserer Kirchengemeinde, die im vergangenen Kirchenjahr hier bestattet worden sind:

4 Personen in Heuchelheim, 14 in Reichelsheim

Was uns in dieser Stunde bewegt, was wir brauchen und was wir für andere Menschen erbitten, das können wir nun in der Stille vor dich bringen, Gott, unser Vater.
Stille und Vater unser

Lied EKG 301, 5 (EG 627, 4 nur im Anhang für Österreich):

5. Ach Gott, verlass mich nicht! Ich bleibe dir ergeben. Hilf mir, o großer Gott, recht glauben, christlich leben und selig scheiden ab, zu sehn dein Angesicht; hilf mir in Not und Tod; ach Gott, verlass mich nicht!

Abkündigungen und Segen

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