Meditationsweg auf dem Christenberg mit „Perlen des Glaubens“

Andacht in der Martinskirche: „Sind wir auf einem Berg Gott näher?“

Am Fuß des Christenbergs begann die ökumenische Wallfahrt der Gemeinden St. Albertus und Paulus aus Gießen mit Lied und Psalmgebet in der tagsüber geöffneten „Kapelle am Weg“ in Münchhausen.

Lied: Ich möcht, dass einer mit mir geht

Bevor wir den Christenberg erklimmen, sprechen wir im Wechsel den Psalm 121:

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Danach gingen die Wallfahrer auf dem Meditationsweg „Perlen des Glaubens“ hinauf zum Christenberg. Neben den zum Nachsinnen einladenden Texten des schwedischen Bischofs Lönnebo waren auf und am Rande des Waldweges auch eine Schnecke, ein (leider toter) Salamander und ein wie eine Maus geformter Stein zu sehen.

Die folgende Bildergalerie zeigt Impressionen von der Wallfahrt zum Christenberg:

Oben auf dem Christenberg angekommen, wurde mit Pfarrer Helmut Schütz eine Andacht in der Martinskirche gefeiert.

Laudate omnes gentes

Liebe Wallfahrende, als ich diese Andacht vorbereitete, wusste ich noch nicht, wie der Christenberg aussieht. Ich wusste auch nicht, an welchen Stelen mit welchen Bibelsprüchen wir vorbeikommen würden. Ich wusste nur: etwa 9 bis 13 Menschen würden mit mir hier hinaufgehen, und ich war gespannt, was wir erleben würden.

Berge waren schon in der Bibel häufig Orte, an denen man sich Gott näher fühlte. Es klingt naiv, weil wir auf einem Berg ja Gott nicht wirklich näher sind, denn der Himmel über uns, das Weltall, erstreckt sich immer noch Lichtjahrmilliarden um uns herum, auch wenn wir ein paar Hundert Meter in die Höhe steigen. Und das ist ja noch nicht einmal der Himmel Gottes. Der allerdings ist unsichtbar uns oft sogar näher, als wir denken.

Daher ist es also wohl so: Nicht Gott wohnt oben, so dass wir ihm dort näher sind. Aber wir Menschen können beim Hinaufsteigen das Gefühl entwickeln, uns aus den Niederungen des Alltags hinaus und hinauf zu begeben. Wir lassen zurück, was uns unten festhält, und werden ein wenig offener für den Gott, der uns frei machen will.

Außerdem ist es oft so, dass es oben auf einem Berg etwas einsamer ist als unten im Tal, wo viele Menschen wohnen. Diese Stille fördert das, was ich eben gesagt habe: dass wir unseren Kopf etwas freier bekommen, so dass Gott Platz in uns hat.

Wenn wir allerdings gemeinsam eine Wallfahrt unternehmen, sind wir bereits auf dem Weg und auch hier oben nicht völlig einsam, und das finde ich gut so. Es mag auch einsame Pilgerreisen geben, aber wir sind zusammen auf dem Weg und auf dem Berg, um miteinander für Gott offen zu sein. Sehr dankbar bin ich für die Impulse, die wir von den Stelen auf dem Weg mitnehmen und gemeinsam besprechen konnten.

Einen ersten Psalm hatten wir gebetet, indem wir hoch zu den Bergen blickten. Einen zweiten Psalm beten wir nun, indem wir stille zu Gott werden und ihm anvertrauen, was uns unten im normalen Leben belastet. Er hilft uns, gelassen zu werden, denn er trägt, was uns zu schwer ist (Psalm 62).

5 [Auf viele Menschen ist kein Verlass, sie] haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie, aber im Herzen fluchen sie.

6 Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.

7 Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde.

8 Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott.

9 Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.

10 Aber Menschen sind ja nichts, große Leute täuschen auch; sie wiegen weniger als nichts, soviel ihrer sind.

11 Verlasst euch nicht auf Gewalt und setzt auf Raub nicht eitle Hoffnung; fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran.

12 Eines hat Gott geredet, ein Zweifaches habe ich gehört: Gott allein ist mächtig,

13 und du, Herr, bist gnädig; denn du vergiltst einem jeden, wie er’s verdient hat.

Gemeinsam beten wir, wie uns unser Herr Jesus um das Kommen des Reiches Gottes zu beten lehrte. Auf dem Weg haben wir darüber gesprochen, warum Jesus die Möglichkeit zulässt, dass Gott selber uns in Versuchung führen könnte. Ich kam in unserem Gespräch auf den Gedanken, dass Jesus wie Hiob für unser Recht, Gott anzuklagen, eintritt. Egal ob Gott selber oder der Satan uns in Versuchung führt, wir bitten Gott darum, dass wir nicht in Versuchungen hineingeraten und noch weniger ihnen erliegen. Die Schuld können wir auf niemanden abschieben, aber wir brauchen jede Kraft, um Versuchungen zu widerstehen.

Vater unser

Jesus Christus spricht: „Gleichwie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ So genießt nun weiter die Zeit hier oben auf dem Berg und steigt nachher gelassen und getrost wieder hinab. Nehmt mit, was ihr hier oben an Segen empfangen und aufnehmen konntet:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Wir singen gemeinsam den Abschlussgesang aus Taizé:

Bleib mit deiner Gnade bei uns

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.