Gott nimmt uns die Angst

Über den Tod nachdenken, das eigene Sterben bedenken, das soll nach der Bibel klug machen. Im Vertrauen auf Gott kann die Angst vor dem Tod überwunden werden.

Gott nimmt uns die Angst vor dem Tod: Ein Engel zeigt nach oben - dort sind unsere Toten wirklich, im unsichtbaren Himmel Gottes

Am Ostermorgen will ein Engel den Frauen ihre Angst nehmen (Bild: pixabay.com)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. (Psalm 34, 19)

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um gemeinsam einen schweren Weg zu gehen. Wir müssen Frau P. zu Grabe tragen, die im Alter von [über 70] Jahren gestorben ist.

Wir beten mit Worten aus Psalm 90 (Vers 10 nach der Lutherbibel 1912):

1 Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.

2 Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

3 Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

4 Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

5 Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst,

6 das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

10 Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn‘s hoch kommt, so sind‘s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist‘s Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

12 Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Barmherziger Gott, du siehst, wie betrübt wir sind. Lass uns nicht allein in unserem Schmerz. Tröste uns durch dein Wort und deine Verheißung. Hilf uns, an deine Treue und Güte zu glauben, auch wo wir deine Wege nicht verstehen. Amen.

Wir hören Trostworte des Paulus aus seinem Brief an die Römer 8:

35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?

37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

EG 530:

1. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; ach wie geschwinde und behende kann kommen meine Todesnot. Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: mach’s nur mit meinem Ende gut.

2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; solang ich leb auf dieser Erden, leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: mach’s nur mit meinem Ende gut.

3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken und, wenn ich einstens sterben muss, die Seel in Jesu Wunden senken und ja nicht sparen meine Buß. Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: mach’s nur mit meinem Ende gut.

Lieber Herr P., liebe Trauernde, Erwachsene und Kinder, wir wollen uns nun in Ruhe erinnern an das Leben von Frau P. und uns sammeln um Gottes Wort. Denn zum Abschiednehmen gehört beides: die Erinnerung an das, was gewesen ist, und die Suche nach Trost in dem, was heute so weh tut und kaum auszuhalten ist.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Trotz ihrer angegriffenen Gesundheit kam der Tod nun sehr plötzlich. „Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war“, so haben wir gesungen, und genau so haben Sie es empfunden, als Frau P. völlig unerwartet verstorben ist. Zurück lässt sie eine Familie, die erst noch damit fertig werden muss, dass diese Frau, die einfach immer da war, die sich um vieles gekümmert hat, nun eine große Lücke in ihrer Mitte hinterlässt.

Wir haben im Trauergespräch auch darüber nachgedacht: Erst im Angesicht des Todes wird uns so richtig bewusst, was uns ein Mensch bedeutet, was wirklich wichtig ist im Leben, und wie wenig selbstverständlich es ist, dass wir leben und füreinander da sein dürfen.

In der Bibel wurde dieser Gedanke bereits vor 3000 Jahren in einem der Psalmen ausgedrückt; wir haben ihn vorhin gehört (Psalm 90, 12):

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Klug werden in diesem Sinne bedeutet: das Leben vor dem Tode ernster nehmen. Es ist wichtig, was wir in diesem Leben einander bedeuten, wovon wir geprägt werden und wie wir einander begegnen.

Aber nun könnte man fragen: Was hat man davon, wenn man dann doch gestorben ist? Wird durch den Tod nicht nachträglich auch alles sinnlos, was vorher war? Wozu soll man überhaupt leben, wenn man später dann doch sterben muss? Auf diese Frage gibt es keine wissenschaftlich genauen Antworten, weil kein Mensch weiß, was genau im Tod geschieht. Kein Mensch kann beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und erst recht nicht beschreiben, wie ein solches Leben aussehen könnte. Umgekehrt kann aber auch niemand beweisen, dass es ein solches Leben nicht gibt.

Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, kommen wir nicht ohne die Religion aus. Wer an Gott glauben kann, für den ist es gar nicht notwendig, zu wissen, wie ein Leben nach dem Tod aussehen könnte. Wenn wir glauben können, dann vertrauen wir einfach darauf, dass wir mit Gott verbunden bleiben, dass er uns lieb hat, dass er uns nicht verlorengehen lässt, auch wenn wir sterben. Warum sollte der ewige Gott, der einmal aus dem Nichts eine ganze Welt schaffen konnte, uns nicht noch einmal neu schaffen können, in der Ewigkeit, in einer ganz neuen Welt? Aber wie das sein könnte, darüber brauchen wir nicht zu grübeln. Es genügt, wenn wir wissen: Im Tod ist nicht einfach alles aus. Im Tod bleiben wir in Gottes Händen geborgen. Gottes Liebe ist stärker als der Tod, und auch alle Liebe, die wir Menschen einander schenken, überdauert den Tod.

Wenn wir darauf vertrauen, dann bekommt auch das Leben vor dem Tod erst seinen wirklichen tiefen Sinn: Wir leben hier auf der Erde, weil wir von Gott geliebt sind, weil wir hier einen Auftrag von Gott erfüllen.

Als Jesus am Kreuz gestorben war, da ließ er Menschen zurück, die ihn liebgehabt hatten und die durch ihn die Liebe Gottes kennengelernt und gespürt hatten. Sie waren schockiert und verzweifelt, zunächst ohne jede Hoffnung. Das einzige, was sie zu tun versuchten, war, mit den überkommenen Ritualen von Jesus Abschied zu nehmen. Im Evangelium nach Markus 16 wird beschrieben, wie man das damals tat:

1 Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

Aber dann erlebten die Frauen, die Jesus doch nur die letzte Ehre erweisen wollten, etwas Eigentümliches. Mit Augen des Herzens sahen sie plötzlich einen Engel im Grab Jesu sitzen und sie erschreckten sich fürchterlich:

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

Es ist in der Bibel immer so: wenn Menschen mit Gott zu tun bekommen, mit dem Unerklärlichen, Rätselhaften, Unsichtbaren, das über unseren Verstand hinaus geht, dann erschrecken sie. So wie wir Angst bekommen, wenn wir uns auf Geisterbeschwörungen einlassen oder auf die Voraussagen einer Wahrsagerin hören. Aber hier ist ein Unterschied – wenn es wirklich Gott ist, mit dem wir zu tun bekommen, dann nimmt er uns die Angst. Sonst sollten wir lieber die Finger von solchen Dingen lassen. In unserer Geschichte hören jedenfalls die Frauen den Engel beruhigende Worte reden:

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

Diese Geschichte spiegelt wider, wie man sich damals die Überwindung des Todes vorstellte. Das Grab war leer, Jesus musste nicht verwesen, er hatte den Tod besiegt. Heute können wir diese Vorstellung nicht mehr so ohne Weiteres teilen. Und das müssen wir auch nicht. Schon damals war es ja auch nicht so, dass Jesus nun einfach so auf der Erde weitergelebt hätte. Für die Männer und Frauen, die ihm vorher gefolgt waren, für die er Gottes Sohn war und die nun auf ihn vertrauten – für die lebte er im Himmel weiter, in der unsichtbaren Welt Gottes. Aber wie sollte man so etwas Schwieriges ausdrücken? Man versuchte diese Wahrheit zu umschreiben mit dem Bild vom leeren Grab. Und so überwand man die Verzweiflung, so gewann man Hoffnung. Wenn Jesus in den unsichtbaren Himmel Gottes hinein auferstanden war, dann blieb ja alles wahr, was er von der Liebe Gottes gepredigt hatte, dann gab es Hoffnung auch für jeden anderen Menschen, dann musste der Tod für niemanden das absolute Aus bedeuten.

Es ist, glaube ich, für viele nicht so einfach, das zu verstehen. Wir sind es nämlich immer noch gewohnt, die biblischen Erzählungen ganz wörtlich zu nehmen. Und dann passt das, was da erzählt wird, nicht mit dem zusammen, was uns unser Verstand sagt. Wenn wir aber anfingen, die Bibel mit den Augen des Herzens zu lesen, dann würden wir in biblischen Bildern und Erzählungen die tiefe Wahrheit des Vertrauens auf die Liebe Gottes finden, eines Vertrauens, das auch nicht aufhören muss, wenn wir in Not geraten oder sterben.

Den starken und guten Armen des barmherzigen Gottes vertrauen wir auch Frau P. an, so umschreiben wir mit einem anderen Bild, woran wir glauben. Und auch uns wird Gott in der schweren Zeit der Trauer nicht verlassen. Amen.

EG 611:

1. Harre, meine Seele, harre des Herrn! Alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Sei unverzagt! Bald der Morgen tagt, und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach. In allen Stürmen, in aller Not wird er dich beschirmen, der treue Gott.

2. Harre, meine Seele, harre des Herrn! Alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett auch unsre Seele, du treuer Gott!

Lieber Vater Im Himmel. Du lässt die Betrübten nicht ungetröstet. Darum bitten wir dich: Gib uns getrostes Vertrauen auf dich, stärke uns in der Hoffnung auf deine Ewigkeit und für uns auch auf neues Leben vor dem Tod. Frau P. vertrauen wir deiner Liebe an. Hab Dank für alle Treue, die du ihr erwiesen, und für allen Segen, den du uns durch sie gegeben hast. Lass uns das Beispiel der Verstorbenen ein Ansporn sein, dass wir uns in einer Zeit der wachsenden Vereinzelung doch auch füreinander verantwortlich fühlen. Und nicht zuletzt: öffne unsere Augen für das, was wirklich den Sinn unseres Lebens ausmacht: nämlich all das, was uns durch dich geschenkt ist, guter Gott – deine Liebe zu uns, deine Begabungen an uns, dein Zuspruch und manchmal deine Zumutungen an uns, und all das, was uns durch deine Güte füreinander Gutes zu tun möglich ist. Und wenn wir in der Trauer manchmal ratlos sind und nicht wissen, was zu tun ist, dann dürfen wir auch einfach da sein und schweigen. Amen.

EG 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich.

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