Jesus – Brot für die Welt

Jesus ist Brot vom Himmel, weil er Gottes Liebe in Person ist. So wie Jesus, so ist Gott. Jesus teilt Brot, macht Kranke gesund und zeigt anstrengenden, nervenden und sogar bösen Menschen neue Wege – auch uns! – auf denen wir als Freunde Gottes leben können und im Einklang mit den Menschen, die mit uns unterwegs sind auf dieser Erde.

Ein Brot, von Gießener Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Backstube von Bäcker Bernd Braun gebacken

Gießener Konfis haben dieses Brot gemeinsam mit Bäcker Bernd Braun zum Erntedankfest gebacken

#predigtErntedankgottesdienst am Freitag, 28. September 2012, um 10.30 Uhr im Ensemble-Pflegeheim Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Heute feiern wir hier gemeinsam das Erntedankfest mit dem Thema: „Jesus – das Brot für die Welt“.

Lied 508, 1-2:

1) Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand: der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

2) Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein, er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot: es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Psalm 104:

1 Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.

2 Licht ist dein Kleid, das du anhast.

5 Du hast das Erdreich gegründet auf festen Boden.

10 Du lässt Wasser in den Tälern quellen, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,

11 dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche.

12 Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen.

13 Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.

14 Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst,

15 dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

24 HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

33 Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.

Gott, du Ursprung allen Lebens, wir freuen uns an den Gaben deiner Schöpfung: am Duft der Blumen, an den satten Farben von Obst und Gemüse, am kräftigen Geschmack des Brotes und an der Süße des Weinstocks. Alles das ist dein Geschenk, Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir wollen es mit Dank empfangen.

Gott, du Quelle des Lebens, von dir kommt alles her, zu dir strömt alles hin: Tau und Regen, Sonne und Mondschein sendest du uns. Allem Lebendigen gibst du die Kraft zu wachsen und zu reifen. Alle guten Gaben kommen von dir: Essen und Trinken, Lieben und Lachen, Streiten und Versöhnen. Heute danken wir dir für alles Gute, das wir erleben: für die Nahrung, die uns am Leben hält, für das Geld, das wir zu unserem Unterhalt haben, für die Menschen, die uns gut tun, für die Ruhe der Nacht und für die Wärme des Tages, für das, was wir selbst geschaffen haben und für das, was wir geschenkt bekommen. Gott wir danken dir dafür!

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Johannes 6. Menschen aus dem Volk Israel kommen zu Jesus und wollen wissen, ob er vertrauenswürdig ist. Ist er der Messias, den Gott gesandt hat, um den Menschen zu helfen?

30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du?

31 Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht: »Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.«

32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.

33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.

34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot.

35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

41 Da murrten sie über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist.

Wir singen aus dem Lied 227 die Strophen 1 bis 2 und 5 bis 6:

1. Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben und für den Glauben, den du uns gegeben, dass wir in Jesus Christus dich erkennen und Vater nennen.

2. Jedes Geschöpf lebt von der Frucht der Erde; doch dass des Menschen Herz gesättigt werde, hast du vom Himmel Speise uns gegeben zum ewgen Leben.

5. In einem Glauben lass uns dich erkennen, in einer Liebe dich den Vater nennen, eins lass uns sein wie Beeren einer Traube, dass die Welt glaube.

6. Gedenke, Herr, die Kirche zu erlösen, sie zu befreien aus der Macht des Bösen, als Zeugen deiner Liebe uns zu senden und zu vollenden.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, warum feiern wir eigentlich das Erntedankfest? Wächst die Ernte nicht von selbst heran? Kriegen wir nicht alles, was wir brauchen, im Supermarkt? Verdienen wir uns nicht selber unser Brot, also was wir zum Leben brauchen?

Wer so denkt und aufs Danken verzichtet, ist in der Regel eher ein unzufriedener Mensch. Was er hat, ist selbstverständlich, aber er kann nicht alles haben, also hat er nie genug.

Als Menschen damals zu Jesus kamen, wünschten sie sich von ihm eine Lösung ihrer Probleme. Eben gerade waren über 5000 Leute satt geworden, weil Jesus gefragt hatte: Was habt ihr zu essen dabei? Und ein kleiner Junge hatte angefangen zu teilen: fünf kleine Fladenbrote hatte er aus seinem Rucksack gekramt, zwei Fische hatte er auch noch dabei, und dann wurden plötzlich alle satt, sogar die, die gar nichts mit hatten, weil sie zu arm waren. Die Leute erzählten sich: Das war ein Wunder, Jesus hat das Brot vermehrt. Als ob er ein Zauberer wäre.

Und nun kommen sie zu Jesus und wollen noch mehr Brot. Mach das doch so wie Mose damals in der Wüste, der konnte Brot vom Himmel regnen lassen, jeden Tag gab es das Manna, und alle wurden satt.

Und Jesus denkt: Sie haben überhaupt nichts kapiert. Das Manna war ihnen von Gott geschenkt, damit sie in der Wüste überleben konnten. Jetzt leben sie nicht in der Wüste, es gibt eigentlich genug Brot zum essen. Nur mit dem Teilen klappt es nicht. Die einen hungern, und andere werfen Essen weg und wissen nicht, wohin mit ihrem Geld.

Darum sagt Jesus: Wisst ihr nicht, dass Gottes Brot vom Himmel kommt? Nicht durch Zauberei, sondern ganz normal, weil alles vom Himmel kommt. Gott hat alles geschaffen, die Menschen, die Tiere, die Pflanzen und nicht zuletzt die Liebe, die Freundschaft, das Teilen. Habt ihr nicht gemerkt, wie alle satt werden können? Da muss nur jemand anfangen zu sehen, dass ein anderer Hunger hat, und die Tasche aufmachen, schon werden 5000 Menschen satt.

Dann sagt Jesus etwas Merkwürdiges: Ich bin das Brot vom Himmel. Ich mache euch satt. Was meint er damit?

Die Leute damals verstanden das auch nicht. Sie murren sogar, das heißt, sie nörgeln und meckern: Was bildet der sich ein? Er will Brot sein? Jesus will alle satt machen? Der redet doch bloß. Und hier und da macht er ein Zauberkunststück. Aber warum gibt er nicht allen Leuten zu essen?

Da spricht Jesus weiter und sagt zu denen, die murren, meckern und motzen:

48 Ich bin das Brot des Lebens.

49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.

50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

Zwei Dinge betont Jesus hier: Erstens geht es bei dem Brot vom Himmel nicht nur um das alltägliche Sattwerden. Es geht um ewiges Leben. Es geht darum, welchen Sinn unser Leben hat. Unser Leben besteht nicht nur aus Essen und Trinken, sondern auch aus Liebe und Freundschaft, aus dem Vertrauen zu Gott. Jesus ist Brot vom Himmel, weil er Gottes Liebe in Person ist. So wie Jesus ist, so ist Gott. So wie Jesus das Brot teilt, wie er Kranke anfasst und gesund macht, so wie er anstrengenden, nervenden und sogar bösen Menschen einen Weg zu zeigen versucht, auf dem sie anders werden können, so zeigt er uns einen Weg, auf dem wir als Freunde Gottes leben können und im Einklang mit den Menschen, die mit uns unterwegs sind auf dieser Erde.

Dann sagt Jesus noch einen ganz merkwürdigen Satz: dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. Jesus gibt uns sein Fleisch zu essen?

Fleisch, das erinnert an das Gesetz des Dschungels: Fressen oder Gefressenwerden. Du beleidigst mich, ich beleidige dich mehr. Es gibt Menschen, die benehmen sich schlecht, weil sie glauben, dass es sich nicht lohnt, gut zu handeln. Wer anständig ist, wird sowieso nur ausgenutzt und als schwach angesehen.

Aber Jesus sagt: Macht mit mir, was ihr wollt. Vielleicht merkt ihr dann, was ihr miteinander macht. Ihr wollt mich schlagen, verspotten, ans Kreuz nageln? Wollt ihr das wirklich? Ihr werdet sehen: ich schlage nicht zurück, ich beleidige euch nicht, ich rufe nicht die Engel Gottes, um euch zu bestrafen. Jesus fordert auch uns dazu auf: Tut denen Gutes, die euch beleidigen. Kürzlich las ich, dass etwas Ähnliches auch im Koran der Muslime steht. Da sagt Abel zu seinem Bruder Kain: „Auch wenn du mich tötest, ich werde dich nicht töten.“ Also wenn Menschen, die in ihrer Religion verwurzelt sind, ihre heiligen Schriften wirklich ernstnehmen, dürften sie nicht mit Gewalt übereinander herfallen.

Jesus redet also in Bildern. In einer Welt, wo einer den anderen auffrisst, da gibt er selber ein anderes Beispiel. Er schlägt nicht zurück, er beleidigt nicht die, die ihn verspotten. Er versucht sie für sich zu gewinnen: Habt ihr das nötig? Seid ihr so klein, dass ihr euch aufblasen müsst? Habt ihr es nötig, zu beleidigen und draufzuschlagen? Fühlt ihr euch sonst nicht stark?

Jesus ist Brot für die Welt, weil die Menschen, die mit ihm zu tun haben, zufrieden und dankbar werden. Sie lernen, auf Gott zu vertrauen, sie lernen zu teilen, sie achten darauf, was ihnen im Leben geschenkt ist, und finden Wege, das Böse zu überwinden, statt Böses mit Bösem zu beantworten. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 424: Deine Hände, großer Gott, halten unsre liebe Erde

Gott, wir danken dir, dass du uns täglich zu essen und zu trinken gibst, dass du uns Gemeinschaft mit dir und untereinander schenkst. Gott, du Güte ohne Ende, öffne uns die Augen für die Schönheit deiner Schöpfung. Lass uns danken für alle glücklichen Momente, die uns geschenkt werden, für alles das, was uns am Leben erhält und Kraft gibt. Du Gott der Liebe, öffne unser Herz, damit deine Wärme uns erfüllt, damit wir dich, uns selbst und unsere Nächsten lieben können.

In der Stille bringen wir vor dich was wir persönlich auf dem Herzen haben.

Gebetsstille und Vater unser
Lied 171, 1-2+4: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Amen!

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