Vom dreifachen Sinn der Fürbitte

In der Fürbitte trauen wir Gott zu, dass er helfen kann. In der Fürbitte erinnern wir uns daran, wo wir dazu beitragen können, das Gebet wahr werden zu lassen. In der Fürbitte bitten wir um den Heiligen Geist: dass Gott uns verwandelt.

Zwei Paare gefalteter Hände nebeneinander - welchen Sinn hat eine Fürbitte?

Für jemanden beten – welchen Sinn kann das haben? (Bild: congerdesign – pixabay.com)

#gedankeTurmgebet am Donnerstag, 4. Januar 2001, um 18.00 Uhr im Stadtkirchenturm Gießen

Im Namen des Vaters, der über allem ist, im Namen des Sohnes, der alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen in sich trägt, und im Namen des Heiligen Geistes, der uns den Zugang zu Gott öffnet.

Wir beten den Psalm 121 im Wechsel:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.

4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Gott, noch ganz am Anfang eines Jahres kommen wir zu dir und bringen vor dich, was uns belastet. Wir bringen vor dich, was wir an unbewältigten Sorgen aus dem alten Jahr mit ins neue herübergeschleppt haben. Gemeinsam rufen wir zu dir:

Herr, erbarme dich.

Wir bringen vor dich unsere guten Vorsätze für das neue Jahr, die wir schon wieder fast vergessen haben. Gemeinsam rufen wir zu dir:

Herr, erbarme dich.

Wir bringen vor dich das Gefühl, dass sich ja doch nichts ändern kann und im neuen Jahr alles genau so schlecht weitergeht wie bisher. Gemeinsam rufen wir zu dir:

Herr, erbarme dich.

In der Stille bringen wir vor dich, was uns noch bewegt.

Stille

Gemeinsam rufen wir zu dir:

Herr, erbarme dich.

Wenn wir alles auf dich werfen, was uns Sorgen macht, bleibt in uns viel Grund zur Dankbarkeit. Wir erinnern uns in der Stille auch an das Gute, das uns begegnet.

Stille

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103, 2)

Liebe Gemeinde, um die Jahreswende wird in den evangelischen Kirchen ein Lied fast immer gesungen, das von Paul Gerhardt am Ende des 30jährigen Krieges gedichtet wurde. Dieses Lied enthält am Ende eine sehr schöne Fürbitte, die ich mit Ihnen beten und gleich auch singen möchte.

Die 11. Strophe aus dem Lied 58 enthält eine Bitte, die uns alle umfasst, groß oder klein:

11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen,
lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.

Danach bringt das Gebet vor allem die Anliegen einsamer und suchender Menschen vor Gott, und auch die sozial bedürftigen, die kranken und seelisch belasteten Menschen werden nicht vergessen:

12 Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater,
der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe.

13 Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken
den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen.

Welchen Sinn hat eigentlich eine Fürbitte? Sie hat einen dreifachen Sinn.

Erstens: In der Fürbitte erkennen wir an, dass wir nicht jedem selbst helfen können, und trauen Gott zu, dass er andere Wege zur Hilfe finden kann.

Zweitens: In der Fürbitte erinnern wir uns daran, wo wir vielleicht doch selber dazu beitragen können, das Gebet wahr werden zu lassen. Beraten, beistehen, in der Not begleiten, Nachbarschaftshilfe anbieten, für Versöhnung arbeiten, dafür gibt es immer wieder Gelegenheiten.

Drittens schließlich ist es zwar nicht unrecht, für uns selber zu beten und Gott unsere eigenen Empfindungen, Sorgen und Wünsche anzuvertrauen. Aber noch sinnvoller ist im Gebet für uns selber die Bitte um den heiligen Geist:

14 Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste,
der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe.

Das ist vielleicht das reifste aller Gebetsanliegen, die Bitte darum, dass Gott uns verwandelt. Denn Heiliger Geist, das ist alles, womit Gott unsere Seele reich macht: Vertrauen, Liebe, Hoffnung, Zuversicht.

Diese Dinge zieren uns hier auf Erden. Es ist gut, wenn man uns Christen anmerkt, dass diese Welt eine Hoffnung hat, es ist gut, wenn wir Liebe ausstrahlen und Vertrauen erwecken, wenn man zu uns kommt, um sich auszusprechen.

Mit den Gaben des Heiligen Geistes sind wir auch gerüstet für den Himmel – denn, wie Paulus sagt (1. Korinther 13, 13):

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Im kindlichen Vertrauen auf den Vater im Himmel brauchen wir uns keine Gedanken darum zu machen, ob wir gut genug sind für Gott oder nicht, denn unsere Namen sind im Himmel aufgeschrieben. Amen.

Stille

Wir beten noch einmal die letzten fünf Strophen aus dem Lied 58 gemeinsam, indem wir sie singen:

11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.

12. Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe.

13. Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen.

14. Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe.

15. Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christen Schare zum sel‘gen neuen Jahre.

Vater unser

Es segne dich Gott, der Vater. Er sei der Raum, in dem du lebst. Es segne dich Jesus Christus. Er sei der Weg, auf dem du gehst. Es segne dich der Heilige Geist. Er sei das Licht, das dich zur Wahrheit führt. Amen.

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