Eine Frau salbt Jesus zum Messias

Ist die Welt zu retten, wenn Menschen geängstet und gedemütigt werden sogar auf dem Fußweg in der Nähe ihrer Wohnung? Offenbar kommt Rettung ausgerechnet von dem Jesus, der wenige Tage nach der zärtlichen Berührung durch die unbekannte Frau geschlagen und in demütigender Weise zur Schau gestellt wird. Gott hat diese Welt lieb – auch die Menschen, die sich selber hassen.

Eine Frau zerbricht ein Fläschchen und salbt Jesus inmitten seiner entsetzten Jünger (Bild: Campingkirche, Freizeitcenter Oberrhein)

Jesu Salbung durch eine Frau (für das Bild herzlichen Dank an die Campingkirche, Freizeitcenter Oberrhein!)

#predigtGottesdienst am Palmsonntag, den 28. März 1999, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen
Begrüßung
Lied 314: Jesus zieht in Jerusalem ein

Beim Kehrvers singen wir das Hosianna abwechselnd in Gruppen. Links beginnt: Hosianna! Dann rechts: Hosianna! Dann alle gemeinsam: Hosianna in der Höh! Hosianna, Hosianna, Hosianna in der Höh!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Als Jesus damals in Jerusalem einzieht, auf dem Esel, über Palmenzweige hin, unter dem Jubel einfacher Leute und lärmender Kinder – da rufen sie: Hier kommt ein guter Mensch! Er bringt Frieden! Er ist Davids Sohn und soll unser König sein wie David vor tausend Jahren! Zum König soll er gesalbt werden, der Gesalbte soll er heißen, auf hebräisch Messias, auf griechisch Christos. Zum Friedenskönig wollen wir ihn machen – Frieden soll er bringen, nicht nur den Juden, sondern allen Menschen.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Doch nicht alle rufen: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Und manche von denen, die erst begeistert sind von Jesus, wenden sich nachher enttäuscht von ihm ab. Ein König, der sich schlagen lässt? Ein König, der sich alles gefallen lässt? Ein König, der keine Macht hat, die Gewalttätigen zu stürzen und den Frieden durchzusetzen? Der kann doch nicht der Messias sein. Der muss ein Betrüger sein. Er verdient nicht die Salbung zum Friedenskönig. Und wenn alle schreien: „Ans Kreuz mit ihm!“ – kann man da wagen, zu widersprechen?

Kann er sich nicht wehren, wenn er wirklich der von Gott gesandte Messias ist? Kann er nicht beweisen, dass er stärker ist als das Böse? Der Zweifel an einem Gott, der das Böse zulässt – lässt er auch uns an Jesus zweifeln? Wir bitten Gott um Vergebung:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Ein eigenartiger Messias ist Jesus. Er schart keine Armee um sich, um die Römer zu vertreiben. Auf einen Königsthron lässt er sich nicht setzen. Wird er überhaupt ordnungsgemäß von einem Propheten zum König gesalbt wie damals Saul oder David oder Salomo? Heute hören wir die fast vergessene Geschichte der Salbung Jesu. Salbe – das hat bei uns etwas mit Hautpflege oder Kosmetik zu tun. Aber diese Geschichte wird uns mehr erzählen – von Nähe, von Berührung, von Gott, der uns unter die Haut geht. Es ist der Gott, den wir den Guten Hirten nennen, von dem es im Psalm 23 heißt: „Du salbest mein Haupt mit Öl!“

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. (Psalm 23, 1)

Können wir das glauben? Haben wir alles, was wir brauchen – durch Gott, durch Christus, seinen Gesalbten? Darf das wirklich wahr sein? Schön, wenn wir es erfahren:

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Und ob ich schon wanderte durchs finstere Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. (Psalm 23, 2.4-5)

Amen.

Wir hören das Evangelium nach Markus 11, 1-10:

1 Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien an den Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger

2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sobald ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und führt es her!

3 Und wenn jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr das?, so sprecht: Der Herr bedarf seiner, und er sendet es alsbald wieder her.

4 Und sie gingen hin und fanden das Füllen angebunden an einer Tür draußen am Weg und banden’s los.

5 Und einige, die dort standen, sprachen zu ihnen: Was macht ihr da, dass ihr das Füllen losbindet?

6 Sie sagten aber zu ihnen, wie ihnen Jesus geboten hatte, und die ließen’s zu.

7 Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.

8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten.

9 Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!

10 Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe!

Herr, dein Wort ist unsere Fußes Leuchte und ein Licht auf deinem Wege. Amen. „Amen.“

Glaubensbekenntnis

Wir singen vor der Predigt drei Strophen aus dem Lied 274, das dem Psalm 23 nachgedichtet worden ist:

1) Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute. Er weidet mich ohn Unterlass, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.

3) Ob ich wandert im finstern Tal, fürcht ich doch kein Unglücke in Leid, Verfolgung und Trübsal, in dieser Welte Tücke: denn du bist bei mir stetiglich, dein Stab und Stecken trösten mich, auf dein Wort ich mich lasse.

4) Du b’reitest vor mir einen Tisch vor mein‘ Feind‘ allenthalben, machst mein Herz unverzaget frisch; mein Haupt tust du mir salben mit deinem Geist, der Freuden Öl, und schenkest voll ein meiner Seel deiner geistlichen Freuden.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Evangelium nach Markus 14, 3-9:

3 Und als [Jesus] in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt.

4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?

5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.

7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.

8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis.

9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Liebe Gemeinde! Wenn im Alten Testament jemand König werden sollte, dann kam ein Prophet und salbte ihn. Und Jesus? Bei Jesus ist wieder einmal alles anders. Er zieht in Jerusalem ein – aber nicht auf einem stolzen Pferd, sondern auf einem kleinen Esel. Einige jubeln ihm zu, doch offiziell zum König gesalbt wird er nicht.

Und hier haben wir die Geschichte einer Salbung, die Jesus selbst sehr wichtig nimmt. Er sagt sogar: Niemals wird man sie vergessen, so lange man überhaupt von ihm erzählen wird. Müsste dann nicht die Frau, die das getan hat, als Prophetin verehrt werden? Müsste nicht ihr Name allen Christen bekannt sein, so wie die Propheten Samuel und Elia im Alten Testament oder wie Johannes, der Jesus getauft hat?

Hier geschieht anscheinend etwas so Außergewöhnliches, dass es die Männer, die um Jesus sind, damals nicht begreifen. Auch die nicht, die später die Geschichte aufschreiben. Und so wird das, was diese Frau tut, im Evangelium zwar wirklich bis heute weitererzählt – aber von Anfang an vergisst man, ihren Namen zu erwähnen!

Was die Frau da tut, ruft von Anfang an Empörung unter den Jüngern hervor. Unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit betrachtet, tut sie etwas Sinnloses: Kostbare Salbe wird verschwendet – mehrere Zehntausend Mark mag das Fläschchen wert gewesen sein. Und auch von den Regeln des Anstandes her verhält sich die Frau ungehörig: Sie dringt in eine Männergesellschaft ein und kommt mit Jesus buchstäblich hautnah in Berührung. Sie maßt sich an, was nur der Hausherr tun darf, dem Gast die Ehre der Salbung zu erweisen. Salbt sie als Frau einen Mann, bringt sie sich und Jesus auch noch in den Verdacht einer erotischen Beziehung.

Doch Jesus blickt tiefer. Er unterstellt der Frau keinen Verführungsversuch und keine Verschwendungssucht. Er spürt einfach: Sie tut ihm ganz persönlich etwas Gutes. Es muss eine Geschichte zwischen ihr und Jesus gegeben haben, aber wir wissen nicht, was für eine. Unsere Phantasie denkt immer gleich an eine erotische Liebesgeschichte, wenn ein Mann und eine Frau eine Beziehung miteinander eingehen – das ist ja Stoff für viele Gerüchte und üblen Klatsch, vor allem, wenn man denkt, es sei etwas Verbotenes dabei. Ich denke, dass wir nur zwei Dinge ganz sicher sagen können: 1. diese Frau hat durch Jesus etwas Wertvolles erfahren. Und 2. es ist nichts Schmutziges dabei gewesen. Vielleicht ist sie eine Frau, die sich selbst nicht liebhaben konnte und durch Jesus ihren Hass auf sich selbst überwindet. Da ist ein Mann, der nutzt mich nicht aus, der will mich nicht besitzen, der tritt mir nicht zu nahe – und gerade darum ist er mir ganz, ganz nahe.

Und nun will sie einfach diesem Mann zeigen, wie sehr auch sie ihn lieb hat. Vielleicht ist sie eine jener reichen Frauen, die Jesus damals mit Geld unterstützt haben, der Evangelist Lukas erwähnt sogar zwei von ihnen mit Namen: Johanna und Susanna. Die namenlose Frau in unserer Geschichte muss jedenfalls auch reich sein; sie zeigt Jesus ihre Liebe, indem sie ihre kostbarste Salbe an Jesus verschwendet.

Sie hat getan, was sie konnte, sagt Jesus, wörtlich steht da im Griechischen eigentlich: Sie hat getan, was sie hatte. Man kann nichts schenken, was man nicht zuvor selber geschenkt bekommen hat; sie will Jesus etwas von der Liebe zurückgeben, die sie von ihm empfangen hat. Und Jesus nimmt dieses Geschenk gerührt und dankbar an. Er sagt nicht: Das ist doch nicht nötig. Er sagt nicht: Mir muss man nichts schenken, ich bin alleine stark genug, ich brauche keine Liebe. Jesus nimmt an, was ihm die Frau in Liebe schenkt. Kein Mensch kann immer nur Liebe geben, auch der Gottessohn nicht. Jesus ist kein Übermensch, er ist ganz und gar Mensch – so wie Gott uns alle gemeint hat, als er uns geschaffen hat. Und gerade so ist Jesus der Sohn Gottes.

Aber was ist mit dem Vorwurf der Verschwendung, den die Jünger der Frau machen? Hätte die Frau nicht auf andere Weise ihre Liebe zu Jesus ausdrücken können? Musste sie gleich die ganze Flasche von dem teuren Öl über ihm ausschütten? Es ist so ein Fläschchen, das versiegelt ist, man muss den Hals zerbrechen, um es zu öffnen. Hier zerbricht eine Frau etwas ihr sehr Kostbares, um einem Menschen zu zeigen: Du bist kostbar für mich, unendlich wertvoll. Meine ganze Liebe gehört dir. Selbst wenn dein Leben morgen endet, macht es Sinn, dir heute alles zu schenken.

Jesus spürt, dass in diesem Verhalten – ihr vermutlich ganz unbewusst – mehr Weisheit und Lebenserfahrung steckt als in den ach so vernünftigen Überlegungen der Männer. Wenn man die Salbe verkauft hätte – was hätte man nicht alles mit dem Erlös anfangen können! Ja, mag sein. Aber Jesus spürt: Die vernünftigsten Gedanken zur Weltverbesserung kommen an ihre Grenzen. Arme habt ihr allezeit, das sieht Jesus ganz realistisch. Nur noch wenige Tage, dann werdet ihr menschliche Grausamkeit in Reinkultur erleben. Und ihr selbst? Euer scheinbarer Mut wird sich in Feigheit auflösen. Eure männliche Stärke wird euch nicht davon abhalten, vor lauter Angst die Flucht zu ergreifen. Die Frauen werden euch etwas vormachen. Sie werden zwar auch nicht die Gewalt der Kreuzigung abwenden können, aber sie werden standhaft bleiben, unter dem Kreuz ausharren. Mit ihnen nur ein einziger der Jünger, der weiche, sanfte Lieblingsjünger, der beim letzten Mahl mit Jesus vertrauensvoll an Jesu Brust liegt. Nicht die behalten das letzte Wort, die alles im Griff haben, die jede Situation analysieren können. Sondern diejenigen, die sich manchmal einfach ausgeliefert fühlen, die sensibel sind, die ratlos sind. Gerade sie tun das Richtige, sie tun, was sie können: zeigen ihre Liebe, auch wenn es sinnlos scheint, machen keine großen Programme, sondern sind da, stehen einander bei, verletzbare Menschen mit kleinen Kräften.

Mir kommt es vor, als sei diese Geschichte die Antwort auf so viele Dinge, die ich in den letzten Tagen mitbekomme. Unser Schaukasten im Sandfeld ist mutwillig zerstört worden. Das macht uns wütend, ratlos. Hat es Sinn, ihn gleich wieder zu reparieren? Was sind das für Menschen, die solche sinnlosen Zerstörungen anrichten? Ich höre von jungen Männern, die auf den Wegen im Stadtteil alten Damen die Handtasche wegreißen und junge Mädchen belästigen. Ich weiß nicht, wie man das verhindern soll. Dann ist da die Angst der jungen Frau, deren Mann im Kosovo eingesetzt wird – wie soll man sie beruhigen? Wir wissen kaum, worum es wirklich geht in diesem Krieg. Klar, man darf einen Diktator nicht einfach morden lassen. Aber werden die Bomben wirklich ein bisschen mehr Frieden möglich machen?

Es ist einfach so, dass wir nicht alle Probleme sauber und endgültig lösen können. Jesus hat das ganz realistisch gesehen: Arme habt ihr allezeit, ebenso Gewalt, Unrecht, Unfrieden. Sogenannte Endlösungen bringen nur noch mehr Unheil über die Menschheit. Aber gibt es dann gar keine Auswege aus der Ratlosigkeit, aus der Gewalt, aus dem Hunger, aus dem Elend der Menschen? Ist die Welt noch zu retten, wenn die Würde von Menschen mit Füßen getreten wird, wenn Menschen geängstet und gedemütigt werden auf dem Fußweg in der Nähe ihrer Wohnung?

Offenbar kommt Rettung ausgerechnet von dem Jesus, der wenige Tage nach der zärtlichen Berührung durch die unbekannte Frau ganz anders angefasst wird. Sie werden ihn schlagen mit Peitschen und verletzenden Worten, und seinen gequälten Körper stellen sie in demütigender Weise zur Schau.

Von Jesus kommt Rettung, weil er sich durch nichts davon abbringen lässt, dass Gott trotz allem diese Welt lieb hat – jeden Menschen in dieser Welt, selbst die Feinde, die Bösen, und vor allem auch die Menschen, die sich selber hassen. Rettung geschieht, wo wir einander begegnen und spüren: Hier darf ich sein, wie ich bin – ein wertvoller Mensch, ein geliebter Mensch. Ich darf auf dem Weg sein, ich darf meine Ecken und meine Macken haben, ich brauche nicht perfekt zu sein. Ich muss auch kein schlechtes Gewissen haben, dass ich nicht alle Weltprobleme lösen kann. Ich darf kleine Taten der Liebe tun, sogar scheinbar nutzlose Dinge, deren Wert man nicht messen kann. Einem Menschen seine Zeit schenken. Einen Sterbenden pflegen, die Launen eines schwierigen Menschen aushalten. Ein offenes Ohr für Kinder haben – und auch ein klares Wort, wo es lang geht, zur rechten Zeit.

Auch ich selbst bin kostbar genug, dass jemand anders mir seine Liebe schenkt. Und ich bin nicht mächtig genug, dass ich ohne solche Liebe auskommen könnte, dass ich mein Leben ganz allein im Griff haben könnte. Nein, wenn ich das versuche, dann bleibe ich in Sackgassen stecken, wie der Petrus mit seiner Großsprecherei, der Jesus aus nicht eingestandener Angst verleugnet, oder der Judas mit seinen Sprüchen von der Hilfe für die Armen, der Jesus mit einem Kuss verrät.

Und so ist es kein Zufall, dass Jesus sich nicht von den zielstrebigen Jüngern zum Messias salben lässt. Vielmehr deutet er an, dass die liebevolle Salbung durch eine unbekannte Frau seine ihm angemessene Salbung zum Messias ist. Nicht dass sie ihn damit zum Messias ernennt, nein, in seinem ganzen Verhalten ist er der Messias, der Mensch, in dem Gottes unbegreiflich große Liebe Gestalt gewinnt, und genau das drückt sie in einer großen Geste aus. Zu meinem Begräbnis hat sie mich im voraus gesalbt, sagt Jesus, auch wenn sie es höchstens geahnt haben kann, dass er wenige Tage später sterben wird. Diese Totensalbung ist zugleich seine Messiassalbung. Er ist der Messias, der Christus, indem er aus Liebe in den Tod geht und den Tod überwindet. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Fürbittenstille
400, 1+2+5:

1) Ich will dich lieben, meine Stärke, ich will dich lieben, meine Zier; ich will dich lieben mit dem Werke und immerwährender Begier. Ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht.

2) Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund; ich will dich lieben und erheben, solange mich dein Glanz bescheint; ich will dich lieben, Gottes Lamm, als meinen Bräutigam.

5) Ich danke dir, du wahre Sonne, dass mir dein Glanz hat Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, dass du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du güldner Mund, dass du mich machst gesund.

Herr, unser Gott, dir hat es gefallen, ganz Mensch zu werden, und so zu zeigen, wer du bist: ein menschlicher, menschenfreundlicher Gott. Geboren als Mann, doch mit einer außergewöhnlichen Nähe zu den Frauen, überwindest du in Christus die Gegensätze zwischen Menschen. Du stiftest uns zu Taten der Liebe an, die das Gesicht der Welt menschlicher werden lassen. Wir bitten dich, steh uns bei in unserer Angst, in unserer Ratlosigkeit. Hilf uns, die kleinen Schritte zum Frieden zu gehen, die in unserer Macht stehen. Wir bitten dich für die Menschen, die ihr Leben im Kosovo aufs Spiel setzen, und für die Politiker, die schwere Gewissensentscheidungen zu treffen haben. Lass uns nicht mutlos werden und nicht vergessen, dass du jeden Menschen lieb hast.

Insbesondere beten wir heute für ein verstorbenes Mitglied unserer Gemeinde, für Herrn …, der im Alter von … Jahren gestorben ist. Begleite die Angehörigen mit deinem Trost! So kostbar ist unser Leben, dass wir auch im Tod in Deinen Händen geborgen bleiben und nicht verloren gehen. Amen.

Wir beten mit Jesu Worten:

Vater unser
Lied 410: Christus, das Licht der Welt

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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