Zwei ausgeschlossene Kinder….

Eine Weihnachtsgeschichte.

Das Kind hat von tausend Waffen,
die wir Erwachsenen in Kunst, Wissenschaft, Erfahrung finden, keine einzige.
Es hat nichts als sein kleines, unbeschütztes, nacktes Herz,
das wir ebenso leicht erheben als zu Boden schlagen können.

Weihnachtskugel über einem vereisten ZweigWund, voller Schmerzen und blutend liegt ein kleines Mädchen in einem Stall. Tränen rinnen über das traurige Gesicht. Zerbrochen ist all ihre vorweihnachtliche Freude. Zu diesem Fest wird es keinen Jesus geben. Er wird nicht kommen, wegen ihr. Sie hat es nicht verdient, denn sie war ungehorsam, ein schlechtes Mädchen, unwürdig, Weihnachten zu feiern. Deshalb wurde sie in den Stall gesperrt. Müde zieht sie die Knie unter das Kinn und schließt die Augen. Den Duft des Heus nimmt sie gar nicht mehr wahr, genauso wenig wie das Pieken der Strohhalme. Als die Dunkelheit sich immer mehr ausbreitet, schläft sie ein.

Plötzlich dringt das leise Weinen eines Kindes an ihr Ohr. Verschreckt reibt sie sich die Augen, denn sie traut dem nicht, was sie sieht. Ihr Blick fällt auf die Futterrinne, in der sie IHN im Stroh liegen sieht. Frierend wie sie selbst. Stumm schauen sie sich in die Augen. Die Kleine weiß genau, wen sie da vor sich hat und wieder beginnen die Tränen zu laufen. Ganz scheu rückt sie näher an das Kind heran.

„Warum weinst du?“ fragt Jesus sie ganz leise. Die Kleine schaut ihn an und sagt: „Ja weißt du das denn nicht?“ Jesus schaut sie traurig an und antwortet: „Ja, ich weiß. Auch mich hat man dieses Jahr ausgeschlossen, genau wie dich. Darum bin ich hier in deinem Stall.“ Laut schluchzt die Kleine auf. Ihr ganzer Schmerz liegt in diesem Weinen. „Ich bin schuld, dass man dich ausschließt“, stammelt sie, „und jetzt habe ich noch nicht einmal etwas für dich, was ich dir geben könnte“. Beschämt senkt sie den Blick zu Boden.

„Darf ich mir etwas von dir wünschen?“ fragt Jesus. Langsam nickend schaut sie ihn fragend an. „Ich wünsche mir das Kleid, das du anhast. Willst du mir das geben?“ fragt Jesus. Verwirrt über diesen Wunsch antwortet sie: „Aber das ist doch ganz schmutzig, zerrissen und blutig. Es ist zu schlecht für dich.“ „Aber genau deshalb möchte ich es doch haben. Ich möchte es tragen und ich wünsche mir so, dass du mir immer all das schenkst, was schmutzig, zerrissen und blutend ist“, sagt Jesus, wobei er sie liebevoll anschaut. Behutsam wickelt die Kleine ihn in ihr beflecktes Kleid.

„Ich wünsche mir noch etwas von dir“, fuhr Jesus fort. „Aber was denn noch? Ich habe doch gar nichts zu geben“, antwortet die Kleine. „Ich wünsche mir den Lederriemen, den dein Vater hier vergessen hat, nachdem er dich so zugerichtet hat. Ich wünsche mir, dass du mir immer deine Wunden, Striemen und deinen Schmerz hinhältst. Willst du das tun?“ ertönt leise fragend die Stimme Jesu. Schluchzend hält die Kleine ihm den Riemen hin. „Kleines, ich bin zu dir gekommen, weil ich deinen Stall mit dir teilen möchte, weil ich deine Striemen und Wunden dir abnehmen und dein Kleid tragen will. Dir möchte ich Heilung schenken, ein neues, ein reines weißes Kleid anziehen, das dich wärmt und deine Scham und Wunden bedeckt. In der Dunkelheit deines Stalles möchte ich dir ein Licht anzünden.“

„Aber ich wünsche mir noch etwas von dir“, fuhr Jesus fort. „Ich wünsche mir deines Herzens Sehnsucht, dass du mir immer deine Sehnsucht hinhalten kannst. Dass du sie dir nicht verbieten oder rauben lässt, sondern dass sie ein lebendiger Ausdruck deiner Liebe bleibt. Wann immer du mir deine Sehnsucht hinhältst, will ich sie dir stillen.“ Schweigend schaut die Kleine ihn an, streckt ihm stumm die Hände entgegen, während ein stilles Leuchten über ihr Gesicht zieht, Blicke ineinander versinken……

Weihnachten zieht ein in die Herzen zweier ausgeschlossener Kinder.

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