Jesus als das Lichtbild Gottes

Gott kann man nicht sehen, sonst würden wir vergehen, aber in dem Licht, das mit Jesus in die Welt kommt, können menschliche Augen das Licht Gottes ertragen, so dass wir Menschen nicht in der Finsternis der Verzweiflung verharren müssen. Jesus ist die Lichtgestalt Gottes, die uns anleitet, in dieser dunklen Welt Lichter der Hoffnung, der Liebe, der Solidarität zu entzünden.

Man sieht die Silhouette von Jesus, von dem rot-gelb-orangene Lichtstrahlen ausgehen und den sechs Taubensilhouetten umgeben

Jesus im Licht des Heiligen Geistes (Grafik: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst zwischen den Jahren mit Helmut Schütz und Frank Wendel am Sonntag nach Weihnachten, den 30. Dezember 2012, um 10.00 Uhr in der evangelischen Michaelsgemeinde Wieseck
Begrüßung (Frank Wendel)

Wir singen aus dem Lied 23 die Strophen 1 bis 7:

1. Gelobet seist du, Jesu Christ, dass du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr; des freuet sich der Engel Schar. Kyrieleis.

2. Des ewgen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippen find’t; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut. Kyrieleis.

3. Den aller Welt Kreis nie beschloss, der liegt in Marien Schoß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein. Kyrieleis.

4. Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein‘ neuen Schein; es leucht‘ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.

5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hier ward und führt uns aus dem Jammertal, macht uns zu Erben in seim Saal. Kyrieleis.

6. Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis.

7. Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb zu zeigen an. Des freu sich alle Christenheit und dank ihm des in Ewigkeit. Kyrieleis.

Helmut Schütz:
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten aus Psalm 119; im Gesangbuch steht er unter der Nr. 748. Lesen Sie bitte die nach rechts eingerückten Verse:

1 Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des HERRN wandeln!

2 Wohl denen, die sich an seine Mahnungen halten, die ihn von ganzem Herzen suchen,

3 die auf seinen Wegen wandeln und kein Unrecht tun.

6 Wenn ich schaue allein auf deine Gebote, so werde ich nicht zuschanden.

7 Ich danke dir mit aufrichtigem Herzen, dass du mich lehrst die Ordnungen deiner Gerechtigkeit.

8 Deine Gebote will ich halten; verlass mich nimmermehr!

18 Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.

33 Zeige mir, HERR, den Weg deiner Gebote, dass ich sie bewahre bis ans Ende.

81 Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort.

82 Meine Augen sehnen sich nach deinem Wort und sagen: Wann tröstest du mich?

92 Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend.

105 Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

116 Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

117 Stärke mich, dass ich gerettet werde, so will ich stets Freude haben an deinen Geboten.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Was für ein neuer Schein ist mit Jesus in die Welt gekommen? Wie macht uns das ewige Licht zu Gottes Kindern? Ist durch Jesus auch für uns das Wort Gottes eine Leuchte und ein Licht, dass unsere Füße nicht stolpern und auf Wegen des Friedens gehen? Gott, wir bitten dich um Erleuchtung und rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;

6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch, Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“ (Jesaja 9, 1.5-6)

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.“

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Vater im Himmel, wir haben an Weihnachten wieder an die Geburt deines Sohnes Jesu Christi gedacht. Lass uns auch in der Zeit nach Weihnachten nicht vergessen, welches Licht mit Jesus in die Völkerwelt und auch in unser Leben hineingekommen ist. Schenke uns Klarheit im Glauben und Denken und hilf uns, dass wir in unserem Tun und Lassen etwas vom Licht deiner Liebe widerspiegeln. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Lukasevangelium, Kapitel 2, Verse 25 bis 38:

25 Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war mit ihm.

26 Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen.

27 Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz,

28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

29 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;

30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,

31 dess du bereitet hast vor allen Völkern,

32 ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.

33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde.

34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird

35 – und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.

36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser; die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte,

37 und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.

38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Lied 40 die Strophen 1 bis 3:

1. Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit, und dieses Welt- und Himmelslicht weicht hunderttausend Sonnen nicht.

2. Lass dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein; der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein; er treibet weg der Höllen Macht, der Sünden und des Kreuzes Nacht.

3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit; wenn Sonne, Mond und Stern vergehen, vielleicht noch in gar kurzer Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein.

Dialog-Predigt (Helmut Schütz und Frank Wendel)
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Schon ist das Weihnachtsfest wieder vorbei und der Alltag hat uns wieder. Gut, manche machen noch Ferien, morgen wird nochmal richtig gefeiert, aber dann, 2013, dann geht’s wirklich wieder los.

Und Weihnachten, der Stern, die Lichter, die Engel und die Hirten, die Geschenke und das neugeborene Christkind in der Krippe, das ist dann alles wieder vorbei.

Das nächste große Kirchenfest ist dann Ostern und in der Passionszeit wirft Ostern schon seine Schatten voraus. Wir stehen heute schon zwischen Weihnachten und Ostern, zwischen der Geburt des Christkindes und dem Kreuz und der Auferstehung Jesu Christi.

Wir stehen zwischen unbefangener Weihnachtsfreude und dem Blick auf das Kreuz. Zwischen Kinderglaube und erwachsener Einsicht, auch zwischen Glauben und Zweifeln, aber auch zwischen Glauben und Verstehen!

Und so fragen wir uns heute, am 1. Sonntag nach Weihnachten schon: Wer ist dieser Jesus eigentlich? Und: Wer ist dieser Jesus für mich? Was bedeutet der Glaube an Jesus Christus in meinem Leben? In meinem Alltag, heute und morgen und übermorgen im Jahr 2013? Jesus selbst gibt darauf Antworten. Im Johannesevangelium 12, 44-50 werden Jesus Worte zugeschrieben, die genau diese Frage beantworten: Woran glauben wir, wenn wir an Jesus glauben?

Wir hören den Predigttext zum heutigen Sonntag nach Weihnachten aus dem Johannesevangelium 12, 44 bis 50:

44 Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat.

45 Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.

46 Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.

47 Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.

48 Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.

49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll.

50 Und ich weiß: sein Gebot ist das ewige Leben. Darum: was ich rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

Zu Weihnachten freuten wir uns an der Botschaft: Gott ist Mensch geworden. Gott ist bei uns, ganz nahe, besonders bei den Kleinen und den Armen. Und er bringt Frieden in die Welt und Liebe und Geborgenheit und Wärme.

Und jetzt, 4 Tage später ist Jesus schon groß und predigt über den Glauben.

Wer ist Jesus für uns?

Viele Menschen zweifeln. Unser christlicher Glaube scheint vielen auch einfach zu schwer zu begreifen zu sein: In welchem Verhältnis steht Jesus denn nun zu Gott? Und zum heiligen Geist? Was bedeutet überhaupt diese Trinitätslehre?

Ich könnte es mir jetzt einfach machen und nur einen Satz predigen, denn für mich ist Jesus:

Mein Weg zu Gott. Punkt.

Aber es wäre schon gut, wenn Du uns den Text erklärst: Wer ist Jesu? Was sagt die Bibel?

Jesus sagt (Johannes 12, 44):

Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich.

Solche paradoxen Sätze gibt es häufig im Johannesevangelium. Hätte man diesen Satz in der Geschichte der Christenheit immer verstanden und beherzigt, vielleicht hätte die Chance bestanden, dass es zu weit weniger Religions- und Glaubensspaltungen gekommen wäre. Denn dieser Satz sagt ja ganz klar, dass Jesus keinen Personenkult will. Nicht er als Mensch will angebetet werden. Er als Mensch ist kein zweiter Gott neben dem Vater im Himmel. Trotzdem ist es nicht falsch zu sagen, dass wir an Jesus glauben. Dieser Satz bedeutet aber etwas ganz Bestimmtes, nämlich wie Jesus selber es ausdrückt:

Der glaubt … an den, der mich gesandt hat.

Der Glaube an Jesus ist also identisch mit dem Glauben an Gott im Himmel, weil Jesus mit dem, den er seinen Vater nennt, „eins“ ist, eines Willens ist. Der heilige Geist Gottes, der ebenfalls kein dritter Gott neben dem Vater und dem Sohn ist, er ist die Kraft der Liebe, die Gott selber ist und die in seinem Sohn Jesus Christus so vollkommen wirkt wie in keinem anderen Menschen.

Wer an Jesus glaubt, der setzt also sein Vertrauen nicht auf ihn mit seinen menschlichen Qualitäten. Er will nicht einmal als vollkommener Mensch gelten, sagt Jesus doch einmal (Markus 10, 18):

Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.

Er ist von heiligen Geist erfüllt, indem er sein ganzes Vertrauen auf Gott setzt, und eben in diesem Vertrauen ist er eins mit Gott. So ist er zugleich Vorbild unseres Vertrauens auf Gott als auch ein Mensch, auf den wir vertrauen dürfen, weil er in unzerstörbarer Einheit und Liebe mit Gott verbunden ist.

Wenn Jesus davon spricht, dass er von Gott in die Welt gesandt ist, dann verbindet uns dieser Satz übrigens in gewisser Weise mit unseren abrahamischen Schwesterreligionen, dem Judentum und dem Islam. Für uns ist Jesus der Messias, auf den die Juden noch warten, denn Messias, „maschiach“, heißt auf Hebräisch nichts anderes, als was wir auf Griechisch mit dem Wort „christos“ ausdrücken, auf Deutsch bedeutet das „der Gesalbte“, also der von Gott in die Welt gesandte Friedenskönig. Und im Islam gilt Jesus als einer der Gesandten Gottes, der unter den Propheten Gottes eine hervorgehobene Stellung hat und auch auf Arabisch als „Masih“, also als Messias oder Gesandter Gottes bezeichnet wird. Damit will ich nicht sagen, es gäbe keine Unterschiede zwischen den Religionen; die gibt es nach wie vor. Aber der Unterschied liegt nicht darin, dass Jesus sozusagen ein biologischer Sohn Gottes sei, so wie Herkules in der griechischen Göttersagenwelt als ein von Zeus mit einer Menschenfrau gezeugter Halbgott galt.

Einen zweiten kurzen Satz sagt Jesus, der mich ebenfalls zum Nachdenken gebracht hat (Johannes 12, 45):

Wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.

Also: wer Jesus sieht, sieht Gott.

Dieser Satz könnte zum Widerspruch herausfordern. Erstens, weil viele Menschen Glauben und Sehen als einen Gegensatz begreifen. Jesus stellt aber beides nebeneinander, nicht gegeneinander. Wer glaubt, darf also ruhig auch sehen wollen, darf ruhig sagen: „Ich glaube nur, was ich sehe.“ Es ist hier allerdings ein tieferer Blick gemeint als nur ein Blick auf die materielle Oberfläche der Dinge und der Menschenwelt. Dieser tiefere Blick ist im Grunde sowieso selbstverständlich, denn niemand glaubt nur, was er selber mit den eigenen Augen sehen kann im Sinne von beweisen oder wissenschaftlich nachprüfen. Jeder vertraut auch irgendwie auf andere Menschen, und sei es nur darauf, dass irgendwann einmal ein Architekt die Statik dieser Kirche korrekt berechnet hat, sonst würde sich keiner in dieses Gebäude hineintrauen. Jeder, der in der Gemeinschaft mit anderen Menschen lebt, vertraut auf Dinge, die man nicht sehen kann, wie zum Beispiel die Liebe oder die Treue; so ein Vertrauen mag enttäuscht werden, aber Menschen geben es in der Regel trotzdem nicht auf, es wieder und wieder zu versuchen, sonst wären wir keine Menschen.

Der Blick auf Jesus macht es nun möglich, etwas von der Liebe wahrzunehmen, die Gott selber ist. Die Skeptiker haben insofern schon recht, als es ein Wunder ist, wenn wir im Anblick Jesu wirklich Gott schauen. Es ist der heilige Geist Gottes selbst, der in uns glaubt, der in uns das Vertrauen zu ihm wachsen lässt. Man kann auch Geschichten von Jesus hören und wie Pilatus sagen: „Was ist schon Wahrheit?“ oder wie die Hohenpriester: „Der Mann ist gefährlich, den muss man beseitigen!“ Andere sahen in dem, was Jesus tat und lehrte, ein Licht, das von Gott selbst in diese Welt kam. Gott selbst kann man nicht sehen, sonst würden unsere Augen geblendet, sonst würden wir vergehen, aber in dem Licht, das mit Jesus in die Welt kommt, können menschliche Augen das Licht Gottes ertragen, so dass wir Menschen nicht in der Finsternis der Verzweiflung verharren müssen.

Ganz praktisch gesehen ist Jesu also die Lichtgestalt Gottes, die uns anleitet in dieser dunklen Welt Lichter der Hoffnung, der Liebe, der Solidarität zu entzünden. Denken wir z. B. auch an die Geschichte von der Heilung eines Blindgeborenen. Sie steht kurz vor unserem Predigttext im Johannesevangelium. Da wird der Glaube praktisch: Jesus heilt den Blinden von seiner Dunkelheit. Da kann man erkennen, wer Jesus ist und was der Glaube an Jesus bedeutet.

Wenn wir sagen: Durch Jesus kommt Gottes Licht in die Welt, dann, weil die Welt eine bessere wird, weil es vom Dunkel zur Helligkeit kommt.

Oder andersherum: Wo immer Menschen erleben, dass Hoffnung wächst, dass Liebe sich ausbreitet, dass Heilung geschieht, da ist Gott gegenwärtig.

Die Geschichten von Jesus Christus weisen uns einen Weg zum Licht in unserem Leben. Sie erhellen uns unsere Lebensaufgabe. Wenn ich von Jesus lese oder höre, dann sehe ich mehr: dann weiß ich, was ich aus meinem Leben noch mehr machen kann.

Darauf kommt es an: dass wir im Licht der Liebe Gottes unser Leben überdenken. Also schauen wir ganz einfach mal auf unsere nächsten Tage: Nicht nur bedenken, was mache ich morgen und im nächsten Jahr und dabei zu ahnen, dass das so ähnlich wird wie gestern und im vergangenen Jahr. Sondern jetzt umzusteuern: Indem ich mein Leben jetzt auf Jesus Christus setze, an ihn glaube, ihm vertraue und durch ihn zu Gott bete, kann ich mein Leben verändern, kann ich teilhaben am Licht. Wir können das alle ausprobieren: Uns nicht mehr auf Gehässigkeiten einlassen, keine Feindschaften spinnen, die Kleinkriege vermeiden und keine Lieblosigkeit mehr dulden. Wir können mehr Licht in die Dunkelheit des Alltags hineinlassen!

Weiter geht unser Text mit zwei Sätzen Jesu über das Richten. Im ersten Satz sagt Jesus, dass er die Welt nicht richten, sondern retten will. Aber im zweiten Satz höre ich einen drohenden Unterton, wenn er sagt (Johannes 12, 46):

Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.

Worin besteht der Unterschied, wenn nicht er selber richtet, sondern das von ihm bereits ausgesprochene Wort? Was ist überhaupt der Inhalt dieses Wortes? Und stimmt es überhaupt, dass Jesus die Welt nicht richten wird? Der Evangelist Matthäus überliefert doch das Gleichnis Jesu vom Weltgericht. Ist dort nicht Jesus der Menschensohn, der am Ende kommt und die Völker richten wird?

Ja es ist unpopulär geworden, vom Gericht Gottes zu reden. Denn das „Gericht“, das klingt wie eine Drohung. Dabei ist es ein Geschenk Gottes! Das steht alles in diesem einen Satz „Ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette“.

Man muss einfach sehen, – was wäre, wenn es diese Chance nicht gäbe?

Gäbe es kein Gericht, ja dann wüsste man vermutlich gar nicht, was richtig ist. Mancher Mensch würde sein Leben lang in die falsche Richtung laufen, ohne Einsicht, ohne Umkehr, ohne Reue.

Gäbe es kein Gericht, gäbe es auch keine Gnade.

Mancher würde einfach nur immer weiter in die Dunkelheit laufen, ohne irgendwann zu einem Ende zu kommen.

Ein Gericht, wie z. B. dieses Bild vom Weltgericht, zu dem Christus am Ende wiederkommt und die Völker richtet, ist ein tröstliches Licht am Horizont, das uns schon jetzt in die Dunkelheit hinein scheint und Orientierung gibt.

Und wir wissen doch alle: Am Ende unserer Tage stehen wir dann vor dem Richterstuhl Christi und dürfen auf die unendliche Gnade unseres Herrn vertrauen.

Nur, wer Christus verachtet und seine Worte nicht annimmt, der richtet sich selbst, wie das hier steht. D. h. also: Gottes Gericht ist ein Segen, aber mein eigenes Gericht, das kann mir tatsächlich zum Fluch werden, weil ich nicht auf seine Gnade vertrauen will.

Weil ich das Licht, die Liebe, die Hoffnung, all das Gute nicht sehen will. So wie Gnade nur aufgrund von Reue möglich ist, so Rettung nur aus dem Gericht.

In zwei abschließenden Sätzen scheint Jesus das Thema zu wechseln. Er redet nicht mehr vom Glauben an Gott oder vom Sehen des Lichts, sondern von einem Gebot, das ihm der Vater gegeben hat. Und dieses Gebot ist das ewige Leben. Bei näherem Hinschauen ist aber mit diesem Gebot genau die Liebe Gottes gemeint, die wir sehen, wenn wir auf Jesus schauen. Der Inbegriff der Wegweisung Gottes, der Tora, die Mose bereits dem Volk Israel gegeben hatte, ist doch das Gebot aus dem 3. Buch Mose – Levitikus 19, 18:

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.

Und diese Liebe ist das ewige Leben, sie ist sogar größer als Glaube und Hoffnung, wie Paulus sagt (1. Korinther 13, 13), sie bleibt, auch wenn alles andere vergeht; sogar wenn wir sterben, bleiben wir in Gottes Liebe aufbewahrt und in Ewigkeit geborgen.

Und wenn Jesus betont, dass er nicht aus sich selbst redet, sondern ein Gebot von dem Vater hat, der sich schon als Vater des Volkes Israel offenbart hatte, wird deutlich, dass sein Tun und Reden nicht dem widerspricht, was bereits die Juden von Gott erfahren durften. Schon für das Volk Israel war das Wort Gottes „seines Fußes Leuchte und ein Licht auf seinem Wege“. Durch Jesus Christus leuchtet dieses Wort der Liebe, diese Wegweisung in die Freiheit auch hinein in die Völkerwelt, bis hin zu uns. Wir dürfen im Vertrauen auf ihn den Gott Israels schauen und sein Wort der Liebe wahr-nehmen, indem es uns berührt und es seine Wahrheit be-währt in unserem Hören und Tun und Lassen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 74, 1 bis 4:

1. Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht, du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf.

2. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend’ger, hoffen wir; denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

3. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt, du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht, bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugesellt.

Frank Wendel:

Gott, Vater im Himmel, du kommst auf die Erde. In deinem Sohn Jesus Christus haben wir dein Licht erkannt, in deinem Geist finden wir Wegweisung. Wir sind nicht verlassen von dir. So sagen wir dir Dank, für jede gute Nachricht, die wir hören. Für jede Stunde, in der Waffen schweigen. Für jede Flucht von Menschen, die gelungen ist, für jede Heilung, für jeden Trost, für jedes Hoffnungszeichen.

Wir bitten dich für alle Menschen, die an dunklen Orten ein Licht anzünden: Für Politiker, die den Frieden suchen; für Schwestern und Pfleger, für Ärztinnen und Ärzte, für alle, die Menschen aufnehmen, für alle, die unbürokratisch helfen und neue Wege eröffnen.

Wir bitten dich Gott, für diejenigen, die kein Licht erkennen können: Für die Erschöpften und die ohne Zuversicht. Richte die auf, die von Schmerz und Gram niedergedrückt sind. Zeige dein Heil den jungen und alten Menschen, die keinen Sinn sehen in ihrem Leben. Öffne die Augen all derer, die im Alltag nach dir suchen.

Gott dein Wille geschehe, dein Reich des Friedens komme. Dein Licht erfülle die Welt!

In der Stille bringen wir nun vor dich, was uns heute ganz persönlich auf der Seele brennt.

Stille und Vater unser
Lied 65, 1+5+6: Von guten Mächten
Abkündigungen
Helmut Schütz: Segen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.