Mein Ostertag

An Karfreitag wurde mehr daran gedacht, was es Gott gekostet hat, uns von Sünde und Tod zu befreien. Heute denken wir mehr daran, dass dieser Einsatz nicht vergeblich war, dass jedem von uns ein befreites Leben möglich ist, dass wir im täglichen Kampf um Liebe und ums Überleben, bedrängt von der Macht des Bösen, nicht von Jesus verlassen sind.

Ostereier mit russischer Aufschrift neben süßem Gebäck

Ostereier spielen in der russisch-orthodoxen Osternacht eine große Rolle (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtAbendmahlsgottesdienst am Ostersonntag, 19. April 1981, um 8.30 in Dorn Assenheim, 9.30 in Heuchelheim, 10.30 in Reichelsheim, und am Ostermontag, 20. April 1981, um 10.00 in Dorheim, um 13.00 in Staden
Orgelvorspiel

Ich begrüße Sie heute mit dem alten und immer neuen Ostergruß der Christen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Lied EKG 82, 1-5 (EG 100):

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit’. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3. Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

4. Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, der uns erkauft das Paradeis. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5. Des freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Christus spricht (Offenbarung 1, 18):

Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Tod und der Hölle.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war von Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

O Herr, dies ist dein Tag, der Tag, den du für uns gemacht hast. Der Tag, an dem die Macht des Todes besiegt ist. Der Tag, der vom Leben singt, vom Leben deines Sohnes. Der Tag, an dem du Hoffnung für die ganze Welt gesät hast. Der Tag, an dem auch in uns die Hoffnung aufsteigt, aufersteht. Der Tag, der uns auffordert, zu leben. Schaff Raum in uns – für dich, für die Kraft des Lebens inmitten einer Welt des Sterbens. Schaff Raum in uns für dein Wort – heute! Amen.

Schriftlesung: Lukas 24,1-12

1 Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten.

2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab

3 und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht.

4 Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern.

5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:

7 Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.

8 Und sie gedachten an seine Worte.

9 Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den elf Jüngern und den andern allen.

10 Es waren aber Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln.

11 Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.

Lied EKG 85, 1+6+7 (EG 111):

1. Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht.
Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja.

6. Am Kreuz lässt Christus öffentlich vor allem Volke töten sich;
da er durchs Todes Kerker bricht, lässt er’s die Menschen sehen nicht. Halleluja.

7. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, kein groß Gepräng ihm hier gefällt;
was schlicht und niedrig geht herein, soll ihm das Allerliebste sein. Halleluja.

Ich wünsche, dass Osterfreude in uns alle einzieht. Amen.

Als Predigttext lese ich noch einmal die drei letzten Verse des vorhin verlesenen Evangeliums (Lukas 24, 10-12 – GNB):

Maria aus Magdala und Johanna sowie Maria, die Mutter des Jakobus, und noch einige andere Frauen … erzählten den Aposteln, was sie erlebt hatten. Aber die hielten es für leeres Gerede und wollten den Frauen nicht glauben. Nur Petrus sprang auf und lief zum Grab. Er schaute hinein, fand aber nichts als die Leinenbinden. Verwundert gin er nach Hause.

Amen.

Liebe Gemeinde!

Ostern ist ein Fest der Freude. Aber stellt sich diese Freude heute auch bei jedem ein? Kann man sich freuen, nur weil eben heute Ostern ist? In den östlichen Kirchen scheint das möglich zu sein, wo man sich an jedem Ostermorgen in einem langen, mehrere Stunden langen Gottesdienst trifft und sich immer wieder freudig mit dem Ostergruß grüßt: Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Wenn bei uns von Ostern die Rede ist, dann freuen wir uns mehr über den Frühling oder sind traurig, dass es schon wieder kalt geworden ist, freuen wir uns mehr über die netten Bräuche mit den Osterhasen und den Ostereiern, als dass wir eine überschwengliche Freude über die Auferstehung unseres Herrn empfinden.

Nun – auch damals, am ersten Ostermorgen, ist zuerst noch nicht von überschwenglicher Freude die Rede. Ratlos und voller Furcht sind die Frauen, die das leere Grab bemerken. Als sie dann doch weitersagen, was sie hören, dass Jesus lebt, da glauben ihnen die Männer nicht und halten es für dummes Weibergeschwätz. Petrus ist sich nicht so ganz sicher, er muss selbst einmal nachsehen, aber ihm, der nachkontrollieren will, begegnet keine Erleuchtung über das Schicksal Jesu. Sein erstes Gefühl beim Anblick des leeren Grabes ist eine Art ungläubiger Verwunderung.

Das Lied, das wir vor der Predigt gesungen haben, bestätigt in seiner 6. Strophe den Eindruck, dass mit dem Karfreitag das Scheitern Jesu öffentlich besiegelt schien, und dass der Ostermorgen nicht für alle Welt einsichtig ist:

6. Am Kreuz lässt Christus öffentlich vor allem Volke töten sich;
da er durchs Todes Kerker bricht, lässt er‛s die Menschen sehen nicht.

Nur die, denen der Glaube geschenkt ist, sehen im Laufe der Zeit mehr: dass der Karfreitag nicht das Scheitern, sondern der Sieg Gottes war, dass Jesus, der Gekreuzigte, nicht mehr bei den Toten zu suchen ist, dass er lebt in der Gemeinschaft mit Gott, seinem Vater.

Ostern erlebte damals nicht jeder gleich an diesem dritten Tag nach dem Karfreitag; die Frauen waren die ersten, bei den Jüngern dauerte es etwas länger, und bei jedem einzelnen Menschen bis hin zu uns, die wir hier zusammen sind, ist es dann Ostern geworden oder wird es dann Ostern werden, wenn ihnen und uns klar wird: Jesus ist keiner, dem wir die letzte Ehre, dem wir ein Totengedächtnis erweisen müssten, er begegnet uns vielmehr als ein Lebender, als einer, der uns höchst real trösten oder ermutigen oder herausfordern kann.

Am besten konnten das wohl damals die enttäuschten, verängstigten, in tiefer Trauer um Jesus befindlichen Freunde Jesu erfahren. Gerade ihnen schenkt Gott die Gewissheit: Jesus lebt! Ich las, dass es in der heutigen Zeit in Südafrika eine ähnliche Erfahrung gibt: dort ist bei den schwarzen Christen ausgerechnet das Osterfest am meisten heimisch geworden – nicht Weihnachten, wo viel Geld ausgegeben und auch viel Geld geraubt wird, weil mehr im Umlauf ist als sonst, und auch nicht Pfingsten, das bei den Weißen mehr ein Ausflugstag ist und das die Weißen den Schwarzen nicht gestatteten, auf ihre Art und Weise, voller Begeisterung und Freude, zu feiern. Die schwarzen Christen Südafrikas, die jeden Tag Unterdrückung und Leid und Verachtung erfahren, fühlen sich in der langen Vorbereitungszeit zum Osterfest in das Leiden und Sterben und dann auch in das Auferstehen ihres Herrn Jesus Christus mit hineingenommen. Sie schlafen in der Nacht zum Osterfest nicht, kommen im Gotteshaus zusammen und legen Zeugnis von dem ab, was Jesus Christus für ihr Leben bedeutet. Am Ostermorgen kommen sie an den Gräbern ihrer Verstorbenen zusammen zu einem kurzen Gottesdienst, in dem diese Botschaft gepredigt wird: Gerade im Leiden, gerade im Tod haben Christen die Hoffnung auf das Leben. Es ist dies ein Leben, das dieses irdische Leben erst lebenswert macht. Wenn sie dann die Gräber mit dem Ostergruß verlassen und dann auch alle Menschen, die ihnen begegnen, so grüßen: „Der Herr ist auferstanden!“ dann kommt es ihnen seltsam vor, wenn ihnen ein weißer Bruder mit dem Gruß „Guten Morgen“ entgegenkommt. Haben die Weißen, haben wir die Bibel richtig verstanden? Können nur die Leidenden und Unterdrückten Ostern richtig verstehen? Sind nur sie, gerade aus ihrem schweren Schicksal heraus, zur überschwenglichen Osterfreude fähig?

Die 7. Strophe unseres Predigtliedes hat es uns so gesagt:

7. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, kein groß Gepräng ihm hier gefällt;
was schlicht und niedrig geht herein, soll ihm das Allerliebste sein.

Das Kreuz Jesu hat die Welt verändert, habe ich am Karfreitag gepredigt. Es verändert die Welt so, dass wir uns von Gott verändern lassen. Am Osterfest ist die Predigt im Grunde die gleiche. Es kommt darauf an, dass es bei uns selbst Ostern wird. An Karfreitag wurde mehr daran gedacht, was es Gott gekostet hat, uns von Sünde und Tod zu befreien. Heute denken wir mehr daran, dass dieser Einsatz nicht vergeblich war, dass uns allen, jedem von uns, ein befreites Leben möglich ist, dass wir in unserem täglichen Kampf um Liebe und ums Überleben, bedrängt von der Macht des Bösen und von der Angst vor dem Tod, nicht von Jesus verlassen sind.

Bei uns muss es Ostern werden. Ich will damit sagen: Wo Menschen dem auferstandenen Herrn begegnen, verändert sich etwas in ihrem Leben. Sehen wir uns die Jünger und Jüngerinnen Jesu an. Es sind keine hervorragenden Charaktere, die sich Jesus da herausgepickt hat, es sind Menschen wie du und ich. Sie möchten gern auf Ehrenplätzen sitzen im Reich Gottes. Da werden sie ungeduldig bei den Kindern, da zweifelt einer, sie verstehen nicht, was Jesu Leiden bedeutet, sie lassen ihn allein mit seiner Angst, da will einer mit Gewalt für Jesus streiten, da verrät einer ihn, und alle laufen aus Angst weg, weil Jesus verloren scheint.

Wie anders sieht das Leben dieser Menschen aus, als sie erfahren haben, dass Jesus lebt, mit ihnen lebt. Wie gesagt, nicht gleich am Ostermorgen, sondern nach und nach, beim einen früher, beim anderen später – wir können z. B. an den Zweifler Thomas denken. Wenn das aber erst einmal für sie wahr ist, dass Jesus lebt, da haben sie erstaunlichen Mut. Sie erzählen von Jesus, tragen diesen Glauben weiter, auch wenn sie dafür verachtet, ins Gefängnis gebracht, ja sogar getötet werden. Ja, sie reden nun sogar von ihren Schwächen, denn sie erleben, dass sie gerade als schwache und unzulängliche, ja schuldig gewordene Menschen vom lebendigen Jesus angenommen und gestärkt werden.

Auch wir heute können die Auferstehung Jesu nicht beweisen, aber wir können beobachten oder selbst am eigenen Leib erfahren, dass Menschen sich verändern, wenn sie mit dem Vertrauen leben, dass Jesus nicht tot ist, sondern lebt. Das Osterlied, aus dem wir gleich noch einmal drei Strophen singen werden, hat diese Erfahrung in bildlicher Sprache ausgedrückt. Wer aufgrund von Trauer oder Bitterkeit gegenüber anderen Menschen verschlossen ist, „gleich als wär er tot“, der erfährt seinen eigenen „Ostertag“, wenn er aufwacht „durch des Herren Stimm“ und fröhlich dem Leben gegenüber Ja sagen kann. Diese Osterfreude klammert nicht die Gedanken an das Dunkle in unserem Leben einfach aus, sie ist deshalb eine so reine Freude, weil mit Jesu Auferstehung das Dunkle, das wir noch erfahren, schon besiegt und überwunden ist. Jesus lebt, deshalb dürfen wir auch leben, unsere Lasten tragen, unsere Aufgaben erfüllen, andere Menschen lieben und ihnen Lasten tragen helfen. Amen.

Lied EKG 85, 2+4+5 (EG 111):

2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Not verschlossen, gleich als wär ich tot,
lässt du mir früh die Gnadensonn aufgehn: nach Trauern Freud und Wonn. Halleluja.

4. Jetzt ist der Tag, da mich die Welt mit Schmach am Kreuz gefangen hält;
drauf folgt der Sabbat in dem Grab, darin ich Ruh und Frieden hab. Halleluja.

5. In kurzem wach ich fröhlich auf, mein Ostertag ist schon im Lauf;
ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod mit seinem Grimm. Halleluja.

Wir feiern nun gemeinsam das heilige Abendmahl, als Zeichen der Gemeinschaft mit Jesus Christus, als Zeichen dafür, dass er lebt und dass wir mit ihm und miteinander neu leben dürfen.

Wir bekennen unsere Schuld…

So wie wir ehrlich zu unserer Schuld stehen, so erfahren wir auch die Vergebung durch Jesus Christus…

Einsetzungsworte
Lied 136: Christe, du Lamm Gottes
Austeilung des Abendmahls
Lied EKG 85, 13-15 (EG 111):

13. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, dass er mich herzlich liebt;
wenn mir gleich alle Welt stürb ab, g’nug, dass ich Christus bei mir hab. Halleluja.

14. Mein Herz darf nicht entsetzen sich, Gott und die Engel lieben mich;
die Freude, die mir ist bereit’, vertreibet Furcht und Traurigkeit. Halleluja.

15. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt.
Dort wollen wir mit größerm Fleiß erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja.

Fürbitten, Vaterunser, Abkündigungen und Segen
Lied EKG 81, 3 (EG 108):

3. Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten: So wird er uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not, zur ewgen Freude geleiten.

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