Lebendige Kirche – Umkehr zum Leben

Jesus Christus spricht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“.

Wir leben nur wirklich, wenn wir „die Taten des Fleisches töten“: die böse Lästerzunge, die private Bereicherung an öffentlichem Eigentum, das hochmütige Herabsehen auf Schwächere, die Vernachlässigung derer, die in Not sind. Aus eigener Kraft werden wir nicht Herr über diese Schwächen unseres Fleisches, aber der Geist macht es möglich.

Ein Mandala "Blume des Lebens" in leuchtend rotgelben Farben

Ein Mandala der Blume des Lebens (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtÖkumenischer Gottesdienst gemeinsam mit der katholischen Pfarrgemeinde St. Albertus und der evangelischen Thomasgemeinde Gießen am Neujahrstag, den 1. Januar 2008, um 17.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Abend, liebe Gemeinde!

Zum Gottesdienst an Neujahr 2008 unter dem Thema „Lebendige Kirche“ begrüße ich alle herzlich in der Pauluskirche, auch diejenigen, die aus anderen Kirchengemeinden bei uns zu Gast sind, vor allem aus der katholischen Nachbargemeinde St. Albertus und aus den evangelischen Gemeinden Thomas und Michael.

Heute beginnt das Jahr, in dem unsere evangelische Paulusgemeinde 50 Jahre alt wird. Wir haben uns vorgenommen, das ganze Jahr 2008 hindurch immer wieder an dieses Jubiläum zu denken. Die Jahreslosung für 2008 erinnert uns daran, aus welcher Quelle die Kirche und auch unsere Gemeinde zu allen Zeiten lebt. Sie steht im Evangelium nach Johannes 14, 19:

[Jesus Christus spricht:] „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“

Besonders freue ich mich, dass Herr Kaplan Haas gemeinsam mit Herrn Pfarrer Schütz diesen Gottesdienst halten wird, und dass außer unserer Organistin Grit Laux zwei junge Nachwuchsmusiker mit der Geige diesen Gottesdienst mitgestalten: Felix Immanuel Achtner und Antonius Albert Achtner.

Zum Aufbruch in diesen Gottesdienst und ins Neue Jahr singen wir das Lied 395:
Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten gemeinsam den Psalm 8, dessen Text im Gesangbuch unter der Nr. 705 abgedruckt ist. Ich lese die linksbündigen Teile und Sie bitte die nach rechts eingerückten Verse:

2 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

3 Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen.

4 Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:

5 was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

6 Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

7 Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan:

8 Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere,

9 die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.

10 HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Lebendige Kirche wollen wir sein, als Gemeinschaft der Heiligen auf den Namen Gottes vertrauen, der uns Menschen zu seinem eigenen Bilde geschaffen und uns die Erde anvertraut hat.

Als lebendige Kirche haben die Albertus- und Paulusgemeinde bis zum heute beginnenden Jahr einen Weg von 50 Jahren zurückgelegt.

Zur Lebendigkeit unserer Gemeinden haben alle die Christinnen und Christen beigetragen, die aktiv am Gemeindeleben teilnahmen und ehrenamtlich tätig waren, aber auch diejenigen, die ganz im Stillen in der Gemeinde Jesu Christi auf ihre eigene Weise ihren Glauben, ihre Liebe, ihre Hoffnung gelebt haben. Dafür können wir nicht genug danken!

Lebendigkeit im Sinne von harten Auseinandersetzungen über den richtigen Weg und den rechten Glauben in der Kirche hat es ebenfalls in beiden Gemeinden gegeben. Es gab Zerreißproben, die den Zusammenhalt der Gemeinde in Frage stellten. Es gab schmerzhaft ausgetragene Konflikte und Verletzungen auf Grund mangelnder Einfühlsamkeit und Geschwisterlichkeit, die bis heute nachwirken.

Wahrhaft lebendig sind wir als Kirche nur, indem wir Christus an uns arbeiten lassen, indem wir als Leib Christi vom Heiligen Geist bewegt, verwandelt, ja, geheilt werden.

Barmherziger Gott, wir sind angewiesen auf das Leben, das du uns schenkst, um Konflikte und Verletzungen, Trägheit und Resignation zu überwinden. Wir danken dir, dass du uns trotz allem getragen hast bis in dieses Jahr hinein, und wir bitten dich auch für die Zukunft um Leben aus deiner Gnade:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Worte zum Friedenslicht aus Bethlehem (Kaplan Timo Haas)

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Großer Gott, Vater Jesu Christi, der in Bethlehem als Kind in der Krippe gelegen hat, der von der Krippe bis zum Kreuz als dein lebendiges Wort gelebt hat und den du auferweckt hast zum ewigen Leben: Lass uns heute erkennen, was wirklich Leben ist, was zu einer wahrhaft lebendigen Kirche gehört. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Römerbrief des Paulus. Im Text kommen die Worte „Geist“ und „Fleisch“ vor, die man leicht missverstehen kann. Leben „nach dem Geist“ ist für Paulus Leben im Gottvertrauen, Leben „nach dem Fleisch“ ist Leben ohne Gottvertrauen. Ich lese Römer 8, 10-13:

10 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

11 Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

12 So sind wir nun, liebe Geschwister, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben.

13 Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Musikstück auf der Geige

Wir bekennen gemeinsam unseren christlichen Glauben nach dem großen Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Es steht im Gesangbuch unter der Nr. 805:

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein. Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Wir singen das Lied 65 nach der Melodie von Siegfried Fietz. Dabei wird die im Gesangbuch abgedruckte 7. Strophe jeweils als Refrain der ersten 6 Strophen gesungen:

Von guten Mächten treu und still umgeben
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, was „lebendige Kirche“ ist, sollte an der Jahreslosung für das Neue Jahr ablesbar sein. Wir hörten sie bereits, aus Johannes 14, 19:

[Jesus Christus spricht:] „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“

Auf den ersten Blick ist das ein einfacher Satz. Wenn man nicht wüsste, wer ihn gesagt hat, könnte man sogar an eine Allerweltsweisheit denken: „Leben und leben lassen“, frei nach der Maxime des Alten Fritz: „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.“

Aber nun hat Jesus diesen Satz gesagt, und zwar tut er es im Johannesevangelium, als er vor seinem Tod am Kreuz von seinen Jüngern Abschied nimmt. Der ganze Vers 19 aus dem Kapitel 14 lautet:

19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.

Was meint Jesus, wenn er gerade in dieser Situation so vom Leben redet? Die übliche Auslegung ist, dass Jesus hier vom ewigen Leben redet, von der Auferstehung. Denn sein irdisches Leben wird Jesus schon bald verlieren. Die Welt, und damit sind Menschen gemeint, die weder auf Gott noch auf Jesus vertrauen, wird ihn kreuzigen. Sie wollen ihn sich aus den Augen schaffen und sehen ihn nicht mehr, ziehen ihn für den Fortgang des Lebens in dieser Welt nicht mehr in Betracht. Sehen werden ihn nur die, die trotz allem das Vertrauen zu ihm bewahren. Die werden mit Augen des Glaubens Jesus als den Auferstandenen sehen können. So gesehen spricht Jesus mit den Worten „Ich lebe und ihr werdet auch leben“ von seiner eigenen Auferstehung und von der Gewissheit, dass auch alle, die auf ihn vertrauen, auferstehen werden. So weit, so gut. Diese Auslegung gefällt mir. Und vielleicht ist sie auch nicht ganz falsch.

Aber ist sie wirklich ganz richtig? Jesus sagt diesen Satz ja als Begründung dafür, dass die Jünger ihn sehen werden. Aber er sagt: „Ich lebe“ und nicht: „Ich werde leben.“ Das macht mich neugierig. Was mag in dem Satz außerdem noch stecken? Redet er vielleicht doch auch vom Leben vor dem Tod?

Ich habe geschaut, wo der Satz „Ich lebe“ sonst noch in der Bibel vorkommt. Gott selber spricht ihn häufig in der Art einer Eidesformel aus: „So wahr ich lebe, spricht Gott, der Herr“. Dabei ist das Wort „Herr“ die Umschreibung des heiligen Gottes-Namens; hier redet kein Allerweltsgott, wie sich alle Völker ihre Götter vorstellen, sondern der Eine Gott, der für Israel und die ganze Schöpfung das Leben will. Wenn dieser Gott bei seinem eigenen Leben schwört, dann geht es auch für den Menschen immer um Tod und Leben. Als das Volk Israel von Gott die Gebote bekommt, warnt Mose eindringlich davor, durch Mord und Raub, durch Untreue und Lüge, durch Götzendienst und Ausbeutung des Nächsten den Willen Gottes mit Füßen zu treten. Und da spricht Gott selber durch den Mund Moses (im 5. Buch Mose – Deuteronomium 32):

39 Sehet nun, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand ist da, der aus meiner Hand errettet.

40 Denn ich will meine Hand zum Himmel heben und will sagen: So wahr ich ewig lebe:

41 wenn ich mein blitzendes Schwert schärfe und meine Hand zur Strafe greift, so will ich mich rächen an meinen Feinden und denen, die mich hassen, vergelten.

Mit den Feinden, die Gott hassen, sind nicht Atheisten im modernen Sinn gemeint, sondern Menschen, die die Würde anderer Menschen und damit das Ebenbild Gottes in den Dreck treten. Und die in unseren Ohren abschreckend klingenden Worte Strafe und Rache bezeichnen die Folgen himmelschreienden Unrechts, das an Menschen verübt wird, ob es ein namenloses missbrauchtes Kind ist oder Benazir Bhutto heißt. Wie diese Folgen aussehen, ist hier nicht gesagt; klar ist nur, dass Gott auf der Seite derer steht, denen Unrecht angetan wurde, und dass er kein Opfer von Gewalt vergisst. Darum ermahnt Mose sein Volk (5. Mose 32):

46 Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge, dass ihr euren Kindern befehlt, alle Worte dieses Gesetzes zu halten und zu tun.

47 Denn es ist nicht ein leeres Wort an euch, sondern es ist euer Leben, und durch dies Wort werdet ihr lange leben in dem Lande, in das ihr zieht über den Jordan, um es einzunehmen.

„Es ist euer Leben“, sagt Mose von dem Wort, das Gott sagt. Und Gott sagt es nicht nur, er tut es auch, er führt sein Volk aus Sklaverei und Verbannung, er reißt Menschen aus Hoffnungslosigkeit heraus, er vergibt Sünden, tröstet die Trauernden, gibt Mut zu neuem Leben. Darum ist das Wort Gottes nicht leer, es ist Wort und Tat in einem, und zwar immer Befreiungstat. Und dieses Wort soll nicht nur Gottes Tat allein bleiben, sondern es soll und darf auch unsere menschliche Tat werden: damit wir unsere Freiheit und Hoffnung und unser Leben aus Vergebung nicht wieder aufs Spiel setzen. Die Zehn Gebote sind unser Leben, indem sie uns helfen, mit Gott, mit uns selbst und mit unserem Nächsten im Frieden auszukommen. Wer die Gebote nicht beachtet, wer Gottes Wegweisung in die Freiheit nicht folgt, der trägt dazu bei, dass diese Erde ein Ort wird, an dem man nicht leben kann.

„Ich lebe und ihr sollt auch leben“, das ist also, abgekürzt gesprochen, bereits die Weisung Gottes, verkündet durch Mose, denn Gott führt sein Volk in die Freiheit und legt ihm eine Disziplin der Freiheit auf, damit es leben kann, so wahr Gott selber lebt.

Noch klarer wird diese Botschaft im Buch Ezechiel oder Hesekiel 33, da spricht Gott zu seinem Propheten:

10 Und nun, du Menschenkind, sage dem Hause Israel: Ihr sprecht: Unsere Sünden und Missetaten liegen auf uns, dass wir darunter vergehen; wie können wir denn leben?

11 So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen.

Diese Umkehr fällt Menschen aller Zeiten schwer. Keiner kann mit dem Finger nur auf die anderen zeigen, weil von der Hand, mit der wir auf die Juden, auf die Heiden, auf die Atheisten, auf die Randsiedler der Kirche oder von der anderen Seite her auf die Kirchgänger zeigen, vier Finger auf uns selbst zurückdeuten.

Und weil Menschen die Umkehr zum Leben aus eigener Kraft offenbar nicht wirklich hinkriegen, nahm Gottes Wort selber Fleisch und Blut an. So steht es im Evangelium nach Johannes 1:

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

2 Dasselbe war im Anfang bei Gott.

3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

4 In ihm war das Leben…

14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Wenn dieser Jesus sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“, dann spricht so das Mensch gewordene Wort Gottes selbst. Im Leben Jesu, an seinen Worten und Taten ist abzulesen, wie es aussieht, wenn einer nach dem Willen Gottes lebt, seinen Weg in vollem Gottvertrauen geht, wenn einer die Gebote so erfüllt, dass sie wirklich in die Freiheit führen und dem Leben dienen.

„Ich lebe, und ihr werdet auch leben“, diesen Satz legt Jesus selber in den Versen des Johannesevangeliums unmittelbar davor und danach selber aus. In den Versen 12 und 15 des Kapitels 14 sagt er:

12 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater.

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.

Was traut Jesus uns da zu! Größere Taten, als er sie selber getan hat, weil er sie auf dieser Erde nicht mehr tun kann. Taten, die wir im Vertrauen zu ihm und aus Solidarität mit ihm wie von selber tun können. Ich höre hier den Satz aus Matthäus 25, 40 mit:

40 Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan.

Der Apostel Paulus – wir haben vorhin in der Lesung seine Worte zu diesem Thema gehört – hat vom Leben ebenfalls so gesprochen wie Mose, wie Hesekiel, wie Jesus (Römer 8, 13):

13 Wenn ihr durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.

Wir leben nur dann wirklich, wenn wir „die Taten des Fleisches töten“, wenn das, was in der Welt üblich ist, bei uns keinen Platz hat: die böse Lästerzunge, die private Bereicherung an öffentlichem Eigentum, das hochmütige Herabsehen auf Schwächere, die Vernachlässigung derer, die in Not sind. Aus eigener Kraft können wir nicht Herr über diese Schwächen unseres Fleisches werden, aber der Geist macht es möglich.

Mit dem Geist meint Paulus das Leben im Vertrauen auf Jesus, und dieses Vertrauen ist kein einzelgängerischer privater Seelenglaube, sondern ein Leben „in Christus“: „im Leib des Christus“. Das heißt: Im Geist zu leben, in Christus zu leben, ist gleichbedeutend damit, einer Gemeinschaft anzugehören, nämlich Glied am Leib Christi zu sein. Damit meint er damals die Versammlung von Menschen, die zusammengewürfelt war aus Juden und Nichtjuden, Männern und Frauen, freien römischen Bürgern und Sklaven. Damit kann heute unter anderem die bunte Schar der Christen gemeint sein, die sich aus vielen Konfessionen zusammensetzt, so wie Israel aus vielen Stämmen besteht.

Sind wir Leib Christi, dann erfüllen wir den Willen Gottes, weil ein Glied dieses Leibes gar nicht anders kann, als aufmerksam auf die anderen Glieder zu achten. Wir sind „lebendige Kirche“, indem wir den Leib des Messias Jesus bilden. Und dieser Leib endet nicht an den Grenzen der christlichen Religion oder gar einer einzelnen christlichen Konfession. Die geringsten Geschwister Jesu begegnen uns in jedem Menschen, denn jeder Mensch hat sein Leben von Gott, der durch seinen Sohn zu uns spricht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Musikstück auf der Geige
Fürbitten (Kaplan Haas)

Jesus Christus, Sohn des Vaters, du bist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Du lebst und du willst, dass auch wir leben. Fürbittend treten wir vor dich und bitten dich für alle, die dein Leben brauchen und ersehnen:

Wir beten für alle Menschen, deren leibliches Leben gefährdet ist: durch Krieg oder Terror, durch Gewalt oder Hunger, durch Krankheit oder Fahrlässigkeit. Behüte und bewahre ihr Leben, schenke ihnen Kraft und Gesundheit und führe sie zu dir. Christus, du Lebendiger – Wir bitten dich: erhöre uns!

Wir beten für alle Menschen, deren Verstand und Geist beeinträchtigt ist: durch Krankheit oder Unglück, durch Alter, durch mangelnde Bildung, Manipulation und Hass. Behüte und bewahre ihr Leben, stärke ihren Geist und ihre Erkenntnis und offenbare ihnen dein Licht. Christus, du Lebendiger – Wir bitten dich: erhöre uns!

Wir beten für alle Menschen, deren Seele und Sinn gebeugt ist: durch Depression und Verzweiflung, druch Krankheit und Schicksalsschläge, durch Resignation, Ablehnung und Lieblosigkeit, durch Einsamkeit und Rastlosigkeit. Behüte und bewahre ihr Leben, wende und vertreibe ihre Not und wecke in ihnen die Sehnsucht nach dir. Christus, du Lebendiger – Wir bitten dich: erhöre uns!

Wir beten für unsere Gemeinden, die in diesem Jahr ihre Jubiläen feiern: Erfülle sie mit deinem Geist und deinem Leben, damit sie den Menschen Orte von Geborgenheit, Annahme und Heimat werden, Orte des Glaubens und der Gemeinschaft der Glieder deines Leibes. Christus, du Lebendiger – Wir bitten dich: erhöre uns!

Wir beten für alle Menschen, die uns in den Tod vorangegangen sind: Behüte und bewahre sie und schenke ihnen dein göttliches Leben.

Insbesondere beten wir heute für ein verstorbenes Mitglied unserer Gemeinde … . Deinen liebevollen Händen ist sie anvertraut zum ewigen Leben. Für alle, die um sie trauern, denen sie fehlt, die sie geliebt haben, bitten wir dich um deine stützende Nähe.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was wir heute außerdem auf dem Herzen haben.

Stille und Vater unser

Wir singen aus dem Lied 58 die fünf letzten Strophen 11 bis 15:

11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.

12. Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe.

13. Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen.

14. Und endlich, was das meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe.

15. Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christen Schare zum sel’gen neuen Jahre.

Abkündigungen

Empfangt Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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