Zerstören, Niederreißen, Bauen und Pflanzen

Was müssen wir niederreißen? Vielleicht die Vorstellung von einer Kirche, die im 21. Jahrhundert noch gerne ein bisschen Staatskirche wäre. Was da kaputtgeht, ist nicht der Glaube, sondern die alte Zwangsanstalt Kirche, zu der jeder Untertan eines bestimmten Fürsten automatisch dazugehören musste. Christus zwingt nicht, er schenkt und lädt ein.

Das so genannte Kaiserfenster im Ulmer Münster - Pastoren und Vertreter des Staates stehen einander gegenüber

Pastoren und Vertreter des Staates auf einem Gemälde im Ulmer Münster (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 10. Sonntag nach Trinitatis, den 27. August 2000, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen mit der Verabschiedung des langjährigen KV-Vorsitzenden Gottfried Cramer und der Einführung des neugewählten KV-Vorsitzenden Jürgen Klimas

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie und euch Kinder und Konfirmanden im Gottesdienst mit dem Spruch zur kommenden Woche aus Psalm 33, 12:

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Nach diesem Bibelvers suchen wir uns nicht selber unsere Religion und unseren Gott aus, sondern Gott sucht sich uns aus. Das ist heute der rote Faden in Gebet und Lied, Bibelwort und Predigt: „Gott hat etwas mit uns vor!“

Für die Paulusgemeinde ist dies ein besonderer Gottesdienst, denn wir sagen nachher ein Dankeschön an den langjährigen Vorsitzenden unseres Kirchenvorstands, Herrn Gottfried Cramer, der zum 1. September dieses Amt niederlegt. Und seinen Nachfolger, Herrn Jürgen Klimas, führen wir heute in seinen Dienst als neuen Kirchenvorstandsvorsitzenden ein.

Lied 358, 1+3+4:

1) Es kennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekannt, die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land; er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein, im Leben und im Sterben sind sie und bleiben sein.

3) Er kennt sie als die Seinen an ihrer Hoffnung Mut, die fröhlich auf dem einen, dass er der Herr ist, ruht, in seiner Wahrheit Glanze sich sonnet frei und kühn, die wunderbare Pflanze, die immerdar ist grün.

4) Er kennt sie an der Liebe, die seiner Liebe Frucht und die mit lauterm Triebe ihm zu gefallen sucht, die andern so begegnet, wie er das Herz bewegt, die segnet, wie er segnet, und trägt, wie er sie trägt.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Grün ist die Hoffnung, sagen wir, und im Kirchenlied haben wir die „wunderbare Pflanze“ besungen, „die immerdar ist grün“. Hoffnung wächst unter uns wie neue Triebe an einer Pflanze. Liebe wächst, wo ein Sonnenstrahl von Gottes Liebe unser Herz erreicht.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Woran erkennt man uns als christliche Gemeinde? Daran, dass wir Hoffnung ausstrahlen. Dass es unter uns liebevoll zugeht. Dass wir nicht nachtragend sind.

Und wenn uns oft der Mut verlässt? Wenn wir nicht jedem Menschen liebevoll begegnen können? Wenn es uns schwerfällt zu vergeben?

Dann dürfen wir wissen: Christen sind nicht perfekte Menschen. Sondern Christen leben selber von Barmherzigkeit. Und wir rufen zu dir, Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Darum: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt!

Und lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Wir feiern Gottesdienst, wir halten inne. Arbeit und Freizeit unterbrechen wir und schauen, was abläuft in unserem Leben. Wir beklagen, was uns belastet, wir feiern, was uns geschenkt ist. Guter Vater im Himmel, zeig uns bitte, wozu du uns brauchst, uns als diese Paulusgemeinde, mich als diesen einzelnen Menschen – durch Jesus Christus, unseren Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus 25, 14-30:

14 [Mit dem Leben unter Gottes Führung ist es] ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an;

15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.

16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu.

17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.

18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.

20 Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.

21 Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!

22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen.

23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!

24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast;

25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.

26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe?

27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.

28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 393, 6-8:

6) Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Vater gehet mit; er selbst will bei uns stehen bei jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir haben’s gut, ach ja, wir haben’s gut.

7) Kommt, Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand; eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt, lasst uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten als Brüder unsre Reihn, als Brüder unsre Reihn.

8) Sollt wo ein Schwacher fallen, so greif der Stärkre zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, bindet fester an; ein jeder sei der Kleinste, doch auch wohl gern der Reinste auf unsrer Liebesbahn, auf unsrer Liebesbahn.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Wir leben in einer Zeit, in der es nicht mehr selbstverständlich ist, an Gottes Führung zu glauben. An den Zufall wird geglaubt, an das Schicksal, aber an Gott? Wäre das nicht ein grausamer Gott, der es nicht schafft, Katastrophen und Unrecht zu verhindern? Und wäre es nicht ein schwacher Gott, der tatenlos zusieht, wie seine Kirche immer mehr an Einfluss und Mitgliederzahl verliert?

Neu sind solche Zweifel nicht: vor 2600 Jahren, zur Zeit des Propheten Jeremia, müssen die Juden bestürzt mit ansehen, wie ihr Volk zum Spielball fremder Mächte wird. Die Assyrer hatten schon lange das Nordreich Israel überrollt und vernichtet, nun zittert das Restreich Juda im Süden vor der neuen Weltmacht Babylon. Kann Gott es zulassen, dass sein erwähltes Volk so gedemütigt wird? Ist Gott wirklich der Herr seines Volkes, dann muss er doch den Untergang des Reiches Juda verhindern können!

Führung Gottes – gibt es sie? Und wenn ja – wie?

Damals fühlt sich ein junger Mann, Jeremia heißt er, von Gott in seinem Innern angesprochen, ergriffen, regelrecht überredet. Er soll Prophet sein, eine besondere Art von Wahrsager oder Die-Wahrheit-Sager, nämlich einer, der die Wahrheit sagt und gegen den Strom der Zeit schwimmt. Gott pickt sich ihn heraus aus der Masse der Menschen und gibt ihm einen Sonderauftrag. Im Buch Jeremia 1, 4-10, lesen wir:

4 Und des HERRN Wort geschah zu mir:

5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.

8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und niederreißen sollst und bauen und pflanzen.

Ja, liebe Gemeinde, der junge Mann Jeremia bekommt eine gewaltige Aufgabe. Unmöglich zu bewältigen eigentlich, mission impossible, er hat doch überhaupt noch keine Lebenserfahrung, das werden ihm seine Zuhörer unter die Nase reiben. Aber Gott lässt keinen Einwand gelten: Sage nicht: „Ich bin zu jung!“ Ich brauche gerade dich.

Eigenartig, dass Gott immer wieder Leute zu bestimmten Aufträgen überreden muss. Wenn Gott allmächtig ist, dann offenbar nicht wie ein Brutalo, der seinen Willen mit Gewalt durchsetzt. Gott baut auf Überzeugungskraft.

Und Gott macht es sich dabei nicht gerade leicht. Er sucht sich gerade solche Leute aus, die andere von vornherein von ihrer Liste streichen würden.

So redet sich Gott den Mund fusselig, um einen 80jährigen zu überzeugen, dass er genau ihn braucht, Mose, um die Israeliten aus Ägypten zu führen. Oder David – er ist der jüngste und kleinste Junge in einer Familie mit vielen großen und starken Söhnen: Ausgerechnet er wird Israels berühmtester König.

Jeremia wird später sagen: „Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen.“ Und er ist nicht glücklich dabei, weil er sich fast nur Feinde macht. Denn wer für die Wahrheit eintritt, muss den Finger auf Wunden legen, auf Unrecht und Unfrieden, auf Lüge und Fehlverhalten. Er sagt den Leuten, dass sie mit ihrer Gottlosigkeit, mit Ausbeutung und Korruption direkt ins eigene Unglück rennen. „Gott wird euch nicht vor den Babyloniern retten“, muss er ihnen ausrichten. Wenn sie unterworfen und verschleppt werden, dann sollen sie darin eine gerechte Strafe und Prüfung erkennen. Ist es ein Wunder, dass keiner ihn verstehen will, wenn er predigt: „Gott hat euch nicht verlassen, er führt euch immer noch, aber er führt euch auf einem Weg, den ihr nicht gehen wollt. Ihr habt ja nicht auf ihn gehört, und ihr versteht ihn nicht einmal jetzt.“

Nur wer sehr genau zuhört, entdeckt, dass diese furchtbare Gerichtspredigt Hoffnung enthält. Schlimmer wäre es, wenn Gott alles nur laufen lassen würde, wenn Gott gar nicht da wäre. Es ist gut, einen Gott haben, dem es nicht egal ist, was wir tun, der nicht will, dass wir uns selbst zugrunde richten. So muss Jeremia zwar sehr viel ausreißen und einreißen, zerstören und niederreißen, doch nur, um am Ende bauen und pflanzen zu können.

Wenn Bausubstanz marode ist, muss zunächst abgerissen werden, um neu bauen zu können. Wenn ein Garten mit Unkraut überwuchert ist, ist Kahlschlag nötig, damit wieder wachsen kann, was Frucht bringt. Einreißen, ausreißen, zerstören, niederreißen – Jeremia soll das alles tun, aber nicht als Selbstzweck. Nicht die Lust am Vernichten, keine blinde Zerstörungswut steht im Hintergrund, sondern, so unglaublich es klingt: Liebe.

Ich glaube, Gott führt uns noch heute wie damals. Hier und da merkt einer: Gott ist gar nicht so stumm, wie ich gedacht hatte. Er spricht mich an, vielleicht durch eine Predigt, vielleicht durch ein Gespräch, vielleicht durch das Lesen in der Bibel. Vielleicht durch den Pfarrer, der mich überredet, mich zur Wahl für den Kirchenvorstand aufstellen zu lassen.

Und wozu spricht Gott uns an? Was will er von uns? Will er auch heute, dass wir einreißen und ausreißen, zerstören und niederreißen, bauen und pflanzen?

Besonders die beiden letzten Bilder sprechen mich an: Bauen, pflanzen. Ich sehe unsere Gemeinde. Sie ist wie ein Haus, an dem wir gemeinsam bauen, mit einem Garten drumherum, in dem wir gemeinsam pflanzen. Die Gemeinde ist ein Haus mit vielen verschiedenen Bausteinen, ein bunter Garten mit vielen verschiedenen Blumen und Kräutern. Da wird gesungen und gelacht, da haben traurige und ernste Geschichten ihren Platz, da wird Kaffee gekocht und diskutiert, da treffen sich Jugendliche zum Basketball oder Internetcafé, da liest man die Bibel und hört Predigt. Da lebt man seinen Alltag. Oder man fragt: Wie geht es weiter in unserem Land, in unserer Kirche?

Bauen: Unsere Kirche ist wie eine Dauerbaustelle; die Bausubstanz verkommt, wenn nicht immer wieder neu gefragt wird, was unsere Aufgabe ist, für wen wir da sind. Pflanzen: Unsere Gemeinde ist wie ein Garten, der ständige Pflege braucht, von all den Menschen, die ihr Stück Mitverantwortung tragen.

Natürlich hängt das Überleben der Kirche nicht allein von uns ab! Wir bauen nur Räume, da wirkt Gott, wenn er will. Wir pflanzen – und dürfen Gott das Wachsen und Gedeihen überlassen.

Was dem entgegensteht, das allerdings sollen wir – einreißen, ausreißen, zerstören, niederreißen!

Beim Einreißen denke ich an die unsichtbare Mauer, die vor der Kirchentür steht, und da steht drauf: Nur für Eingeweihte! Nur für Leute, die alte Lieder mögen! Nur für besonders Fromme! Schaffen wir es, solche Mauern einzureißen? Merken wir überhaupt, welche Signale wir aussenden?

Beim Ausreißen denke ich an Streitwurzeln. Hier und da wuchert ja auch in der Kirche Unmut und Streit. Man fühlt sich verletzt, man spricht nicht darüber, man geht in Abwehrstellung oder zieht sich ganz zurück.

Schwer ist es, die Wurzeln des Unfriedens und des verletzten Stolzes auszureißen. Aber es ist gut, wenn man nicht weggeht, nicht aufgibt. Vielleicht kann man unter vier Augen darüber reden, was einem wehgetan hat. Vielleicht kommt alles wieder ins Lot, wenn man versucht, sich einmal in die Lage des anderen hineinzuversetzen.

Beim Zerstören fällt mir die Sünde ein. Wo Sünde in den Himmel ragt, ist der Bauplatz für die Liebe Jesu schon besetzt. Sünde ist Leben ohne Liebe, ohne die Liebe, die von Gott kommt. Unter Christen kommt sie als Hochmut vor: Wenn ich zum Beispiel als Christ einem anderen Christen abspreche, Christ zu sein. Oder wenn ich durch Vorurteile andere Menschen verletze. Sünde zerstören – das geht natürlich nicht mit Gewalt. Der Sünder darf leben, aus Vergebung, und sein Verhalten ändern.

Und was müssen wir niederreißen? Vielleicht die Vorstellung von einer Kirche, die auch im 21. Jahrhundert noch gerne ein bisschen Staatskirche wäre. Sicher: Die Kirche hat heute nicht mehr so viel Einfluss wie früher. Aber was da kaputtgeht, ist nicht unbedingt der Glaube, sondern die alte Zwangsanstalt Kirche, zu der jeder Untertan eines bestimmten Fürsten automatisch dazugehören musste. Christus zwingt nicht, er schenkt und lädt ein. Er ist der Grundstein, auf dem die Kirche aufbaut. Einen anderen Grund für die Kirche gibt es nicht als seine Liebe. Wenn ich an die Tempelreinigung denke, dann traue ich auch Jesus zu, dass er höchstpersönlich eine Kirche niedergerissen hätte, die Andersdenkende und Andersgläubige unterdrückt und aus dem Glauben einen Zwang macht.

Ein großer Auftrag: ein-, aus-, niederreißen, zerstören, bauen, pflanzen.

Und wer kann mitmachen? Wir alle. Sage nicht, du bist zu jung oder zu alt, zu krank oder zu unkirchlich. Gott arbeitet am liebsten mit Menschen, die sich nichts auf sich einbilden. Er traut uns allen etwas zu und lässt uns über uns selbst hinauswachsen. Wie dem Jeremia verspricht er uns: „Fürchte dich nicht, wenn jemand gegen dich ist; denn ich bin bei dir und will dich erretten!“ Und nicht nur das: Wenn‘s drauf ankommt, dann ist es so, als ob ich nicht selber rede, sondern als ob Gott mit seiner Hand meinen Mund anrührt und seine eigenen Worte in meinen Mund legt. So führt Gott mich, so führt er uns alle, wo wir Mitverantwortung übernehmen. Durch uns baut er seine Gemeinde. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 423, 1+3+4:

1) Herr, höre, Herr, erhöre, breit deines Namens Ehre an allen Orten aus; behüte alle Stände durch deiner Allmacht Hände, schütz Kirche, Obrigkeit und Haus.

3) Gib du getreue Lehrer und unverdrossne Hörer, die beide Täter sein; auf Pflanzen und Begießen lass dein Gedeihen fließen und ernte reiche Früchte ein.

4) Lass alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, schaff jedermann sein Recht, dass Fried und Treu sich müssen in unserm Lande küssen, und segne beide, Herrn und Knecht.

Abkündigungen
Dank an den bisherigen KV-Vorsitzenden, Herrn Gottfried Cramer
Einführung des neuen KV-Vorsitzenden, Herrn Jürgen Klimas

Lasst uns nun gemeinsam zu Gott, unserem Vater im Himmel, beten. Gott, wir bitten dich für unsere Kirchengemeinde:

Dass sie ein Raum ist, wo Menschen seelisch auftanken können und Mut für ihre Aufgaben gewinnen.

Dass in ihr Platz ist für Kinder und Jugendliche, die sich wünschen, ernstgenommen zu werden.

Dass sie eine Gemeinschaft ist, in der man sich offen begegnen und wohlfühlen kann.

Dass in ihr die kranken und einsamen Menschen nicht vergessen werden.

Dass sie ein Ort ist, an dem man über den Glauben nachdenkt und jeder willkommen ist, der nicht weiß, wohin mit seinen Zweifeln.

Gott, wir bitten dich heute besonders für unseren Kirchenvorstand:

Dass unsere Entscheidungen, von denen viele Menschen betroffen sind, nicht zur Routine werden.

Dass der Kirchenvorstand und alle, die in der Gemeinde mitarbeiten, sich wie bisher aufeinander verlassen können.

Dass unser neuer Vorsitzender den Rückhalt und die Unterstützung erfährt, die er braucht.

Dass unser bisheriger Vorsitzender uns weiter mit Rat und Tat zur Seite steht, aber auch Zeit gewinnt für andere Interessen.

Dass der Kirchenvorstand kritisch und einsatzfreudig bleibt und weiterhin auch die Belange des Stadtteils im Blick behält.

Gott, wir bitten dich für Menschen, die von Schicksalsschlägen und Tod betroffen sind.

Für die Schüler, die bei dem Unglück vor einer Woche in Österreich getötet wurden, und für ihre Eltern, Verwandten und Freunde: Sei ihnen nahe in ihrer Verzweiflung.

Für Menschen, die fahrlässig Unfälle verursachen: Hilf ihnen, zu ihrer Schuld zu stehen und Verantwortung zu übernehmen.

Für die Toten auf dem russischen U-Boot und ihre Angehörigen und lass bei den Verantwortlichen die Einsicht wachsen, dass Menschenleben wichtiger sind als nationale Interessen.

Für diejenigen unter uns, die um Angehörige oder Freunde trauern: Tröste du, wo menschlicher Trost versagt.

Zwei verstorbene Gemeindeglieder schließen wir namentlich in unsere Fürbitte ein: … .

Schenke uns das Vertrauen, dass die Verstorbenen in deiner Liebe gut aufgehoben sind, und sei bei den Angehörigen und Freunden in allem, was sie bewältigen müssen.

In der Stille bringen wir vor dich, Gott, was jeder einzelne von uns außerdem auf dem Herzen hat:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 432: Gott gab uns Atem, damit wir leben

Und nun geht mit Gottes Segen. Danach warten nicht nur Kaffee und Tee, sondern auch Sekt im Gemeindesaal, um Sie zu locken, noch ein wenig da zu bleiben.

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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