Verklärt als Gottes Ebenbild

Jesus im Gespräch mit den Propheten Mose und Elia.

„Danach habe ich mich gesehnt“, meint Elia. „Gott spricht mit leiser Stimme, und die Menschen hören auf ihn. Du musst der Messias sein.“ Und Mose sagt: „Genau wie ich wirst auch du das Friedensreich auf Erden nicht erleben. Aber du siehst den Himmel offen, wie er auf die Erde kommen wird.“

Ikone der Verklärung Christi mit Mose und Elia auf drei Bergen, vor denen die Jünger Petrus, Johannes und Jakobus zu Boden gestürzt sind

Jesus auf dem Berg der Verklärung im Gespräch mit Elia und Mose (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am Letzten Sonntag nach Epiphanias, den 25. Januar 2009, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zum Gottesdienst in der Pauluskirche mit dem Wort Jesu aus dem Evangelium nach Matthäus 13, 43:

Die Gerechten [werden] leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre!

In der Predigt geht es heute um die Geschichte von der Verklärung Jesu. Drei Jünger erleben, wie Jesus vom Licht Gottes erfüllt wird, und sehen ihn im Gespräch mit den Propheten Mose und Elia.

Lied 165, 1+6-8:

1. Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

6. Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

7. Mache mich einfältig, innig, abgeschieden, sanft und still in deinem Frieden; mach mich reines Herzens, dass ich deine Klarheit schauen mag in Geist und Wahrheit; lass mein Herz überwärts wie ein‘ Adler schweben und in dir nur leben.

8. Herr, komm in mir wohnen, lass mein‘ Geist auf Erden dir ein Heiligtum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, dass ich dich stets lieb und ehre. Wo ich geh, sitz und steh, lass mich dich erblicken und vor dir mich bücken.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Viele zarte Bilder der Nähe zu Gott kamen in dem Lied vor, das wir gesungen haben. „Alles in uns schweige, wenn wir in Ehrfurcht vor ihn treten.“ „Lass dein Licht mein Gesicht berühren.“ „Lass mich dir stillhalten, wie sich die Blumen der Sonne öffnen.“ „Lass mein Herz wie ein Adler zu dir schweben.“ Und am Ende: „Verkläre dich in mir, damit ich nicht aufhöre, dich zu lieben.“

Kommt, lasst uns den heiligen Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

„Komm, du nahes Wesen“, haben wir im Lied gesungen. Bist du uns so nahe, Gott? Oft kommt es uns vor, als ob du ganz weit weg bist, unnahbar fremd. Wenn wir Leid erfahren, wenn wir dein Wort nicht begreifen, wenn wir keinen Sinn im Leben finden, wenn uns Schwermut quält, wo bist du dann, weit weg oder ganz nah? Wir rufen:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Gott will sich in uns verklären, er will uns verwandeln durch seine Liebe, er bleibt uns nicht fern, er rückt uns auf die Pelle, er geht uns unter die Haut. Im Buch der Richter 5, 31 heißt es:

Die [den HERRN] liebhaben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.“

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Vater im Himmel, du hast uns deinen Sohn Jesus Christus geschenkt, durch den wir erkennen, wie du bist, wie du uns nahe bist, wie du für uns da bist. Lass uns auf Jesus hören und ihm nachfolgen. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Matthäus 17, 1-9:

1 Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.

2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.

7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!

8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 450:

1. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.

2. Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt Gewissen; lass die dürre Lebens-Au lauter süßen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar.

3. Gib, dass deiner Liebe Glut unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut bei entstandner Morgenröte, dass wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn.

4. Ach du Aufgang aus der Höh, gib, dass auch am Jüngsten Tage unser Leib verklärt ersteh und, entfernt von aller Plage, sich auf jener Freudenbahn freuen kann.

5. Leucht uns selbst in jener Welt, du verklärte Gnadensonne; führ uns durch das Tränenfeld in das Land der süßen Wonne, da die Lust, die uns erhöht, nie vergeht.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde!

Als ich vom Friedhof komme und im Bus nach Hause fahre, erzählt mir eine Frau auf dem kurzen Weg ihre Lebensgeschichte. Sie kennt mich nicht, gehört nicht zu unserer Gemeinde, weiß aber, dass ich Pfarrer bin. Ihr Mann war früh gestorben, dann verlor sie einen ihrer Söhne. Sie sei kein ungläubiger Mensch, sagte sie, aber das Vaterunser könne sie seit dieser Zeit nicht mehr mitbeten, jedenfalls nicht die Stelle: „Dein Wille geschehe“. Sie will nicht akzeptieren, dass das Gottes Wille sein sollte, sie hatte doch schon genug zu tragen gehabt.

Die Frau hat aber mit Gott nicht abgeschlossen. Sie bleibt mit Gott im Gespräch, obwohl sie im Zwiespalt mit ihm lebt. Sie hält die Frage nach dem Warum und nach dem Willen Gottes offen. Warum müssen Menschen mit so vielen Wunden fertig werden? Kann das Gottes Wille sein? Was ist wirklich Gottes Wille?

Schließlich erzählt sie: Einmal hat sie eine geschnitzte Figur von dem gekreuzigten Jesus mit den eingekerbten Wunden und Striemen gesehen. Da schoss es ihr durch den Kopf: „Deine Wunden sieht man an deinem Körper. Andere Menschen tragen ihre Wunden unter der Kleidung, unter der Haut, in ihrer Seele.“

Heute haben wir im Predigttext nicht das Bild von Jesus am Kreuz mit Wunden und Narben, sondern ein anderes, verklärtes Bild vor Augen gestellt bekommen. Es ist eine Erscheinung, die nur drei Jünger mitbekommen, die engsten Freunde von Jesus, und sie sollen niemandem etwas davon sagen, bevor Jesus nicht auferstanden ist. Es ist, als ob Jesus ihnen etwas zeigen will, das genau so schwer zu begreifen ist wie die Auferstehung.

Aber was will er ihnen zeigen? Ich glaube, es kommt auf jedes Wort in dieser Geschichte an. Sie beginnt mit den Worten: „Nach sechs Tagen“. Das erinnert an den Schöpfungsbericht. Nach sechs Tagen ist die Arbeit Gottes getan, am siebten Tage ruht Gott von seiner Arbeit. Wenn der Evangelist sagt: „Nach sechs Tagen“, deutet er an: Ich werde jetzt neu erzählen vom siebten Schöpfungstag.

Aber was will er vom siebten Schöpfungstag Neues erzählen? Da war doch die Welt fertig. Gott war an seinem Ziel angelangt, konnte ruhen von seiner Arbeit, oder etwa nicht?

Ich denke, wir leben noch in der Zeit des siebten Tages. Denn die Schöpfung ist nicht richtig fertig, so lange die Welt noch von Hass und Krieg erfüllt ist. Ich glaube, Gott hat noch alle Hände voll zu tun, um seine Schöpfung zu vollenden. Wirklich ausruhen und seine Schöpfung mit Freude betrachten kann Gott erst, wenn die Welt von Frieden erfüllt ist und wenn keins seiner Geschöpfe mehr leiden und ohne Liebe leben muss. Die Frage ist nur, auf welche Weise Gott an der Schöpfung weiterarbeitet. Der Evangelist Matthäus erzählt diese neue Geschichte vom siebten Tag:

1 Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.

2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

Was passiert da mit Jesus? Jesus wird verklärt, was soll das heißen? Geht ein verklärter Blick nicht irgendwie ins Weite, abgehoben von dieser Welt? Aber wenn ein Norddeutscher mir was „verklärt“, dann sagt er mir deutlich, was Sache ist. Ich denke, hier geht es um nüchterne Klarheit, die Himmel und Erde verbindet.

Was da mit Jesus geschieht, ist im Griechischen wörtlich eine Metamorphose: eine Umgestaltung, Verwandlung, Erneuerung. Ich habe mal nachgesehen, wo dieses Wort in der Bibel noch vorkommt. Außer in unserer Geschichte sind das nur zwei Stellen, und an beiden geht es darum, dass das, was hier mit Jesus geschieht, auch mit uns Christen passieren soll. Im Brief an die Römer 12, 2 sagt der Apostel Paulus:

Ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Und in 2. Korinther 3, 18 sagt der gleiche Apostel:

Wir werden verklärt in sein Bild [in das Bild des Herrn Jesus] von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.

Was mit Jesus hier passiert, ist also nichts einzigartiges; das kann und soll auch mit uns geschehen. Jesus erlebt hier nicht einen Vorgeschmack darauf, dass er irgendwann nur noch Gott und gar nicht mehr Mensch sein wird. Nein, er bleibt wahrer Mensch, und verwandelt wird er so, dass er als Mensch tatsächlich dem Ebenbild Gottes entspricht. So hat Gott uns alle geschaffen, und dabei sind und bleiben wir Menschen, wir werden keine Götter.

Darum ist es klar: Jesus wird auf dem Berg nicht etwa äußerlich umgestaltet. Letzte Woche hörte ich zufällig von einem Mann, der von Beruf „Körperumgestalter“ ist: seine Arbeit besteht darin, Körper mit Piercings, Tattoos und Implantaten zu ver-un-stalten, muss ich sagen.

Bei Jesus ist es anders. Da ist zwar in seinem Gesicht und an seinen Kleidern auch äußerlich eine Ausstrahlung sichtbar, ein Leuchten wie die Sonne, aber dieses Licht kommt von innen. So strahlen die, die Gott liebhaben, haben wir vorhin gehört, und von Jesus gilt das auf jeden Fall, er liebt Gott, ohne jeden Hintergedanken. So leuchten die Gerechten im Reich Gottes, und Jesus ist der Gerechte schlechthin, er ist ganz und gar gerecht und ruft uns in seine Nachfolge.

Außer diesem Leuchten hat sich äußerlich an Jesus nichts verändert. Aber die Situation verändert sich; plötzlich erscheinen noch zwei Männer auf dem Berg (Matthäus 17):

3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

Mose und Elia waren die größten Propheten des Volkes Israel gewesen. Beide hatten mehrmals auf hohen Bergen mit Gott Kontakt aufgenommen, Mose am Berg Horeb und auf dem Sinai, Elia auf dem Karmel und ebenfalls am Horeb. Als Mose mit den Zehn Geboten vom Berg Sinai herabstieg (2. Buch Mose – Exodus 34, 29), da heißt es:

Er wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte.

Was mögen Mose und Elia mit Jesus reden, da oben auf dem Berg der Verklärung? Erzählt ihm Mose, wie das war, als Gott ihm die hilfreichen Weisungen für sein Volk gab, damit es in Freiheit leben sollte? Erzählt ihm Elia, wie es war, als die Israeliten den Willen Gottes vergaßen, als im ganzen Land andere Götter angebetet wurden und sogar der König Israels vom Gott der Freiheit und seinen Geboten nichts mehr wissen wollten?

Vielleicht fragt der alte Mose Jesus verwundert: „Du bist der Messias? Ein so junger Mann, nur 30 Jahre alt? Ich war bereits 80, als mich der Ruf Gottes traf.“ Darauf könnte Jesus erwidern: „Stimmt. Du warst sogar schon zehn Jahre älter als ich, als du einen ersten Versuch gemacht hast, das Volk Israel zu befreien. Einen Ägypter hast du erschlagen. Aber diese Tat hat nichts genützt; erst viele Jahre später, als du alt warst, warst du wirklich bereit, das Volk aus der Gefangenschaft zu führen.“

Elia könnte eine andere Frage an Jesus richten: „Wie willst du heute Israel befreien? Die Lage ist ja noch viel schlimmer geworden als zu meiner Zeit. Die ganze Welt ist im Griff des Kaisers, und der Eine Gott Israels scheint nicht einmal mehr im eigenen Land eine Rolle zu spielen. Überall herrscht nur Streit und Unfrieden! Jesus, welche Verbündeten hast du, um dem Kaiser die Macht zu nehmen?“ Ich stelle mir vor, dass Jesus antwortet: „Ich bin im Bund mit dem Vater im Himmel, dem Einen Gott.“ Darauf wieder Elia: „Zu meiner Zeit hat der Eine Gott mich als Werkzeug gebraucht, um die Priester der falschen Götter zu töten.“ Jesus sagt ihm: „Ich werde nicht töten. Ich werde mich töten lassen. Ich werde am Kreuz der Römer sterben.“ „Aber“, so erhebt Elia Einspruch, „wie soll auf diese Weise die Gerechtigkeit Gottes siegen? Sollen die Priester des Jupiter und der Venus und aller falschen Götter über den Gott Israels triumphieren? Willst du nicht Zeichen des Sieges aufrichten, wie ich es auf dem Berg Karmel getan habe?“

„Ich werde ein anderes Zeichen aufrichten“, sagt Jesus, „auf dem Hügel Golgatha. Ich bin euch dankbar für die Gebote Gottes, die auch in der Zukunft den Menschen den Weg in die Freiheit weisen sollen. Aber mit Gewalt und Blutvergießen gibt es keine wirkliche Freiheit.“

Mose meldet sich noch einmal zu Wort: „Aber wie kannst du der Messias sein, wenn dich die Römer ans Holz nageln? Wer am Holz hängt, ist von Gott verflucht, so hat es mir Gott selbst gesagt (5. Buch Mose – Deuteronomium 21, 23).“

Was kann Jesus darauf antworten? „Wenn die Feinde Gottes nicht davor zurückschrecken, den Messias Gottes aus der Welt zu schaffen, dann darf der Messias nicht davor zurückschrecken, den Fluch Gottes auf sich zu nehmen. Die Liebe Gottes ist stärker als jeder Fluch Gottes. Ein Fluch wird nur den treffen, der ihn verdient. Die Liebe besiegt jeden Hass.“

„Danach habe ich mich immer gesehnt“, meint Elia. „Ein Gott, der nicht mit Blitz und Donner und Erdbeben regiert, sondern der mit leiser Stimme spricht und auf den die Menschen trotzdem hören (1. Könige 19, 11-12). Du musst wirklich der Messias sein.“

„Langsam glaube ich es auch“, sagt Mose. „Im Grunde geht es dir ähnlich wie mir. Ich führte das Volk bis an die Grenze des Landes, das Gott uns versprochen hatte. Von weitem sehen durfte ich es, aber ich durfte nicht hinein. Du sagst, dass du sterben wirst. Hier auf Erden wirst du das Reich des Friedens nicht erleben. Aber offenbar siehst du schon den Himmel offen, wie er auf die Erde kommen wird.“

Über das, was die drei miteinander reden, habe ich nur Vermutungen angestellt. Aber während sie reden, öffnet sich wirklich der Himmel über Jesus:

5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.

7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!

8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

Der Himmel öffnet sich, aber nicht, damit wir hineinschauen können, sondern damit wir hören, was der Himmel sagt.

Der Himmel kommt hier in Gestalt einer Wolke, die einen Schatten wirft. Es ist eine lichte, helle Wolke, und der Schatten dieser Wolke ist nichts Böses. Trotzdem erschrecken die Freunde Jesu zu Tode, als sie die Wolke erleben und die gewaltige Stimme hören.

An dieser Stelle denke ich wieder an die Frau im Bus, von der ich am Anfang erzählt habe. Wenn sie an Gott denkt, dann kann sie nicht nur an strahlendes Licht denken, sondern zuerst immer an das Unglück, das ihr Leben überschattet hat. Der fremde Gott, der unbegreifliche.

Und doch kann gerade in der Wolke, die unser Leben überschattet, dann doch wieder Gottes Stimme zu hören sein: „Trotz allem, fürchte dich nicht, trotz allem, du bist und bleibst ein geliebtes Menschenkind!“

In unserer Geschichte erlaubt es Gott dem Petrus nicht, da oben auf dem Berg eine fröhliche Kommune zu gründen, so eine Art Wallfahrtsort mit drei Hütten für Mose, Elia und Jesus. Nein, sie sollen auf Jesus hören, sie sollen ihm vom Berg hinunter dorthin folgen, wo die anderen Menschen sind, die einen, die sich verzweifelt nach Hilfe sehnen, und die anderen, die Böses planen. Da unten soll sich bewähren, was Gott ihnen auf dem Berg „verklärt“ hat: Jesus ist der, auf den sie hören sollen. Ihm sollen sie folgen, auch wenn sein Weg nach Golgatha führt. Der verklärte Jesus ist kein anderer als der Jesus mit den eingekerbten Wunden und Narben.

Dieser Weg ist aber von Anfang an schon ein Weg der Auferstehung. Denn die Richtung, die Jesus uns zeigt, ist auf jeden Fall ein Weg der Befreiung. Menschen werden nicht immer vor dem Tode gerettet, aber Gott rettet sie davor, dem Hass und der Verzweiflung zu verfallen. Darum sagt Jesus seinen verängstigten Jüngern als erstes ein tröstliches Wort: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ Sie sollen aufstehen, auferstehen, schon mitten im Leben. Er verlangt ihnen und uns nichts Übermenschliches ab. Er verspricht ihnen und uns auch nicht, dass es keine Probleme mehr auf Erden geben wird. Aber in allem, was geschieht, sind wir auf Erden unter Gottes Himmel nicht allein. Gott steht zu seinem Sohn, obwohl er am Kreuz sterben wird; am Ende wird Jesus das letzte Wort behalten; das Opfer der Gewalt wird Gericht halten über alle Menschen, und alle werden aufatmen, die sich nach Gerechtigkeit und Frieden sehnen.

Nein, wir müssen nicht vor Furcht vergehen, obwohl wir in der Welt immer wieder Angst haben. Gott liebt seinen Sohn mit einer Liebe, die ansteckend wirkt, die er seinen Jüngern und uns allen weitergibt. Wo wir uns davon anstecken lassen, da ist diese Welt noch nicht verloren, da sind auch wir in dieser Welt noch nicht verloren.

Am 15. Januar vor genau 80 Jahren wurde Martin Luther King geboren, der schwarze Baptistenpastor, der in den USA unermüdlich für seinen Traum eintrat, dass eines Tages in seinem Land die Wahrheit selbstverständlich gelten würde, „dass alle Menschen gleich erschaffen sind.“ Er hatte „einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.“ Er hatte den „Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“ Er hatte „einen Traum, dass eines Tages in Alabama, mit seinen bösartigen Rassisten, … , dass eines Tages genau dort in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen kleinen weißen Jungen und Mädchen die Hände schütteln würden als Brüder und Schwestern.“ Genau fünf Tage nach dem 80. Geburtstag von Martin Luther King hat ein schwarzer Präsident sein Amt in den USA angetreten. Wer hätte so etwas noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten?

Für viele Menschen stand damals Martin Luther King wie Jesus auf einem Berg, als eine verklärte Messiasgestalt. Er wurde ermordet, aber seine Visionen wirkten weiter.

Viele Menschen sehen heute in Barack Obama auch so etwas wie einen Messias, der alle Probleme lösen soll. Ein Messias ist er sicher nicht, und Übermenschliches sollte man von ihm nicht erwarten. Wie menschlich er ist, hat er ja schon gezeigt, als er seinen Amtseid doppelt ablegen musste. Aber gerade Präsident Obama zeigt, was man als evangelischer Christ erreichen kann, wenn man sich nicht damit abfindet, immer nur zu hören: „Man kann ja doch nichts machen!“

Wir können etwas machen. An unserem Platz tragen wir dazu bei, dass aus einer oft heillosen Welt Schöpfung wird. Wir leben als Menschen, wie Gott uns gemeint hat: Ebenbilder seiner Liebe. Der christliche Glaube versetzt Berge von Hass und Rassismus, von Angst und Zaghaftigkeit, wenn wir Mut gewinnen, auf die Liebe und das Recht Gottes zu vertrauen. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 571:

1. Nun geh uns auf, du Morgenstern, du seligmachend Wort des Herrn, du Pfand des Heils, das uns im Sohn der Vater gab von seinem Thron.

2. Bereitet ist für dich die Bahn, die Herzen sind dir aufgetan, wir sehnen uns nach deinem Licht und seufzen auf: versäum uns nicht.

3. Du Wort der Wahrheit, lautrer Quell, mach unsre dunklen Augen hell, dass wir die Wege Gottes sehn und in der Welt nicht irre gehn.

4. Du Wort der Buße, füll das Herz uns an mit tiefem Reueschmerz, dass unser Flehn und Seufzen sei: Gott, steh uns armen Sündern bei!

5. Du Wort der Gnade, tröstend Wort, o bring uns Botschaft fort und fort von ihm, der für uns litt und starb und uns Gerechtigkeit erwarb.

6. Du Wort des Glaubens, gib uns Kraft, dass wir, der Eitelkeit entrafft, im gnädig dargebotnen Heil ergreifen unser ewges Teil.

7. So geh uns auf, du Gottesglanz, durchdring uns und verklär uns ganz, du Wort, das noch in Kraft besteht, wenn Erd und Himmel untergeht.

Lasst uns beten. In jede Fürbitte, die ich mit „Jesus, Licht der Welt“ beende, stimmen Sie bitte mit dem Ruf ein: „Christus, erleuchte die Welt!“

Präsident Obama hat sein Amt angetreten. Hessen hat gewählt, Israel wird es bald tun. Wir beten für alle, die Verantwortung übernehmen in Politik und Gesellschaft: um einen klaren Blick für das Wohl aller Menschen und um Kraft und Entschiedenheit. Jesus, Licht der Welt: „Christus, erleuchte die Welt!“

Alle Christen sind berufen, Jesus nachzufolgen und ihren Glauben zu verkündigen. Wir beten besonders für die Christen in den westlichen Ländern: um den langen Atem deines Geistes in schweren Zeiten und um Phantasie und Mut zu neuen Wegen. Jesus, Licht der Welt: „Christus, erleuchte die Welt!“

Die Not in der Welt verschwindet schnell aus den Nachrichten. Wir beten für die Menschen in Simbabwe, im Sudan, im Kongo, in Bolivien und in anderen Katastrophengebieten: um Hilfe für die Lebenden und um die ewige Gemeinschaft bei dir für die Verstorbenen. Jesus, Licht der Welt: „Christus, erleuchte die Welt!“

Wir beten für Menschen, die uns besonders am Herzen liegen, und für unsere Toten. Insbesondere beten wir heute für Frau …, die im Alter von 44 Jahren gestorben ist und die wir kirchlich bestattet haben. Wir sind zuversichtlich, dass sie inmitten der Engel ihren Platz im Himmel findet, und wir beten für ihre Angehörigen und Freunde, dass sie nicht aufhören, einander mit Liebe durch die schwere Zeit zu tragen, und dass es in ihrem Leben auch wieder Zeiten des Lichts geben wird. Jesus, Licht der Welt: „Christus, erleuchte die Welt!“

In der Stille bringen wir vor dich, was wir ganz persönlich auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser
Lied 74:

1. Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht, du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf.

2. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend’ger, hoffen wir; denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

3. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt, du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht, bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugesellt.

Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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