„Der Herr ist mein Licht und mein Heil“

Trauerfeier für eine Frau, die sich von Gott die leeren Hände füllen ließ, um für andere Menschen da zu sein; insbesondere wusste sie, die zwei Mal mit einem blinden Mann verheiratet war, was es bedeutet, dass Gott unser Licht und Heil ist.

Eine Hand mit einem Streichholz, mit der sie eine kleine Kerze in der Dunkelheit angezündet hat.

Wer von Gottes Licht erfüllt ist, kann ein Licht für andere anzünden (Bild: pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Frau P., die im Alter von … Jahren gestorben ist. Das tun wir im Vertrauen auf Gott, den Herrn, der spricht: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

Eingangsgebet

Wir beten mit Worten des Psalms 27, 1-14:

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

4 Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten.

5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.

7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!

8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.

9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf.

11 HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.

12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht ohne Scheu.

13 Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.

14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Liebe Trauergemeinde!

Viel zu früh, so denken wir, hat Frau P. sterben müssen. Der Lebensabend stand ihr erst noch bevor. Aber wir müssen uns damit abfinden: Niemand kann einen Anspruch auf ein langes Leben geltend machen, unser Leben ist geschenkte Zeit; es wird uns wieder genommen, dem einen früher, dem anderen später.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Schwere Krankheit kündigte sich seit einem Jahr an; im letzten Frühjahr stellte sich heraus, dass Frau P. unheilbar an Krebs erkrankt war. Mit der Zeit hat sie geahnt oder gewusst, dass sie bald sterben würde. Zugleich aber behielt sie bis zuletzt auch den Funken Hoffnung, ihr Zustand könne sich noch einmal bessern. Nun musste sie ihr Leben in die Hand des Schöpfers zurücklegen, musste alles loslassen, was ihr irdisches Leben ausgemacht hatte.

Für uns alle gilt, dass wir Frau P. getrost in die Hände Gottes geben können; er ist ein gnädiger, ein liebender Gott, der niemanden vergisst und niemanden verloren gehen lässt. Wer Frau P. geliebt hat und von ihr Liebe erfahren hat, kann diese Liebe über den Tod hinaus bewahren, kann Gott für alles danken, was ihm mit dem Leben von Frau P. geschenkt war. Und wo wir einander etwas schuldig geblieben sind, da können wir Gott um Vergebung bitten; uns soll nichts mehr quälend belasten, was wir nicht mehr ändern können.

Erinnerungen kommen uns an einem solchen Tag, Gedanken auch an den eigenen Tod, der uns irgendwann droht, und schließlich Gedanken an unser Leben, das bewältigt sein will. Wann ist ein Leben sinnerfüllt, das Leben eines Verstorbenen, unser eigenes Leben? Solche Fragen drängen sich gerade heute mit Macht auf, und wenn ein Mensch gestorben ist, an dem wir gehangen haben, dann stirbt ja auch ein Teil von uns selbst mit, und wir müssen uns neu orientieren, müssen nun ohne diesen Menschen mit uns selber fertig werden, müssen Unterstützung woanders suchen, die wir manchmal nötiger brauchen, als wir zugeben wollen.

Ob ein Leben erfüllt war, lässt sich nicht an der Länge des Lebens abmessen. Paulus sagt einmal, dass nur Glaube, Hoffnung und Liebe Bestand haben, wenn es um die Lebenserfüllung geht. Und genau wie das Leben selbst sind auch diese drei nicht beliebig zu haben, zu besitzen, festzuhalten, zu vermehren. Glaube ist Öffnung für Gott, Hoffnung ist Offensein für die Zukunft, Liebe ist Aufgeschlossensein für den anderen Menschen; hier geht es jedesmal um eine lebendige Beziehung, um ein Empfangen und ein Geben, um Austausch. Nur wer sich etwas schenken lassen kann, sein Leben mit Liebe erfüllen lassen kann, kann auch selber glauben, hoffen und lieben, kann dankbar leben.

Lebenserfüllung bedeutet also: sich beschenken lassen, sich die leeren Hände von Gott füllen lassen. Im 27. Psalm, den wir gebetet haben, wird diese Zuversicht auf Gott so ausgedrückt (Psalm 27, 1):

Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

Dieser Spruch hat anscheinend viel mit dem Leben von Frau P. zu tun. Sie war ihr Leben lang mit viel Kraft und Energie für andere da; das lässt erahnen, dass sie auch viel Kraft geschenkt bekommen hat. Sie ist zwei blinden Männern sozusagen ein Licht in der Dunkelheit geworden, hat in ihrer Pflege so viel wie möglich versucht, ihnen das Augenlicht teilweise zu ersetzen; sie hat damit etwas getan, was in der frohen Botschaft der Bibel immer wieder als ein Zeichen des beginnenden Gottesreiches gedeutet wird (Lukas 7, 22):

Blinde sehen, Lahme gehen, … Armen wird das Evangelium gepredigt.

Und darin erkennen wir auch schon einen Weg, wie Gott uns die leeren Hände füllt, wie er uns beschenkt. Er wählt sich meistens bestimmte Menschen als Werkzeuge, als Mitarbeiter aus, die andern Menschen Licht und Wärme vermitteln, die Trost und Kraft zusprechen, die Liebe und Zuversicht ausstrahlen. Manchmal erfahren wir die Hilfe von andern in dieser Weise, sind wir einfach angewiesen darauf (und das ist keine Schande), uns bei jemandem auszusprechen, unser Herz auszuschütten, und dann wieder fühlen wir uns so gestärkt, dass wir selber anderen beistehen können, Geduld haben können mit menschlichen Schwächen usw.

Ja, unser Lebenssinn liegt nicht im Arbeiten, im Sorgen und Machen. Wir können uns mit noch so großer Anstrengung nicht das Paradies verdienen. Das haben wir auch gar nicht nötig. Gott schenkt uns alles, was zur Lebenserfüllung nötig ist (Psalm 27, 1):

Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

Wer wir für diesen Glauben offen sind, um dieses Vertrauen zu Gott bitten, auch wenn wir immer wieder in Zweifel geraten, dann sind wir in der Welt nie vollkommen verlassen.

Denn weiter heißt es in dem Psalmgebet (Psalm 27, 9-11):

Du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil! Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf. HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn.

Amen.

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