Siebentagewoche der Erlösung

Kirchenfenster mit dem Einzug Jesu in Jerusalem auf einem Esel

Am Anfang der Karwoche zieht Jesus umjubelt auf einem Esel reitend in Jerusalem ein (Foto eines Kirchenfensters: pixabay.com)

Morgen beginnt die christliche Karwoche. Ähnlich wie das erste Buch Mose mit hochkonzentrierter Symbolik erzählt, dass Gott die Welt in einer Siebentagewoche erschaffen habe, so schildert das Markusevangelium auch die Karwoche als ein Drama in sieben Tagen.

Die ersten drei Tage sind geprägt durch Erwartungen, die sich auf einen starken Mann Gottes richten.

Palmsonntag: Jubelnde Männer, Frauen und Kinder breiten einen „grünen Teppich“ aus Palmzweigen vor Jesus aus. Ist er, der auf einem Esel in Jerusalem einreitet, der Friedenskönig, der Gerechtigkeit schafft für alle Menschen?

Montag: Jesus mischt die Geschäfte der Geldwechsler und Taubenverkäufer im Tempel auf. Wird Jesus einer Religion das Ende bereiten, die Gottes Zorn mit Opfern zu besänftigen versucht?

Dienstag: Jesus steht vielen Menschen Rede und Antwort. In seinen Worten begegnen sie einem Gott, der streitet und tröstet, ermutigt und mahnt. Werden sie auf ihn hören?

Der Mittwoch bringt mit zwei gegenläufigen Ereignissen eine Wende. Während eine Frau Jesus zärtlich mit kostbarem Nardenöl salbt, bereitet sein Freund Judas den Verrat an Jesus vor.

Ab jetzt steht die Karwoche offensichtlich im Zeichen des Leidens. Kar kommt vom althochdeutschen „Kara“ = Kummer, Leiden, Trauern. Wie verdorben muss die Schöpfung der Menschen sein, dass in ihr der Sohn Gottes ans Kreuz geschlagen wird?

Gründonnerstag: Jesus deutet das jüdische Passah-Mahl auf geheimnisvolle Weise um. Seinen „Leib“, sein „Blut des Bundes“ teilt er mit Brot und Kelch an die Mitfeiernden aus.

Karfreitag: Nach einer Nacht der Angst stirbt Jesus, von seinen Feinden verspottet, von seinen Freunden und von Gott verlassen, am Kreuz. „Vater, vergib ihnen“, sagt Jesus (Lukas 23, 34), „denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Und ein römischer Hauptmann ruft aus (Markus 15, 29): „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“

Karsamstag: Am Sabbat ruht Jesus im Grab. Der Messias Gottes teilt das Schicksal der Toten, ist sogar „niedergefahren zur Hölle“, wie es früher im Glaubensbekenntnis hieß.

So endet die Karwoche. Und in gewisser Weise endet mit der Karwoche die Welt. Nämlich die verlorene Welt derer, die sich stark genug fühlen, Gott zu töten. Doch in diesem Ende liegt der Anfang einer neuen Welt verborgen. Nach der Karwoche folgt eine neue Woche, ein neuer Schöpfungsmorgen: Ostern!

Wort zum Sonntag am Samstag, 19. März 2005, für die Gießener Allgemeine von Pfarrer Helmut Schütz, Pfarrer der Evangelischen Paulusgemeinde Gießen.

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