Glaubt an das Licht!

Will ich sehen, dass Jesus das Licht der Welt ist – Licht und Liebe? Will ich wie Jesus sein, liebevoll, ehrlich, nicht nachtragend? Dann brauche ich nur die Augen aufzumachen und sehen: Hier brennen Kerzen der Liebe Gottes! Jesus wurde gehasst und hat nicht aufgehört zu lieben. Jesus wurde getötet und hat seinen Mördern vergeben. Jesus ist gestorben und auferstanden.

Sieben Kerzen, schon ziemlich heruntergebrannt

Kerzen leuchten – als Symbol für das Licht der Liebe (Foto: pixabay.com)

Familiengottesdienst mit Abendmahl zur Verabschiedung des Jugendreferenten Ralf Volgmann am Letzten Sonntag nach Epiphanias, den 4. Februar 2001, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie und Euch Kinder und Konfirmanden herzlich zu einem Familiengottesdienst mit Abendmahl! Es ist ein besonderer Gottesdienst, denn – „der Ralf“ geht weg!

Allerdings geht er nicht ganz weg. Ralf Volgmann hat sich jetzt sogar als Mitglied der Paulusgemeinde umgemeldet, obwohl er nicht hier wohnt. Und er bleibt auch beruflich in der Nordstadt – seit 1. Februar leitet er nämlich das Jugendzentrum „Holzwurm“.

Trotzdem: sein Dienst als Jugendreferent der evangelischen Paulusgemeinde Gießen geht nach sechs Jahren zu Ende, und das finden wir schade. Zugleich freuen wir uns aber auch auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm. Jedenfalls wollen wir ihn nicht einfach sang- und klanglos gehen lassen.

Wir danken Ralf Volgmann heute für seine Arbeit. Wir tun dies nachher ausdrücklich und ausführlich am Ende des Gottesdienstes und bei einem Empfang im Saal nebenan mit Sekt, Saft und Selters.

Da Ralf Volgmann seinen Dienst bei uns als Mitarbeiter der Kirche und als Christ getan hat, feiern wir diesen besonderen Gottesdienst – mit ihm und mit denen, die ihm besonders am Herzen lagen: Jugendliche, Kinder und Familien.

So sind wir auch heute hier versammelt im Namen Gottes – des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Jeder Dank an einen Menschen enthält auch einen Dank an Gott – denn Gott schenkt uns unsere Kräfte, unsere Gaben, und stellt uns Menschen wie Ralf Volgmann an die Seite.

Ich glaube, kein Lied passt besser an den Anfang dieses Gottesdienstes als das Lied 334:

Danke für diesen guten Morgen

Jesus, der Sohn Gottes, sagt im Evangelium nach Johannes 12, 46 (vereinfachte Übersetzung):

Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist. Keiner, der mir sein Vertrauen schenkt, soll im Finstern sitzen bleiben.

„Ich bin das Licht“, sagt Jesus. (Konfirmandinnen lesen die farbigen Texte und zünden Kerzen an, zuerst die Kerze in der Mitte der Schale auf dem Taufbecken.) Wie kann ein Mensch ein Licht sein?

Die meisten Menschen finden es schöner, wenn es hell ist. Vor allem Kinder fürchten sich oft im Dunkeln. Aber wenn einer da ist, den man liebhat, ist es auch im Dunkeln nicht so schlimm. Dann ist die Angst weg.

Ein Mensch kann ein Licht für uns sein. Ein Mensch, der uns lieb hat. So wie die Mutter, die ihr Kind in den Arm nimmt, wenn es hingefallen ist oder Angst im Dunkeln hat. (Sie zündet die 1. weiße Kerze am Taufbecken an.)

Ein Mensch kann ein Licht für uns sein. Ein Mensch, der für uns da ist. Zum Beispiel ein Vater, der sich für seine Familie Zeit nimmt und mit den Kindern spielt. (Sie zündet die 2. weiße Kerze am Taufbecken an).

Ein Mensch kann ein Licht für uns sein. Ein Mensch, auf den man sich verlassen kann. Zum Beispiel ein Ehemann oder eine Ehefrau, die treu bleiben, auch in kritischen Zeiten. (Sie zündet die 3. weiße Kerze am Taufbecken an).

Ein Mensch kann ein Licht für uns sein. Ein Mensch, von dem wir uns etwas sagen lassen. Zum Beispiel ein Lehrer, der auf die Schüler eingeht und ihnen etwas zutraut. (Sie zündet die 4. weiße Kerze am Taufbecken an).

Ein Mensch kann ein Licht für uns sein, ein Lichtblick in unserem Leben. Zum Beispiel ein Pfarrer, dem man alles erzählen kann und der nichts weitererzählt. (Sie zündet die 5. weiße Kerze am Taufbecken an).

Ein Mensch kann ein Licht für uns sein. Ein Mensch, an den wir immer gern denken. Zum Beispiel meine Freundin, die mich nie im Stich lässt. (Sie zündet die 6. weiße Kerze am Taufbecken an).

Ein Mensch kann ein Licht für uns sein, ein Lichtblick in unserem Leben. Zum Beispiel der Leiter einer Jugendgruppe, zu dem wir Vertrauen haben und mit dem wir gern auf eine Freizeit fahren. (Sie zündet die 7. weiße Kerze am Taufbecken an).

So kann ein Mensch ein Licht für uns sein – ein Lichtblick. Dann freuen wir uns, dann atmen wir auf, dann wird unser Herz frei.

Lied 557: Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit

Aber wir Menschen sind nicht immer nur wie ein Licht. Manchmal machen wir anderen das Herz schwer. Manchmal pusten wir das Licht aus, das ein anderer vor sich sieht.

Ein Kind ist traurig, aber die Mutter nimmt sich keine Zeit, um es zu trösten. (Sie pustet die 1. weiße Kerze am Taufbecken aus.)

Ein Mann ist alkoholkrank. Er verspricht seiner Familie: Ich höre auf zu trinken. Aber dann trinkt er doch wieder und schlägt die Frau und die Kinder. (Sie pustet die 2. weiße Kerze am Taufbecken aus.)

Ein Schüler ist neidisch, dass andere im Unterricht besser sind. Einmal kann er eine Rechenaufgabe nicht und die anderen lachen über ihn. (Sie pustet die 3. weiße Kerze am Taufbecken aus.)

Dieser Junge will nicht, dass die anderen ihn auslachen! Da sagt er lieber: Rechnen ist blöd! Und er beschimpft alle Schüler, die besser sind als er: „Streber! Streber!“ (Sie pustet die 4. weiße Kerze am Taufbecken aus.)

Ein Mädchen erzählt: „Da sind welche, die gehören zu den anderen. Zu denen, die ich nicht mag. Die machen mir angst. Von denen hat mir mal jemand Schläge angedroht.“ (Sie pustet die 5. weiße Kerze am Taufbecken aus.)

Das gleiche Mädchen denkt: „Ich will mir keine Angst machen lassen. Sollen die doch Angst vor mir haben!“ Darum sagt sie: „Haut ab, sonst könnt ihr was erleben!“ (Sie pustet die 6. weiße Kerze am Taufbecken aus.)

Ein Junge sitzt im vollbesetzten Bus. Er ärgert sich, dass ein Mann über die Jugend von heute schimpft. Da steigt eine alte Frau mit schwerer Einkaufstasche ein. Aber er bleibt aus Trotz einfach sitzen und bietet ihr seinen Platz nicht an. (Sie pustet die 7. weiße Kerze am Taufbecken aus.)

Ein Mensch kann ein Lichtblick sein – aber er kann auch anderen Menschen das Licht auspusten. Durch jeden und jede von uns kann die Welt heller werden, aber auch dunkler.

Manchmal fällt es schwer, überhaupt noch einen Lichtblick in der Welt zu sehen. Manchmal denkt man, es lohnt sich wirklich nicht, zu vertrauen, Gutes zu tun, Streit zu schlichten, Zeit zu opfern für andere Menschen.

Und wenn ein Mensch wie Jesus kommt und sagt: Ich bin das Licht? Ich komme von dem, der nur Licht ist und niemals Finsternis? Der die Menschen liebt und nicht verachtet?

Dann können wir die Augen zumachen und sagen: Es ist überhaupt kein Licht da. Alles ausgepustet. Zu viele böse Menschen. Zu viele schlechte Erfahrungen.

Manche lachen sogar Jesus aus: Das glaubst du selber nicht, dass die Liebe eine Chance hat! Man bringt dich um am Kreuz, und dein Vater im Himmel hilft dir nicht einmal!

Und dann? Dann wird es auch in mir dunkel. Dann heule ich auch mit den Wölfen. So puste ich auch noch das letzte Licht in der Welt aus. Selbst der beste Mensch von allen – Jesus – ausgelacht – gequält – ans Kreuz gehängt – tot. (Ich puste die Kerze in der Mitte aus.)

„Ich bin das Licht“, sagt Jesus. Nimmt er den Mund zu voll? Gilt sein Wort, auch wenn man ihm das Lebenslicht ausbläst?

Lied 572: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

„Ich bin das Licht“

– sagt Jesus. Das ist so ein Wort, das wie ein Licht in der Nacht ist.

Aber es gibt auch Worte in der Bibel, die verstehe ich nicht so leicht. Zum Beispiel diesen (Johannes 12, 40 nach der katholischen Einheitsübersetzung):

[Gott] hat ihre Augen blind gemacht…, damit sie mit ihren Augen nicht sehen.

Will Gott selber nicht, dass die Menschen das Licht sehen? Er macht sie blind? Warum?

Vielleicht will Gott, dass wir uns über ihn ärgern und anfangen, über ihn nachzudenken.

Vielleicht will Gott, dass wir merken, wie sehr uns das Licht fehlt.

Vielleicht ist Gott ein so helles Licht, dass wir die Augen zumachen müssen, um nicht geblendet zu werden.

Vielleicht kommt es uns auch nur so vor, als ob Gott uns blind macht. In Wirklichkeit wollen wir selber das Licht nicht sehen.

Warum will ein Mensch das Licht in der Welt nicht sehen? Vielleicht will er, dass die Welt finster und schlecht ist. Dann ist es egal, was man selber tut, man braucht sich nicht zu bemühen, selber ein Licht zu sein.

Aber ist wirklich kein Licht mehr da in der Welt, wenn wir kein Licht mehr sehen?

Sind wirklich alle Lichter verschwunden, wenn wir viele Lichter in unserem Leben auspusten?

Ist das Licht der Welt wirklich für immer ausgelöscht, wenn Jesus tot ist?

Die Bibel sagt: Das ist ein Irrtum. Ein Denkfehler. Vielleicht sehen wir das Licht nicht. Aber das kann auch an unseren Augen liegen.

Kinder, überlegt mal: Was kann mit unseren Augen sein, wenn wir nichts sehen? – Wenn einer blind ist, kann er nichts sehen. – Wenn einer die Augen verbunden hat, auch nicht. – Oder wenn man die Augen zumacht.

Wer traut sich? Wer macht einmal die Augen zu? Dann sieht man keine Lichter mehr, keine Kerzen, nicht mal das Tageslicht.

Und jetzt sagt mal: Gibt es noch angezündete Kerzen hier in der Kirche? Hier vorne am Taufbecken nicht, aber da auf dem Altar!

Will ich sehen, dass Jesus das Licht der Welt ist, nur Licht und Liebe? Will ich ihm nachfolgen? Will ich wie Jesus sein, liebevoll, ehrlich, nicht nachtragend?

Dann brauche ich nur die Augen aufzumachen und sehen: Hier brennen die Kerzen der Liebe Gottes!

Ich mache die Augen meines Herzens auf und glaube: Jesus wurde gehasst und hat nicht aufgehört zu lieben. Jesus wurde getötet und hat seinen Mördern vergeben. Jesus ist gestorben und auferstanden.

(Die erste Konfirmandin holt die mittlere Kerze vom Taufbecken, zündet sie an einer Altarkerze an und bringt sie zurück zum Taufbecken.)

So ist und bleibt Jesus für immer das Licht der Welt.

Und er selbst sagt uns: Macht die Augen auf!

Glaubt an das Licht, damit ihr Kinder des Lichts werdet.

Dies sagte Jesus (Johannes 12, 36).

Ein Kind des Lichts bin ich, wenn ich die Augen aufmache und sehe: Jesus ist mit seiner Liebe der Lichtblick für die Welt. Er verkörpert und zeigt uns den Gott, der uns lieb hat. Er will uns helfen, für andere ein Licht zu sein und unser Licht in die Welt zu tragen.

Lied 588

(Eine Konfirmandin zündet eine der sieben Kerzen an der Altarkerze wieder an)

Tragt in die Welt nun ein Licht…

(Eine Konfirmandin zündet zwei der sieben Kerzen an der Altarkerze wieder an)

Tragt zu den Alten ein Licht…

(Eine Konfirmandin zündet zwei der sieben Kerzen an der Altarkerze wieder an)

Tragt zu den Kranken ein Licht…

(Eine Konfirmandin zündet zwei der sieben Kerzen an der Altarkerze wieder an)

Tragt zu den Kindern ein Licht…

Wer das Licht in die Welt tragen will, kann sich jeden Sonntag von dem Licht der Welt hier in der Kirche etwas abholen: Geschichten von Jesus und gute Worte der Bibel rühren mich an. Im Licht der Kerzen spiegelt sich etwas vom Licht der Welt. Und immer wieder kommen wir auch zusammen, um gemeinsam mit Jesus zu essen und zu trinken, Brot und Saft der Trauben. Denn Jesus macht uns satt mit dem Brot seiner Liebe. Jesus macht uns stark mit dem Kelch der Vergebung. So feiern wir auch heute das heilige Abendmahl miteinander.

Lieber Gott, lieber Jesus! Wir können ein Licht für andere Menschen sein. Oft sind wir es nicht. Wir können die Augen aufmachen und sehen, wie du alle Menschen lieb hast. Oft kneifen wir lieber die Augen zu. Vergib uns unsere Blindheit und hilf uns, die Augen aufzumachen für deine Liebe. Amen.

Gemeinsam beten wir zum Vater im Himmel mit Worten von Jesus:

Vater unser und Einsetzungsworte zum Abendmahl
Lied 229: Kommt mit Gaben und Lobgesang

Nun können alle, die wollen, nach vorn in den Abendmahlskreis kommen.

Der Friede des Herrn sei mit euch allen! Seht das Licht der Welt, schmeckt, wie freundlich Gott ist! Amen.

Austeilung

Jesus ist das Licht der Welt – er liebt die Menschen so sehr, dass er selbst seinen Feinden nicht weh tut. Lieber gibt er sein Leben, gibt er seinen Leib für uns hin.

Nehmt und gebt weiter, was euch gegeben ist – den Leib der Liebe Gottes.

Herumreichen des Korbs

Jesus ist das Licht der Welt – in seinem Licht bleibt nichts verborgen, nichts, was in unserem Leben nicht stimmt, doch sein Licht ist zugleich das Licht der Vergebung.

Nehmt hin den Kelch der Vergebung, des neuen Anfangs, der Versöhnung zwischen Gott und Mensch.

Austeilen der Kelche

Jesus Christus spricht: „Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.“ (Johannes 12, 46) Geht hin im Frieden!

Lied 590: Herr, wir bitten: Komm und segne uns, lege auf uns deinen Frieden
Abkündigungen
Verabschiedung von Ralf Volgmann

Lieber Ralf, nun bitte ich dich, nach vorn zu kommen!

Im Predigttext für den heutigen Sonntag stand dieser schwierige Satz (Johannes 12, 40 nach der katholischen Einheitsübersetzung):

[Gott] hat ihre Augen blind gemacht…, damit sie mit ihren Augen nicht sehen.

Als ich das las, habe ich gedacht: dieser Satz passt zu deinem Dienst in der Jugendarbeit hier in der Paulusgemeinde, lieber Ralf. Eigentlich ist es ein unmöglicher Job, wenn man in der heutigen Zeit Jugendliche und Kirche zusammenbringen will. Erst recht in einem Wohnviertel, in dem sehr unterschiedliche Gruppen von Jugendlichen wohnen, die nicht immer so gut miteinander können. Ein unmöglicher Job, aber du hast ihn als deine Berufung angesehen und zur größten Zufriedenheit des Kirchenvorstands und – was noch wichtiger ist – vor allem auch der Jugendlichen selbst gemeistert! Und du schmeißt ihn ja auch nicht hin, weil du ihn für zu schwierig hältst, nein, ich denke, deine neue Arbeit ist ja im gleichen Stadtteil und Problemfeld angesiedelt und stellt wohl eine noch größere Herausforderung dar.

Vor sechseinhalb Jahren hast du angefangen, in der Paulusgemeinde zu arbeiten, am 1. August 1994, mit deinem Anerkennungsjahr als Gemeindepädagoge in der Paulusgemeinde – so steht es im Protokollbuch des Kirchenvorstands.

Am Ende deiner Tätigkeit spricht dir nun der Kirchenvorstand seine Anerkennung und auch Bewunderung für deinen Dienst aus und will dir offiziell dafür danken. Wir tun dies mit einem Geschenk, das etwas mit dem Computer zu tun hat und von dem wir hoffen, dass es dir Spaß macht.

Herzlichen Dank für deinen Dienst als Jugendreferent in der Paulusgemeinde und reichlich Gottes Segen für deinen weiteren Weg, der ja nicht weit von uns weg führt!

Fürbitten (Frank-Tilo Becher und Konfirmanden)

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke des Bösen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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