Realistisch und voller Hoffnung

Viele fühlen sich gefangen zwischen „Alles oder Nichts“. Wenn ich nicht alles erreichen kann, fange ich lieber gar nichts an. Wenn ich immer wieder enttäuscht werde, lasse ich niemanden an mich heran. Hier beginnt der Unterschied zwischen schicksalhaftem und selbstverschuldetem Unheil. Lebensumstände werden uns geschickt, für die wir nichts können. Aber was wir daraus machen, ist zum Teil unsere Verantwortung.

Alles wird gut. Ein Graffito auf der Straße in Wien

Ein Graffito auf der Straße in Wien (Foto: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Toten- oder Ewigkeitssonntag, den 20. November 1988, um 9.30 Uhr in Reichelsheim, um 10.30 Uhr in Heuchelheim und um 13.00 Uhr in Dorn-Assenheim

Im Gottesdienst am letzten Sonntag im Kirchenjahr begrüße ich Sie und Euch alle in der Reichelsheimer Kirche! Totensonntag nennen wir diesen Tag, wir gedenken vor allem derer, die im vergangenen Kirchenjahr aus unserer Gemeinde gestorben sind und kirchlich bestattet wurden. Zugleich heißt dieser Sonntag aber auch Ewigkeitssonntag, denn wir haben eine Zuversicht, die über diese irdische Zeit hinausreicht – hinein in Gottes Ewigkeit.

Wir beginnen mit dem Lied 349, 1-3:

Morgenglanz der Ewigkeit,
Licht vom unerschöpften Lichte,
schick uns diese Morgenzeit
deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.

Deiner Güte Morgentau
fall auf unser matt Gewissen;
lass die dürre Lebensau
lauter süßen Trost genießen
und erquick uns, deine Schar, immerdar.

Gib, dass deiner Liebe Glut
unsre kalten Werke töte,
und erweck uns Herz und Mut
bei entstandner Morgenröte,
dass wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“
Psalm 126, 1-3.5-6:

Wenn Gott die … erlösen wird,
[die nicht mehr ein noch aus wissen,
die in ihm ihre letzte Zuflucht sehen,]
dann werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens
und unsere Zunge voll Rühmens sein.
Dann wird man sagen
unter [denen, die nicht glauben]:
Der HERR hat Großes an ihnen getan.

Die mit Tränen säen,
werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen
und streuen ihren Samen
und kommen mit Freuden
und bringen ihre Garben.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Mit gemischten Gefühlen sind wir hier, o Gott, mit Trauer im Herzen und mit Hoffnung, mit dem Wunsch, bei dir eine Zuflucht zu finden, aber vielleicht auch mit der geheimen Furcht, enttäuscht zu werden. Gott, es ist nicht leicht, mit schweren Gedanken und Gefühlen fertigzuwerden. Einsamkeit ist schwer zu ertragen. Manchmal haben wir Angst zu spüren, wie weh eine Erinnerung tut. Doch zu dir können wir jederzeit kommen. Dir können wir uns anvertrauen, mit unseren geseufzten Gebeten, ohne Worte, einfach aus dem Herzen heraus. Auf dich dürfen wir unsere Hoffnung setzen – im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus der Offenbarung 21, 1-7:

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

7 Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 276, 1-2+5:

Geht hin, ihr gläubigen Gedanken,
ins weite Feld der Ewigkeit,
erhebt euch über alle Schranken
der alten und der neuen Zeit;
erwägt, dass Gott in mein Gemüte
hinauf zu dieser Quelle steigt,
von welcher sich ein Strom der Güte
zu mir durch alle Zeiten neigt,
dass jeder Tag sein Zeugnis gibt:
Gott hat mich je und je geliebt.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir einen Abschnitt aus dem Buch Jesaja 65, 16b-25:

16 Die früheren Ängste sind vergessen und vor meinen Augen entschwunden.

17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.

18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude,

19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht.

21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen.

22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen

23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.

24 Und es soll geschehen: ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.

25 Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

Liebe Gemeinde!

Der Tod macht sprachlos, über den Tod reden wir nicht gern, darum macht der Tod auch einsam. Viele Trauernde finden nach einiger Zeit kaum noch jemanden, bei dem sie ihr Herz ausschütten können. Man möchte niemand zur Last fallen mit schweren Gedanken und schon gar nicht mit Tränen.

Daher ist es gut, dass es wenigstens den Totensonntag gibt. Hier ist eine Stelle, wo wir uns ausdrücklich auf das besinnen, was uns belastet, und wo wir zugleich eine Hoffnung erwarten können, die uns getrost und zuversichtlich leben lässt.

Jesajas Worte tönen von weit her zu uns herüber. Jahrtausende trennen uns von ihm. Und noch sind seine Worte nicht erfüllt: „Man soll… nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen… Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.“

Noch immer sterben Menschen, die nicht ihren Lebensabend erreicht haben, die nicht die Früchte ihrer Lebensarbeit genießen können. Zu früh, sagen wir. Und Jesaja? Er vertröstet auf eine spätere Zeit, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schafft. Dann, ja dann soll man nicht mehr die Stimme des Klagens und des Weinens hören. Aber ist das nicht viel zu spät? Kann das für uns jetzt eine Hoffnung sein?

Und noch immer sterben Kinder, auch in unserem Land, und wenn wir an die ganze Welt denken, auch an die Länder, in denen Hunger oder Krieg herrscht, sind es 40 000 Kinder, Tag für Tag, die irgendwo auf der Erde ihr Leben lassen müssen. Kann das eine Hoffnung sein für die Eltern, die ihre Kinder verlieren, dass irgendwann einmal kein Kind mehr nur wenige Tage leben soll, dass irgendwann einmal keine Kinder mehr für einen frühen Tod gezeugt werden sollen?

Die Hoffnung, die der christliche und schon der jüdische Glaube für die Trauernden bereithält, scheint aus großen Worten zu bestehen, die weit in die Zukunft verweisen – aber reichen sie auch tröstend in die Gegenwart hinein?

Selbst die großen Glaubenden der Kirchengeschichte konnten ihren Schmerz nicht einfach vom Glauben her abschütteln oder betäuben. Ich nenne als Beispiel Martin Luther, der seine Tochter Magdalene verlor, als sie 13 Jahre alt war. Weil er nur klagen und nicht glauben kann, bittet er mit einem bewegenden Brief vom 23. September 1542 den Freund Justus Jonas, an seiner Stelle fest zu sein:

„Ich vermute, dass die Nachricht zu Dir gelangt ist, dass Magdalene, meine von Herzen geliebte Tochter, wiedergeboren ist zum ewigen Reich Christi. Und obwohl ich und meine Frau nur fröhlich Dank sagen sollten für ihren so glücklichen Heimgang und ihr seliges Ende, so ist doch die Macht der elterlichen Liebe so groß, dass wir es ohne Schluchzen und Seufzen des Herzens nicht können. Haften doch tief drin im Herzen ihr Anblick, die Worte und Gesten unserer Tochter, als sie noch lebte und als sie starb. Nicht einmal die Erinnerung an Christi Tod kann dieses Bild ganz vertreiben, – und was ist schon, verglichen mit seinem Tod, das Sterben aller Menschen? – Sage darum Du Gott Dank an unserer Stelle! Denn wahrhaftig, er hat ein großes Werk der Gnade an uns getan, dass er unser Fleisch und Blut so verherrlicht hat. Aber ach – sie war, wie Du weißt, von so sanftem und freundlichem Wesen, und bei allen beliebt…“

Der Schmerz um sein Kind zerreißt auch einem Martin Luther das Herz. Er weiß wohl, dass von der biblischen Hoffnung her sein Töchterchen nun in der guten Obhut Christi ist. Doch er selbst kann im Augenblick keine ehrliche, ungetrübte Dankbarkeit Gott gegenüber empfinden, und so bittet er den Freund darum. Dieser Martin Luther ist mir jedenfalls näher als ein von Trauer und Schmerz unberührter, scheinbar starker Christ, der Tränen und Seufzer unterdrückt.

Nun also zu der Hoffnung, die aus unserem Predigttext spricht. Wenn in der Bibel Hoffnung verkündet wird, richtet sie sich immer auf den ewigen Gott, der unserer begrenzten, endlichen, zeitlichen Welt gegenübersteht. In immer neuen Bildern wird ausgedrückt, wie ganz anders Gottes Ewigkeit aussieht, wie herrlich es dort ist, wie viel wir noch zu erwarten haben, auch wenn wir sterben. Uns modernen Menschen ist es fremd geworden, uns die Ewigkeit auszumalen, weil viele Leute dann immer fragen: Kann man das denn beweisen? Wird es wirklich so sein? Nein, können wir sagen, auch die Menschen der Bibel haben immer nur Vorstellungen aus ihrer eigenen irdischen Umwelt benutzt, um sich die Herrlichkeit des Himmels auszumalen. Aber das ändert nichts daran, dass wir mehr zu erhoffen haben, als wir uns überhaupt erträumen können. Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen – das ist das Ziel der Geschichte und das Ziel des Universums – darauf läuft alles hinaus, nicht auf Weltuntergang und Katastrophe.

Und diese Hoffnung auf Gottes Ewigkeit ist nicht nur eine rein private Hoffnung, auch nicht eine Hoffnung nur für uns Menschen: „Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind“, das heißt, die ganze Schöpfung soll durch Gott neu werden, vom Frieden durchdrungen werden. Nur „die Schlange muss Erde fressen“, sie muss sozusagen dafür büßen, dass sie die Menschen zum Abfall von Gott, zur Verantwortungslosigkeit verführt hat.

Auch dieses Bild sehe ich als eine tröstliche Verheißung. Wolf und Löwe und selbst die Schlange werden nicht einfach ewig verdammt. Aber „sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.“ Das Böse wird durch Liebe, durch innere Veränderung der Bösen überwunden und nicht durch ihre äußerliche Vernichtung.

Wie gesagt: die Ewigkeit wird mit Bildern beschrieben, die aus unserer irdischen Welt stammen. Aber nicht nur das: sie reicht auch schon in diese irdische Wirklichkeit herein. Jesus sagte: Das Reich Gottes ist mitten unter euch! Gottes Ewigkeit gewinnt unter uns Gestalt, wo Jesu Geist auf der Erde am Werk ist.

Im Vertrauen auf Jesus können wir realistisch, aber dennoch voller Hoffnung sein. Wir müssen nicht Optimisten sein, die immer nur Gutes erwarten und das Böse und jeden Schmerz verdrängen. Gott verspricht nicht den Himmel auf Erden, er führt uns auch auf schweren Wegen und beseitigt nicht wie durch Zauberei die Bosheit der Menschen. Aber wir müssen auch keine Pessimisten sein, die stets mit dem Schlimmsten rechnen. Denn in den dunkelsten Tälern, durch die wir geführt werden, sind wir nicht allein. In den Lebensumständen, die am hoffnungslosesten scheinen, ergibt sich doch ein Weg, den wir gehen können. Das ist der Weg der Hoffnung.

Wir sagen manchmal: Das ist ein hoffnungsloser Fall. Dem ist nicht mehr zu helfen. Wenn einer krank ist, unheilbar krank, wenn er im Sterben liegt; oder auch wenn eine Ehe kaputt ist, wenn jemand keine Arbeit mehr findet, obwohl er schon so lange sucht, wenn einer nach einer Gefängnisstrafe wieder rückfällig wird. Wenn einer aus seelischen Belastungen nicht herausfindet, wenn jemand sich aus lauter Verzweiflung etwas antun will.

Hoffnungslos? Stimmt das? Nach menschlichem Ermessen – oft ja! Ohne Gott – ja! Aber wenn wir an Gott denken – nein, dann gibt es keine Lebensumstände ohne Hoffnung. Nicht die Lebensumstände entscheiden, was einer hoffen kann. Sondern Hoffnung entscheidet, was aus dem Leben werden kann.

Was soll das bedeuten? Erst einmal soll es bedeuten, dass manches nebeneinander stehen bleiben muss, dass es keine billige Lösung für manche Fragen gibt. Voller Spannung nebeneinander steht die Tatsache, dass Gott das erfüllte Leben der Menschen will, und dass dennoch Kinder sterben und alte Menschen nicht die Früchte ihrer Arbeit genießen können. Noch gibt es Schmerzen und Tränen, noch wird geklagt und geweint, noch hat Gott nicht den neuen Himmel und die neue Erde geschaffen, noch greift er auf eine andere Weise in den Gang der Welt ein. Und das müssen wir uns immer vor Augen halten: die Art und Weise, wie Gott in diese jetzige, irdische Welt eingreift, ist eine ganz unscheinbare, menschliche Art und Weise. Er greift ein, so wie ein Mensch, der uns liebhat, uns helfen kann. Er hört zu, er ist uns nah, er verlässt uns nicht. Er hält unsere Tränen, unseren Schmerz aus, er weiß um unsere unausgesprochenen Seufzer und Klagen, er macht uns Mut, uns auch anderen Menschen anzuvertrauen. Und dann, mit der Zeit, zeigt er uns auch neue Wege, auf denen unser Fuß gehen kann. Neue Aufgaben, neue Gemeinschaft, neue Freude.

Für viele ist das nicht genug, dass Gott uns begleitet. Er sollte doch viel mehr Macht und Durchsetzungskraft beweisen. Für viele ist das nicht genug, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist. Er sollte doch die Schwäche gleich ganz abschaffen. Für viele ist das nicht genug, dass Gott uns den nächsten Schritt zeigt, den wir gehen können. Er sollte uns doch gleich den Himmel auf Erden schenken. Viele sind gefangen zwischen dem Gegensatz „Alles oder Nichts“. Wenn ich nicht auf einmal alles erreichen kann, dann fange ich doch lieber gleich gar nichts an. Wenn ich immer wieder von Menschen enttäuscht werde, von denen ich erwarte, dass sie mich nicht im Stich lassen, dann lasse ich überhaupt niemanden mehr an mich heran.

Aber hier beginnt der Unterschied zwischen schicksalhaftem und selbstverschuldetem Unheil. Lebensumstände werden uns geschickt, für die wir nichts können. Aber was wir daraus machen, das ist zum Teil auch unsere Verantwortung. Mag ein Lebensschicksal noch so weh tun, damit ist noch nicht alles aus, nicht alles verloren. Zwar kann ein Mensch, den man betrauert, durch nichts auf der Welt ersetzt werden. Zwar kann uns niemand die Liebe von Eltern wirklich ersetzen, die wir entbehrt haben. Aber es gibt noch andere Menschen, die liebend für uns da sind, jetzt oder später. Es gibt auch immer Menschen, die auf unsere Liebe angewiesen sind. Und vor allem, auch wenn wir uns von allen anderen verlassen fühlen: Gott lässt uns nicht allein!

Wenn wir uns so begleitet wissen, gehören wir zum „Geschlecht der Gesegneten des HERRN“, wie es im Predigttext heißt. „Und es soll geschehen“, heißt es da weiter: „ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.“ Gott ist einer, der schon Antworten gibt, wenn wir noch schweigen. Und er ist einer, der zuhört, wenn wir zu reden anfangen. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel größer ist, als unser Denken und Fühlen erfassen kann, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Lied 276, 8-10:

Im sichern Schatten deiner Flügel
find ich die ungestörte Ruh.
Der feste Grund hat dieses Siegel:
„Wer dein ist, Herr, den kennest du“.
Lass Erd und Himmel untergehn,
dies Wort der Wahrheit bleibet stehn.

Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden
der Seele Mut und Kraft gebricht,
so salbest du mein Haupt mit Freuden,
so tröstet mich dein Angesicht;
da spür ich deines Geistes Kraft,
die in der Schwachheit alles schafft.

Die Hoffnung schauet in die Ferne
durch alle Schatten dieser Zeit;
der Glaube schwingt sich durch die Sterne
und sieht ins Reich der Ewigkeit;
da zeigt mir deine milde Hand
mein Erbteil und gelobtes Land.

Gott, du versprichst uns einen neuen Himmel und eine neue Erde. Du willst uns durch deinen Segen neues Leben spenden. Wir glauben, Herr, hilf unserem Unglauben.

Wir leiden unter der Last der Arbeit und unter der Angst, keine Arbeit zu finden. Segne das Werk unserer Hände und macht unsere Hände bereit zu segensreichem Tun.

Wir fürchten um unseren Wohlstand und Besitz. Mach uns frei, öffner unser Herz für die Hungernden in der Welt und die Armen neben uns.

Wir sehen Misstrauen, Angst, Zwietracht zwischen Generationen und Völkern, zwischen Einheimischen und Ausländern, zwischen Gruppen und Parteien in unserem Volk. Erfülle uns mit Glauben an den Frieden, der stärker ist als unsere Vernunft.

Wir werden älter und verbrauchen unsere Kräfte. Wir fühlen uns bedroht von Krankheit, Gebrechlichkeit und Tod. Gib uns Anteil an einem Leben, das über unser Leben den Glanz der Ewigkeit breitet.

Und immer wieder müssen wir Abschied nehmen von Menschen, die uns teuer sind. Versichere uns deiner Treue, dass wir unsere Toten dir anvertrauen und unseren Frieden mit ihnen finden.

Insbesondere schließen wir heute in unsere Fürbitte die Menschen ein, die wir im vergangenen Kirchenjahr in unserer Gemeinde zu Grabe getragen haben…

Abschied von 17 Verstorbenen aus dem vergangenen Kirchenjahr

Schenke uns Deinen Trost und Deine Zuversicht, auch den Angehörigen dieser Toten, damit wir das Leben aus Deiner Hand nehmen und es in der Verantwortung vor Dir führen, bis Du auch uns abrufen wirst aus dieser Zeit in die Ewigkeit. Amen.

Vater unser
Lied 274, 1-4:

Jesu, geh voran auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

Solls uns hart ergehn, lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn auf das Ende hin.

Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch rauhe Wege,
gib uns auch die nötge Pflege;
tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

Nächsten Sonntag ist der Christkindlmarkt – zum 10. Mal schon in der gewohnten Form. Wer noch Kuchen stiften will, kann sich bei den Frauen der Frauenhilfe melden. Zum Auftakt gibt es um 13.30 Uhr einen Familiengottesdienst, der diesmal als Tauferinnerungsgottesdienst gestaltet wird; alle Eltern können mit ihren Kindern daran teilnehmen. Dann gibt es wie üblich viele Stände von Hobbykünstlern, viel Essen und Trinken, mit einem Wort, viel Geselligkeit. Der Gesangverein bietet unter der Leitung seiner neuen Dirigentin ein Adventskonzert, und der Musikverein lässt sich das schon traditionell gewordene Turmblasen nicht nehmen. Zusätzlich wird auch eine kleine Jugendband auf dem Christkindlmarkt Musik machen. Alle sind herzlich eingeladen!

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch.
Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden.
„Amen, Amen, Amen!“

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