Jesus – der ganz andere Hohepriester

Schreie und Tränen als Opfer für einen Gott, der hört und auf den man hören kann.

Jesus
als wahrer Mensch
bittet und fleht,
schreit laut und weint
in Todesangst.
Das ist sein Opfer.
Er bringt es Gott dar,
der ihn vom Tod erretten kann.

Und Gott hört ihn –
ihn, der annimmt und erträgt,
was nicht zu ändern ist.


Jesus
als wahrer Sohn
lernt im Leiden
das Hören
auf den Vater.
Mit seinem Tod
fängt für alle,
die auf Gott hören,
neues Leben an.

Schwarzweißes Bild von Jesus, dem Gekreuzigten, wie er den Kopf seitlich auf seine Brust legt

Jesus ist ein Hoherpriester, der mit uns mitleiden kann (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Sonntag Judika, den 29. März 1998, um 10.00 Uhr in der Altmünsterkirche Mainz
Kantorei:

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier: ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.

Begrüßung (Pfarrer Adam)
Eingangslied 452, 1-3: Er weckt mich alle Morgen
Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geist.“

Wir beten mit Worten des Psalms 43:

1 Gott, schaffe mir Recht.

2 Denn du bist der Gott meiner Stärke.

5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Hoffen und Harren hält manchen zum Narren – Sprüche wie dieser spiegeln ein Misstrauen wider, das in vielen Menschen tief verwurzelt ist.

Vergib uns, Gott, wenn wir Dir nichts mehr zutrauen. Vergib uns, wenn wir um uns selbst kreisen im fruchtlosen Grübeln, wenn wir festsitzen in Selbstmitleid, wenn wir bitter und hart werden, anstatt alle unsere Sorge auf Dich zu werfen.

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Der Menschensohn ist nicht gekommen, damit er sich dienen lasse, sondern um zu dienen und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. (Matthäus 20, 28)

Lobsinget Gott, erhebet seinen Namen! „Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Amen.“

Barmherziger Gott, mal geht es uns gut und mal weniger, und manchmal sind wir auch von Sorgen beladen, niedergedrückt, wir wissen nicht weiter. Wie auch immer wir heute empfinden, mach aus uns eine Gemeinschaft, wenn wir singen und beten, wenn wir mitdenken im Hören auf Dein Wort. Amen. „Amen.“

Kantorei:

Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Markus 14, 32-36:

32 Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er [Jesus] sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe.

33 Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen

34 und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!

35 Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge,

36 und sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! „Amen.“

Kantorei:

Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh. Gottes Macht hält mich in acht, Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen.

Wir bekennen unseren christlichen Glauben in den überlieferten Worten und Bildern des Apostolischen Glaubensbekenntnisses:

Glaubensbekenntnis

Wir singen vor der Predigt aus dem Passionslied 84 die Strophen 1 und 5 und 13:

1) O Welt, sieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben, dein Heil sinkt in den Tod. Der große Fürst der Ehren lässt willig sich beschweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott.

5) Du nimmst auf deinen Rücken die Lasten, die mich drücken viel schwerer als ein Stein; du wirst ein Fluch, dagegen verehrst du mir den Segen; dein Schmerzen muss mein Labsal sein.

13) Dein Seufzen und dein Stöhnen und die viel tausend Tränen, die dir geflossen zu, die sollen mich am Ende in deinen Schoß und Hände begleiten zu der ewgen Ruh.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Brief an die Hebräer 5, 7-9. Die Verse stehen in einem längeren Zusammenhang, in dem Jesus Christus als unser wahrer Hoherpriester beschrieben wird:

7 Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt.

8 So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.

9 Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Liebe Gemeinde!

Ein für uns recht fremdes Bild von Jesus führt uns der Hebräerbrief vor Augen: das Bild des Hohenpriesters. Es stammt aus einer Zeit, in der die Menschen das Gefühl hatten: Gott ist ganz weit weg – nur ganz besondere Menschen dürfen im Heiligtum ihm nahekommen – und nur wenn man ihm besondere Opfer darbringt – Tiere schlachtet und verbrennt -, dann hilft er uns vielleicht.

Priester, die Tieropfer darbringen, mögen uns fremd sein. Doch auf andere Weise werden noch heute Opfer dargebracht. Jemand opfert sich auf, für die Familie, für den Betrieb und erhofft als Gegenleistung ein bisschen Dankbarkeit. Arbeitnehmer verzichten auf Lohnforderungen, gehen zur Arbeit, auch wenn sie krank sind, vielleicht bleiben dadurch Arbeitsplätze erhalten. Darin spiegelt sich etwas von der Haltung der Opferkulte aus ferner Vergangenheit: Ich gebe, damit du gibst. Da ich niemandem zutraue, dass er von selber etwas für mich übrig hat, muss ich mir seine Anerkennung verdienen.

Zur Zeit Jesu stand ein Hoherpriester den anderen Priestern vor und durfte als einziger ins Allerheiligste hinter dem großen Vorhang im Tempel. Angeblich war er Gott am nächsten. Aber tatsächlich kannte er den barmherzigen Gott überhaupt nicht, wenn er meinte, man müsse Gott Opfer darbringen, damit er die Menschen liebhat. Jesus sah im Hohenpriester sogar den Anführer einer Räuberbande, weil viele gar nicht mehr zum Beten in den Tempel gingen, sondern zum Geschäftemachen in der einträglichen Opfergaben- und Geldwechslerbranche.

Eins ist also sicher: Wenn der Hebräerbrief in Jesus den wahren Hohenpriester sieht, dann brauchen wir uns ihn nicht so vorzustellen wie die damaligen Hohenpriester im Tempel zu Jerusalem: Jesus steht nicht im Priestergewand und mit einem Messer in der Hand vor dem Opferaltar, er schlachtet keine Tiere als Opfer für Gott. Nein, Jesus ist ein völlig anderer Hoherpriester. Er schafft wirklich Nähe zu Gott, indem er Gott etwas ganz anderes darbringt als ein Tieropfer:

Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte.

Jesus bringt seine puren Bitten, sein Flehen vor Gott, alles, was er tief in sich empfindet und wünscht und braucht. Er tut das wie ein Kind, das den Eltern vertraut – sie werden hören. Er reißt sich nicht dabei zusammen, schluckt seine Tränen nicht herunter. Kinder schreien, Kinder weinen. Genauso lässt Jesus seinen Gefühlen freien Lauf, laut und sichtbar, er tut, was uns meistens peinlich ist.

Genau das ist das Hohepriesterliche an Jesus. Jesus macht ernst damit, dass Gott sowieso alle unsere Gedanken und Gefühle kennt. Er erlaubt daher sich und uns allen, vor Gott so zu sein wie wir sind. Wenn wir Gott z. B. in unseren Gedanken Vorwürfe machen, weil wir uns von ihm ungerecht behandelt fühlen, dann dürfen wir ihn wirklich anschreien, das geht auch innen drin in uns, wenn wir nicht wollen, dass uns andere Menschen dabei hören. Manchmal ist es aber auch gut, wenn wir irgendwo vertraute Menschen finden, bei denen wir uns ausweinen können, wenn wir traurig oder verletzt, ängstlich oder verzweifelt sind. Darum hatte ja auch Jesus im Garten Gethsemane seine engsten Freunde mit sich genommen. Er allerdings blieb damals allein mit seinem Schmerz, nur Gott selbst hörte ihn.

Aber genau das ist ja die nächste Frage, die wir uns stellen können: Stimmt das wirklich? Ist Jesus wirklich von Gott erhört worden, wie unser Text sagt? Gott wird ausdrücklich der genannt, der ihn vom Tod erretten konnte. Aber dennoch musste Jesus sterben, in Gethsemane wurde nicht einmal sein Wunsch erfüllt, die Jünger möchten mit ihm eine Stunde wach bleiben. War also die Nähe Jesu zu Gott nur eine große Illusion? Seine Wünsche wurden nicht erfüllt – in welcher Weise hat Gott ihn dann erhört?

Dazu fällt mir eine Geschichte vom Fritzchen ein. Der freut sich auf den Ausflug mit seinem Papa am Sonntag, und er betet in seinem Nachtgebet: „Lieber Gott, lass am Sonntag die Sonne scheinen!“ Aber der Sonntag kommt, und es regnet in Strömen: der Ausflug fällt ins Wasser. Die große Schwester von Fritzchen lacht ihn aus: „Siehst du, dein Gebet hat nichts genützt, Gott hat dich nicht gehört!“ Aber Fritzchen antwortet: „Doch, er hat gehört, aber er hat Nein gesagt!“ So von Gott zu denken, das mag wehtun: Wir dürfen alle Wünsche vor Gott bringen – und Gott kann Nein sagen. Schlimmer wäre es jedoch, wenn er nicht hören würde oder gar nicht da wäre.

Manchmal allerdings ist ein Nein auch nur scheinbar ein Nein. Im Nein kann ein viel größeres Ja versteckt sein. Denn wenn Gott uns er-hört, dann hört er genau hin, dann hört er in uns hinein, dann hört er uns einfühlsam zu, so wie gute Eltern, die auch unausgesprochene Signale ihrer Kinder auffangen.

Ich denke wieder an Fritzchen, der inzwischen in der achten Klasse ist und darauf besteht, Fritz genannt zu werden. Er will für den Sportunterricht unbedingt die teuren Adi-Puma-Nike-Turnschuhe – oder wie sie sonst heißen mögen. Seine Eltern sagen: die preiswerten Schuhe für 100 Mark tun es doch auch. Und sie fragen ihren Fritz: Willst du wirklich, dass wir noch mehr arbeiten, um dir alle teuren Wünsche erfüllen zu können? Dann haben wir noch weniger Zeit füreinander in der Familie. Das will Fritz auch nicht. Nach und nach kommt im Gespräch heraus, wie sehr sich Fritz durch die Hänseleien der Mitschüler verletzt fühlt. Eigentlich weiß er aber, dass er nicht weniger wert ist als andere, auch wenn seine Kleidung weniger Geld kostet. Sein Wunsch wird nicht erfüllt, doch er bekommt etwas Besseres, nämlich das Gefühl, mit seinen Eltern über alles reden zu können und nicht auf die Anerkennung von jedem scheinbar coolen Typen in der Schule angewiesen zu sein.

Bevor ich in der Predigt fortfahre, hören wir von der Kantorei zwei weitere Verse des Liedes „Jesu, meine Freude“. Sie passen zu dem, was ich eben sagte, dass es Wichtigeres gibt, als materielle Wünsche erfüllt zu bekommen:

Kantorei:

Weg mit allen Schätzen; du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren, ich mag euch nicht hören, bleibt mir unbewusst! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muss leiden, nicht von Jesus scheiden.

Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst du nicht. Gute Nacht, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, du Stolz und Pracht; dir sei ganz, du Lasterleben, gute Nacht gegeben.

Liebe Gemeinde, als Jesus sich von Gott wünschte: „Nimm diesen Kelch von mir, lass mich nicht sterben“, da hat er von Gott auch mehr bekommen als ein Nein. Aber was?

Das ist in unseren deutschen Bibelübersetzungen schwer zu erkennen. In der Lutherbibel steht:

Und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt.

Ganz anders lautet der gleiche Satz in der Zürcher Bibel:

Er ist erhört worden aus seiner Angst.

Wie kann man dieselbe Bibelstelle so unterschiedlich übersetzen? Im griechischen Urtext steht ein Wort, das nach dem Lexikon zwei Bedeutungen haben kann: „Ehrfurcht“ vor Gott und auch allgemein „Angst“.

Aha – die Schweizer Reformatoren lesen also den Text in ihrer Übersetzung so: Jesus wurde erhört und befreit „aus seiner Angst“. Sein Gebet wird erhört, nicht indem er überlebt, aber indem er seine Angst vor dem Tod überwindet.

Martin Luther meint dagegen: Jesus wurde erhört wegen seiner Ehrfurcht, die er vor Gott hatte. Vielleicht wurde Jesus darauf aufmerksam, dass da, wo Menschen Unrecht tun oder erleiden, nicht nur die Menschenwürde, sondern auch Gottes Würde verletzt wird. Zwar fürchtet sich Jesus nicht vor Gott, doch er fürchtet um die Ehre, um die Würde, um die Verletzlichkeit Gottes – und er hält Gott in Ehren, gerade indem er zu seiner eigenen Verletzbarkeit als Mensch steht.

Beide Übersetzungen, sowohl „Angst“ als auch „Ehrfurcht“, treffen den Sinn des griechischen Wortes im Urtext allerdings nicht genau. Denn dieses Wort ist zusammengesetzt aus dem Wort für „gut“ und einer Form des Wortes „nehmen“. Eigentlich wird damit eine ganz bestimmte Haltung gegenüber Gott umschrieben, nämlich dass man alles, auch das Böse, aus seiner Hand als etwas Gutes annehmen kann.

Im Gebet spürt Jesus: „Hier ist meine Angst, hier sind meine Tränen, hier bin ich verlassen von meinen Freunden. Ich könnte jetzt alles einfach hinwerfen und weglaufen. Ich könnte auch wie Petrus die Sache mit dem Schwert klären und die Revolution ausrufen. Aber das geht nicht, das würde die Liebe kaputt machen, die Gott mir geschenkt hat und die er durch mich andern schenken will und in der ich mich nach wie vor geborgen fühle.“

Und so lernt Jesus etwas, was alte Menschen, denen ich begegne, manchmal mit dem Wort „Stillhalten“ umschreiben, so wie in dem alten Kirchenlied: „Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt seine Sachen an, will ich ihm halten stille“. Aber dieses Stillhalten muss nicht unbedingt leise sein, es hindert ihn nicht daran, laut zu schreien und zu weinen. Hören wir dazu den zweiten Vers aus unserem Bibeltext:

So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.

Das Wort Gehorsam hängt eng mit dem Wort Erhören zusammen. Weil Gott hinhört auf den Sohn in seinem Leiden, darum kann Jesus hören auf die Stimme des Vaters. Das ist so ähnlich wie vorhin in der Geschichte vom Fritz: Weil die Eltern ihm einfühlsam zuhören, kann Fritz auch auf seine Eltern hören und den Sinn ihrer Entscheidungen verstehen. Gehorsam wäre missverstanden als blinde Unterwerfung, ist vielmehr ein Akzeptieren von Regeln, ein Anerkennen der Realität, weil man es einsieht, auch wenn das manchmal weh tut.

Ein menschlicher Hoherpriester ist Jesus. Er schreit und weint vor Todesangst und Schmerzen. Und weil ein Gott da ist, der ihn hört, hört Jesus auch auf Gott, auf das, was er ihm zu verstehen gibt. Um der Liebe willen kann er nicht fliehen vor dem Leiden, da muss er durch. So lernt er Gehorsam, bis zum Tod. Er lernt zwar nicht leiden, ohne zu klagen, aber er lernt im Leiden, auch im Klagen, auf seinen Vater zu hören.

Und weil Jesus der Sohn Gottes war, bleibt sein Leiden und Lernen und Hören nicht nur seine private Angelegenheit. Wir hören im letzten Vers unseres Textes:

Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Kann man das Ende Jesu Vollendung nennen, seinen Tod am Kreuz, war es nicht ein Scheitern? Der Hebräerbrief lädt uns ein zu vertrauen: Jesu Ende war Vollendung und Ziel und Erfüllung seines Lebens, indem Gott seine Liebe zu ihm bestätigte.

Und nicht nur zu ihm. Mit dem Tod Jesu fängt das ewige Leben für alle an, die wie er in dem, was ihnen widerfährt, auf Gott zu hören lernen. Wörtlich übersetzt aus dem griechischen Text steht da: Jesus ist schuld an der Erfüllung unseres Lebens, er ist verantwortlich dafür, dass unser kleines Leben nicht in Bedeutungslosigkeit oder Verzweiflung versinkt.

Jesus als der einzige wahre Hohepriester erlaubt es auch uns, ohne irgendeine Vermittlung direkt zu Gott zu beten und uns ihm anzuvertrauen. Wir dürfen unsere Glaubenszweifel aussprechen, in denen sich manchmal eine große Sehnsucht nach Gott verbirgt. Wir dürfen mit Gott im Gebet streiten und zugleich alles aus Gottes Hand hinnehmen.

Hören wir noch einmal die Worte aus dem Hebräerbrief in einer eigenen Übertragung:

Jesus
als wahrer Mensch
bittet und fleht,
schreit laut und weint
in Todesangst.
Das ist sein Opfer.
Er bringt es Gott dar,
der ihn vom Tod erretten kann.

Und Gott hört ihn –
ihn, der annimmt und erträgt,
was nicht zu ändern ist.

Jesus
als wahrer Sohn
lernt im Leiden
das Hören
auf den Vater.
Mit seinem Tod
fängt für alle,
die auf Gott hören,
neues Leben an.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen aus dem Lied 372: die Strophen 1 und 5 bis 6:

1) Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille; wie er fängt seine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten; drum lass ich ihn nur walten.

5) Was Gott tut, das ist wohlgetan; muss ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, lass ich mich doch nicht schrecken, weil doch zuletzt ich werd ergötzt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen.

6) Was Gott tut, das ist wohlgetan, dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten; drum lass ich ihn nur walten.

Lasst uns beten!

Gott, der Du hinhörst auf unsere Gedanken und Empfindungen und auf unsere Wünsche, der Du weißt, was wir brauchen – wir bitten Dich um Begleitung in Gesundheit und Krankheit, in Erfolg und Misserfolg, in unserem Glück und in unseren Sorgen.

Erschüttert hören wir in der letzten Zeit immer wieder neue Nachrichten von Kindern, die getötet worden sind, und von Kindern, die getötet haben. Wir fühlen uns so machtlos; deshalb bitten wir dich: nimm dich der gequälten Kinder und der getöteten Opfer an. Wir beten auch für die seelisch vernachlässigten Kinder, die immer häufiger zu Gewalttätigkeiten neigen.

Mach uns Mut, um Hilfe zu bitten, wenn wir welche brauchen, mach uns bereit, Hilfe zu geben, wenn wir dazu in der Lage sind. Mach uns bewusst, dass Du auch da bist, wo Menschen am Ende sind, und lass uns darauf vertrauen, dass mit Dir immer ein neuer Anfang möglich ist.

Was wir uns wünschen, für uns privat und für unsere Kirche, das bringen wir vor Dich. Du wirst uns schenken, was uns zum Besten dient. Amen.

Vater unser

Wir singen das Lied 171:

Bewahre uns, Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf unsern Wegen
Abkündigungen
Kantorei:

Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben lauter Freude sein. Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude.

Geht hin mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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