Trost in der Todesnacht

Trauerfeier für eine alte Frau, die ihren Humor trotz schwerer Schicksalsschläge nie verloren hat und in der Zuversicht auf Jesus gestorben ist.

Trost in der Todesnacht: Ein Kruzifix als Schatten vor einem Licht, das in der Dunkelheit scheint

Jesu Tod am Kreuz tröstet in der Todesnacht (Bild: geralt – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauerversammlung, wir sind zusammengekommen, um von Frau D. Abschied zu nehmen, die im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir denken gemeinsam an ihr Leben, wir begleiten einander auf einem schweren Weg, und wir besinnen uns angesichts des Todes auf Worte Gottes, die trösten und zum Leben helfen.

Zu Beginn singen wir aus dem Lied 526, das die Verstorbene gerne gemocht hat, die Strophen 1 bis 2:

1. Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben. Dieses weiß ich; sollt ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht?

2. Jesus, er mein Heiland, lebt; ich werd auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?

Liebe Trauergemeinde!

Der Tod macht uns Gedanken – die „lange Todesnacht“, von der wir gerade im Lied gesungen haben. Ein Mensch war immer da – und nun ist sein Platz auf einmal leer – für immer. Wir kommen damit nicht klar, obwohl wir alle auf den Tod zugehen, unbegreiflich ist es für uns, dass wir einmal einfach nicht mehr da sein sollen, unfassbar auch, dass die Verstorbene einfach von uns gegangen ist.

Das Lied, das wir gesungen haben, will uns nichts vormachen – der Tod macht uns Gedanken, er kommt wie eine dunkle Nacht über uns, in der alle Lebensfreude zu ersticken droht. Die Frage ist nur: Gibt es eine Macht, die stärker ist als die Todesnacht?

Wer es wagt, fromm zu sein, sagt Ja und setzt – wie Frau D. – seine Zuversicht auf Jesus. Wie sehr uns der Tod auch ängstigt, es gibt den Erlöser. Einer ist unser Leben, einer starb aus Liebe am Kreuz, Jesus, der Gottessohn. Darum kann man noch im Sterben singen: „Ich werde das Leben schauen“ – ewiges Leben – mir geschenkt von Gott. Nicht mehr hier auf der Erde, aber dort im Himmel. Gottes Himmel können wir nicht sehen mit irdischen Augen. Hier auf Erden haben wir nur den Glauben. Doch Frau D. ist nun bereits eine Schauende, das können wir getrost sagen: Sie schaut, worauf sie vertraut hat, Jesus hat sie zu sich genommen, ihre Zuversicht hat sie nicht betrogen.

Wer auf den Himmel hofft, sagt damit aber nicht, dass dieses Leben hier auf der Erde wertlos ist. Im Gegenteil. Gerade wenn wir eine Hoffnung über den Tod hinaus haben, wird dieses Leben um so kostbarer. Denn was wir hier an Liebe empfangen und verschenken, das behält seinen Wert und seine Bedeutung in Ewigkeit.

Blicken wir in diesem Sinne auf das Leben von Frau D. Ein kostbares, einmaliges Leben hat sie gelebt, und es ist nur recht und billig, uns heute an sie zu erinnern und ihr die letzte Ehre zu erweisen.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Noch im deutschen Kaiserreich wurde sie geboren – heute hinterlässt Frau D. an die 30 Enkelkinder und eine schon unüberschaubar gewordene Anzahl von Urenkeln – nicht nur in Deutschland. Ihre Nachkommen würden inzwischen schon allein eine Halle füllen. Auch Ururenkel wurden inzwischen geboren.

Frau D. hat Mühe und Arbeit gekannt, auch von schwerem Leid blieb sie nicht verschont. Nicht nur ihr Mann starb früh, auch ein Sohn ist schon in jungen Jahren verstorben. Das hat sie sehr mitgenommen.

Auf der anderen Seite war sie ein Mensch, der nie den Humor verloren hat. Sie hat gern mitgefeiert, wenn es einen Anlass zum Feiern gab, und den gab es in der großen Familie ja oft. Sie ging gern auf Reisen und war gern lustig – und das sogar noch in den letzten Wochen im Seniorenheim, als sie sich damit anfreunden musste, im Rollstuhl zu sitzen. Sie nahm es schließlich mit Humor und machte mit einer Tochter sogar ein kleines Rollstuhlwettrennen.

Am Tag vor ihrem Tod war es so, als wollte sie sich verabschieden. Am nächsten Morgen ist sie dann ganz ruhig und friedlich eingeschlafen – sie ist gestorben, ohne lange leiden zu müssen.

Vielleicht hat sie es sich gewünscht, so einzuschlafen und im Himmel bei Jesus wieder aufzuwachen – sie mochte ja auch gern ein Lied, von dem ich leider nur die erste Zeile kenne:

Lass mich gehen, lass mich gehen, dass ich Jesus möchte sehen, meinen lieben Heilgen Christ, der für mich gestorben ist.

Als Jesus damals starb, gab es Menschen, die wussten einfach: dieser Jesus ist Gottes Sohn, er bleibt nicht im Tod, er überwindet den Tod für alle Menschen. Und sie hörten mit den Ohren ihres Herzens ein Wort des auferstandenen Jesus, mit dem er ihnen Mut zusprach (Matthäus 28, 20):

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Was Jesus damals sagte, ist auch heute noch gültig und kann uns immer noch trösten. Denn wenn Jesus in der Tat die Verkörperung Gottes in der Welt gewesen ist, dann sind wir mit unserem Menschenschicksal in der Welt nicht allein und nicht verloren. Gott selbst nimmt Anteil an unserem Leid und unserer Freude, an Zorn und Liebe, an Angst und Vertrauen. Er begleitet uns durch die Zeit unseres Lebens und ruft uns auf, ihm nachzufolgen auf seinem Weg der Liebe in einer Welt voll Hass.

Und wenn wir ans Ende kommen mit unserem Latein, mit unserem kleinen Leben, mit unserer Welt, in der wir leben? Dann ist Jesus immer noch unser Begleiter, dann gibt er uns nicht auf, dann ist seine Liebe das Ziel und die letzte Erfüllung unseres Lebens. Mit anderen Worten, mit einem anderen Bild ausgedrückt: Wo wir am Ende sind, beginnt erst Gottes ewiges Leben. Und dieses ewige Leben lässt sich mit nichts in dieser Welt vergleichen – es beginnt ja erst dort, wo es gar keine Zeit mehr gibt und keinen Raum, wo alles, was wir kennen, überholt ist. Wir brauchen von diesem ewigen Leben nur dies zu wissen: Gott bewahrt uns auf in seiner Liebe, und das wird unvorstellbar herrlich sein.

In diesem Sinne dürfen wir getrost Frau D. loslassen und den treuen Händen Gottes anvertrauen.

Wer sie geliebt hat, ist traurig, weil sie, die immer da war, nun eine große Lücke hinterlässt. Aber wir dürfen auch dankbar sein, dass sie unter uns gelebt hat, für all die Begegnungen und Prägungen und all die Liebe, die sie hinterlassen hat. Amen.

Wir singen das Lied 376:

1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!

Lasst uns beten mit Worten aus Psalm 103:

2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

14 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

16 wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

17 Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten,

18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.

Barmherziger Gott, Vater Jesu Christi, wir legen Frau D. in deine Hände und vertrauen darauf, dass du sie aufnimmst in dein himmlisches Reich, so wie sie es geglaubt hat. Wir danken dir für alle Liebe, die die Verstorbene empfangen und verschenken konnte, und wir bitten dich auch für uns um Begleitung in der Trauer. Lass uns auch in unserem Leben erfahren, dass wir niemals allein sind auf der Welt, und lass uns auf die Liebe vertrauen. Amen.

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