Herausgerufen!

„Aus ungewissen Pfaden“ (so das Lied von Kurt Müller-Osten) ruft uns Jesus heraus und lädt uns ein. Mit Schuld und Schaden, mit Macken und Fehlern, dürfen wir zu Jesus kommen und mit ihm Abendmahl feiern, wie ein Wanderer, der müde an einem Königsschloss anklopft. Wir sind eingeladen bei einem König, der draußen residiert, hoch oben – an einem Kreuz.

Ich danke dem Bärenreiter-Verlag für die ausdrückliche Genehmigung, den Text des in der Predigt dieses Gottesdienstes ausgelegten Liedes aus dem Evangelischen Gesangbuch, Regionalteil für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Nr. 578 auf meiner Homepage zu verwenden:

„Aus ungewissen Pfaden“
Text: Kurt Müller-Osten
© Bärenreiter-Verlag, Kassel

Vervielfältigungen jeglicher Art sind ausdrücklich untersagt und nur mit der Erlaubnis des Bärenreiter-Verlages, Kassel zu beziehen.

Ein Kruzifix mit Überdachung umgeben von Gräsern draußen in der Natur

Ein Kreuz Jesu draußen in der freien Natur, geschmückt und umgeben von Gräsern (Foto: pixabay.com)

#predigtAbendmahlsgottesdienst am Sonntag Judika, 6. April 2014, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen. Den Text des in der Predigt ausgelegten Liedes „Aus ungewissen Pfaden“ (Evangelisches Gesangbuch 578) darf ich mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers im Rahmen der Predigt in diesem Gottesdienst veröffentlichen: © Lutherisches Verlagshaus Hannover – www.lvh.dewww.einfach-evangelisch.de

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Zu unserem Abendmahlsgottesdienst in der Pauluskirche begrüße ich Sie herzlich mit dem Wort zur Woche aus dem Evangelium nach Matthäus 20, 28:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Wir singen das Lied 76:

1. O Mensch, bewein dein Sünde groß, darum Christus seins Vaters Schoß äußert und kam auf Erden; von einer Jungfrau rein und zart für uns er hier geboren ward, er wollt der Mittler werden. Den Toten er das Leben gab und tat dabei all Krankheit ab, bis sich die Zeit herdrange, dass er für uns geopfert würd, trüg unsrer Sünden schwere Bürd wohl an dem Kreuze lange.

2. So lasst uns nun ihm dankbar sein, dass er für uns litt solche Pein, nach seinem Willen leben. Auch lasst uns sein der Sünde feind, weil uns Gotts Wort so helle scheint, Tag, Nacht danach tun streben, die Lieb erzeigen jedermann, die Christus hat an uns getan mit seinem Leiden, Sterben. O Menschenkind, betracht das recht, wie Gottes Zorn die Sünde schlägt, tu dich davor bewahren!

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Einen Abendmahlsgottesdienst feiern wir heute am ersten Sonntag im Monat. Wir werden eingeladen, nicht nur zu singen, zu beten und zuzuhören, sondern auch gemeinsam mit anderen zu essen, zu trinken, zu spüren, dass Gott leibhaftig für uns da ist, von uns aufgenommen werden will. Darum:

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir feiern heute ein Abendmahl in der Passionszeit, und wir singen Lieder, die vom Leiden Jesu handeln. Warum ist in diesen Liedern so oft vom Zorn Gottes die Rede? Warum heißt es da, dass Jesu Leiden uns von diesem Zorn erlöst? Im Lied vorhin hieß es sogar, dass im Tod Jesu am Kreuz sichtbar wird, wie Gottes Zorn die Sünde schlägt. Hat Gott es denn nötig, seinen eigenen Sohn stellvertretend für uns so grausam zu strafen?

Ich versuche eine Antwort: Gottes Zorn ist die dunkle Seite seiner Liebe. Nicht weil er zugleich gut und böse wäre. Sondern weil er das Böse hasst. Und dieser Hass Gottes auf das Böse kommt uns manchmal selber böse vor. Vor allem, wenn wir die Folgen unserer menschlichen Sünde am eigenen Leibe spüren.

Wunderbar ist, dass Gott selber die Folgen der menschlichen Sünde auf sich nimmt. Er ist mit Recht zornig auf die Sünde der Menschen – und er hält aus, was diese Sünde Menschen antut. Er lässt sich ans Kreuz schlagen. Er lässt sich demütigen, auslachen, wie Dreck behandeln. So zeigt er uns, dass Liebe stärker ist als Sünde und Hass, stärker als Bosheit und Hinterhältigkeit. Im Vertrauen auf diese Liebe rufen wir zu Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Mit dem Propheten Micha 7 loben wir den barmherzigen Gott:

18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übriggeblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig!

„Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende“.

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Barmherziger Gott, schenke uns Glauben und Verstehen, wenn wir dein Wort hören, wenn wir Glaubenszeugnisse vergangener Zeiten in unserer Zeit neu hören und durch sie unser eigenes Vertrauen auf dich stärken wollen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören den Text zur Predigt aus dem Brief an die Hebräer 13, 12-14:

12 Jesus [hat], damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Amen. „Amen.“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Abendmahlslied 215, das Martin Luther gedichtet hat, die Strophen 1 bis 3 und 8:

1. Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt, durch das bitter Leiden sein half er uns aus der Höllen Pein.

2. Dass wir nimmer des vergessen, gab er uns sein‘ Leib zu essen, verborgen im Brot so klein, und zu trinken sein Blut im Wein.

3. Du sollst Gott den Vater preisen, dass er dich so wohl wollt speisen und für deine Missetat in den Tod sein‘ Sohn geben hat.

8. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben: deinen Nächsten sollst du lieben, dass er dein genießen kann, wie dein Gott hat an dir getan.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, das wichtigste Wort im heutigen Predigttext ist das Wort „draußen“. „Draußen vor dem Tor“ hat Jesus gelitten, vor den Stadttoren von Jerusalem, auf dem Hügel Golgatha, wo die Galgen der damaligen Zeit standen, nicht um Verbrecher am Hals aufzuhängen wie in späteren Zeiten, sondern an Kreuze anzunageln. Verächtlich machen wollte man damit die Opfer aber genauso wie später die durch den Strick Hingerichteten. Das bedeutet es für Jesus, draußen zu sein.

Draußen sind heutzutage viele Menschen, deren Arbeitskraft nicht gebraucht wird, die zudem in vielen Ländern nicht die geringste staatliche Unterstützung bekommen. Draußen fühlen sich viele Menschen, die gemobbt werden; wie rasch können schon Kinder und Jugendliche seelisch am Boden zerstört sein, wenn man sie zum Beispiel auf Facebook beleidigt oder peinliche Fotos von ihnen hochgeladen hat. In doppeltem Sinne draußen sind oft seelisch kranke Menschen. Schon weil sie sich anders fühlen als andere, zusätzlich gelten sie in den Augen vieler anderer als verrückt.

Warum musste Jesus draußen leiden? Wenn wir an das erste Lied denken, das wir vorhin gesungen haben, ist das nur folgerichtig. Da hieß es in einer altertümlichen Formulierung, dass Jesus sich schon „seines Vaters Schoß geäußert“ hatte, mit einfacheren Worten: der Sohn Gottes kam raus aus dem Himmel, zu uns auf die Erde. Und hier unten setzte sich diese Bewegung fort: Jesus ging mit 30 Jahren raus aus seiner Familie, hin zu den Ausgestoßenen der Gesellschaft. Wozu dieser Weg immer weiter nach draußen, nach unten?

„Damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut.“ In diesem Satz kehrt sich die Bewegung um. Heilig ist ja Gott und wer zu Gott gehört. Indem Jesus sich rauswerfen lässt, indem er draußen vor dem Tor leidet und stirbt leidet, holt er das Volk wieder rein zu Gott. Uns alle will er rausholen aus der Gottesferne, raus aus der Hölle, rein in den Himmel. Im Lied von Martin Luther haben wir es eben gesungen: „Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt, durch das bitter Leiden sein half er uns aus der Höllen Pein.“

Damit ist unser Predigttext aber noch nicht zu Ende, sondern er fängt in Wirklichkeit erst an. Er fordert uns nämlich auf: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.“

Autsch! Das könnte eventuell weh tun. Wir sind zwar grundsätzlich im Bereich des heiligen Gottes, sind quasi schon im Himmel, aber gerade deshalb gehören wir wie Jesus auch nach draußen, an seine Seite. Und da uns Jesus in allen seinen leidenden Geschwistern begegnet, gehören wir dorthin, wo Menschen gemobbt werden, krank und einsam sind.

Auch wir werden also durch Jesus herausgerufen aus unseren normalen Wegen, dorthin, wo Jesus ist.

Was das bedeutet, das möchte ich nun gemeinsam mit Ihnen und euch anschauen, indem ich ein für kirchliche Verhältnisse relativ modernes Abendmahlslied genauer anschaue, das Lied 578. Kurt Müller-Osten hat es 1940 gedichtet (den Text des Liedes „Aus ungewissen Pfaden“ darf ich mit freundlicher Genehmigung des Lutherischen Verlagshauses Hannover im Rahmen dieser Predigt veröffentlichen). Es ist ein Gebet, das sich vor dem Abendmahl an Jesus Christus richtet.

1. Aus ungewissen Pfaden
rief mich dein Wort heraus.
Du hast mich eingeladen,
ich komm mit Schuld und Schaden,
ein Pilgrim, in dein Königshaus.

Unsere Lebenswege sind ungewiss, nicht nur damals, am Anfang des Zweiten Weltkriegs; niemand weiß, was kommt. Und aus diesen unseren ungewissen Pfaden ruft uns Jesus heraus und lädt uns ein. Mit Schuld und Schaden, mit Macken und Fehlern, dürfen wir zu Jesus kommen, wie ein Pilger, ein Wanderer auf einer Wallfahrt, der müde an einem Königsschloss anklopft.

Königshaus? Wir haben doch gehört, dass Jesus draußen ist, sogar außerhalb der Stadtmauern. Da ist kein Haus, da ist kein Schloss, da steht ein Kreuz, und an dem hängt Jesus. Und doch steht da über ihm die Inschrift: INRI. Jesus aus Nazareth, König der Juden. Wir sind eingeladen bei einem König, der draußen residiert, hoch oben – an einem Kreuz.

Vielleicht ist es darum auch gar nicht so falsch, dass wir hier in der Pauluskirche beim Abendmahl meistens nicht an einem Tisch sitzen, sondern in einem Kreis stehen, wie Wandernde, wie Pilgernde, wie Suchende, die auf dem Wege sind.

2. Zu Tisch lässt du mich rufen
in deiner Kinder Zahl.
Noch steh ich vor den Stufen,
mein Stolz und Undank schufen
dir allzu bittre Müh und Qual.

Kinder! Essen ist fertig! So werden wir von Jesus gerufen. Doch wollen wir uns so rufen lassen? Wieder ist es symbolträchtig, dass wir unser Abendmahl vor den Altarstufen feiern. Wir müssen nicht von uns aus zu Gott hochsteigen, er kommt zu uns herunter, auch wenn wir zu stolz sind, um zuzugeben, dass wir ihn brauchen, auch wenn wir oft sogar vergessen, ihm für das zu danken, was er uns schon alles geschenkt hat.

3. Du siehst mein angstvoll Beben,
da winkst du deinem Gast,
nimmst mir mein dunkles Leben,
willst mir das deine geben,
das du am Kreuz geopfert hast.

Jesus sieht uns, wie wir wirklich sind, wie wir uns fühlen. Nach außen mögen wir stark und cool erscheinen, er spürt unsere Angst und Unsicherheit. Er winkt uns freundlich zu, winkt uns zu sich. Und dann nimmt er uns etwas weg: das, was an unserem Leben dunkel ist. Ob wir das in jeden Fall so bereitwillig loslassen wollen? Es ist uns ja vertraut. Und wir können uns vielleicht gar nicht vorstellen, was er uns stattdessen geben will. Ein Stück von seinem eigenen Leben, das er geopfert hat? Wie soll das gehen? Er ist doch tot. Da ist doch kein Leben mehr. Oder doch? In diesem geopferten Leben bleibt ja seine Liebe lebendig. Davon kann er uns reichlich abgeben.

4. Dein Gabe, Herr, ich preise,
wie neigst du dich so mild!
In Brot und Weines Weise
gibst du dich selbst zur Speise
und wandelst mich nach deinem Bild.

Was Jesus uns gibt, ist ein Geschenk, das wir mit Dankbarkeit und Lobpreis annehmen können. Er neigt sich uns zu, einfühlsam. Er verneigt sich vor uns, respektvoll. Indem wir nachher beim Abendmahl Brot essen und Saft vom Weinstock trinken, nehmen wir zugleich seine Liebe in uns auf und lassen uns durch sie verwandeln. Nicht, dass wir genau so sein müssten wie er. Wir nehmen Liebe auf, so wie er, und strahlen sie aus, so wie er, darum geht es.

5. Wie steigst du tief hernieder,
gehst in uns Menschen ein!
Du heilst die Schöpfung wieder,
lässt uns erlöste Glieder
am Leib, an deiner Kirche, sein.

Hier wird der Gedanke von vorhin wiederholt: Jesus ist der Gottessohn, der aus dem Himmel rausgeht, runterkommt zur Erde, reingeht in unser armseliges Leben als Menschen. Und indem er das tut, heilt er die Schöpfung, die sich vom Schöpfer gelöst hatte. Eine Formulierung in dieser Strophe finde ich besonders schön: „Er lässt uns erlöste Glieder sein.“ Nicht: er macht uns, er zwingt uns. Sondern: er lässt uns, er hilft uns, etwas zuzulassen, was uns so schwer fällt – dass Liebe in uns regiert, dass wir uns bewegen lassen von einem Vertrauen auf Gott, statt alles kontrollieren zu müssen. Es ist wie eine Erlaubnis, uns „gehen zu lassen“, wenn wir nur nicht vergessen, dass wir Glieder an seinem Leib der Kirche bleiben.

6. In uns bist du der Eine,
der bindet, was zerriss.
Nun irr ich nicht alleine,
du gibst mir die Gemeine
zum Lichtweg in der Finsternis.

Wenn wir schon zweifelnd fragen wollten, was denn so toll an der Kirche ist, die in so viele Konfessionen zersplittert ist und deren Mitglieder auch ihre Fehler haben, gibt uns unser Lied die Antwort: Jesus ist der Eine, der den Leib der Kirche zusammenhält. Er bindet zusammen, was wir Menschen zerrissen haben und immer wieder zerreißen.

Und weil Jesus uns Menschen an die Seite stellt, die uns begleiten, müssen wir nicht allein im Leben umherirren, sondern wir selber, gemeinsam mit anderen, bilden als Jesu Gemeinde, einen Weg des Lichtes, auf dem wir selber sicher gehen und auch andere zum Licht führen können. So werden wir zu einer Art Lichtkirche, wie sie auf dem Gelände der Gießener Landesgartenschau aufgestellt worden ist, wo man gemeinsam Gottesdienste feiert und wo viele Ehrenamtliche in herzlicher Zuwendung für die Menschen da sind, die vorbeikommen und ihre Fragen und Probleme oder vielleicht auch einfach ihre Aufgeschlossenheit und Freude und Dankbarkeit mitbringen.

7. O mach mich doch bereiter
zu deinem Volk und Mahl!
Kein andrer Weg führt weiter,
hier steht die Himmelsleiter,
drauf du uns nahst im finstern Tal.

Jesus bietet uns Chancen, wenn wir als sein Volk im Gottesdienst und Abendmahl zusammenkommen. Auch wenn es bei uns oder in uns dunkel aussieht, steht die Himmelsleiter, auf der einst Jakob die Engel zwischen Himmel und Erde rauf- und runtergehen sah, fest gegründet in unserer Mitte. Jesus ist die Himmelsleiter, die uns mit Gott verbindet. Indem er rauskam aus dem Himmel, hin zu uns in das finstere Tal unserer Ängste, unserer Trauer, unserer Schuld, zeigt er uns den Weg, wie wir mit all dem fertigwerden und zu Gott in den Himmel kommen können, hin zum Vertrauen auf Gott, hin zur Hoffnung, hin zur Liebe.

8. Dank, Dank will ich dir sinnen,
mein Heiland Jesus Christ.
Ich will dir Volk gewinnen:
Eilt her und schaut die Zinnen
des Reiches, das im Kommen ist.

Mit Dankbarkeit endet unser Lied. Und zwar mit einem Dank, der ersonnen wird, den wir uns ausdenken, der also nicht einfach nur ein dankbares Gefühl ist, sondern aus dankbaren Taten besteht. Wie ich am Anfang sagte: wir gehören dorthin, wo Jesus ist, nach draußen in die alltägliche Welt, wo uns Jesus in Menschen begegnet, die uns brauchen. Und indem wir auf diese Weise dankbar leben, „gewinnen wir Volk für Jesus“, wie es hier heißt, wir sind ein Vorbild für Menschen, die sich dadurch vielleicht auch zu Jesus und zu seiner Gemeinde locken lassen. Mit einem Bild vom Reich Gottes endet das Lied: Wir können es schon sehen, als ob es aus dem Himmel zu uns kommt mit Burgmauern und Zinnen oben drauf. Heute würden wir statt „Zinnen“ vielleicht „Skyline“ sagen. So ähnlich endet auch unser Predigttext: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Die zukünftige Stadt, die wir suchen, dieses Reich Gottes, ist natürlich nicht buchstäblich eine Burg mit Zinnen oder die Skyline einer Stadt mit Zinnen. Nein, dieses Reich Gottes erleben wir dort, wo wir Treue, Verlässlichkeit, Liebe, gegenseitige Hilfe und Unterstützung erfahren und einander geben. All das hängt nicht von uns allein ab, sondern „es ist im Kommen“, es ist uns gegeben und zugleich aufgegeben: unsere Aufgabe ist es, das Reich Gottes „tätig zu erwarten“.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Nach der Predigt singen wir nun noch einmal das Lied, dessen Text wir in der Predigt betrachtet haben, Nr. 578:

Aus ungewissen Pfaden rief mich dein Wort heraus

Nun feiern wir das Abendmahl, zu dem uns Jesus eingeladen hat. Vor den Altarstufen treten wir zusammen in einem Kreis, der ein Bild ist für die Gemeinschaft, zu der uns Jesus zusammenschließt. Wie Jesus aus dem Himmel zu uns kam, so holen wir Brot und Kelch vom Altar in unsere Mitte und lassen uns von ihm dazu herausfordern, mit ihm gemeinsam nach draußen zu gehen, dorthin, wo wir gebraucht werden.

Herr Jesus Christus, sei du unser Seelsorger, schaue in unser Herz, spüre böse Gedanken auf, was verhärtet und verbittert ist, und bringe uns auf den Weg der Liebe und des Friedens. In der Stille bringen wir vor dich, was unsere Seele belastet:

Beichtstille

Wollt Ihr Gottes Treue und Vergebung annehmen, so sagt laut oder leise oder auch still im Herzen: Ja!

Auf euer aufrichtiges Bekenntnis spreche ich euch die Vergebung eurer Sünden zu – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch. „Und mit deinem Geiste.“

Erhebet eure Herzen! „Wir erheben sie zum Herren.“

Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott. „Das ist würdig und recht.“

Würdig und recht ist es, Gott ernst zu nehmen als den der groß ist und doch in seinem Sohn herabstieg zu uns Menschen, ja zuletzt sterben musste draußen vor dem Tor. Würdig und recht ist es, mit Jesus hinauszugehen und an der Seite derer zu stehen, die wie er beleidigt, geschlagen, verwundet und getötet werden, denen Hoffnung und Liebe und Menschenrechte verweigert werden. Zu dir rufen wir und preisen dich, Heiliger Gott:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll. Hosianna in der Höhe. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe.

Vater unser und Abendmahl

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Als Wegzehrung empfangen wir den Leib Jesu Christ – nehmt ihn und gebt weiter, was euch gegeben ist.

Herumreichen des Korbs

Jesus hat gelitten draußen vor dem Tor, damit er uns heilige durch sein eigenes Blut. Nehmt hin den Kelch der Vergebung und der Versöhnung, den Kelch, der uns heilig macht.

Austeilen der Kelche

Jesus heilt die Schöpfung, verbindet, was zerrissen ist, lässt uns erlöst sein als Glieder an seinem Leib der Kirche. So werden wir zu einem Lichtweg in der Finsternis. Geht hin im Frieden. Amen.

Lasst uns beten.

Barmherziger Gott, schicke uns zu denen, die unsere Hilfe brauchen, und mach uns bereit, Hilfe anzunehmen, die wir selber nötig haben. Lass uns bewusst als deine christliche Gemeinde leben, aber nicht, indem wir nur um uns selber kreisen, sondern unsere Verantwortung für andere Menschen wahrnehmen, in unserem Stadtteil, an unserer Arbeitsstelle, in unseren Familien, in Staat und Gesellschaft, überall in unserem Zusammenleben. Hilf, dass wir nicht nur jammern über die Zeiten, die schlechter werden, sondern selber kleine Schritte in eine gute Richtung gehen.

Besonders beten wir heute für Herrn …, der im Alter von … Jahren gestorben ist und kirchlich bestattet wurde. Nimm ihn mit Gnaden in deinem Himmel auf und schenke ihm Frieden für seine Seele. Begleite seine Angehörigen und Freunde, die um ihn trauern, und gib ihnen die nötige Kraft, um gute Wege für ihr eigenes Leben zu finden und glücklich zu werden.

Wir alle vertrauen uns dir an, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Lied 621: Ins Wasser fällt ein Stein
Abkündigungen

Geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne dich und er behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.