Peter Pueschel: Ein Leben für die Versöhnung von Tieren und Menschen

Peter Pueschel war ein Kämpfer, kein Fanatiker. Er blieb eine Integrationsfigur, er glaubte daran, dass in jedem Menschen Gutes steckt. Er wollte Menschen und Tiere in ihrem Lebensraum miteinander versöhnen. Zu diesem Zweck brachte er auch Menschen an einen Tisch, die nie zuvor miteinander geredet hatten, weil sie sich durch politische oder religiöse Schranken daran gehindert sahen.

Peter Pueschel vor Plakaten der IFAW

Peter Pueschel war Direktor für Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen beim International Fund for Animal Welfare (IFAW)

Trauerfeier für Herrn Peter Pueschel am Mittwoch, den 8. Juli 2015, um 14.30 Uhr auf dem Neuen Friedhof Gießen durch Pfarrer Helmut Schütz
Mundharmonika-Blues mit Tierstimmen (Steve Baker)
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauerfamilie, liebe Gemeinde!

Wir sind hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Herrn Peter Pueschel, der im Alter von 59 Jahren gestorben ist.

Wir erinnern uns an das, was sein Leben erfüllt hat. Wir begleiten einander für ein paar Schritte auf dem Weg der Trauer.

Mit einem alten Gebet der Bibel möchte ich uns einstimmen auf die Erinnerung an einen Mann, der sein Leben dem harmonischen Zusammenleben von Tieren und Menschen auf unserer Erde gewidmet hat.

Beten wir den Psalm 104 mit seinen wunderbaren Bildern von der Schöpfung Gottes, in der menschliches Leben eingebettet ist in das Leben von Pflanzen und Tieren:

1 Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; …

5 der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, dass es bleibt immer und ewiglich.

6 Mit Fluten decktest du es wie mit einem Kleide, und die Wasser standen über den Bergen.

7 Aber vor deinem Schelten flohen sie, vor deinem Donner fuhren sie dahin.

8 Die Berge stiegen hoch empor, und die Täler senkten sich herunter zum Ort, den du ihnen gegründet hast.

9 Du hast eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht und dürfen nicht wieder das Erdreich bedecken.

10 Du lässest Wasser in den Tälern quellen, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,

11 dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche.

12 Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen.

13 Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.

14 Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst,

15 dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

16 Die Bäume des HERRN stehen voll Saft, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.

17 Dort nisten die Vögel, und die Reiher wohnen in den Wipfeln.

18 Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht und die Felsklüfte dem Klippdachs.

19 Du hast den Mond gemacht, das Jahr danach zu teilen; die Sonne weiß ihren Niedergang.

20 Du machst Finsternis, dass es Nacht wird; da regen sich alle wilden Tiere,

21 die jungen Löwen, die da brüllen nach Raub und ihre Speise suchen von Gott.

22 Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon und legen sich in ihre Höhlen.

23 So geht dann der Mensch aus an seine Arbeit und an sein Werk bis an den Abend.

24 HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

25 Da ist das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt’s ohne Zahl, große und kleine Tiere.

26 Dort ziehen Schiffe dahin; da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen.

27 Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.

28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

30 Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.

34 Mein Reden möge ihm wohlgefallen. Ich freue mich des HERRN.

35 Die Sünder sollen ein Ende nehmen auf Erden und die Gottlosen nicht mehr sein. Lobe den HERRN, meine Seele! Halleluja!

Psalm 104 (The Douay-Rheims 1899 American Edition. Very literal translation of the Latin Vulgate. Public Domain):

35 Let sinners be consumed from the earth And let the wicked be no more. Bless the LORD, O my soul. Praise the LORD!

1 Bless the Lord, O my soul: O Lord my God, thou art exceedingly great. Thou hast put on praise and beauty:

5 Who hast founded the earth upon its own bases: it shall not be moved for ever and ever.

6 The deep like a garment is its clothing: above the mountains shall the waters stand.

7 At thy rebuke they shall flee: at the voice of thy thunder they shall fear.

8 The mountains ascend, and the plains descend into the place which thou hast founded for them.

9 Thou hast set a bound which they shall not pass over; neither shall they return to cover the earth.

10 Thou sendest forth springs in the vales: between the midst of the hills the waters shall pass.

11 All the beasts of the field shall drink: the wild asses shall expect in their thirst.

12 Over them the birds of the air shall dwell: from the midst of the rocks they shall give forth their voices.

13 Thou waterest the hills from thy upper rooms: the earth shall be filled with the fruit of thy works:

14 Bringing forth grass for cattle, and herb for the service of men. That thou mayst bring bread out of the earth:

15 And that wine may cheer the heart of man. That he may make the face cheerful with oil: and that bread may strengthen man’s heart.

16 The trees of the field shall be filled, and the cedars of Libanus which he hath planted:

17 There the sparrows shall make their nests. The highest of them is the house of the heron.

18 The high hills are a refuge for the harts, the rock for the irchins.

19 He hath made the moon for seasons: the sun knoweth his going down.

20 Thou hast appointed darkness, and it is night: in it shall all the beasts of the woods go about:

21 The young lions roaring after their prey, and seeking their meat from God.

22 The sun ariseth, and they are gathered together: and they shall lie down in their dens.

23 Man shall go forth to his work, and to his labour until the evening.

24 How great are thy works, O Lord? thou hast made all things in wisdom: the earth is filled with thy riches.

25 So is this great sea, which stretcheth wide its arms: there are creeping things without number: Creatures little and great.

26 There the ships shall go. This sea dragon which thou hast formed to play therein.

27 All expect of thee that thou give them food in season.

28 What thou givest to them they shall gather up: when thou openest thy hand, they shall all be filled with good.

29 But if thou turnest away thy face, they shall be troubled: thou shalt take away their breath, and they shall fail, and shall return to their dust.

30 Thou shalt send forth thy spirit, and they shall be created: and thou shalt renew the face of the earth.

34 Let my speech be acceptable to him: but I will take delight in the Lord.

35 Let sinners be consumed out of the earth, and the unjust, so that they be no more: O my soul, bless thou the Lord.

Ein Loblied für Gottes Schöpfung haben wir gebetet, liebe Trauergemeinde. Nicht um uns abzulenken von der Trauer um Herrn Peter Pueschel, sondern um uns mitten hineinzubegeben in die Themen, die sein Leben bestimmt haben. Wir könnten fragen, ob der Psalm die Erde mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt vielleicht etwas zu sehr als heile Welt schildert; Herr Pueschel hat ja in seinem Berufsleben sehr viel Energie auf den Schutz der Tiere vor menschlichem Raubbau an ihrer Artenvielfalt und ihrem Lebensraum verwendet. Umweltprobleme, wie wir sie heute kennen, standen dem Psalmbeter damals vor vielleicht 3000 Jahren noch nicht vor Augen; stattdessen ein Bild des Gleichgewichts zwischen Mensch und Tier in der Natur, in der alle Wesen aufeinander angewiesen sind. Gott hat die Welt geschaffen, damit Menschen, Tiere und Pflanzen in einem wohlgeordneten Einklang miteinander und – ja, auch voneinander leben.

Aber schauen wir genau hin, dann geht der letzte Vers des Psalms, der auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper wirkt, auch darauf ein, dass der Mensch als ein mit Freiheit ausgestattetes Wesen zu einem Problem für die Schöpfung werden kann: da wird nämlich der Wunsch ausgedrückt, dass es am besten keine Sünder oder Gottlose auf der Erde geben sollte. Leider treffen diese Worte im Deutschen kaum das, was im hebräischen Urtext gemeint ist. Denn die Bibel versteht unter Sündern und Gottlosen diejenigen, die Frevel an der Schöpfung und ihren Lebewesen betreiben, die die Erde nicht wie einen sorgsam zu hütenden Garten bebauen und bewahren, sondern ihn ausbeuten und zerstören. Ich denke, auf diese Weise spricht der Psalm 104 ein wichtiges Thema an, das zu den Herzensanliegen des Verstorbenen gehört hat.

Geboren wurde Peter Pueschel am 17. Mai 1956 in Gießen. Nach seinen Geschwistern Susi, Horst und Rosi war er das jüngste Kind seiner Eltern, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge aus Breslau hierher gekommen waren.

Was ihm schwer zu schaffen gemacht und ihn für sein Leben geprägt hat, waren zwei tragische Todesfälle in seinem frühen Erwachsenenalter. Sein Freund Armin, mit dem er sich wie mit einem Zwilling verbunden fühlte, starb im Jahr 1975 kurz vor seinem Abitur, das er dann abbrach und erst ein halbes Jahr später wiederholte. Direkt nach dem Abitur begann Peter Pueschel sein Leben als Globetrotter; er reiste mit einem Freund durch die USA, wo seine Schwester Susi mit ihrem Mann lebte. Es war ein harter Schlag für ihn, als Susi im Jahr 1980 auf Hawaii verstarb.

Sein Berufsleben begann Peter Pueschel mit einer Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker bei Ford in Gießen. Anschließend absolvierte er seinen Zivildienst bei der Vogelschutzwarte Wetzlar und studierte Elektrotechnik an der Fachhochschule in Friedberg. Zugleich begann er mit seinem ehrenamtlichen Engagement bei Greenpeace in Frankfurt und baute in Gießen eine eigene Gruppe dieser Organisation auf.

Das Jahr 1986, in dem sein Vater starb, war auch das Jahr, in dem Peter Pueschel eine Festanstellung von Greenpeace in Hamburg angeboten wurde, die er auch annahm. Er leitete dort zahlreiche Kampagnen, unter anderem gegen die Verklappung von Giftmüll in die Ostsee. Später ging es um den Schutz der Wälder und der Meeressäuger.

Seine Freundin Karoline Scherf folgte ihm nach Hamburg; im Jahr 1987 wurde der gemeinsame Sohn Jonatan geboren. Schon bald trennte er sich von Karo, aber er verstand sich nach wie vor mit ihr und teilte mit ihr die Verantwortung für seinen Sohn.

1994 wurde seine Jugendliebe Birgit, mit der er schon im Alter von 14 Jahren zusammen gewesen war, bei einer Fernsehdiskussion auf ihn aufmerksam, und sie, die in dieser Zeit mit einer Arbeit über politischen Protest befasst war, suchte ein Interview mit dem langhaarigen und vollbärtigen Greenpeace-Aktivisten. Als sie ihn dann tatsächlich zum Interview traf, hatte er inzwischen sein äußeres Erscheinungsbild geändert, kurze Haare, ohne Bart. Aber die Liebe wuchs trotzdem, und die beiden blieben für immer zusammen.

Im Jahr 2000 starb seine Mutter, und wie das Todesjahr seines Vaters war auch dieses Jahr für Peter Pueschel mit großen Veränderungen verbunden. Er heiratete Birgit Möbus, und er wechselte seinen Arbeitgeber. Schon bei Greenpeace war es ihm wichtig gewesen, auf Internationalen Artenschutzkonferenzen mit Personen zu reden, die Dinge in Bewegung bringen konnten; diese politische Arbeit wollte er ab 2000 in der IFAW, dem Internationalen Tierschutzfonds, fortsetzen. Als Programm-Manager für Artenschutz und biologische Vielfalt betrieb er politische Lobbyarbeit für die Interessen der Tiere.

Doch obwohl er ein Kämpfer war – ein Fanatiker war er nicht. Er blieb eine Integrationsfigur, er glaubte daran, dass in jedem Menschen Gutes steckt. Sein Anliegen war, die Menschen und Tiere in ihrem Lebensraum miteinander zu versöhnen. Zu diesem Zweck brachte er auch Menschen an einen Tisch, die nie zuvor miteinander geredet hatten, weil sie sich durch politische oder religiöse Schranken daran gehindert sahen. Er trainierte Zöllner, um illegalen Tierhandel zu erkennen, spürte Quellen für Schmiergelder auf, arbeitete mit Interpol zusammen, beriet das Umweltministerium und vieles mehr.

Was Ihnen, liebe Frau Möbus, und Ihnen, lieber Herr Scherf, außerdem wichtig war: Peter Pueschel war neben seinem beruflichen Einsatz im Tierschutz viele Jahre auch in der Solidarität mit Kurdistan engagiert. Und er liebte Kuba, fühlte sich im Geiste Che Guevara verbunden und meinte 1996 bei einem ersten Besuch in Kuba: „Eigentlich gehöre ich da hin.“ Und trotzdem hat er, der sich lange Jahrzehnte seines Lebens als ein „Flüchtlingskind“ fühlte, sich noch einmal hier in Gießen ganz neu verankern können, wo er mit Ihnen, liebe Frau Möbus, seit dem Jahr 2008 im Geranienweg wohnte und ein wirkliches Zuhause fand. Beerdigt wird er nächste Woche auf dem Gießener Friedhof direkt neben dem Grab seines Schwiegervaters, das entsprach seinem Wunsch, das ist sein Heimatfriedhof.

Gestorben ist Peter Pueschel völlig unerwartet. Er war so vielen gefährliche Situationen ausgesetzt und hätte sich oft mit tödlichen Krankheiten anstecken können, blieb aber überall in der Welt vor solchem Unheil bewahrt. Jetzt war es ein Sturz im Bad und eine Hirnblutung, die zu seinem Tod führte, wobei nicht einmal klar ist, welches von beiden die Ursache des andern war. Innerhalb der wenigen Tage, in denen er neurochirurgisch behandelt wurde, konnte sein Sohn aus der Karibik nach Deutschland kommen, und so waren seine Frau und sein Sohn bei ihm, als er am 29. Juni 2015 starb. Es war ein friedlicher Tod.

Der Psalm 104, den ich gebetet habe, geht auch auf das Sterben der Lebewesen ein, und zwar mit diesen an Gott gerichteten Worten in Vers 29: „Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.“ Unser Lebensatem ist also ein Geschenk auf Zeit, eine Gottesgabe. Dass wir leben, ist nicht selbstverständlich, und ein möglichst langes Leben ist uns nicht garantiert. Erfüllt ist unser Leben, wo wir es dankbar annehmen und mit unseren Gaben und Kräften segensreich wirken, so gut wir es können.

Der folgende Psalmvers 30 drückt Zuversicht aus: „Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde.“ Immer wieder gibt es neues Leben auf der Erde, letztlich bleibt die Ökologie unseres Planeten in ihrem Gleichgewicht erhalten, aber nicht, indem die Schöpfung von Anfang an fix und fertig da gewesen ist, sondern indem sie in ständiger Erneuerung begriffen ist. Der siebte Schöpfungstag ist noch im Gange, wo er gefeiert wird, an jedem Schabbat, an jedem Sonntag, da leben wir in der Hoffnung, dass wir die Vollendung der Schöpfung, ein Zusammenleben von Menschen und Tieren im Frieden und in Gerechtigkeit tätig und kämpfend und doch gelassen im Vertrauen auf die Liebe Gottes erwarten dürfen.

Blicken wir über die Grenzen unseres irdischen Lebens hinaus, können wir Gott zutrauen, dass wir auch in seiner Ewigkeit aufbewahrt und neu geschaffen werden auf eine Weise, die für unsere irdischen Sinne unvorstellbar ist und die ich mir deshalb auch nicht ausmalen möchte. Es genügt, in Bildern davon zu sprechen, dass wir in den Händen des barmherzigen Gottes gut aufgehoben bleiben. In diesem Sinne können wir Herrn Peter Pueschel getrost loslassen und von ihm Abschied nehmen. Amen.

Kubanisches Lied: „Chan Chan“ (I)

Von Alto Cedro gehe ich nach Marcané.
Ich komme in Cueto an und gehe nach Mayarí.
Die Liebe , die ich für dich empfinde, kann ich nicht vor dir verleugnen.

Wenn mir der Mund offen bleibt, kann ich es nicht vermeiden.
Wenn Juanica und Chan Chan am Meer den Sand aussiebten,
dann schmerzte es Chan Chan vor Sehnsucht, wenn sie das Sieb schüttelte.

Mach den Weg frei vom Stroh, denn ich möchte mich setzen.
Zu dem Baumstumpf, den ich dort drüben sehe, kann ich so nicht hingelangen.
Von Alto Cedro gehe ich nach Marcané. Ich komme in Cueto an und gehe nach Mayarí.

Nachruf von Azzedine T. Downes,
President and CEO of IFAW – International Fund for Animal Welfare

My name is Azzedine and I am the CEO of Ifaw so Peter was my colleague. I am came here today however because Peter was my friend.

It is difficult to express the shock I felt upon learning that Peter was in the hospital and later passed away. It is a lesson of acceptance that necessarily brings us to reflection upon Peters life. Struggling to accept what seems so unfair, a life lost so early, messages by the hundreds poured in from around the world.

Around the world there are now a number of animals named for Peter, a small rhino in India is named Peter. A small bear in Russia is now named Peter so the animal world will carry on his name and will not be forgotten.

Peter was IFAW’s diplomat. One might think the world of conservation is one in which everyone gets along and there is little need for skilled diplomacy. That is not the case. In so many messages Peter is remembered as someone who was able to bridge the divides, so many messages began with, “ whilst Peter and I did not always share the same position..“ But they always ended with an expression of deep respect for Peter.

Peter even tried to solve the Middle East Crisis. Our work in the Middle East brought us in contact with both Israel and Arab countries. Basically he tried to solve the situation with only a smile so….. The situation persists.

Peter most likely had the greatest body of correspondence of any of us so it is not strange to think of all of the messages coming in from around the world. Peter has sent more emails than all of us combined so people are just catching up now.

Peter told the truth but he told it slowly, he told it gently, and so people were more likely to listen.

Peter listened and lulled you into listening too. When you listened to Peter you thought of new possibilities.

Peter was kind and spoke openly of his love for is family, his wife, his son, his work.

Peter is not lost to us because the spirit of his work will live on. He is one of those rare individuals who truly leaves behind a legacy, one of dedication to improve the world but mostly one of love, the most enduring of memories.

Kubanisches Lied: „Chan Chan“ (II)
Trauerrede von Elisabeth Schmidt

Lieber Peter, liebe Birgit, lieber Jonathan, liebe Familie und Freunde von Peter,

Ja, eine echte Begegnung kann tatsächlich in nur einem einzigen Augenblick geschehen.

Aus meiner Lebenserfahrung heraus, die nun auch schon 55 Jahre umfasst, würde ich sagen, das ist sehr selten, aber offenbar doch möglich. Selbst erfahren habe ich das vor vier Jahren auf dem Giessener Stadtfest als Peter an den Tisch kam, an dem wir im Freundeskreis saßen. Die meisten von uns kannten Peter von früher, ich nicht. Peter und ich, wir grüßten uns, sahen einander an, erkannten im gleichen Augenblick etwas in dem jeweils anderen – was das genau war, das kann ich bis heute noch nicht sagen – und eine echte Freundschaft war geboren – schier aus dem Nichts – die sich in kurzer Zeit noch vertieft und verschönert hat. Ich glaube, es ist nicht übertrieben, diese Freundschaft als „innig“ zu bezeichnen. Als Du, Birgit, damals ein bisschen später an den Tisch kamst, da hatte ich genau das gleiche, eigentlich doch so seltene Erlebnis zum zweiten Mal – und das innerhalb von nur 15 Minuten. Ich war total „geflasht“ davon und bin es bei der Erinnerung daran auch heute noch, denn weder vorher war noch nachher ist mir so etwas je wieder passiert.

Seither haben wir im Freundeskreis alle zusammen fast jede Woche sehr schöne Freitag- oder Samstagabende miteinander verbracht, ernste und lustige Gespräche geführt, haben gemeinsame Spaziergänge gemacht, die manchmal einen gemütlichen Ausklang bei Birgit und Peter zuhause fanden, haben wackere Feste gefeiert und als Highlight kürzlich alle zusammen ein traumhaft schönes verlängertes Wochenende in Hamburg unter Eurer kundigen Führung verbracht.

Und natürlich hatten wir noch so Vieles miteinander vor, Kleines und Großes: wollten in Giessen zu Fluss mit Flair, im August ein Wochenende in Laubach beim „Blues Schmus Appelmus-Festival“, verbringen, wollten im Herbst ein Wander- und Genuss-Wochenende am Edersee verleben und für das kommende Jahr war Wandern in Italien geplant. Und, und, und….

Wir hatten so ein schönes, gemeinsames Leben, Peter! Und du und wir – glücklich mit dem, was wir an uns hatten – wir dachten, das würde einfach immer so weiter gehen.

Aber dann, wenige Tage ist das erst er, hat uns völlig unvorbereitet die bittere Wahrheit von Anselm von Canterbury´s Einsicht getroffen: „Nichts ist gewisser als der Tod, nichts ist ungewisser als seine Stunde“. Und was vor Kurzem für uns alle unvorstellbar war, erleben wir jetzt sehr schmerzlich:

Wir sind heute – was unsere Materie angeht – zum allerletzten Mal mit Peter im selben Raum. Und das Begreifen des unwiderruflichen, des endgültigen Charakters des Begriffes „zum letzten Mal“ geht an die Grenzen unserer Kraft.

Aber so wie „der Beginn des Lebens nicht in der Materie liegt, liegt sein Ende auch nicht im Grab“ (Kahlil Gibran). „Niemand, den man wirklich liebt, ist jemals tot“ (Hemingway).

Deshalb ist Peter jetzt auch nicht abwesend und wird es auch in Zukunft niemals sein, sondern nur unsichtbar.

Lange Zeit vor Peter begegnete ich einem Gedicht des Iraners Abdul Baha, der von 1844 bis 1921 lebte, und ein Vordenker und -kämpfer für Frieden, religiöse Toleranz, soziale Gerechtigkeit und die Überwindung rassischer Diskriminierung war. Seine Überzeugungen waren Peters Überzeugungen sehr ähnlich und genau wie Peter reiste er für seine Mission unermüdlich durch die Welt und hat auf friedlichem Weg so einiges bewegt. Das Gedicht lautet:

Ein Humanist liebt das Licht,
gleichgültig, woher es kommt.
Er liebt die Rose, gleichgültig,
in welchem Boden sie wächst.
Er ist ein Sucher nach Wahrheit,
gleichgültig, aus welcher Quelle sie fließt.
Er weiß: Anhänglichkeit zur Lampe
ist nicht Liebe zum Licht.

Seitdem ich Peter kenne, trägt der Humanist aus diesem Gedicht Peters Gesichtszüge. Peter hätte Abdul Baha‘s Vorbild des Humanisten sein können.

Wärest Du noch sichtbar unter uns, Peter, dann würdest Du jetzt sicher lachen, dich artig bedanken und dann versuchen, alles abzuwiegeln, um mir und uns zu erklären, dass es doch viele solcher Menschen wie dich gibt. Aber das stimmt nicht. Peter war einzigartig. Das haben wir alle zu seiner Lebenszeit deutlich erfahren und empfunden:

  • Peter war trotz aller Erfolge immer ein so bescheidener Mensch, der so gar nicht gerne im Scheinwerfer des persönlichen Lobes stand.
  • Er hat sein Wissen mit uns geteilt, ohne zu dozieren.
  • Er hat niemals Sein mit Haben verwechselt.
  • Er war uns lebendiges Beispiel für das Gute im Menschen ohne zu missionieren,
  • ein Vorbild für intensives, persönliches gesellschaftliches Engagement ohne Selbstverleugnung
  • und er wusste wie kein anderer: Anhänglichkeit zur Lampe ist nicht Liebe zum Licht.

Ja, Peter war ein Humanist, aufgrund seiner Lebenshaltung und seines ganzen Wirkens aber auch einer der besten Christenmenschen, die ich persönlich kenne. Dass er nicht Mitglied der Kirche war, ändert daran in meinen Augen, die ich selbst der evangelischen Kirche angehöre, nicht wirklich etwas, denn wie Albert Schweitzer einmal sagte: „Wer glaubt ein Christ zu sein, weil er in die Kirche geht, irrt. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“ Peter hätte bei diesem Zitat bestimmt geschmunzelt.

Eine indische Weisheit sagt: „Gott atmet in den Pflanzen, träumt in den Tieren und erwacht in den Menschen“. Diese Ansicht, die mit Blick auf den modernen Menschen im Allgemeinen und auf die zahllosen ICH-AGs unter den Zeitgenossen im Speziellen mindestens merk- bis fragwürdig erscheint, erscheint mit Blick auf Peter, diesen wunderbar spirituellen Menschen, so gar nicht merkwürdig.

Er liebte und achtete das Leben, die Menschen, die Tiere und die Welt mit allem, was in ihr ist. Auch wir fühlten uns von ihm geliebt und liebten ihn. Wo Peter war, da waren Respekt, Achtsamkeit und Verbundenheit, da waren Lachen, Freude, gute Gespräche und Fürsorge. Von Peter ging ein helles, warmes Licht aus und auf uns über.

Nun, Peter hast du den Fluss des Lebens überquert, hast uns auf unserer Seite zurücklassen müssen so wie wir dich ungefragt und tatenlos an das andere Ufer haben gehen lassen müssen. Nachdem du schon so viele unserer Erdräume bereist hast, erkundest du nun die Weiten der Himmel. Von den Wolken siehst du den strahlenden, sonnenbeschienenen Rand, nicht mehr aber ihren Schatten. Deine Seele ist frei, sie kann ihre Schwingen ausbreiten und über dem von dir so innig geliebten Cuba schweben, mit den Walen oder den Elefanten ziehen.

Für uns hier, auf dieser Seite des Flusses, ist ohne Dich jetzt alles anders und wird ohne Dich auch nie mehr so sein können wie zuvor.

Geblieben aber sind uns das Licht und die Spuren von Liebe und Freundschaft, die du in uns hinterlassen hast. In unseren Herzen lebst du weiter, gehst mit uns und bist immer dort, wo wir sind. Es sind die vielen, schönen und dicht gewobenen Erinnerungen an Dich, die uns die Trennung von dir jetzt kaum ertragen lassen. Aber es sind die gleichen Erinnerungen, die uns wieder Lebensmut und Lebensfreude einhauchen werden. „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können“ (Jean-Paul).

Tiefe Dankbarkeit und Stolz erfüllen uns, Peter, dass du unser Freund warst und wir deine Freunde sein durften. Ich glaube und wir alle hoffen, dich eines Tages wiederzusehen. Bis es soweit ist, bitte ich Gott, den Herrn, Dich und uns alle fest in seiner Hand zu halten und sein Versprechen auch an uns wahr werden zu lassen: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende“.

Bis es soweit ist, da glaube ich, würdest du dir von uns wünschen, dass wir der Weisheit von Konfuzius folgen: „Leuchtende Tage – nicht weinen, dass sie vorüber, lächeln, dass sie gewesen.“

So wie wir uns an den Wochenenden beim Verabschieden immer fest in die Arme genommen und einander eine gute Woche gewünscht haben, so wünschen wir uns jetzt gegenseitig, wir Dir und – da bin ich mir ganz sicher – Du uns ein gutes Leben. Wir versprechen dir, Peter, unser Bestes zu tun, um das Leben diesseits des Flusses in deinem Sinne weiterzuführen. Wir wissen genau, mit der dir eigenen Geduld wirst du uns dazu die nötige Zeit lassen.

Ich bitte Sie/Euch nun alle, wenn möglich, sich von den Plätzen zu erheben und sich mit mir vor Peters innerer Größe zu verneigen.

Kubanisches Lied: „Chan Chan“ (III)

Lasst uns beten.

Du Gott der Freiheit und der Liebe, wir danken dir für das Leben von Herrn Peter Pueschel, für alle Erfüllung und Bewahrung und für alles, was wir einander an Liebe verschenken und empfangen durften. Nimm ihn gnädig auf in deine Hände und führe zur Vollendung, was in seinem irdischen Leben unvollständig und bruchstückhaft geblieben ist.

Unsere Belastungen, Trauer und Sorgen, werfen wir auf dich. Hilf uns zu bewältigen, was uns niederdrückt, und schicke hilfreiche Engel an unsere Seite, damit wir auf traurigen Wegen nicht allein sind.

Schenke uns Zuversicht für jeden neuen Tag, und lass uns in Verantwortung vor dir unser Leben führen. Mach uns bewusst, dass du uns Liebe schenkst, um mit unseren kleinen Kräften ein Segen zu sein für unsere Erde und insbesondere für die Menschen, die du uns anvertraust. Amen.

Nachdem Peter Pueschel im Alter von 59 Jahren gestorben ist, vertrauen wir ihn der Liebe Gottes an. Wir geben seinen Leib dahin, dass er Staub und Asche werde.

So kehrt ein Mensch zurück zur Erde, von der sein Leib genommen ist. Aber in der Hoffnung bleiben wir Menschen bei Gott, er nimmt uns im Tode in seinem Frieden auf.

Wir beten gemeinsam mit Jesu Worten:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Am übernächsten Sonntag werden wir Herrn Pueschel im Gottesdienst der evangelischen Pauluskirche um 10 Uhr noch einmal in unsere Fürbitte einschließen.

Jetzt im Anschluss bitte ich Sie im Auftrag der Angehörigen, von Beileidsbekundungen am Ausgang Abstand zu nehmen. Sie sind aber herzlich eingeladen zu einem Treffen an den Lahnterrassen in der Bootshausstraße. Die ZAUG, das Zentrum für Arbeit und Umwelt Gießen, führt dort eine Gaststätte im Rahmen eines Projektes mit Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen. Auch diese Arbeit lag Herrn Pueschel sehr am Herzen. Wer zu Fuß dorthin gehen will, möge gleich einfach Jonatan Scherf folgen. Er wartet draußen auf dem Friedhofsvorplatz auf Sie, es ist eine Viertelstunde Weg. Man kann aber auch mit dem Auto dorthin fahren.

Nun geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.

Kubanisches Lied: „Hasta siempre“ („Für immer“),
ursprünglich ein Abschiedslied für Che Guevara

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