„Geduldig bis zum Kommen des Herrn“

Nach vielen Ermahnungen, das Rechte zu tun, wird Jakobus am Ende seines Briefes gelassener. Ein Glaube ohne Taten ist für ihn kein rechter Glaube. Aber auch für Jakobus ersetzen Taten nicht den Glauben. Auch für ihn kann man nicht mit Taten den Himmel herbeizwingen. Zum Christsein gehört auch für ihn nicht nur das Tun, sondern auch das Warten und Geduldigsein.

Regen für eine Pflanze, die in zwei Händen getragen wird - man muss geduldig auf ihr Wachsen warten

Um eine Pflanze aufwachsen zu sehen, braucht man Regen und Sonne und Geduld (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis, den 9. Oktober 1994 um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey (ursprünglich am Sonntag Oculi, den 3. März 1991)

Ich begrüße Sie im Gottesdienst mit dem Wort des Propheten Jeremia 17, 14:

Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen!

Wer vor zwei Wochen hier war, weiß es vielleicht noch, worüber ich da gepredigt habe: über einen Abschnitt aus dem Jakobusbrief. Es ging darum, dass man in der Gemeinde einen reichen Menschen nicht höher bewertet als einen armen und dass man sich auch selber nicht abwerten soll. Der heutige Text zur Predigt stammt schon wieder aus dem Jakobusbrief. Aber das Thema wird ganz anders sein. Hoffentlich spannend!

Liederheft 201: Danke für diesen guten Morgen
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wir beten mit Worten aus dem Psalm 32:

1 Wohl dem, dem die Sünde bedeckt ist!

2 Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist!

3 Denn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen.

4 Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.

5 Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

6 Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst. Darum, wenn große Wasserfluten kommen, / werden sie nicht an sie gelangen.

7 Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann.

8 »Ich will dich unterweisen (spricht Gott) und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.«

9 Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind, denen man Zaum und Gebiss anlegen muss; / sie werden sonst nicht zu dir kommen.

10 Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen.

11 Freut euch des HERRN und seid fröhlich, ihr Gerechten, und jauchzet, alle ihr Frommen.

Kommt, lasst uns anbeten. „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wir möchten gerne an dich glauben, Gott, doch manchmal fühlen wir uns zu schwach dazu. Lass uns spüren: gerade wenn wir nicht weiter wissen, bist du uns nahe; gerade wenn wir keine Kraft mehr haben, hältst du uns fest. Wir möchten gerne als Christen leben, doch oft meinen wir, wir seien keine guten Christen. Lass uns wissen: du nimmst uns an, gerade so, wie wir sind, wir müssen nicht vollkommen sein, du überforderst uns nicht. Herr, hilf uns glauben, hoffen und lieben! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Markus 4, 26-32:

26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft

27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht, wie.

28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.

29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

30 Und er sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden?

31 Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden;

32 und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, so dass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja,Halleluja,Halleluja.“

Lied 123, 1-2:

1) Wir warten dein, o Gottessohn, und lieben dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen; du kommst uns ja zum Segen.

2) Wir warten deiner mit Geduld in unsern Leidenstagen; wir trösten uns, dass du die Schuld am Kreuz hast abgetragen; so können wir nun gern mit dir uns auch zum Kreuz bequemen, bis du es weg wirst nehmen.

Gnade und Friede sei mit uns allen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Brief des Jakobus 5, 7-20:

7 So seid nun geduldig, liebe [Geschwister], bis zum Kommen des Herrn. Siehe der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.

8 Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

9 Seufzt nicht widereinander, liebe [Geschwister], damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür.

10 Nehmt, liebe [Geschwister], zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn.

11 Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.

12 Vor allen Dingen aber, meine [Geschwister], schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit einem andern Eid. Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht dem Gericht verfallt.

13 Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.

14 Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.

15 Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.

16 Bekennt also einander eure Sünden und bete füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

17 Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate.

18 Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht.

19 Liebe [Geschwister], wenn jemand unter euch abirren würde von der Wahrheit und jemand bekehrte ihn,

20 der soll wissen: wer den Sünder bekehrt hat von seinem Irrweg, der wird seine Seele vom Tode erretten und wird bedecken die Menge der Sünden.

Liebe Gemeinde!

Die Verse, die wir gehört haben, stehen am Ende des Jakobusbriefes. Jakobus hat ermahnt, ins Gewissen geredet, hat immer wieder betont: ein Glaube ohne Taten ist wertlos! Er hat gepredigt: wer Gott liebt und seine menschlichen Geschwister vergisst, liebt Gott auch nicht wirklich!

Und nun – nach all den vielen Ermahnungen, das Rechte zu tun, wird Jakobus am Ende seines Briefes nun viel ruhiger, stiller, gelassener. Ja, ihm ist wichtig, dass ein Glaube ohne Taten kein rechter Glaube ist. Aber auch für Jakobus können die Taten nicht den Glauben ersetzen. Auch für Jakobus kann man nicht mit eigenen Taten den Himmel herbeizwingen. Zum Christsein gehört auch für ihn nicht nur das Tun, sondern auch das Warten und Geduldigsein:

7 So seid nun geduldig, liebe [Geschwister], bis zum Kommen des Herrn.

Jakobus will sagen: Wenn wir nicht einen Grund zur Hoffnung hätten, dann wäre alles sinnlos, was wir nur tun können. Aber wir haben von Gott etwas zu erwarten. Jakobus stellt sich ganz buchstäblich vor, dass Jesus bald wieder auf die Erde zurückkommen wird, auf den Wolken des Himmels, und dann fängt für ihn das Reich Gottes an. Für uns moderne Menschen ist die Vorstellung wohl kaum noch möglich, dass Jesus irgendwann einmal auf den Wolken zu uns herunterschweben wird. Wir wissen einfach zu viel über Wind und Wetter, über Wolken und Weltall, als dass wir uns den Himmel, in dem Gott wohnt, noch über den Wolken vorstellen können. Aber dass der Herr kommen wird, das bleibt auch für uns wahr: es ist wahr, dass es mehr gibt als nur diese Welt, in der wir leben; es ist wahr, dass diese Welt in Gott ihr Ziel hat; es ist wahr, dass am Ende unseres irdischen Lebens und am Ende aller Zeiten nicht alles aufhört, sondern dass wir dann unserem Herrn Jesus Christus begegnen werden.

Jakobus hat sicher gemeint, das buchstäbliche Kommen des Herrn noch in seinem Leben erwarten zu können. Das können die meisten Christen heute nicht mehr. Aber in gewisser Weise kann jeder Christ und jede Christin das irgendwann einmal im Leben spüren: dass Jesus innerlich ganz nahe ist, dass Christus uns anrührt und bewegt in unserem Herzen, dass er zu uns kommt in unser Leben.

Nun gibt es Christen, die konnten einmal so glauben, aber sie haben irgendwann den Eindruck: Ich habe meinen Glauben verloren. Sie spüren die Nähe Gottes nicht mehr. Andere Menschen haben nie glauben können. Manche fragen dann: Wie kann ich glauben lernen? Wie kann ich neues Vertrauen zu Gott finden? Wie kann ich spüren, dass Gott da ist? Jakobus weiß nur eine einzige Antwort: „Seid geduldig bis zum Kommen des Herrn.“ Und er nennt ein Beispiel aus der alltäglichen Arbeit des Bauern:

Siehe der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.

Im Glauben ist es manchmal wie mit dem Säen und Ernten. Erst muss der Frühregen fallen, damit die Erde weich wird und man den Samen säen kann. Und ohne den Spätregen kann die Frucht nicht reifen.

Vielleicht ist der Boden in uns auch manchmal zu hart, um den Samen des Glaubens aufzunehmen. Vielleicht muss manchmal von außen so etwas kommen wie ein Frühlingsregen, damit man überhaupt erst einmal merkt, wie sehr man auf Gott und seine Liebe angewiesen ist. Bringen Krankheit und Schmerzen nicht manchmal Tränen mit sich, die uns innerlich ganz weich und gelöst werden lassen? Tränen können wie ein Frühregen sein, der uns hilft, für das Kommen des Herrn offen zu sein.

Manche sagen allerdings: Ich habe versucht, zu beten, aber Gott hilft doch nicht. Also habe ich wieder aufgehört, zu beten. Und auf die Güte unter den Menschen zu vertrauen, das habe ich schon lange aufgegeben.

Das ist so, als würde der Bauer gar nicht erst säen, weil es so lange dauert, bis die Saat aufgeht; oder weil der Spätregen vielleicht einmal ausgeblieben ist. Ein rechter Landwirt würde aber immer wieder neue Samen aufs Land aussäen, damit irgendwann doch etwas wachsen kann.

Säen können wir, so wie der Bauer seinen Samen aussät; alles andere haben wir nicht in der Hand. Wir können noch so sehr lieben, wir können damit einen anderen Menschen nicht zur Liebe nötigen. Wir können beten und können doch Gottes Hilfe nicht herbeizwingen. Geduld ist nötig, Warten ist nötig, weil wir weder die Liebe eines anderen Menschen noch die Liebe Gottes in der Hand haben.

Ja, wir haben noch nicht einmal den eigenen Glauben fest in der Tasche. Und so wie der Bauer auf den Regen warten muss, damit die Frucht reifen kann, so müssen wir Geduld haben und auf Liebe von außen warten, damit auch in uns innere Früchte reifen können.

8 Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

Ja, es ist wichtig, dass wir unsere Herzen stärken, z. B. indem wir uns mit unseren Sorgen einmal aussprechen können. Allein können wir nicht alles schaffen. Auch die Seele braucht Nahrung, genau wie unser Körper.

An dieser Stelle halten wir inne im Text und singen das Lied 217 aus dem Liederheft:
Kleines Senfkorn Hoffnung

Jakobus kann es nicht lassen, liebe Gemeinde. Kaum hat er zur Geduld ermutigt, auch zur Geduld mit sich selber, und dazu, dass man sich auch Stärkung sucht für die eigene Seele, da fängt er schon wieder mit neuen Ermahnungen an. Er weiß: Wenn jemand keine Geduld hat mit sich selber, dann wird er auch leicht ungeduldig und unbarmherzig mit anderen Menschen. Deshalb sagt er:

9 Seufzt nicht widereinander, liebe [Geschwister], damit ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür.

Denken wir nicht auch manchmal: Die anderen sind schuld an meinem Schicksal! Dann sollen wir uns das sagen lassen: Seufzt nicht gegeneinander, denn: „Siehe, der Richter steht vor der Tür.“ Der Richter, das ist Jesus Christus, der uns nicht verurteilen will, der aber auch von uns erwartet, dass wir unseren Mitmenschen nicht verurteilen.

Als Vorbilder fürs Geduldigsein nennt Jakobus dann einige Menschen aus der Bibel:

10 Nehmt, liebe [Geschwister], zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die geredet haben in dem Namen des Herrn.

11 Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.

Die nächste Ermahnung scheint keinen Zusammenhang mit dem vorherigen zu haben.

12 Vor allen Dingen aber, meine [Geschwister], schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit einem andern Eid. Es sei aber euer Ja ein Ja und euer Nein ein Nein, damit ihr nicht dem Gericht verfallt.

Anscheinend ist dem Jakobus dieser Punkt so wichtig, dass er ihn hier noch einmal ausdrücklich betont: Die Wahrheit soll euch über alles gehen. Was ihr sagt, das soll gelten, das müsst ihr nicht erst mit einem Schwur oder Eid bekräftigen. In einer Welt, in der viele meinen, nur mit Lügen durchzukommen, sollen Christen bei der Wahrheit bleiben. Wir Christen haben es auch nicht nötig, uns selber zu belügen, um stärker oder größer oder frömmer dazustehen, als wir wirklich sind; denn Gott ist barmherzig mit uns und will uns nicht niedermachen, sondern aufrichten.

Dann knüpft Jakobus wieder am vorherigen Gedankengang an. Er gibt Antworten auf die Frage, wie jemand die Geduld üben kann, zu der er anfangs aufgerufen hat. Jakobus ruft zum Gebet auf, ob es uns nun gut geht oder schlecht:

13 Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.

Also: Not lehrt beten. Aber nicht nur die Not, sondern: auch Glück lehrt beten. Wenn man etwas Glückliches erfährt, und sei es ein noch so kleines Erlebnis, dann kann man beten aus Dankbarkeit.

Und wenn jemand geschwächt ist, so dass er allein vielleicht nicht mehr beten kann, der soll sich Hilfe bei anderen suchen:

14 Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.

15 Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.

Die Krankensalbung mit Öl gibt es heute noch in der katholischen Kirche; leider wird sie oft missverstanden als eine letzte Ölung kurz vor dem Tod. Eigentlich geht es darum, dass man in der Krankheit die Nähe eines anderen Menschen erfährt, und dass man die Kraft Gottes am eigenen Leibe spürt, die in den Schwachen mächtig ist.

Und wie ist das mit dem Gebet, wenn man krank ist? Ich werde oft gebeten, für einen Patienten oder mit einem Patienten zu beten. Sicher kann man durch das Gebet nicht die Medizin ersetzen, nicht die Krankheit nur durch ein Gebet heilen. Aber Jakobus hat schon recht: Wie oft führt das Beten dazu, dass ein Patient sich innerlich aufgerichtet fühlt, und es kommen ihm neue Kräfte – entweder um wieder gesund zu werden oder um die Krankheit besser tragen zu können. Und wenn ein Kranker sich quält mit Schuldgefühlen, dann wird ihm eine große Belastung abgenommen, wenn man ihm Vergebung aller seiner Schuld zusprechen kann.

Darum fährt Jakobus fort:

16 Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet.

Er meint nicht, dass jede Krankheit eine Strafe Gottes ist. Aber es ist wohl so, dass manchmal auch das Gefühl, eine Schuld auf sich geladen zu haben, krank machen kann. Dann ist es wichtig, darüber mit jemandem zu sprechen und zu klären: bin ich wirklich schuldig? Und wenn ja: wie kann ich Vergebung zugesprochen bekommen und sie auch annehmen? Und wenn nein: woher kommen dann diese schlimmen Schuldgefühle, und wie kann ich sie abbauen?

Ein weiteres Mal unterbrechen wir die Predigt für ein Lied, diesmal aus dem Gesangbuch, Nr. 10, 1+7+11-13:

1) Nun lasst uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben.

7) Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue: Lob sei den starken Händen, die alles Herz leid wenden.

11) Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, lass Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen.

12) Sei der Verlassnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe.

13) Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermut quälen.

Liebe Gemeinde, dem Gebet sollen wir nicht zu wenig zutrauen, sagt Jakobus:

Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Und er begründet diese Ansicht wieder mit einem Beispiel aus der alten Bibel:

17 Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate.

18 Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht.

Jakobus will sagen: Elias Gebet wurde damals nicht deshalb erhört, weil er ein so großer Heiliger war. Nein – Gott wollte ihn erhören, obwohl er ein schwacher Mensch war wie wir. Und deshalb können auch wir auf Gott vertrauen, dass er uns helfen kann in schweren Zeiten, denn Gott kann auch heute noch Wunder tun. Ich meine jetzt nicht übernatürliche Dinge wie Regen machen und die Sonne scheinen lassen, wann es uns gefällt, sondern ich meine etwas anderes: dass in uns der Glaube wächst, der verschüttet war, dass in uns Liebe wächst, wo wir fast schon verbittert waren, dass in uns Hoffnung keimt, wo wir nur Finsternis gesehen haben.

Ganz zum Schluss seines Briefes hämmert uns Jakobus noch etwas ein: Gebt niemanden auf, der nicht mehr glauben kann. Versucht ihn wieder zurückzubringen zu Gott, helft ihm, dass sein Leben wieder einen Sinn bekommt. Jakobus formuliert das so:

19 Liebe [Geschwister], wenn jemand unter euch abirren würde von der Wahrheit und jemand bekehrte ihn,

20 der soll wissen: wer den Sünder bekehrt hat von seinem Irrweg, der wird seine Seele vom Tode erretten und wird bedecken die Menge der Sünden.

Also, wenn wir einander helfen, zu Gott zu finden, dann erretten wir die Seele des andern, aber auch die eigene, vor dem Tode.

Damit hört Jakobus auf, etwas plötzlich, ohne Grußwort, ohne Schlusswort.

Aber so, wie Jakobus seinen Brief schließt, lässt er uns nicht ohne Hoffnung zurück, denn Jakobus traut uns zu, dass wir einander helfen können, zum Glauben zu finden, auch wenn wir meinten, Gott hätte uns verlassen. Es lohnt sich, Geduld zu haben, es lohnt sich, miteinander barmherzig zu sein, denn Gott wird in uns wachsen lassen, was wir zum Leben brauchen: Glauben, Hoffnung und Liebe. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Liederheft 200: Wir haben Gottes Spuren festgestellt

Gott im Himmel, lass uns auch deine Spuren in unserem Leben entdecken! Lass uns wahrnehmen, wo unsere Chancen liegen, die wir noch nicht ergriffen haben! Hilf uns, unsere Angst vor dem Neuen zu überwinden! Schenke uns gute Begleiter auf unserem Weg, denen wir uns anvertrauen können!

Gott, wir sehen so viel Unglück und Leiden in der Welt. In den Nachrichten hören wir von Schiffsunglücken und Massentötungen, von hungernden Kindern und von Ländern, die vom Krieg immer mehr zerstört werden. Oft können wir nichts tun, außer zu beten, dass du uns Menschen in alledem trotzdem niemals aufgibst. Lass uns nicht an deiner Güte verzweifeln. Gib uns den Mut, an unserem Platz kleine wichtige gute Dinge zu tun. Amen.

Gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser
Lied 141, 1-3:

1) Nun Gott Lob, es ist vollbracht Singen, Beten, Hören, Lehren, Gott hat alles wohlgemacht, drum lasst uns sein Lob vermehren. Unser Gott sei hochgepreiset, weil er uns so herrlich speiset.

2) Weil der Gottesdienst ist aus und uns mitgeteilt der Segen, so gehn wir mit Freud nach Haus, wandeln fein auf Gottes Wegen. Gottes Geist uns ferner leite und uns alle vollbereite.

3) Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen, segne unser täglich Brot, segne unser Tun und Lassen, segne uns mit selgem Sterben und mach uns zu Himmelserben.

Abkündigungen

Nun geht hin mit Gottes Segen:

Gott, der Herr, segne euch, und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

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