Wer war eigentlich Debora?

Im neuen Familienzentrum der Paulusgemeinde gibt es den „Raum Debora“ als Treffpunkt für Eltern und ruhigen Rückzugsort. Wie wird Debora zur „Mutter in Israel“, zur Beschützerin des Volkes? Welche Rolle spielt sie bei der Befreiung von der Zwangsherrschaft des Jabin und Sisera? Warum traut man dieser Frau mehr zu als den Männern, die in Politik und Militär den Ton angeben?

Ein Chor aus Mitarbeitenden des Kindergartens unter der Leitung von Werner Boeck singt zur Eröffnung des Gemeindefestgottesdienstes

Mitarbeitende des Kindergartens unter der Leitung von Werner Boeck singen im Gemeindefestgottesdienst

#predigtGottesdienst zum Gemeindefest der Offenen Tür am Sonntag Trinitatis, 19. Juni 2011, 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen im Gottesdienst zur Eröffnung des gemeinsamen Gemeindefestes der evangelischen Paulus- und Thomasgemeinde und der Paulus-Kindertagesstätte. Wir feiern ein „Gemeindefest der Offenen Tür“, denn unsere erweiterte Paulus-Kita mit ihrem Familienzentrum wird eingeweiht und feierlich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Außerdem stellt sich in diesem Gottesdienst unsere neue Konfirmandengruppe der Gemeinde vor. Zu ihr gehören insgesamt vier Mädchen und sieben Jungen; einige von ihnen gestalten den Gottesdienst mit und versuchen uns die Frage zu beantworten: „Wer war eigentlich Debora?“

Debora, so heißt nämlich der neugestaltete Raum im Untergeschoss dieses Gemeindezentrums, der im neuen Familienzentrum als Versammlungsort vor allem für Erwachsene dient: Besprechungszimmer und Elterncafé, interreligiöse Begegnungsstätte, Rückzugsort mit Gelegenheit zum Bücherlesen, Raum für Spielkreise und vieles mehr. Aber woher hat der Raum Debora seinen Namen? Diese Frage wird nachher in der Predigt beantwortet.

Wir singen das Lied 155:

1. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, dein‘ Heilgen Geist du zu uns send, mit Hilf und Gnad er uns regier und uns den Weg zur Wahrheit führ.

2. Tu auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zur Andacht fein, den Glauben mehr, stärk den Verstand, dass uns dein Nam werd wohlbekannt,

3. bis wir singen mit Gottes Heer: »Heilig, heilig ist Gott der Herr!« und schauen dich von Angesicht in ewger Freud und sel’gem Licht.

4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem Heilgen Geist in einem Thron; der Heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Wir feiern Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ein Fest feiern wir heute mit allen Generationen: Kinder und Jugendliche und Erwachsene aller Altersgruppen sind angesprochen. Nachher können wir uns in den neuen Räumen umsehen, die unter dieser Kirche für Kinder und Erwachsene im Paulus-Familienzentrum entstanden sind.

Hier in der Kirche steht zunächst unsere neue Konfirmandengruppe im Mittelpunkt. Unsere Konfis haben in der Woche vor Pfingsten mit dem Unterricht begonnen und werden bis zur Konfirmation im nächsten Jahr auch regelmäßig im Gottesdienst auftauchen. Wir wünschen uns, dass sie mit Aufmerksamkeit und Respekt an unserer Feier teilnehmen und vielleicht auch das eine oder andere hören und mitbekommen, was für sie interessant ist.

Wer am Gottesdienst teilnimmt, macht sich auf einen Weg, jeden Sonntag neu. Dieser Weg führt zu Gott, und auf diesem Weg kommt Gott auf uns zu. Bevor wir an Gott glauben, traut Gott uns viel zu. Bevor wir Gott lieben, hat Gott uns schon geliebt. Uns gilt ein Bibelwort aus dem Buch der Richter 5, 31 (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 1980 by Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart):

[Menschen, die Gott] lieben, sind wie die Sonne, wenn sie aufgeht in ihrer Kraft.

Kommt, lasst uns Gott anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

An Gott zu glauben, ist nicht leicht, denn Gott ist unsichtbar. Gott zu lieben, fällt vielen Menschen schwer, weil sie sich fragen, warum Gott so viel Böses auf der Erde zulässt. Als Christen an Gott glauben, scheint besonders kompliziert zu sein, denn wir glauben an den einen Gott auf dreifache Weise: an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Darum lasst uns um Glauben bitten:

Großer Gott, wir bitten dich: Hilf uns, an dich zu glauben. Hilf uns zu verstehen, wie die schwierigen Sachen in der Bibel gemeint sind. Nimm uns ernst mit Fragen und Zweifeln. Wir rufen zu dir:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Ich bin begeistert von unseren Kindern im Kindergarten und von unserer neuen Konfi-Gruppe. Wenn ich bei den Kindern im Stuhlkreis sitze, wollen sie ihre Lieblingslieder singen, hören aber auch gern zu, wenn ich Geschichten aus der Bibel erzähle. Die neuen Konfis fragen mich Löcher in den Bauch und sind bereit, respektvoll miteinander und mit anderen umzugehen. Ich freue mich auf das Konfi-Jahr und bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam viele Fragen beantworten und viel Schönes und Interessantes erleben können. Dafür lasst uns Gott herzlich danken.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wollgefalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.“

Der Herr sei mit euch „und mit deinem Geist.“

Gott, der Liebe und des Friedens, im Gottesdienst beten wir zu dir und loben dich mit Liedern, aber wir hören auch Worte und Geschichten aus der Bibel, um besser an dich glauben zu können. Auch über schwierige Fragen denken wir nach, denn es ist oft schwer, mit dem Leben klarzukommen und in dieser Welt das Richtige zu tun. Gib uns neue Einsichten und Klarheit im Glauben und Handeln. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unsern Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer 11, 33-36 (eigene vereinfachte Übertragung):

33 Gott ist unendlich reich an Weisheit, unendlich tief reichen seine Gedanken. Unmöglich ist es für uns Menschen, zu erforschen, wie er Gerechtigkeit übt, und Gottes Wege aufzuspüren.

34 Wer von uns könnte sich wohl in Gott hineinversetzen oder wer ist sein Mitberater gewesen ?

35 Wir können Gott nichts geben, um etwas von ihm zurückzuverlangen. Er hat uns doch selber vorher alles geschenkt, was wir haben und was wir sind.

36 Denn aus Gott und durch Gott und zu Gott hin sind alle Dinge! Alles kommt von ihm. Ehre sei Gott durch Zeiten und Welten. Amen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen das Lied 620:

Gottes Liebe ist wie die Sonne

Und nun bitte ich euch Konfirmandinnen und Konfirmanden, nach vorn zu kommen und euch im Halbkreis der Gemeinde zuzuwenden. Das sind unsere neuen Konfis: …

Wir, die Menschen eurer Paulusgemeinde, freuen uns darüber, dass ihr euch entschlossen habt, ein Jahr lang intensiv mit der Gemeinde zu leben. Wir freuen uns auf das, was ihr mitbringt – eure Fragen und Anregungen. Wir heißen euch willkommen und sind bereit, euch in unsere Mitte aufzunehmen. Als Zeichen dafür, dass dieses Miteinander im Konfi-Jahr gelingen möge, wollen wir euch segnen.

Gemeinsam segnen wir euch mit folgenden Worten, die Sie bitte nachsprechen:

Gott segne eure Zeit in der Paulusgemeinde.

Gott schenke euch, dass ihr viel Gutes erfahrt und Neues entdeckt für euren Glauben.

Gott begleite und behüte euch auf eurem Weg.

Wir singen das Lied 395:

Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist
Gott lehre uns Einsichten über die Gerechtigkeit und den Frieden aus der Allmacht seiner Liebe, die sich unter den Menschen durchsetzen will. Amen.

Liebe Gemeinde, in der Predigt stellen wir nun wie angekündigt die Frage: Wer war eigentlich Debora? In einer Zeitreise versetzen wir uns zurück in die Zeit des Volkes Israel vor etwa 3250 Jahren. Wir erinnern uns: Die zwölf Stämme des Volkes Israel waren aus der Sklaverei in Ägypten befreit worden und hatten sich im Land Kanaan angesiedelt. Es gehört ihnen aber nicht allein, sie müssen es mit anderen Völkern und Stämmen teilen. Einen König hat Israel damals auch noch nicht; das kommt erst später in den Tagen von Saul, David und Salomo. Damals regieren bei Bedarf – Richter. Die sorgen nicht nur im Alltag für Gerechtigkeit vor Gericht, sie führen auch die Stämme Israels als Heerführer an, wenn sie von anderen Völkern überfallen werden. Von zwölf dieser Richter berichtet die Bibel, aber einer von ihnen ist gar kein Richter, sondern eine Richterin: eben Debora.

Wer ist diese Debora? Eine erste Antwort hören wir aus dem Mund des kenitischen Ehepaares Heber und Jaël. Sie leben zur Zeit Deboras in ihrem Zelt unter der Eiche von Zaanannim bei Kedesch mitten unter den Israeliten (Richter 4, 4-5.11):

Heber: Wir sind Keniter, und ich arbeite als Schmied. Das tun viele Männer aus unserem Volk.

Jaël: Wenn ihr wissen wollt, woher der Name Keniter kommt: Wir stammen von Kain ab. Ja, genau, Kain, der damals seinen Bruder Abel umgebracht hat.

Heber: Wir sind aber trotzdem friedliche Leute.

Jaël: Und wir kommen gut aus mit unseren Nachbarn in Israel. Wenn es einmal ein Problem gibt, können wir mit allem zu Debora gehen. Sie ist eine weise und kluge Richterin. Sie sorgt für Gerechtigkeit und behandelt jeden gleich, egal aus welchem Volk.

Debora ist also eine sehr beliebte Richterin, nicht nur für ihre eigenen Landsleute, sondern für Menschen jeder Herkunft. Jeder kann sie aufsuchen, um sein Recht zu bekommen, ob arm oder reich, alt oder jung, egal von welcher Abstammung. Debora sitzt dabei nicht in einem Gerichtsgebäude, auch nicht im Stadttor, wie das damals viele Richter machen, sondern unter der Debora-Palme auf dem Gebirge Ephraim zwischen den Orten Rama und Bethel.

Diese Palme hat damals übrigens schon vor der Richterin Debora so geheißen; sie trägt ihren Namen nach einer anderen Debora, die noch viel früher gelebt hatte, 600 Jahre vorher. Diese andere Debora war hier beerdigt worden (1. Buch Mose – Genesis 35, 8). Eine Amme war sie gewesen, eine Art Nanny; sie hatte die Kinder der Rebekka betreut. Wer Rebekka war, werden die meisten von uns wissen; sie hatte Isaak, den Sohn Abrahams, geheiratet und bekam mit ihm die Zwillinge Jakob und Esau. Und dann sorgte sie trickreich dafür, dass ihr Lieblingssohn Jakob seinem Bruder Esau den Segen seines Vaters wegschnappte. Wie auch immer, sechs Jahrhunderte nach Rebekka und der ersten Debora sitzt die zweite Debora als berühmte Richterin unter der Debora-Palme.

Wenn wir unserem kenitischen Ehepaar weiter zuhören, erfahren wir nun aber, dass trotz des segensreichen Wirkens der Debora zu ihrer Zeit im Land kein wirklicher Friede herrscht (Richter 4, 2-3):

Heber: Es ist furchtbar. Seit 20 Jahren leben wir ständig in Angst und Schrecken. Die Leute des Königs Jabin überfallen ständig friedliche Dörfer und Bauernhöfe im Land. Niemand kann etwas gegen ihn tun. Wenn ich an seinen Feldherrn Sisera denke, wird mir ganz anders. Ein richtiger Blutsauger und Schlächter ist dieser Kerl!

Jaël: Ja, und bei ihren Raubzügen darf sich jeder von seinen Leuten auch noch ein oder zwei Frauen als Beute nehmen. Darum verstehe ich auch nicht, wie du mit diesem König Jabin Frieden schließen konntest!

Heber: Was sollte ich machen? Der brutale Sisera zwingt mir den Frieden auf. Er verlangt Schutzgeld, und ich muss König Jabin sogar Eisen liefern für seine Kriegswagen, sonst machen seine Schläger aus meiner Schmiede einen Schutthaufen und aus mir Hackfleisch.

Jaël: Und das sagt ein Bär von einem Mann, der mit dem Schmiedehammer umgeht, als wäre er eine Vogelfeder.

Heber: Wenn nicht einmal die Israeliten etwas gegen Jabin und Sisera tun, werde ich als Keniter nicht so blöd sein, mir die Finger zu verbrennen.

Jaël: Ihr Männer seid auch nicht mehr das, was ihr mal wart: Kein Mumm mehr in den Knochen!

So mag Frau Jaël mit ihrem Mann Heber reden. Es ist wirklich eine schlimme Zeit, weil der König Jabin von Kanaan in der großen Stadt Hazor so mächtig geworden ist, dass er das ganze Land ohne Widerstand terrorisieren kann. Er ist so etwas wie ein Mafia-Boss, der die einen ausraubt und von anderen Schutzgeld erpresst.

Jabin: Ich heiße Jabin, und mich kann keiner besiegen. Ich habe die neueste Kriegstechnik auf meiner Seite; 900 Kriegswagen aus Eisen gehören mir.

Wir müssen uns das etwa so vorstellen, als stünden heute einer Armee aus Panzern auf der anderen Seite Fußsoldaten mit einfachen Gewehren gegenüber. Besonders schlimm ist nun damals, dass König Jabin einen besonders brutalen Feldherrn hat, den man in der heutigen Zeit vielleicht mit Adolf Hitler oder Saddam Hussein vergleichen kann.

Sisera: Ich bin Sisera. Man nennt mich den Schlächter, und ich bin stolz darauf. Ich erledige die Drecksarbeit für König Jabin. Während er es sich in der Hauptstadt Hazor gemütlich macht, habe ich das Kommando über gut ausgebildete Stoßtrupps und alle Kriegswagen des Königs. Wenn jemand seine Steuern nicht zahlt oder einen Mucks macht, fließt Blut. Die Israeliten und alle anderen Völker im Land mache ich platt! Die haben keine Chance gegen mich mit ihren Holzspeeren und Spielzeugschwertern aus Bronze!

Kein Wunder, dass die Menschen im Volk Israel zur Zeit der Debora verzweifelt sind. Man traut sich nicht mehr, ohne Schutz zu reisen, die Wohnungen sind nicht sicher, es gibt nicht genug zu essen. Und niemand hat den Mut, sich gegen das Unrecht des Königs Jabin und seines Feldherrn Sisera zu wehren.

Doch in einem Lied im Buch der Richter 5 heißt es:

7 Still war’s bei den Bauern, ja still in Israel, bis du, Debora, aufstandest, bis du aufstandest, eine Mutter in Israel.

Wie wird Debora zur „Mutter in Israel“, zur Beschützerin des Volkes? Welche Rolle spielt sie bei der Befreiung von der Zwangsherrschaft des Jabin und Sisera? Warum traut man dieser Frau mehr zu als den Männern, die zu allen Zeiten in Politik und Militär eher den Ton angeben? Belauschen wir Debora im Gespräch mit einem Mann, der damals in Israel ebenfalls Richter ist, neben Debora der mächtigste Mann im Volk Israel. Sein Name ist Barak, und er sucht Debora unter der Debora-Palme auf (Richter 4, 6-10):

Debora: Schalom! Friede sei mit dir!

Barak: Schalom, Debora, meine Biene, du hast mich zu dir gerufen?

Debora: Ja, mein Name bedeutet „Biene“, lieber Barak. Aber Honig will ich dir heute nicht ums Maul schmieren.

Barak: Worum geht es denn?

Debora: Du weißt, man nennt mich „Mutter in Israel“. Ja, ich sorge mich wie eine Mutter um alle Menschen, die in diesem Land leben. Sie stöhnen unter König Jabin und seinem Feldherrn Sisera.

Barak: Das weiß ich genau wie du. Seit 20 Jahren geht das so.

Debora: Meinst du nicht, es ist endlich Zeit, etwas gegen die beiden zu tun?

Barak: Aber Gott hat doch selber Jabin und Sisera geschickt, um unser Volk zu strafen.

Debora: Wenn ich Gott richtig verstehe, dann sind 20 Jahre Strafe genug.

Barak: Jabin ist aber unbesiegbar. Er hat 900 Kriegswagen aus Eisen.

Debora: Ihr seid mir vielleicht mutige Männer! Überall höre ich, dass euch die Angst aus den Knopflöchern kriecht.

Barak: Es ist vor allem der Schlächter Sisera mit seinen Schlägertrupps. Er kennt keine Gnade.

Debora: Hör zu, Barak. Du weißt, was die Leute sagen: „Die Debora ist eine Prophetin Gottes!“ Und es ist wahr: hin und wieder höre ich in mich hinein und ich weiß einfach: da spricht Gott selbst mit mir. Dann will Gott, dass ich die Menschen warne, ermahne oder tröste, je nachdem.

Barak: Und was willst du mir damit jetzt sagen?

Debora: Ich habe eine Botschaft von Gott für dich. Gott will, dass du zehntausend Männer auf dem Berg Tabor sammelst. Erwarte dort den Feldherrn Sisera mit seinem Heer. Er wird euch angreifen, vom Bach Kischon her. Und ihr werdet ihn besiegen!

Barak: Wenn Gott das sagt, dann tue ich es. Unter einer Bedingung: Wenn du mit mir gehst, werde ich gehen; wenn du nicht mit mir gehst, werde ich nicht gehen.

Debora: OK, ich gehe mit dir. Aber denke ja nicht, dass du berühmt wirst in diesem Krieg. Es wird die Hand einer Frau sein, die diesen Krieg entscheidet.

Ich will jetzt nicht die ganze Kriegsgeschichte nacherzählen, aber wichtig finde ich, dass wir erfahren: Debora ist nicht nur Richterin und Mutter ihres Volkes. Sie ist auch eine Prophetin, die auf Gott hört, und wenn sie redet, dann hören offenbar auch die Männer in ihrem Volk auf sie.

Interessiert es jemanden, wie der Krieg ausgeht? OK, dann erzähle ich weiter. Ich denke, ich hätte es auch sonst getan (Richter 4, 12-16):

Barak und Debora versammeln wirklich zehntausend Mann auf dem Berg Tabor. Als der Feldherr Sisera das hört, stellt er alle seine Truppen einschließlich der 900 Kriegswagen am Bach Kischon auf. Eigentlich ist er den Israeliten überlegen, aber als Barak ihm vom Berg Tabor entgegenzieht, bringt Gott selbst Siseras Streitmacht dermaßen in Verwirrung, dass am Ende Sisera vom Wagen springt und zu Fuß die Flucht ergreift. So kann Barak das fremde Heer besiegen, das seine Führung verloren hat.

Aber was ist mit Sisera? Wird er entkommen, sich durchschlagen zu seinem König Jabin? Wird er ein neues, noch stärkeres Heer aufstellen, um die Niederlage zu rächen? Er flieht zu Fuß – wohin? Geradewegs zur Schmiede des Heber (Richter 4, 17-22):

Sisera: Heber wird mir helfen. Er hat so große Angst vor mir, er wird mir nichts tun.

Aber als er zum Zelt des Heber kommt, ist der Hausherr nicht zu Hause. Seine Frau Jaël empfängt ihn.

Jaël: Kehr ein, Herr, kehr ein bei mir, hab keine Angst! Du siehst erschöpft und müde aus. Komm in unser Zelt, leg dich hin. Ich decke dich zu mit einem Teppich.

Sisera: Gib mir doch etwas Wasser zu trinken, ich habe Durst.

Jaël: Hier habe ich sogar Milch für dich. Nimm diese prächtige Schale mit Sahne, trink sie aus und leg dich hin. Ich deck dich zu.

Sisera: Stell dich an den Zelteingang, und wenn einer kommt und dich fragt: Ist jemand hier?, dann antworte: Nein.

Was jetzt geschieht, können wir nicht nachspielen. Es ist kaum vorstellbar, welcher Druck auf Jaël lastet. Der Schlächter Sisera lässt sich von ihr bedienen, von ihr in den Schlaf wiegen. Dieser Mann, der so viele Männer auf dem Gewissen hat, so viele Frauen vergewaltigt hat, der 20 Jahre lang unendlich viel Leid über friedliche Menschen gebracht hat, der vertraut sich ihr an und erwartet von ihr, dass er sie versteckt vor den Leuten Baraks und Deboras. Er verlässt sich darauf, dass sie Angst vor ihm hat, dass sie nur eine schwache Frau ist, dass er doch einen erpressten Friedensvertrag mit ihrem Mann hat. Und da fasst sie einen Entschluss und setzt ihn in die Tat um. Sie holt einen Zeltpflock, nimmt einen Schmiedehammer ihres Mannes in die Hand, geht leise zu Sisera hin und schlägt ihm den Zeltpflock durch die Schläfe, so dass er noch in den Boden dringt. So findet Sisera, der vor Erschöpfung eingeschlafen ist, den Tod.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Szene so erzählen soll, wie sie nun einmal in der Bibel steht. Dann habe ich daran gedacht, dass wir in Deutschland vor über 66 Jahren auch einen solchen Schlächter hatten wie Sisera. Im vergangenen Jahrhundert hat der evangelische Pfarrer Dietrich Bonhoeffer ähnlich gehandelt wie Jaël vor 3250 Jahren. Er entschloss sich, ein Attentat auf Adolf Hitler mitzuplanen. Er wusste, er würde sich schuldig machen, aber noch mehr Schuld würde er durch Nichtstun auf sich laden. Diese Zeit ist lange vorbei, aber leider gibt es immer noch Menschen, die genau wie damals die Nationalsozialisten Fremdenhass und Rassismus schüren.

Wir werden im Konfirmandenunterricht auch über solche Fragen nachdenken. Wie ist das mit den Zehn Geboten? Was heißt: „Du sollst nicht töten!“? Gilt das auch im Krieg? Gibt es Momente im Leben, in denen man vielleicht sogar aus Liebe Furchtbares tun muss?

Wir wissen nicht, was Jaël damals durch den Kopf geht. Da liegt der tote Sisera, und im selben Moment erscheint vor dem Zelt Barak, der Sisera verfolgt (Richter 4, 22-24 und 5, 24-27.31):

Barak: Hast du den Feldherrn Sisera gesehen, der vor uns geflohen ist?

Jaël: Komm, ich zeige dir den Mann, den du suchst.

Sie führt ihn hinein ins Zelt. Da liegt Sisera… tot.

Barak: Du hast … es getan? Jetzt weiß ich, was Debora meinte, als sie sagte, eine Frau würde diesen Krieg entscheiden. Wie heißt du?

Jaël: Ich heiße Jaël.

Barak: Wenn die Menschen sich fragen: Wer hat uns vom Schlächter Sisera befreit? Dann werden sie deinen Namen rühmen, Jaël.

Jaël: Ich will nicht berühmt werden. Nicht dafür. Ich konnte nicht anders. Manchmal muss man etwas Furchtbares tun, um viel Schlimmeres zu verhüten.

Barak: Das stimmt. Da fällt mir ein Gebet ein, das ich von Debora gehört habe: „So gehen all deine Feinde zugrunde, Herr. Doch die, die ihn lieben, sind wie die Sonne, wenn sie aufgeht in ihrer Kraft.“

Jaël: Danke, Barak, ich hoffe, dass Gott mir verzeiht, was ich für die Menschen in unserem Land tun musste. Und ich wünsche mir, dass es jetzt endlich Frieden gibt.

Es gab dann wirklich Frieden, 40 Jahre lang, in denen Debora als Richterin und Prophetin und Mutter in Israel dafür sorgte, dass es auch zwischen den verschiedenen Volksgruppen im Land friedlich und gerecht zuging.

Wir leben in unserem Land Gott sei Dank bereits seit 66 Jahren im Frieden. Das ist nicht selbstverständlich. Und wir können uns Debora als Vorbild nehmen, um diesen Frieden zu bewahren, zum Beispiel, indem wir mit Menschen verschiedener Herkunft und verschiedenen Glaubens respektvoll und in guter Nachbarschaft zusammenleben – in unserem Stadtteil, in unserer Kita, in den Räumen unseres Gemeindezentrums und auch bei Gelegenheiten wie unserem Gemeindefest. Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 640:

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn, dein Reich komme, Gott, dein Reich komme

Jetzt beten wir zusammen.

Guter Gott, wir danken dir, dass wir heute ein fröhliches Fest feiern: ein Fest zum Entdecken beim Tag der Offenen Tür, zum Sattwerden am Grill und an der Kuchentheke, zum Spaßhaben bei Spielen und Aktionen, zum Zuhören und Zuschauen bei Musik und Tanz und Capoeira. Wir bitten dich, dass unser Fest ungetrübt bleibt und dass wir die Gelegenheit nutzen, um uns auszutauschen, um neue Menschen kennenzulernen und bereits bekannten Menschen neu zu begegnen.

Guter Gott, wir danken dir, dass wir mit Lust und Energie in ein neues Konfi-Jahr gestartet sind. Lass uns das Interesse und den gegenseitigen Respekt nicht verlorengehen, lass uns gemeinsam viel Schönes erleben, bring uns beim Diskutieren auf neue Einsichten.

Guter Gott, wir danken dir, dass unsere Kita jetzt zusätzliche neue und schöne Räume hat, dass wir die Arbeit im Familienzentrum gemeinsam aufbauen können, dass wir mit einem engagierten Team 90 Kindern einen Platz bieten können, wo sie sich wohlfühlen und viel lernen und im Frieden miteinander leben. Bitte hilf uns, dass wir den Herausforderungen gewachsen sind, die sich uns in unserem Stadtteil stellen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir persönlich auf dem Herzen haben.

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir das Lied 599:

Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

Impressionen vom Gemeindefest der Offenen Tür:

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