Kostbarer Rauch

„So Gott will und wir leben“.

Ja, wir sind ein Rauch, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet – und trotzdem sind wir wichtig und kostbar für Gott. Gott gibt uns die große Erlaubnis: Du hast es nicht nötig, ein Sünder zu sein. Nimm dich, wie du bist – und dann werde, der du werden kannst!

Weibliches Gesicht von Rauch umgeben

Rauch sind wir – und doch kostbar (Bild: pixabay.com)

direkt-predigtGottesdienst am Altjahrsabend, Mittwoch, den 31. Dezember 2003, um 18.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche und an Neujahr, Donnerstag, den 1. Januar 2004, um 10.00 Uhr in der evangelischen Johanneskirche Gießen

Guten Abend, liebe Gemeinde!

Am ersten Tag im Neuen Jahr 2004 begrüße ich Sie herzlich mit einem Wort aus dem Kolosserbrief 3, 17:

„Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

An der Wende eines Jahres zum nächsten machen wir uns Gedanken über die Zeit, in deren Strom wir dahintreiben. Wie schnell vergeht die Zeit! Auf das vergangene Jahr blicken wir zurück und wir können daran nichts mehr ändern. Das kommende Jahr werden wir mitgestalten, aber es ist unseren Blicken noch verborgen. Werden unsere Pläne gelingen?

Wir singen aus dem Loblied 303 die Strophen 1, 3 und 5:

1. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in‘ Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja.

3. Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen und hofft getrost auf Jesus Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja.

5. Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, er ist’s, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er zur Speis bereiten, was ihnen dient zur Lebenskraft; die hart Gebundnen macht er frei, und seine Gnad ist mancherlei. Halleluja, Halleluja.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Das Lied, das wir eben gesungen haben, ist dem Psalm 146 nachgedichtet worden. Diesen Psalm beten wir nun gemeinsam; er steht im Gesangbuch unter der Nr. 757. Die Männer sprechen bitte mit mir die linksbündigen, die Frauen die eingerückten Verse:

1 Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele!

2 Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

3 Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.

4 Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.

5 Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott,

6 der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich,

7 der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset. Der HERR macht die Gefangenen frei.

8 Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten.

9 Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre.

10 Der HERR ist König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Jahreswechsel – Zeit der guten Vorsätze – Zeit der Pläne für das Neue Jahr. Endlich wollen wir in Angriff nehmen, was wir so lange vor uns her geschoben haben. Endlich soll gelingen, worin wir bisher wieder versagt haben. Aber wenn der Volksmund sagt: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert!“, was helfen uns dann alle unsere Pläne und der Wille, uns zu bessern? Gott, wir bitten um Vergebung und um deine Hilfe, um uns zu ändern:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

So spricht Gott (Josua 1, 9):

9 Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Wenn wir mit Angst durch die Zeit gehen, dann verlass uns nicht, Gott. Wenn wir ohne Rücksicht auf Verluste durch die Zeit gehen, Gott, dann bring uns zur Besinnung. Ach Gott, wenn wir orientierungslos durch die Zeit irren, dann zeig uns deinen Weg für uns. Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören aus dem Evangelium nach Lukas 4, 16-21:

16 [Jesus] kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen.

17 Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht:

18 »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen,

19 zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«

20 Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn.

21 Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis

Wir singen aus dem Lied 527 die Strophen 1 und 7 bis 10:

1. Die Herrlichkeit der Erden muss Rauch und Asche werden, kein Fels, kein Erz kann stehn. Dies, was uns kann ergötzen, was wir für ewig schätzen, wird als ein leichter Traum vergehn.

7. Wir rechnen Jahr auf Jahre; indessen wird die Bahre uns vor die Tür gebracht. Drauf müssen wir von hinnen und, eh wir uns besinnen, der Erde sagen: gute Nacht!

8. Auf, Herz, wach und bedenke, dass dieser Zeit Geschenke den Augenblick nur dein. Was du zuvor genossen, ist als ein Strom verschossen; was künftig, wessen wird es sein?

9. Verlache Welt und Ehre, Furcht, Hoffen, Gunst und Lehre und geh den Herren an, der immer König bleibet, den keine Zeit vertreibet, der einzig ewig machen kann.

10. Wohl dem, der auf ihn trauet! Er hat recht fest gebauet, und ob er hier gleich fällt, wird er doch dort bestehen und nimmermehr vergehen, weil ihn die Stärke selbst erhält.

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde! Wir haben hoffnungsvolle Worte gehört in der Schriftlesung – vom Gnadenjahr des Herrn. Und wir haben ein Lied gesungen, das davor warnt, auf die Herrlichkeit der Erden zu vertrauen. Die Zeit ist ein Geschenk, so dichtet Andreas Gryphius nach dem Dreißigjährigen Krieg, und dieses Geschenk gehört uns nur im Augenblick der Gegenwart, nur hier und jetzt. Die Vergangenheit ist „verschossen“ wie ein reißender Fluss und die Zukunft ist ungewiss; sicher ist nur, dass alles einmal vergeht. Mit einer Ausnahme allerdings: es gibt einen Herren, der immer König bleibt, den keine Zeit vertreiben kann, weil er der ewige Gott ist. Wer sich diesem Herrn hier und jetzt anvertraut, der baut auf guten Grund. Selbst wenn er hier fällt, richtet Gott ihn in doch auf in der Ewigkeit.

Mit dem Text dieses Liedes im Ohr hören wir nun den Text zur Predigt aus dem Brief des Jakobus 4, 13-15:

13 Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen –,

14 und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet.

15 Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.

Ein herber Text. Er erinnert uns an unsere Sterblichkeit. Das ist unangenehm. Lieber verdrängen wir alle Gedanken ans Sterben und an den Tod. Das ist ja auch relativ leicht, so lange wir im aktiven Leben stehen, unser Terminkalender voll und unser Alltag verplant ist. Es ist doch ganz normal, Geschäftsreisen zu planen und sich berufliche Ziele zu stecken, wie es die von Jakobus erwähnten Leute im Bibeltext tun.

Trotzdem – Jakobus hat ja nun mal Recht. Wir wissen nicht, was morgen sein wird. Und dass wir das nicht wissen, wissen wir ganz sicher. Deshalb ist es schon aus purer Vernunft nicht gut, den einen Termin zu vergessen, den wir nicht in den eigenen Terminkalender schreiben können, nämlich das Datum des eigenen Todes. Gerade ein Mensch, der mitten im Leben steht wie ein Geschäftsmann oder eine Hausfrau und Mutter, sollte ein Interesse daran haben, wie das Geschäft nach dem eigenen Tod weitergeht, wer für minderjährige Kinder sorgt, ob die Angehörigen versorgt sind und dass geklärt ist, wer was erbt. Und wer im Falle unheilbarer Krankheit keine sinnlos das Leben verlängernden Maßnahmen will, sollte eine Patientenverfügung aufsetzen.

Doch es gibt noch mehr Gründe, sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen.

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden

– das sagt schon Psalm 90, 12. Diese Form der Klugheit besteht darin, sich angesichts der Sterblichkeit zu fragen: Was ist eigentlich unser Leben?

Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet

– so krass antwortet Jakobus 4, 14. Wenn wir eine Urne beisetzen, erschrecken wir immer wieder, wie wenig Platz die sterblichen Überreste eines Menschen einnehmen. Der Rest ist buchstäblich in Rauch aufgegangen.

Wie halten wir diesen Gedanken aus? Sterblich zu sein. Rauch zu sein. „Dust In The Wind“, wie es in einem schönen Song hieß: „Alles, was wir sind, ist Staub im Wind.“ Für die Bibel ist es klug, sich an den zu halten, der der Herr ist über Leben und Tod.

Statt so zu tun, als ob wir unsterblich wären und über unsere Zeit beliebig verfügen könnten, rät uns Jakobus 4, 15 zu sagen:

Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.

Oder in altertümlicher Form: „So Gott will und wir leben.“

Was verlangt Jakobus da von uns? Ist es nicht grausam, uns ständig an den Tod zu erinnern? Sollen wir denn immer in Angst leben und uns an nichts unbefangen und unbeschwert freuen dürfen?

Ich sehe es gerade andersherum. Wer im Gottvertrauen lebt, muss den Tod nicht verdrängen, weil er weiß, dass er an Gottes Willen eh nichts ändern kann.

Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn

sagt auch Paulus (Römer 14, 8). Das heißt: Da wir nicht wissen, wann wir sterben, und nichts daran ändern können und wollen, können wir uns ganz auf das Leben hier und jetzt konzentrieren. Wir können den Augenblick der Gegenwart als kostbares Geschenk annehmen und so verantwortlich wie möglich mit ihm umgehen. Wer weiß, ob ich morgen noch lebe – trotzdem könnte ich frei nach Martin Luther heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen. Und wenn es denn sein muss, dass ich sterbe, dann tut das wohl weh, denn ich lasse liebe Menschen zurück, die traurig sind, Pläne werden nicht ausgeführt, die mir wichtig gewesen wären. Dennoch können wir letzten Endes im Vertrauen auf Gott dieses Leben getrost loslassen, denn wir gehen im Sterben nicht verloren, sondern wir bleiben in der Liebe Gottes geborgen und gut aufgehoben. Ein Rauch seid ihr, sagt Jakobus. Schöner als das Bild vom Rauch gefällt mir das Bild vom Hauch, mit dem Gott den Menschen beseelt, denn vom Odem des Lebens heißt es ausdrücklich, dass er im Tode zu Gott zurückkehrt. Als Jesus am Kreuz stirbt, ruft er mit einem Psalmwort aus (Lukas 23, 46):

Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!

An der Jahreswende bringt mich unser Jakobuspredigttext nun aber noch ganz anders ins Grübeln. „Heute oder morgen wollen wir“, so fängt er an. Doch wir „wissen nicht, was morgen sein wird“, so geht er weiter. Wie ist das denn mit den Plänen, die wir besonders gern an Silvester oder Neujahr schmieden? Wie halten Sie es? Machen Sie sich eine Liste mit den Dingen, die sich im Neuen Jahr ändern sollen – nein, die Sie im Neuen Jahr ändern wollen? Endlich das Gerümpel im Keller ausmisten – endlich mir Zeit nehmen, um Besuche zu machen, die ich schon lange machen wollte – endlich mit einer dummen Angewohnheit Schluss machen – endlich aufmerksamer werden auf den Menschen, der mir nahe ist und manchmal doch so fremd…

Vielleicht ist es Ihnen mit solchen Vorhaben auch schon so gegangen, dass Sie im Rückblick festgestellt haben: Es blieb beim guten Vorsatz. In die Tat umsetzen konnte ich wenig oder nichts. Gut gemeinte Pläne sind bald wieder vergessen. Der Alltag hat all die schönen Sonntagsgedanken geschluckt.

Pessimisten würden sagen: Es ändert sich sowieso nichts. Die meisten Pessimisten, die ich kenne, klagen allerdings mehr über das, was die anderen Leute an ihrem Verhalten nicht ändern: Nachbarn, die sich nicht an die Hausordnung halten, Politiker, die in die eigene Tasche wirtschaften, Ausländer, die sich nicht an unsere Gepflogenheiten anpassen wollen, Jugendliche, die keinen Respekt vor dem Alter haben, oder ältere Leute, die nur über die Jugend von heute schimpfen. Manchmal sind wir alle versucht, in solche Klagelieder einzustimmen, denn Anlass dazu gibt es genug. Es fällt ja den meisten auch leichter, die Fehler bei anderen Leuten zu sehen als bei sich selbst.

Sicher gibt es auch selbstkritische oder zu depressiven Stimmungen neigende Pessimisten. Die kreisen vor allem um ihre eigenen Fehler und denken: Ich kann mich sowieso nicht ändern. Mit mir ist nichts los; was soll aus mir schon werden? Sie ziehen den Schluss: Ich nehme mir überhaupt nichts mehr vor – keine guten Vorsätze mehr, basta!

Aber ist Pessimismus ein Ausweg? Wir wollen doch nicht festgenagelt bleiben auf unsere Vergangenheit, auf unsere Fehler, auf unsere eingefahrenen Verhaltensweisen, wenn wir merken, dass sie uns die Zukunft vermiesen oder verbauen. Und was hilft es, immer wieder das Klagelied „Ist es nicht schrecklich?“ zu singen? Damit ändern wir weder uns noch die Leute, über die wir klagen.

Vorhin haben wir in der Schriftlesung ein unglaubliches Evangelium gehört, eine Frohe Botschaft, die diesem Pessimismus den Kampf ansagt. Jesus liest in der jüdischen Synagoge im Buch Jesaja die Stelle, wo der Gesalbte des Herrn spricht, der Messias, der Christus Gottes. Und Jesus sagt: Die Worte des Propheten sind heute erfüllt. Sie sind wahr geworden in der Welt, weil Jesus selbst der Christus Gottes ist und als solcher handelt (Lukas 4, 18-19):

„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“

Wenn sogar Blinden die Augen geöffnet werden und Gefangenen die Freiheit verkündigt wird, dann besteht Hoffnung für uns alle.

Jesus nachfolgen heißt dann, nicht mehr nur zu klagen, sondern hoffnungsvolle Töne anzuschlagen: Arme Menschen haben bei Gott etwas zu melden, sie bleiben nicht gedemütigt. Wer blind ist für die Güte Gottes in dieser Welt, für die Aus-Wege, die er zeigt, der bekommt die Augen geöffnet. Wer zerschlagen ist, darf seine Wunden lecken, wird verbunden und darf auf Heilung hoffen. Und wer in seiner Seele gefesselt ist durch Unruhe und Angst, durch Hass und Bitterkeit, durch den bösen Blick auf andere und den selbstmitleidig-selbstquälerischen Blick auf sich selbst, der darf um Befreiung bitten, um Erlösung aus dem Kreisen um sich selbst, um Vergebung dieser schlimmen Haltung, die in der Bibel Sünde heißt. Ein Gnadenjahr des Herrn verkündet Jesaja – ein Jahr, in dem die Schuld erlassen wird. Jesus greift das auf und verkündet Gnade, die allen offen steht. Auch 2004 ist ein Gnadenjahr – für uns und nicht weniger für andere Menschen; denn wer in Jesu Namen um Vergebung bittet, traut auch dem anderen zu, dass er sich ändern könnte:

Vergib uns unsere Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden

– so heißt es in der Version des Vaterunser, wie sie in Lukas 11, 4 überliefert ist.

Ja, wir sind ein Rauch, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet – und trotzdem sind wir so wichtig für Gott, dass er um unseretwillen Mensch wird und für uns sein Leben hingibt. Wichtig und kostbar sind wir, weil Gott uns für die kurze Zeit, die wir auf dieser Erde verbringen, wunderbar geschaffen hat, und weil er uns mit unendlicher Liebe liebt. Wissen Sie, warum ich daran glaube, dass wir uns tatsächlich ändern können? Weil Gott uns lieb hat, wie wir sind, und uns keinen Druck macht. Er gibt uns die große Erlaubnis: Du hast es nicht nötig, ein Sünder zu sein. Nimm dich, wie du bist – und dann werde, der du werden kannst! Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.

Wir singen das Lied 379:

Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann

Barmherziger Gott, wir machen Pläne und wissen nicht, ob sie gelingen. Oder wir planen gar nicht, lassen alles laufen und kommen erst recht nicht zum Ziel. Hilf uns, dass wir bei allem Planen nicht aus dem Auge verlieren, worauf es wirklich ankommt, dass wir deine geliebten Kinder sind und dass es diese Botschaft ist, die die Welt wirklich verändert.

So bitten wir dich für Geschäftsleute und Politiker: dass sie in all ihrem Planen nicht nur an das eigene Interesse, sondern auch an das Wohl der Allgemeinheit denken. Wir bitten dich für Schwerkranke und Behinderte, dass sie dennoch jeden Tag als Geschenk aus deiner Hand annehmen können. Wir bitten dich für die Ängstlichen: lass in ihnen das Vertrauen zu dir wachsen, Schritt für Schritt, ohne dass sie ihre Angst und ihre Zweifel einfach überspringen müssen. Wir bitten dich für die seelisch Kranken, dass niemand ihnen noch mehr Druck auflastet, als sie sowieso zu tragen haben. Mach ihnen Mut, sich hilfreichen Menschen anzuvertrauen, und schenke ihnen Heilung oder hilf ihnen, mit der Krankheit zu leben. Amen.

In der Stille bringen wir vor Gott, was wir außerdem auf dem Herzen haben:

Gebetsstille und Vater unser

Zum Schluss singen wir das Lied 64:

Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen
Abkündigungen

Und nun geht mit Gottes Segen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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