„Du hast mich von den Toten heraufgeholt“

Trauerfeier für einen alten Mann, der im Krieg nur knapp dem Tode entronnen war und diese Errettung als ein Wunder Gottes erfahren hatte.

Heraufgeholt von den Toten: ein Bild aus dem Schützengraben im Krieg

Herr H. erfuhr Rettung im Schützengraben (WikiImages – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um von Herrn H. Abschied zu nehmen, der im Alter von [über 80] Jahren gestorben ist.

Wir beten mit Psalm 30:

2 Ich preise dich, HERR; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen und lässest meine Feinde sich nicht über mich freuen.

4 HERR, du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten, aber sie mussten in die Grube fahren.

5 Lobsinget dem HERRN, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen!

6 Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

11 HERR, höre und sei mir gnädig! HERR, sei mein Helfer!

12 Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet,

13 dass ich dir lobsinge und nicht stille werde. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Liebe Trauergemeinde!

„HERR, du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten!“

Dieser Satz aus Psalm 30, 4 spiegelt eine entscheidende Erfahrung im Leben von Herrn H. wider. Denn als Soldat im Weltkrieg lag er einmal halbtot unter Toten und wäre beinahe mit begraben worden, wenn ein Kamerad nicht Lebenszeichen in ihm wahrgenommen hätte. So wurde ihm das Leben wiedergeschenkt, wurde er von den Toten heraufgeholt; er hat diese Errettung vom Tod als ein Wunder erlebt.

Verbunden mit dieser Erfahrung war eine weitere glückliche Wendung in seinem Leben, denn im Lazarett begegnete er anschließend einer Krankenschwester, die ihn nicht nur wieder gesund pflegte, sondern die seine Frau fürs Leben wurde. So kann eine einzige schicksalhafte Fügung das ganze Leben eines Menschen bestimmen.

Allerdings gab es nicht nur Glück und Freude in diesem Leben.

Weitere Erinnerungen an das Leben des Verstorbenen

Zuletzt war sein Geist nicht mehr so klar, er lebte mehr in der Vergangenheit oder in Welten der Phantasie als in der Gegenwart. Und jetzt ist er hinübergegangen in die andere Welt, hat Abschied genommen von diesem irdischen Leben. Nun hören wir das Psalmwort noch einmal anders: „HERR, du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten!“

Was für unsere menschlichen Augen nur Tod und Vergänglichkeit ist, ist in den Augen Gottes ein Übergang in eine andere Wirklichkeit. Hier sehen wir nur Bruchstücke von Gottes Liebe, verzerrt im Spiegel menschlicher Unzulänglichkeit. Hier durchleben wir nicht nur Höhen, sondern immer auch Tiefen. Und gerade in dieser Berg- und Talfahrt dürfen wir uns an Gottes Hand geleitet wissen – er lässt uns niemals los, er weiß uns immer wieder zu bewahren, er nimmt uns am Ende mit Ehren an. Auch wenn jeder von uns einmal ins Grab gelegt wird, Gott holt uns herauf von den Toten und schenkt uns das ewige Leben.

Die Bibel gibt unterschiedliche Auskünfte, wie man das ewige Leben erlangt. Einmal heißt es: Durch den Glauben an Jesus Christus. Dadurch, dass wir gar nichts tun, sondern uns einfach der Liebe Gottes anvertrauen, die in Jesus auf der Welt erschienen ist. Dann heißt es wieder: Es hängt von unseren Taten ab – aber letztlich wieder von unserer Beziehung zu Jesus. Denn Jesus fragt uns: Hast du mich erkannt, wenn es mir schlecht ging – in meinen geringsten Brüdern und Schwestern? Hast du mir dann geholfen? Das ewige Leben ist ein barmherziges Geschenk für Menschen, die barmherzig sein können, barmherzig mit anderen und auch mit sich selbst.

Und ich bin überzeugt – es steht niemandem von uns zu, über einen Verstorbenen ein endgültiges Urteil zu fällen. Gott ist der einzige, dem es zusteht, zu urteilen, und er ist ein gnädiger Richter, der uns mit liebevollen Augen anschaut, schon jetzt, und erst recht in der Ewigkeit. Er nimmt auch Herrn H. in Empfang und schließt ihn in seine Arme – nachdem er ihm noch so viele Jahre auf Erden geschenkt hatte, damals im Krieg, als er schon einmal beinahe gestorben wäre. In diesem Sinne lassen wir den Verstorbenen los und vertrauen ihn der Liebe Gottes an. Amen.

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