Bausteine für das Glück im Himmel

In der Trauerfeier für eine alte Frau gehe ich auf Worte des Apostels Paulus aus den Korintherbriefen ein, in denen es um das Leiden und die Liebe als Bausteine für das Glück im Himmel geht.

Bausteine für das Glück im HImmel: Glasbausteine mit Durchblick zu einer Sonnenuntergangsstimmung am Himmel

Wie könnten Bausteine für ein Glück im Himmel aussehen? (Bild: misterfarmer – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gemeinde, wir sind hier versammelt, um von Frau X. Abschied zu nehmen, die im Alter von [über 90] Jahren gestorben ist.

Eine Trauerfeier halten wir, um innezuhalten: Wir erinnern uns an das Leben der Verstorbenen, an Begegnungen mit ihr, an Prägungen durch ihre Persönlichkeit; an das, was ihr Leben mit Sinn erfüllt hat. Wir besinnen uns auf das, was uns mit ihr geschenkt war und was uns in der Erinnerung auch für die Zukunft bleibt.

Wir tun all das, indem wir uns auf Gott besinnen. Von ihm kommt unser Leben her; zu ihm kehrt es zurück. Ihm verdanken wir alles; vor ihm verantworten wir unser Tun und Lassen. Im Vertrauen auf ihn können wir unser Leben führen und am Ende loslassen.

Wenn Menschen sich aus dem aktiven Leben verabschieden, dann Schritt für Schritt immer schwächer werden und am Ende ganz aus dem Leben auf dieser Erde scheiden, sind wir von Traurigkeit erfüllt über das, was diesem Menschen und was uns mit diesem Menschen verlorengeht.

Doch mit Worten des Apostels Paulus können wir in der Trauer dennoch Gott loben (2. Korinther 1):

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,

4 der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.

5 Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.

Wir singen das Lied 391:

1. Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

2. Soll‘s uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

3. Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

4. Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt‘ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

Liebe Gemeinde!

Wir nehmen heute Abschied von einer Frau mit einem langen, bewegten, erfüllten Leben.

Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen

Ein letztes Mal haben wir uns heute in einer gemeinsamen Feier vor Augen geführt, was für ein Mensch die Verstorbene war. Ich konnte natürlich nur einige Stationen ihres Lebens aufführen; was jeder einzelne von Ihnen mit ihr erlebt hat und was für ein Mensch sie war, das werden Sie für sich selbst in ihrer eigenen Erinnerung durchgespielt haben, und es wird immer wieder einmal in Ihrem Gedächtnis auftauchen, wenn Sie in der Zukunft an die Tante oder Großtante, die gute Bekannte oder Freundin denken.

Als wir über diese Trauerfeier sprachen, liebe Frau Y., haben Sie mir als Bibeltext zwei Texte aus dem 2. Brief des Paulus an die Korinther aufgeschrieben. Den einen haben wir vorhin bereits als Lobspruch des Trostes in der Trauer gebetet. Näher eingehen möchte ich nun noch einmal auf den anderen Text (2. Korinther 4):

17 Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit,

18 uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Diese Trostworte des Paulus klingen altmodisch, unzeitgemäß. Ist das nicht eine billige Vertröstung aufs Jenseits? Was Menschen hier leiden müssen, erklärt Paulus für nicht so schlimm, gemessen an der ewigen Seligkeit, uns im Himmel erwartet. So denke ich manchmal auch über solche Trostworte, und zwar dann, wenn sie an den falschen Stellen gesagt werden. Es gibt Leiden in dieser Welt, gegen die wir als Christen aufstehen und angehen sollen, Unrecht und überwindbares Leiden gibt es genug, mit denen man sich nicht zufrieden geben soll, weil es im Jenseits ja ein besseres Leben gibt.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es gibt auch Leiden, mit denen wir leben müssen. Entweder weil wir als einzelne und sogar als Gemeinschaft nichts tun können gegen menschengemachte Gewalt wie im 2. Weltkrieg, unter der die nun Verstorbene weiß Gott zu leiden hatte. Oder weil uns Krankheit und das Nachlassen unserer körperlichen und geistigen Kräfte unnachgiebig in eine Situation hineinzwingen, die man nur ertragen und durchstehen kann bis zu einem hoffentlich gnädigen Ende.

Trotzdem nennt Paulus von seinem Glauben an Christus her die daraus folgende Trübsal „zeitlich und leicht“. Sie geht vorüber, und sie ist für ihn erträglich, weil er sie nicht allein tragen muss – er weiß, dass Gott in Jesus Christus war, er weiß, dass Gott menschliches Leiden bis zur bitteren Neige mit durchlitten hat.

Dabei weiß Paulus, wovon er spricht. Von seinen eigenen Bedrängnissen in der Christenverfolgung durch die römischen Behörden spricht er vor den zitierten Versen (2. Korinther 4):

8 Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.

9 Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.

10 Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

Paulus hat ein ganz festes Vertrauen auf Jesus Christus. Der war Gottes Sohn und wurde sogar gekreuzigt. Das ließ er aus Liebe zu den Menschen mit sich geschehen. Seitdem das geschah, ist keiner, der schuldlos leiden muss, mehr allein in seiner Not. Und selbst wer Schuld auf sich geladen hat, ist nicht verloren, denn Jesus hat am Kreuz allen Menschen vergeben. Diese Einsicht, dieses an Jesus geschulte Gottvertrauen, gibt Paulus die Kraft, in jeder Bedrängnis und Angst, in jeder Trauer und jedem Schmerz die Hoffnung zu bewahren.

Kann das denn so einfach sein: Unser jetziges Leid, was uns jetzt nervt und unerträglich ist, das soll ein Baustein sein für ein supertolles Glück im Himmel, das wir uns gar nicht großartig genug ausmalen können?

Paulus zieht diesen Schluss, weil er gesehen hat: Gott ist ganz anders, als die Welt sich ihn vorstellt. Die Götter, wie Menschen sie sich gerne selber machen, wollen groß und stark sein, stützen die Mächtigen und ihre Macht und sind eigentlich nur ein Spiegelbild menschlicher Größenphantasien. Der wahre Gott, der Allmächtige, hat Größenphantasien nicht nötig. Er ist groß in seiner Liebe. Und Liebe ist das einzige, was bleiben wird, wenn alles andere vergeht, auch das sagt Paulus (1. Korinther 13, 13):

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Liebe kann man nicht sehen, genau so wenig wie Gott oder den Glauben, und doch ist das Band der Liebe, das uns mit einem Menschen verbindet, oder das Band des Gottvertrauens stärker als alles andere auf der Welt. Paulus ist überzeugt: Wer auf das Unsichtbare schaut, der hält sich an das, was bleibt, was ewig ist.

Ein Leben, das in irgendeiner Weise von Liebe erfüllt war, hat Anteil an dieser Ewigkeit. In diesem Sinne sind wir in der Trauer um einen Menschen, den wir geliebt haben, immer auch dankbar: dafür, dass dieser Mensch unter uns gelebt hat, dass ihm dieses Leben geschenkt war, und dankbar auch für alles, was wir von ihm an Liebe empfangen und ihm an Liebe geben konnten.

Lasst uns in dieser Zuversicht Frau X. getrost den liebevollen Händen Gottes anvertrauen. Amen.

Wir singen aus dem Lied 361 die Strophen 1 und 12:

1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

12. Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.

Lasst uns beten mit Worten aus dem Psalm 31:

2 HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!

3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

5 Du bist meine Stärke.

9 Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

16 Meine Zeit steht in deinen Händen.

22 Gelobt sei der HERR; denn er hat seine wunderbare Güte mir erwiesen in einer festen Stadt.

Barmherziger Gott, du bist unsere Stärke, du hältst unsere Zeit in deinen Händen, du führst uns auf unserem Weg in die Weite, in festen Städten und in immer neuen Aufbrüchen.

Wir danken dir für die Erfüllung, die Frau X. immer wieder neu in ihrem Leben erfahren hat. Wir danken dir für alle Liebe, die sie empfing und geben konnte. Was uns geprägt hat in der Begegnung mit ihr, wird uns bleiben, auch wenn wir selber andere Wege gehen und eigene Entscheidungen treffen. Was uns in der Erinnerung an sie belastet, hilf uns bewältigen, und wo wir einander etwas schuldig geblieben sind, vergib uns. Lass uns nicht allein bleiben, wenn wir jemanden brauchen, um uns aussprechen zu können.

Großer Gott, nimm die Verstorbene auf in die Weite deines Herzens, stelle ihre Füße auf weiten Raum auch in der Ewigkeit, die unsichtbar ist und für uns unvorstellbar bleibt, so lange wir sie nicht selbst erfahren. Hilf uns, dass wir Frau X. getrost loslassen können in Dankbarkeit und Liebe.

Hilf uns, den Gedanken zu ertragen, dass auch unser Leben begrenzt ist, und dass es klug ist, jeden Tag als kostbares Geschenk aus deiner Hand anzunehmen. Lass uns unser Leben in Dankbarkeit führen, denn vor dir müssen wir uns verantworten für alles, was du uns an Liebe schenkst. Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe und lass uns das Ziel unseres Lebens nicht verfehlen. Amen.

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