Petrus – Augenzeuge einer Stimme vom Himmel

Nach dem 2. Petrusbrief ist es nicht entscheidend, was Petrus auf dem Berg der Verklärung sehen kann. Im modernen Sinn ist er gar kein Augenzeuge. Vielmehr hört er eine Stimme vom Himmel her. Durch sie empfängt Jesus Herrlichkeit – vom dem Gott, der stark ist, ohne zu verletzen, der unendlich groß ist und sich zugleich ins kleinste Lebewesen einfühlen kann.

Petrus ist Augenzeuge einer Stimme vom Himmel

Petrus ist Augenzeuge einer Stimme vom Himmel (Bild einer Ikone von der Verklärung Christi: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am Sonntag Septuagesimä, den 16. Februar 2014, um 10.00 Uhr in der evangelischen Pauluskirche Gießen mit dem Predigttext vom Letzten Sonntag nach Epiphanias

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Ich begrüße alle herzlich zum Gottesdienst in der Pauluskirche. Heute geht es in der Predigt um einen Text aus dem 2. Petrusbrief, in dem es heißt (2. Petrus 1, 16 – eigene Übertragung):

Wir waren Augenzeugen der Herrlichkeit Jesu Christi.

Herr Pfarrer Schütz wird die Frage stellen und zu beantworten suchen, welche Gewissheit wir im Glauben gewinnen können. Kann man durch Augenzeugenberichte die Richtigkeit des Glaubens beweisen? Was meint die Bibel überhaupt, wenn sie von Augenzeugen der Macht und Größe Gottes oder Jesu spricht?

Lied 286:

1. Singt, singt dem Herren neue Lieder, er ist’s allein, der Wunder tut. Seht, seine Rechte sieget wieder, sein heilger Arm gibt Kraft und Mut. Wo sind nun alle unsre Leiden? Der Herr schafft Ruh und Sicherheit; er selber offenbart den Heiden sein Recht und seine Herrlichkeit.

2. Der Herr gedenkt an sein Erbarmen, und seine Wahrheit stehet fest; er trägt sein Volk auf seinen Armen und hilft, wenn alles uns verlässt. Bald schaut der ganze Kreis der Erde, wie unsers Gottes Huld erfreut. Gott will, dass sie ein Eden werde; rühm, Erde, Gottes Herrlichkeit!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Amen.“

Was ist Gottes Herrlichkeit, wo ist sie zu sehen? Im Lied haben wir von Gottes Wundern gesungen. Gott kümmert sich um sein Volk, um Israel und um alle, die aus den anderen Völkern an ihn glauben, und trägt dieses Volk bildlich gesprochen auf den Armen. Gott will aus der Erde ein Paradies machen. Schon jetzt, so behauptet das Lied, ist zu sehen, wie Gott das Leid besieht, wie er Kraft und Mut gibt, wie er für Ruhe, Recht und Sicherheit sorgt.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Wenn Gottes Herrlichkeit dort zu sehen ist, wo Wunder geschehen, wo Recht und Frieden herrschen, wo Leid besiegt wird, dann fragen sich viele: Warum sehe ich dann davon so wenig? Warum hilft Gott mir nicht aus meiner persönlichen Not heraus? Warum greift er nicht ein, wo auf Erden Bürgerkrieg und Terror herrschen? Wir bekennen, dass wir oft zweifeln, ob der unsichtbare Gott tatsächlich Wunder tun kann in unserer Welt. Wir rufen zu Gott:

Herr, erbarme dich! „Herr, erbarme dich, Christe, erbarme dich, Herr, erbarm dich über uns!“

Wo können Menschen in der Bibel Augenzeugen der Herrlichkeit Gottes werden? Zum Beispiel dort, wo sie anschauen können, was wir im Namen Gottes Gutes tun, oder wo sie sehen, wie wir in Reinheit und Gottesfurcht leben. So steht es in 1. Petrus 2, 12 und 3, 2, so traut uns Gott zu, seine Herrlichkeit auf Erden sichtbar zu machen, er, der selber alles sieht (Esther LXX 4, 2), der Augenzeuge von allem ist, was wir tun und lassen.

Lasst uns Gott lobsingen! „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

Der Herr sei mit euch! „Und mit deinem Geist!“

Barmherziger Gott, hilf uns, deine Herrlichkeit zu sehen in dem, was du uns an Liebe, Mut und Kraft schenkst, und hilf uns, selber aktive Zeugen deiner Herrlichkeit zu werden, indem wir nach deinen Geboten handeln und Jesus auf seinem Weg der Liebe und des Friedens nachfolgen. Das erbitten wir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Schriftlesung aus dem Evangelium nach Matthäus 17, 1-9:

1 Nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.

2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.

7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!

8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Halleluja. „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Glaubensbekenntnis
Lied 620: Gottes Liebe ist wie die Sonne
Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und Worte für unser Herz. Amen.

Liebe Gemeinde, drei ehemalige Fischer, die ihren Beruf an den Nagel gehängt haben und Jesus nachgefolgt sind, steigen mit ihm zusammen auf einen Berg und erleben das, was wir die „Verklärung Jesu“ nennen. Niemandem sollen sie davon erzählen, bevor nicht Jesus von den Toten auferstanden ist. Weiter erzählt müssen sie es haben, denn Markus, Matthäus und Lukas berichten davon in ihren Evangelien. Und schließlich steht davon auch etwas im 2. Brief des Petrus, in dem unser heutiger Predigttext steht. Wie schön, könnten wir sagen; wenn Petrus selber erzählt, was er auf dem Berg mit Jesus, Elia und Mose erlebt hat, erfahren wir vielleicht noch etwas mehr als von den Evangelisten.

Aber leider ist es eher unwahrscheinlich, dass Petrus, ein einfacher Fischer ohne Schulbildung, den 2. Petrusbrief überhaupt geschrieben hat. Seine Muttersprache war Aramäisch; der Brief ist in gutem Griechisch geschrieben. Natürlich könnte jemand anders für ihn seine Gedanken in flüssigem Griechisch aufgeschrieben haben. Aber da ist noch ein schwieriger Punkt: Petrus starb bereits um das Jahr 66 nach Christi Geburt; in 2. Petrus 3, 4 ist aber davon die Rede, dass bereits „die Väter entschlafen sind“; dann müssten, als Petrus tot war, auch alle anderen Jünger und Augenzeugen des Lebens Jesu bereits gestorben sein. Das war aber in der Mitte der 60er Jahre noch lange nicht der Fall.

Wir werden auch sehen: Unsere Neugier auf weitere Einzelheiten des Geschehens auf dem Berg der Verklärung wird im 2. Petrusbrief nicht befriedigt. Wenn wirklich Petrus selbst den Brief geschrieben hätte, müsste er dann nicht doch etwas persönlicher von seinem eigenen Erlebnis berichtet haben? Stattdessen erzählt der Petrusbrief sogar noch weniger von der Verklärung als die Evangelien. Trotzdem betont der, der ihn geschrieben hat, ausdrücklich, er sei ein Augenzeuge des Geschehens gewesen. Was fangen wir damit an: mit einem Augenzeugen, der vielleicht gar nicht bei dem Ereignis dabei war, das er mit voller Überzeugung bezeugt?

Hören wir, wie sich der Schreiber des Petrusbriefs am Anfang selber nennt:

1 Simon Petrus, ein Knecht und Apostel Jesu Christi.

Das steht als Absenderangabe auf dem 2. Petrusbrief. Bei einem Blick in den griechischen Urtext fällt mir auf: Der Schreiber nennt sich zwar Petrus wie der Jünger im Evangelium, darum will ich ihn weiterhin auch einfach so nennen, aber er stellt sich gar nicht mit dem Namen „Simon“ vor, wie Luther hier übersetzt und wie Petrus in den Evangelien ursprünglich genannt wird. Dieser Petrus im 2. Petrusbrief nennt sich „Symeon“.

Ist das nicht egal? Beide griechische Schreibweisen gehen auf denselben hebräischen Namen „Simeon“ zurück. Aber vielleicht ist hier ein Hinweis versteckt, dass der Verfasser nur im Namen des Apostels Petrus schreibt und nicht der Apostel selber ist. Auf jeden Fall stellt sich dieser Petrus bewusst in einen Zusammenhang mit dem Volk Israel. Simeon ist nämlich einer der zwölf Stammväter Israels, der zweite Sohn Jakobs. Seine Mutter war Lea, die Jakob eigentlich nicht hatte heiraten wollen, und als ihr zweiter Sohn Simeon geboren wurde, sagte sie (1. Buch Mose – Genesis 29, 33):

Der HERR hat gehört, dass ich ungeliebt bin, und hat mir diesen auch gegeben. Und nannte ihn Simeon.

Namen haben in der Bibel oft eine Bedeutung; ich denke, es ist nicht unwichtig, dass Simeon Petrus sich in eine Reihe mit einem Kind stellt, das einer ungeliebten Frau als Gottesgeschenk geboren wurde.

Weiter bezeichnet sich der Petrus im 2. Petrusbrief als Sklave und Apostel von Jesus Christus. Damit macht er deutlich: er will ganz und gar im Sinne des Jüngers Petrus handeln, der die Botschaft von Jesus Christus als einer der ersten empfing und beauftragt wurde, sie als Apostel weiterzugeben.

Wichtig finde ich auch, an welche Adresse der 2. Petrusbrief gerichtet ist (2. Petrus 1):

An alle, die mit uns denselben teuren Glauben empfangen haben durch die Gerechtigkeit, die unser Gott gibt und der Heiland Jesus Christus.

Als Empfänger des Briefes spricht Simeon Petrus keine bestimmte Gemeinde an, sondern alle, die einen ihm gleichwertigen kostbaren Glauben empfangen haben. In keiner Weise stellt er sich als Apostel über andere Christen. Niemand kann sich auf seinen Glauben etwas einbilden; immer ist der Glaube ein Geschenk. Auch wir können uns angesprochen fühlen: Auch unser Glaube ist keine Leistung, mit der wir Gott beweisen, wie heilig und toll und gerecht wir sind. Nein, es ist umgekehrt: Unser Glaube kommt aus einer Gerechtigkeit, die Gott uns schenkt. In einem Atemzug mit Gott ist dabei von Jesus die Rede, der unser Retter und Befreier ist. Ohne Jesus hätten wir keinen Zugang zum Gott Israels, ohne Jesus wüssten wir nichts von dem Gott, der unsere Freiheit und Menschenwürde will, der uns von Sünde befreit und aus der Hölle unserer Verzweiflung herausholt. Gott selbst weckt also in uns das Vertrauen zu ihm. Gott vergibt uns und macht uns dadurch zu Menschen, die ihm recht sind, die heilig sein können, er traut uns zu, nach seinem guten Willen zu leben.

Soweit der Absender und die Empfänger des 2. Petrusbriefs. Dann folgt noch ein Gruß:

2 Gott gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn!

Wir beenden Briefe meist mit einem Gruß. In der Bibel stehen Grüße oft am Anfang. Hier ist es ein Segenswunsch: Gnade und Frieden sollen wir von Gott empfangen, also seine Liebe für uns persönlich und seinen Frieden für unser Zusammenleben. Petrus gibt auch einen Tipp, wie wir beides immer reichlicher bekommen, nämlich indem wir uns darauf konzentrieren, Gott und Jesus zu erkennen.

Aber wie kann das gelingen? Wie können wir Gott und Jesus erkennen? Sind die Geschichten, die in der Bibel stehen, denn glaubwürdig? Wer beweist uns denn, dass Gott nicht einfach nur ausgedacht ist, dass Jesus wirklich Gottes Sohn ist?

Wir überspringen einige Verse im 2. Petrusbrief und hören im Vers 16:

16 Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.

Es muss wohl so gewesen sein, dass schon damals den Christen vorgeworfen wurde: Was ihr von Jesus erzählt, das sind doch alles bloß Märchen. In der deutschen Übersetzung geht es hier um zwei große „K“s: um die Kraft und um das Kommen Jesu.

Man zweifelte erstens die Kraft Jesu zu seinen Lebzeiten auf der Erde an: Hat er wirklich Wunder tun können, Menschen heil gemacht, sie von bösen Dämonen befreit? Das sind ja bis heute große Zweifelsfragen: Konnte Jesus auf dem Wasser gehen, hat er Wasser in Wein verwandelt und Tote auferweckt, ja, ist er selber vom Tod auferstanden und zum Himmel gefahren?

Zweitens zweifelte man das Kommen Jesu an, also sein Wiederkommen am Ende der Zeit. Zuerst hatte man gedacht, es würde nur wenige Jahre dauern, dann würde Jesus zurückkommen und auf der ganzen Erde ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufrichten. Aber inzwischen waren schon viele Menschen gestorben, die darauf gehofft hatten. Es waren schreckliche Dinge passiert, im Jüdisch-Römischen Krieg wurde Jerusalem und der Tempel zerstört, im ganzen Römischen Reich wurden immer wieder Christen verfolgt und zum Teil getötet. War die Hoffnung auf das Kommen Jesu also nur eine Illusion gewesen? Petrus sagt: Nein. Beides haben wir uns nicht selber ausgedacht, weder das mit der Kraft noch das mit dem Kommen Jesu. Denn wir waren ja selber Augenzeugen seiner Herrlichkeit.

Aber wie ist das nun, wenn der Schreiber des Petrusbriefs nicht wirklich der Jünger Petrus war? Kann er dann voller Überzeugung sagen: Wir haben selber Jesu Herrlichkeit gesehen?

Vielleicht kann uns weiterhelfen, was Elie Wiesel, ein Überlebender und Zeitzeuge des Holocaust, einmal gesagt hat (Süddeutsche Zeitung vom 19.5.2010):

„er habe immer geglaubt, dass derjenige, der einem Zeugen zuhöre, selber Zeuge werde“.

In diesem Sinne kann einer, der dem Apostel Petrus als glaubwürdigem Zeugen zugehört hat, von sich selber ebenfalls sagen: Ich stehe dafür ein, dass es wahr ist, was Petrus bezeugt! Indem Petrus in mir den Glauben an Jesus geweckt hat, sehe ich selber genau wie er seine Herrlichkeit.

Es gibt gute Christen, die mir spätestens an dieser Stelle vorwerfen würden: Da versucht uns der Pfarrer Schütz aber nun wirklich ausgeklügelte Fabeln zu erzählen! Ein Augenzeuge muss doch dabei gewesen sein, sonst kann er gar nichts beweisen.

Aber gerade das scheint mir das Problem zu sein. Geht es hier überhaupt um Augenzeugen in dem Sinn, wie sie vor Gericht auftreten, um Sachverhalte zu beweisen und möglichst zweifelsfreie Entscheidungen zu treffen? Wie soll man denn beweisen können, dass Jesus tatsächlich Gottes Sohn ist? Wie sollen wir mit diesen unseren menschlichen Augen buchstäblich die Herrlichkeit Gottes sehen können, von der Jesus auf dem Berg der Verklärung umgehen war? Ist das nicht eher ein Sehen mit Augen des Glaubens?

Worauf ich hinaus will, ist: Schon damals auf dem Berg der Verklärung haben Petrus, Jakobus und Johannes nicht wirklich etwas Beweiskräftiges mit ihren menschlichen Augen sehen können. Das bestätigt der 2. Petrusbrief, indem wir dort lesen:

17 Denn er [Jesus] empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

18 Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.

Nach dem 2. Petrusbrief war es also nicht entscheidend, was Petrus und seine beiden Gefährten auf dem Berg der Verklärung mit ihren normalen Augen sehen konnten. Im modernen Sinn waren sie also gar keine Augenzeugen. Es war etwas anderes, was sie wahrnahmen: Sie hörten etwas, nämlich eine Stimme vom Himmel her. Zwei Mal erwähnt Petrus diese Stimme. Nicht nur hört er als Augenzeuge diese Stimme, sondern es ist genau diese Stimme, durch die Jesus Ehre und Herrlichkeit empfängt.

Herrlichkeit, das ist in der Bibel ein Wort für die Unvergleichlichkeit Gottes. Niemand sonst ist herrlich außer Gott. Man kann das im Deutschen mit verschiedenen Wörtern wiederzugeben versuchen, aber mir gefallen alle nicht so recht. Es geht um die ganze Wucht, mit der sich Gott durchsetzen kann, aber zugleich ist dieser gewaltige Gott ein sanfter Gott des Friedens. Es geht um Allmacht und Größe, und zugleich um den Gott, der in dem Menschenkind Jesus zur Welt kommt. Vielleicht ist es gerade das, was so herrlich an Gott ist: dass er stark ist, ohne zu verletzen, dass er unendlich groß ist und sich zugleich in das kleinste Lebewesen einfühlen kann.

Aus dieser unvorstellbar mega-großen Herrlichkeit Gottes kommt auch die Herrlichkeit, die Gott, der Vater, seinem Sohn Jesus schenkt. Petrus kriegt das mit, indem er Gottes Stimme hört, die zu Jesus sagt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Das ist es, was Petrus und seine Gefährten als Augenzeugen sehen: Es ist dieser liebevolle Satz, den Gott ausspricht; dieses Wort steht ihnen vor Augen als die wichtigste Wahrheit in ihrem Leben. Dieses Wort hat sich dem Schreiber des Petrusbriefes als genau so wichtig und herrlich in seine Ohren und Augen, in sein Herz und sein Leben eingebrannt wie dem Apostel Petrus selbst: Jesus ist der, zu dem Gott selber sagt: „Du bist mein Sohn, dich habe ich lieb, du bist der Mensch, in dem sich meine ganze Liebe verkörpert.“

Ich meine also: Schon die Jünger Jesu auf dem Berg der Verklärung damals hatten nichts anderes als ein Wort von Gott. Als sie es hörten, sahen sie, mit den Augen ihres Glaubens, wer Jesus wirklich war: die Verkörperung der Liebe Gottes auf Erden. Sie wären am liebsten oben auf dem Berg geblieben, hätten am liebsten diese Erfahrung festgehalten, aber das durften sie nicht. Sie mussten wieder hinabsteigen in den Alltag der Welt, wo von Gottes Liebe oft nur ganz wenig oder gar nichts wahrzunehmen ist.

Auch Jesus stieg herunter, ging seinen Weg nach Jerusalem, bis er gezwungen wurde, auf einen anderen Hügel mit Namen Golgatha hinaufzusteigen. Da wurde er gekreuzigt. Da schrie er zu Gott: „Warum hast du mich verlassen?“ Da schien er selber daran zu zweifeln, ob Gott wirklich zu ihm steht. Und doch war und blieb Jesus Gottes Sohn. Gerade dort am Kreuz, als man von seiner Herrlichkeit mit menschlichen Augen nun aber auch wirklich nichts erkennen konnte, da stand Gott, der Vater, zu seinem Sohn, da sagte er Ja zu ihm. Die Liebe des Vaters, die in Jesus lebendig war, die konnte man auch am Kreuz nicht töten. Darum erweckte Gott Jesus vom Tod, nahm ihn zu sich in den Himmel. Und dort im Himmel ist Gott eins mit diesem Jesus; das heißt, Gott bekommt und behält durch Jesus für uns ein Gesicht, das Gesicht einer Liebe und Barmherzigkeit.

Sind damit die beiden großen „K“s bewiesen, dass Jesus Kraft genug hatte, um Wunder zu tun und dass wir auf sein nochmaliges Kommen in unsere Welt hoffen dürfen? Bewiesen im wissenschaftlichen Sinn sicher nicht. Aber mit Gewissheit dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott auch uns mit den Augen Jesu anschaut und zu uns sagt: „Ich habe dich lieb. Ich habe viel mit dir vor. Ich gebe dir etwas ab von meiner Kraft. Es ist eine Wunderkraft, weil sie Menschen durch das Vertrauen auf Gott und durch Liebe verwandelt. Wann ich endgültig noch einmal in diese Welt kommen werde, um sie zur Vollkommenheit umzugestalten, dieser Zeitpunkt ist auch mir verborgen. Mit den Gaben des Heiligen Geistes komme ich aber unsichtbar in dein Leben und erfülle dich mit Mut und Gottvertrauen.“ Amen.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Amen.
Lied 236: Ohren gabst du mir
Fürbitten und Gebetsstille und Vater unser

Wir singen das Lied 559, in dem unter anderem davon die Rede ist, dass wir Augen geschenkt bekommen, mit denen wir Gottes Wunder sehen, die er an uns tut und tun will:

Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht
Abkündigungen

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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