Sind wir alle kleine Sünderlein?

Paulus weiß, wovon er redet, wenn er von der Sünde spricht. Ohne Vertrauen zu Gott verstrickt man sich in Sünde. Man will gerecht und gut sein, sozusagen die Liebe Gottes erzwingen – und mit all der eigenen Anstrengung erreicht man das Gegenteil. Aus eigener Kraft kann kein Mensch gut sein; so vollkommen ist kein Mensch, um Gottes Anerkennung zu verdienen.

Eine alte Betontreppe führt hinauf zum blauen Himmel, der aber dunkel bewölkt ist, und vor dem letzten Treppenabsatz steht ein Durchfahrt-Verbotsschild

Versperrt uns die Sünde den Zugang zum Himmel? (Bild: pixabay.com)

#predigtGottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis, den 5. Juli 1992, um 9.30 Uhr in der Kapelle der Landesnervenklinik Alzey

Ich grüße Sie herzlich zu diesem Gottesdienst mit dem Wochenspruch für diese Woche aus dem Evangelium nach Lukas 19, 10:

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Das bedeutet: hier sind alle willkommen, nicht nur die, die bereits Vertrauen gefasst haben zu diesem Jesus, sondern auch alle die, die sich verloren vorkommen, die sich sündig und böse fühlen und meinen, niemand könne sie liebhaben. Es ist wahr: wir alle sind auf Gottes Liebe angewiesen, ohne das Vertrauen zu Gott, das Jesus uns vorgelebt hat, wäre unser Leben ohne Sinn und Ziel. Aber Gott geht uns nach, um uns zu suchen und uns ewiges Glück zu schenken! Er selber lädt uns auch ein zu diesem Gottesdienst.

Am Anfang singen wir ein Lied zur Gitarre, das erste Lied vorn auf dem Liederzettel:
Komm, sag es allen weiter
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. „Amen.“

Wir beten mit Worten des Psalms 103:

1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

2 Lobe den HERRN. meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler.

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

9 Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.

10 Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

12 So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

Kommt, lasst uns anbeten! „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Gott im Himmel, du willst unser guter Vater sein, dem wir vertrauen können. Wir müssen nicht vor dir Angst haben, wir können zu dir kommen mit all unserer Angst. Wenn wir unser Leben ohne dich versuchen, ohne Vertrauen, ohne Liebe, nur gestützt auf unsere eigene Kraft, dann geraten wir in Angst, die wir nicht auf Dauer unterdrücken können. Ein Leben ohne dich ist ein Leben in Sünde, in der Trennung von allem, was uns wirklich leben lässt. Getrennt von dir bringen wir uns und andere Menschen in Gefahr, zerstören das, was du uns schenkst. Doch in deinen Augen sind wir trotzdem so wertvoll, dass du uns alle suchst und uns nachgehst. Du willst uns zurückbringen auf den Weg des Vertrauens, du schenkst uns Vergebung und machst uns selig. Gott, lass uns nicht in Sünde und Angst versinken! Hilf uns, an deine Liebe zu glauben! Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. „Amen.“

Wir hören die Lesung aus dem Evangelium nach Lukas 15, 1-7:

1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja! „Halleluja, Halleluja, Halleluja!“

Lied 268, 1-5:

1) Jesus nimmt die Sünder an. Saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Wege verfallen! Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an.

2) Keiner Gnade sind wir wert; doch hat er in seinem Worte eidlich sich dazu erklärt. Sehet nur, die Gnadenpforte ist hier völlig aufgetan: Jesus nimmt die Sünder an.

3) Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergisst, suchet treulich das Verirrte, dass es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

4) Kommet alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubets doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an.

5) Ich Betrübter komme hier und bekenne meine Sünden; lass, mein Heiland, mich bei dir Gnade zur Vergebung finden, dass dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Zur Predigt hören wir aus dem Brief 1. Timotheus 1, 12-17:

12 Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt,

13 mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben.

14 Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist.

15 Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.

16 Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.

17 Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.

Liebe Gemeinde!

„Jesus nimmt die Sünder an“, so haben wir gesungen. „Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen“, so sagt Paulus in unserem Text. Was ist damit gemeint? Können wir mit diesem schwierigen Wort „Sünde“ heute überhaupt noch etwas anfangen? Was ist denn überhaupt „Sünde“, und wer ist ein „Sünder“?

Die meisten Leute meinen, Sünden seien irgendwelche Taten, die falsch oder böse oder eben sündig sind. Viele Menschen unterscheiden auch gern zwischen leichten und schweren Sünden, zwischen kleinen Fehlern, über die man einfach hinwegsehen kann, und großen Verfehlungen, die man nicht einmal sich selbst verzeihen könnte.

Wenn man das so sieht, dann sind wir auf der einen Seite alle „kleine Sünderlein“, wie es in irgendeinem Lied einmal hieß, wir haben alle unsere Fehler, was ja auch stimmt, und das darf auch so sein. Aber was ist dann mit den Sündern, die wirklich schwere Sünden begangen haben?

Die Bibel hat eine ganz und gar andere Auffassung von der Sünde. Für die Bibel ist eine Sünde niemals nur eine einzelne Tat. Sünde ist für die Bibel vielmehr eine ganze Lebenshaltung. Sünde heißt in der Bibel: Ohne Gott leben wollen. Gott nicht brauchen wollen. Stark sein wollen ohne Gott. Getrennt sein von Gott. Abgesondert sein von Gott – in diesem Wort „Ab-sondern“ steckt das Wort Sünde drin.

Wenn das so ist, müssen wir also achtgeben, was nun wirklich gemeint ist, wenn man so von „Sünde“ spricht. Eine Frau, die zuckerkrank war, sagte einmal zu mir: „Manchmal muss man einfach sündigen“, und sie meinte damit: Ich möchte doch auch einmal ein Stück Kuchen essen – auch wenn es meiner Gesundheit vielleicht schadet. Mit diesem „Sündigen“ ist sicher nicht mehr gemeint als ein kleiner Fehler, den jeder einmal machen kann.

Dann gibt es die „Verkehrssünderkartei“ in Flensburg, da werden Strafpunkte festgehalten für Autofahrer, die falsch überholt, rote Ampeln überfahren oder mit Alkohol am Steuer gesessen haben. Wer zu viele Strafpunkte bekommt, verliert seinen Führerschein und darf nicht mehr Auto fahren. Ein Verkehrs-„Sünder“ ist also einer, der gegen Regeln und Gesetze verstößt, die im Straßenverkehr gelten. Er bringt als Autofahrer andere Menschen oder sich selbst in Gefahr. Hier meint man mit „Sünde“ also auch nicht die Haltung der Menschen vor Gott, sondern bestimmte Taten, die vom Gesetz her bestraft werden.

Aber auch in der Kirche hat man über die Sünde immer wieder falsche Vorstellungen verbreitet. Man hat z. B. gesagt, es sei Sünde, in der Kirche zu lachen. Es sei Sünde, wenn man als Kind den Eltern widerspricht. Noch heute gibt es kirchliche Gemeinschaften, die z. B. das Tanzen verbieten. Und viele Leute denken, die Kirche wolle überhaupt alles verbieten, was Spaß macht.

Und manche Menschen nehmen sich diese vielen Verbote sehr zu Herzen. Vielleicht hat man ihnen, als sie noch Kinder waren, gesagt: Gott sieht alles, Gott straft die Sünde, es ist Sünde, wenn du nicht gehorchst, es ist Sünde, wenn du Widerworte gibst. Manche Eltern versuchen es sich leichtzumachen in der Erziehung, und sie drohen mit Strafen von Gott, wenn das Kind ihnen zu wild ist oder zu viel weint oder einfach nicht so ist, wie sie es gerne hätten. Und so kommt es vor, dass Menschen, die von ihren Eltern nicht geliebt wurden, sich allein schon dafür schuldig fühlen, dass sie überhaupt auf der Welt sind. Und sie sehen in Gott einen unbarmherzig strafenden Richter, dem man nicht zu nahe treten darf.

Was ist denn nun mit der Sünde? Die einen wollen gar nichts davon hören und sagen: Jeder Mensch macht Fehler, niemand ist perfekt, und die Kirche soll aufhören mit ihrem Reden von der Sünde. Andere sagen: Ja, wirklich, ich bin ein Sünder, niemand kann mir helfen, ich bin einfach böse, man muss mich strafen.

Aber wie gesagt – die Bibel meint etwas ganz anderes mit der Sünde. Hören wir, wie Paulus in seinem Brief davon redet. Wir haben diesen Text vorhin schon gehört. Paulus hatte früher auch gedacht, dass man das Gesetz nur möglichst gut einhalten müsse, dann würde man Gott recht sein und ihm gefallen. Er wollte kein Sünder sein, sondern vor Gott gut dastehen.

Aber in Wirklichkeit war er damals ein Sünder gewesen, ohne es zu wissen, „ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler“. Er war durchaus ein angesehener Mann gewesen, ein Pharisäer, ein treuer Anhänger des jüdischen Gesetzes. Damals hatte er noch nicht geahnt, dass er in Wirklichkeit ein Sünder war, er war ungläubig gewesen, ohne wirkliches Vertrauen zu Gott. Und deshalb hatte er fanatisch die Christen verfolgt, weil er gedacht hatte, sie beteten einen falschen Gott an. Er hatte gegen den Messias gekämpft, den diese Christen gepredigt hatten – einen gekreuzigten Messias, den konnte es in seinen Augen nicht geben. Was sollte das denn für ein von Gott gesandter Mann sein, der sich selbst töten ließ? Und so waren dem Paulus in seinem Kampf gegen die Christen alle Mittel recht geworden: er hatte ihnen verboten zu predigen, hatte sie einsperren lassen, er war sogar dabei gewesen, als der Diakon Stephanus durch Steinwürfe getötet wurde und hatte sich sogar darüber gefreut.

Paulus weiß also, wovon er redet, wenn er von der Sünde spricht. Er weiß: Ohne Vertrauen zu Gott verstrickt man sich in Sünde. Man will es gar nicht, man will sogar gerecht und gut sein, man will das Beste erreichen, man will sozusagen die Liebe Gottes erzwingen – und mit all der eigenen Anstrengung erreicht man das Gegenteil. Von sich aus, mit eigener Kraft, kann kein Mensch gut sein; so vollkommen in seinen Taten ist kein Mensch, um Gottes Anerkennung zu verdienen.

Aber Paulus begriff das erst, nachdem er buchstäblich in seinem berühmten Erlebnis vor Damaskus zu Boden geworfen wurde – wie in einem Anfall stürzte er vom Pferd, er sah ein Licht und hörte eine Stimme vom Himmel – und er wusste: Derselbe Jesus, den er so wütend verfolgte, liebte ihn trotzdem! Dieser Jesus wollte gerade ihn haben als Missionar, als Reiseprediger! Von da an wurde das Leben des Paulus von Grund auf anders. Er brauchte sich ja gar nicht mehr anstrengen, um Gottes Liebe zu verdienen – Gott schenkte ihm seine Liebe! Er musste nur lernen, für die Liebe Gottes offen zu werden wie für ein Geschenk von oben! Paulus erfuhr es am eigenen Leibe: Jesus nimmt die Sünder an!

Und dafür ist Paulus unendlich dankbar. „Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt“, schreibt er, „mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben“. Von Barmherzigkeit spricht Paulus; er hat diese mitfühlende Liebe von Gott her gespürt. Gott ist barmherzig mit ihm umgegangen; das heißt nicht: was Paulus vorher getan hatte, war alles nicht so schlimm; doch, das war es; aber Gott hat ihm alles vergeben, und Gott will, dass Paulus nun ein neues Leben anfängt.

Interessant ist, dass Paulus sich überhaupt nicht lange aufhält im Reden über die Sünde. Er steht dazu, was er getan hat, aber ihm ist viel wichtiger, was Jesus mit den Sündern tut: Jesus nämlich ist „in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.“ Die Sünde mag groß sein, das Gefühl, vor Gott mit leeren oder sogar beschmutzten Händen dazustehen – aber die Gnade Gottes ist größer. Er spricht uns frei. Wir mögen uns als Sünder fühlen – weit weg von Gott, ohne die Aussicht, es ihm jemals recht machen zu können – Gott nimmt uns trotzdem an, so wie wir sind, er hat uns lieb, wir dürfen ihm vertrauen. Das ist es, was Paulus meint, wenn er schreibt: Ich bin zwar ein Sünder, – „es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.“

Er, Paulus, hat es nicht nötig zu sagen: Nein, ich bin nicht so schlimm wie andere. Er nennt sich sogar den ersten der Sünder. Aber er tut das nicht, um niedergeschlagen und verzweifelt sozusagen in seinen Sünden zu wühlen. Er kann zugeben, dass nicht alles, was er getan hat, gut war, weil er es gewagt hat, auf Vergebung zu vertrauen.

Nur wer die Liebe Gottes, wer seine Barmherzigkeit an sich heranlassen kann, der kann auch damit fertigwerden, ein Sünder zu sein. Ja, Gott ist wirklich ein barmherziger Gott. An dem Menschen Jesus konnten es alle ablesen, die ihn erlebt haben. In der Bibel steht alles darüber aufgeschrieben, wie barmherzig Jesus mit den Menschen umgegangen ist.

Und Gott will das auch, dass man seine Barmherzigkeit annimmt. Er ist traurig, wenn wir zu bitter oder zu hart geworden sind und von seiner Liebe nichts wissen wollen. Er ist traurig, wenn wir zu stolz sind und denken, ich komme auch ohne Gottes Liebe und Vergebung aus. Ich bin so verdorben, Gott kann mir auch nicht helfen. Denn das stimmt nicht.

Der Abstand von uns zu Gott mag zwar unendlich groß sein, so dass wir ihn nicht überwinden können. Von Gott zu uns herüber ist es für Gott jedoch nur ein kleiner Schritt – er ist doch selbst der unendlich große Gott, dessen Liebe stärker ist als alle anderen Mächte, der Gott, den Paulus lobt und preist als den „ewigen König, den Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist“, ihm „sei Ehre und Preis in Ewigkeit!“

Paulus wirbt darum, auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen. Er stellt sich selbst als Beispiel und Vorbild hin – nicht indem er sagt, was er alles getan hat, sondern indem er darstellt, wieviel Geduld Christus mit ihm haben musste. „Darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren“, schreibt Paulus, „dass Christus Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.“

Was müssen wir denn tun, um das ewige Leben zu erringen? Tun können wir dazu eigentlich überhaupt nichts. Tun müssen wir also auch nichts. Es ist mehr ein Zulassen, ein Geschehenlassen, ein An-uns-heran-Lassen: Ewiges Leben wird uns geschenkt. Erfüllt wird unser Leben mit Gottes ewiger Liebe. Seine Hoffnung schlägt in uns Wurzeln. Das Vertrauen zu ihm lässt uns wirklich leben. Ohne Gott versinken wir in Angst und Sünde. Mit Gott dürfen wir ewig leben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Wir singen aus dem Lied 269 die Strophen 1 bis 3 und 8, ein Lied von Gottes Barmherzigkeit:

1) Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält; wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht.

2) Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt; es sind die offnen Liebesarme des, der sich zu dem Sünder neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht.

3) Wir sollen nicht verloren werden,Gott will,uns soll geholfen sein;deswegen kam der Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein, deswegen klopft er für und für so stark an unsers Herzens Tür.

8) Es gehe nur nach dessen Willen, bei dem so viel Erbarmen ist; er wolle selbst mein Herze stillen, damit es das nur nicht vergisst; so stehet es in Lieb und Leid in, durch und auf Barmherzigkeit.

Nun feiern wir – wie immer am ersten Sonntag des Monats – das heilige Abendmahl miteinander. Wer kommen will, mag gleich nach vorn kommen, wer nicht mitmachen will, mag auf seinem Platz bleiben. Christus spricht: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben!“

Bevor wir das Heilige Abendmahl miteinander feiern, frage ich nun Euch alle:

Da Ihr nun wisst, dass Jesus die Sünder annimmt, seid Ihr bereit, Euch ihm anzuvertrauen, mit Euren Fehlern, mit Eurer Sünde, mit der Schuld, die Ihr auf Euch geladen habt? Bittet Ihr um Vergebung für alles, was Euch von Gott trennt, so antwortet: Ja!

Gott hat Eure Bitte gehört. Und im Auftrag Jesu spreche ich Euch die Vergebung für alle Eure Sünde zu: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gott, schenke uns mit deinem Abendmahl die Gewissheit, dass du uns liebhast, dass du uns jeden Tag neu Vergebung schenkst, dass du uns festhältst, dass du uns niemals allein lassen wirst. Stärke uns für unsere Wege, die wir vor uns haben. Amen.

Einsetzungsworte und Abendmahl

Wir sagen Dank für Dein Wort, für Dein Mahl, für unsern gestillten Hunger und unsere gestillte Sehnsucht. Wir sagen Dank für alle Menschen, die uns lieb sind und die uns stützen auf unserem Weg. Wir sagen Dank für Jesus. Er ist das Brot, das den Hunger stillt und uns zum Leben Kraft gibt. Und Gott: wir bitten dich für alle Menschen, die verzweifelt sind – Menschen im Krieg, Menschen in Krankheit. Lass alle Menschen spüren, dass nur du sie retten kannst – aus aller Sünde heraus und in jeder Angst! Amen.

Alles, was uns heute bewegt, schließen wir im Gebet Jesu zusammen:

Vater unser

Zum Schluss singen wir noch einmal, was wir eben gebetet haben: das Vaterunser in Liedform. Wir haben es im Singkreis schon geübt – ich singe immer einen Teil vor, dann wird dieser Teil von allen wiederholt!

Und nun lasst uns mit Gottes Segen in den Sonntag und in die neue Woche gehen:

Der Herr segne euch und er behüte euch. Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. „Amen, Amen, Amen!“

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