„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe“

In einer Trauerfeier gehe ich darauf ein, was von unserem Leben bleibt, wenn wir gestorben sind. Nach dem Hohenlied der Liebe des Apostels Paulus gibt es nur drei Dinge, die bleiben: Glaube, Hoffnung und Liebe.

"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe": Kreuz, Herz und Anker als Symbol für Glaube, Liebe, Hoffnung

Symbole des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung (Bild: geralt – pixabay.com)

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Liebe Trauergemeinde, wir sind hier versammelt, um Herrn H. die letzte Ehre zu erweisen, der im Alter von [über 50] Jahren gestorben ist.

Wir denken gemeinsam an das Leben von Herrn H. Wir begleiten einander auf dem Weg des Abschieds. Wir besinnen uns auf Gott, von dem unser Leben herkommt und zu dem es im Tode zurückkehrt.

Mit Worten aus Psalm 102 sprechen wir ein Gebet für betrübte und belastete Menschen, die ihre Klage vor Gott ausschütten (Vers 29 in eigener Übertragung):

2 HERR, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen!

3 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald!

12 Meine Tage sind dahin wie ein Schatten, und ich verdorre wie Gras.

13 Du aber, HERR, bleibst ewiglich und dein Name für und für.

18 [Gott] wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.

20 Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, der HERR sieht vom Himmel auf die Erde,

21 dass er das Seufzen der Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes.

24 Er demütigt auf dem Wege meine Kraft, er verkürzt meine Tage.

25 Ich sage: Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen für und für.

26 Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk.

27 Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie werden alle veralten wie ein Gewand; wie ein Kleid wirst du sie wechseln, und sie werden verwandelt werden.

28 Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.

29 Kinder und Kindeskinder bleiben wohnen, und sie werden vor dir gedeihen.

Liebe Familie H., liebe Gemeinde,

obwohl wir alle sterben müssen, trifft es uns doch hart, wenn ein Mensch, den wir lieb hatten, der Sohn, der Ehemann, der Vater, der Bruder, der Verwandte, der Freund, der Nachbar und guter Bekannte, von uns genommen wird, zumal wenn es so plötzlich geschieht wie jetzt bei Herrn H. Niemand war darauf vorbereitet, dass er, der noch das Weihnachtsfest gefeiert hatte, das Neue Jahr nicht mehr erleben würde.

Was bleibt uns, wenn wir von ihm Abschied nehmen? Zunächst einmal sind da die Erinnerungen an den Verstorbenen, all die Begegnungen, die einen geprägt haben und im Gedächtnis bleiben; sie kann uns niemand nehmen.

Erinnerungen an den Verstorbenen

Was war Herr H. für ein Mensch? Zum Beispiel liebte er Musik, er war berühmt für seine Witze, nahm alles mit Humor oder mit Sarkasmus, wusste einen lustigen Spruch zu jeder Situation. Im Urlaub reiste er gern durch ganz Europa. Außerdem schlug sein Herz für den Fußball und besonders für seinen Verein.

Es gibt sicher noch vieles andere, was Ihnen in der Erinnerung an Herrn H. durch den Sinn geht; jede und jeder hat sein eigenes Bild von ihm und bewahrt es im Herzen auf.

Zwischen Weihnachten und Neujahr ist Herr H. ganz plötzlich gestorben. So schnell kann unser Leben vorbei sein. Und ich frage noch einmal: Was bleibt uns, wenn wir Abschied nehmen?

Es gibt beim Apostel Paulus einen Satz, der gibt genau darauf eine Antwort. Er steht in 1. Korinther 13, 13:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Unser Leben hier auf der Erde ist ja vergänglich; jeder wird geboren, jeder wird sterben, nur die Zahl der Lebensjahre ist unterschiedlich, und es gibt keine Regel, dass es immer nach der Reihenfolge der Generationen geht. Es tut besonders weh, wenn man als Mutter von einem Kind Abschied nehmen muss, und man fragt sich, warum Gott, der doch die Liebe ist, uns so eine Last der Trauer auferlegt. Aber darauf gibt es keine Antwort, außer dass die Jahre unseres Lebens in jedem Fall ein Geschenk sind und dass wir keinen Anspruch auf eine möglichst hohe Zahl von Jahren haben. Dass wir unser Leben nicht selbstverständlich haben und wie kostbar unser Leben ist, merken wir allerdings manchmal erst, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren.

Festhalten können wir unser Leben nicht für alle Zeit, niemand bleibt ewig auf der Erde am Leben, aber es gibt doch Dinge, die bleiben.

Paulus nennt an erster Stelle den Glauben, und damit meint er ein Gottvertrauen, mit dem wir uns in der ewigen Kraftquelle verankern, aus der unser Leben kommt und zu der es im Tode zurückkehrt. Gott ist unvergänglich, von ihm kommt alles her, aber ihn hat niemand geschaffen; wenn wir sterben, kehren wir zu ihm zurück, wie auch immer wir uns das vorstellen mögen. Einen Beweis dafür gibt es nicht; die Bibel stellt uns Bilder vor Augen, um in uns den Glauben zu stärken, dass unser Leben sinnvoll ist und dass wir im Tode nicht verloren gehen.

Darum spricht Paulus an zweiter Stelle auch von der Hoffnung. Sie ist ein Gegengewicht zu der Verzweiflung, die uns manchmal anfallen will, wenn wir daran denken, wie kurz unser Leben ist und wie viel Angst wir davor haben, dass alles sinnlos sein könnte. Wenn wir um einen Menschen trauern, den wir sehr geliebt haben, ist es ja zu manchen Zeiten so, als ob sich ein großes Loch auftut, in das wir hineinzufallen drohen, und dann brauchen wir Menschen, die uns Halt geben, oder eben auch die zuversichtliche Hoffnung auf Gott, der uns durch schwere Zeiten hindurchträgt und nicht fallen lässt.

Am größten und wichtigsten von allem, was bleibt, ist für Paulus die Liebe. Sie ist uns von Gott geschenkt, und sie verbindet uns mit den Menschen, die Gott uns anvertraut oder denen wir anvertraut sind. Ich sage immer, dass Menschen, die in ihrem Leben Liebe erfahren und verschenken konnten, auch in ihrem Tode nicht verloren gehen können, denn sie bleiben mit Gott verbunden, der die Liebe ist. Auf diesen Trost bauen und so den Weg der Trauer gehen zu können, das wünsche ich Ihnen und euch ganz besonders.

Wenn wir nun Herrn H. loslassen, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott ihn mit Ehren annimmt in seinem Himmel. Wie gesagt, dass sind bildhafte Worte; wie dieser Himmel aussieht, das weiß ich auch nicht; es ist jedenfalls nicht der Himmel über uns, der sich hinter Wolken und Sternen zwar unvorstellbar weit in alle Richtungen erstreckt, aber dennoch klein ist im Verhältnis zur Unendlichkeit des unsichtbaren Gottes.

Wir dürfen uns eigene Bilder machen vom Himmel, sei es vom Wiedersehen mit dem geliebten Verstorbenen in der Ewigkeit oder sei es, dass wir dort vollkommenere Freude erleben als hier auf Erden. Wer weiß, vielleicht hat der Engelchor im Himmel auch seine Lieblingssongs im Repertoire; ob es auch Fußball im Himmel gibt, weiß ich nicht zu sagen; ich könnte mir aber gut vorstellen, dass er seinem früh verstorbenen Vater dort begegnet. Auf jeden Fall können wir sagen: Herr H. bleibt in seinem Tode bei Gott gut aufgehoben, in der ewigen Liebe, im Frieden Gottes. Amen.

Gott, im Vertrauen auf dich, der du uns liebst, nehmen wir heute Abschied von Herrn H. Wir vertrauen ihn deiner Liebe an. Nimm ihn auf in deinem ewigen Reich und schenke ihm die Erfüllung all seiner Sehnsucht.

Wir sind dankbar für das, was uns mit seinem Leben geschenkt war, und auch für das, was wir ihm geben konnten. Um Vergebung bitten wir dich, wenn wir einander etwas schuldig geblieben sind.

Uns, die wir zurückbleiben, schenke die Kraft, um zu bewältigen, was uns belastet. Manchmal brauchen wir Mut dazu, um uns Gedanken und Gefühlen zu stellen, die tief in uns vergraben sind. Hilf uns, dass wir gemischte Gefühle zulassen. Begleite uns auf dem Weg der Trauer und hilf uns, unser eigenes Leben zu meistern. Hilf uns klarzukommen mit den Gedanken an den Tod und lass uns nicht vergessen, wie kostbar das uns geschenkte Leben ist. Mach uns bewusst, dass wir von dir geschaffen sind, um auf dieser Erde Liebe zu empfangen und zu geben. Amen.

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